Frage von treppensteiger, 41

Zahlenspiele als Ablenkung?

Wie kann ich (Oder kann man überhaupt) ein Kind, (in einer gewissen Form lernbehindert), welches gerade nicht so gut drauf ist, und oft mit Schlägen und zerren auf andere Kinder reagiert oder eher versucht zu interagieren, aber gern mit Zahlen von 1-100 hantiert und diese gern erkennt und benennt, vielleicht gerade mit so etwas, in diesen Momenten genügend ablenken?

Das Kind reagiert, nachdem es (festgehalten und dann wieder losgelassen) auf deutliche, ruhige Art angesprochen, weiterhin genauso emotional, indem es seine Handlungen sofort fortsetzt.

Das Kind weiß, nach eigener, erfragter Aussage, das schlagen (grundsätzlich) schmerzhaft ist.

sorry für den Satzbau...dafür sind es bloß drei. ;)

Oder ganz anders gefragt, wieso begeistert sich ein Kind so sehr für Zahlen? Geht es da um emotionale Sicherheit? Wenn ja, wie können einfache Zahlen, außer durch ihre Eindeutigkeit, in so einem Kind noch so eine große Rolle spielen? Sollte die emotionale Sicherheit nicht auch anders erreicht werden können? Er fragt auch gern mehrmals, wie alt jemand ist. Vielleicht kennt das ja jemand von sich selbst? (Ohne das streiten)

Antwort
von Spockyle, 24

Zuerst mal: Kinder sind für Erwachsene "komisch". Kinder reagieren anders und denken anders als wir Erwachsene, andersrum ist es aber genauso, das gleicht sich folglich aus.

Warum das Kind so Spaß an Zahlen hat, kann dir wohl keiner sagen, es ist halt so. Vielleicht mag es die klaren Strukturen, vielleicht mag es die Formen, vielleicht haben die Eltern viel mit Zahlen zu tun, vielleicht hat es eine Tapete/ein Mobile/... mit Zahlen. Du kannst es ja mal fragen. Warum Kinder mögen, was sie mögen, kann man nicht immer eindeutig sagen, es ist aber auch vollkommen zweitrangig, finde ich, in diesem Fall zumindest.

Wenn das Kind so großen Spaß an Zahlen hat, kannst du ja mal wirklich probieren, es mit Zahlen abzulenken. Irgendetwas zählen lassen, Malen nach Zahlen (da auch gerne größere Sachen, es gibt Malen nach Zahlen für Erwachsene) oder auch mit Wimmelbildern. Viele Kinder, die gerne mit Mathematik und Zahlen agieren haben auch eine gewisse Faszination für Wimmelbilder. Keine Ahnung warum.

Wegen dem Schlagen solltest du dich, wenn es mit Ablenken nicht klappt, mal mit einem Kinder- und Jugendpsychologen zusammensetzen und den fragen. Der kann dir, besonders wenn eine Lernbehunderung vorliegt, ein paar Tips geben, was man tun kann, ohne dem Kind gleich irgendwelche Hämmer zu geben. Auch Kindergärtner/Lehrer/Pädagogen/... können dir sicher ein paar Ratschläge geben :)

Kommentar von JaniXfX ,

Ich würde behaupten: Kinder denken genau so wie Erwachsene. Ihr Seelenleben ist kein anderes. Aber sie sind in ihren Auslebungen wesentlich ehrlicher als die Erwachsenen.

Antwort
von JaniXfX, 13

Hallo,

mich würde noch interessieren, welche Rolle/ welchen Bezug du zu dem Kind hast. Sonst ist es schwierig, hier einen Rat zu geben...

Kommentar von treppensteiger ,

Praktikant zu betreutem Kind. täglich wochentags 7h Kontaktmöglichkeit. Also von den 7h ist nur ein Teil ausschließlich  Zeit für dieses Kind.

Kommentar von JaniXfX ,

Ich hab schon rausgefunden: in einer Kita machst Du Praktikum. Was genau heißt nun betreutes Kind? Das Kind ist aus der Familie genommen und lebt in betreutem Wohnen? Oder das Kind bekommt in der Kita ein kleines Extraprogramm um Lerndefizite aufzuarbeiten? Wie alt bist Du, was ist das für ein Praktikum? Im Rahmen eines Studiums?

Kommentar von treppensteiger ,

sorry, ich überlege gerade, wie viel ich hier veröffentlichen darf. Ist zwar anonym, aber doch auch sehr spezifisch.

Ja, es ist ein Kindergarten, der in der Woche tagsüber offen ist, integratives, offenes Konzept. Das Praktikum ist für eine Erzieherausbildung.

Kommentar von JaniXfX ,

Was ich in ruhigem Moment besprechen würde: Wie geht es dem Kind genau, wenn es wütend wird. Also was geht in ihm vor, wieso greift es auf diese Methode zurück, hat es dann Mitleid, weiß es sich nicht zu verteidigen. Ich tippe stark auf Familiäre Ursachen.

Wenn es zu einer Situation kommt, in welcher Absehbar ist, dass das Kind wieder schlagen wird, sollte in DEM MOMENT eine Alternative aufgezeigt werden. So kann der Junge lernen: ich komme mit anderen Wegen an mein Ziel. Dabei reicht natürlich nicht nur ein mal zu zeigen wie es geht, sondern regelmäßig. 

Ich würde dabei auch auf paradoxe Intervention setzen: Paul, wenn Du den Max jetzt ganz dolle schlägst, dann wird er dir richtig gerne seine Süßigkeiten abgeben, weil er dich dann so sehr mag. (funktioniert nur dann, wenn der Paul nicht in seinem Elternhaus Liebe durch Schläge erfährt).

Kommentar von treppensteiger ,

Also ablenken kann man ihn durch kitzeln, allerdings weiß er nachher noch genau, dass er das nebenstehende Kind schlagen wollte, und macht weiter wie vorher.

Er versteht auch irgendwie nicht, dass er anderen Kindern weh tut, oder kann das nicht sagen, er ist isogar der Meinung, dass das gekniffene Kind nicht schreien dürfe... kneift, und regt sich auf, dass das andere Kind schreit. Selbst das eindeutige "au", erreicht ihn irgendwie nicht, obwohl er selbst genauso auf Schmerzen reagiert und weiß, was Schmerzen sind. Auf Anfrage, warum das andere Kind wohl au geschrien habe, schauen wir uns mind. 5sek lang an, und er kommt nicht drauf, bzw. sagt, das andere Kind darf nicht schreien. Auch ein Lieblingssatz, "Das war ich nicht" Selbst für Handlungen, die gerade erst, völlig offensichtlich geschehen sind.

Ich war schon am überlegen, ob ich das mal ernst nehme, und ihn mit einen anderen Namen anspreche oder so.

Irgendwie fühlt er sich absolut im Recht, zumindestens wirken seine Handlungen so. Und sie kommen, zumindestens für die betroffenen Kinder meist völlig unerwartet, manchmal fast wie im vorbeigehen.

Teilweise spielt er mit anderen Kindern, sich rumbalgen, wobei ihn die "härtere" Behandlung in diesem Rahmen, wenn es nicht ausartet, durchaus gefällt, und ne Weile funktionieren kann. Aber so richtig Verständnis bemerke ich nicht, es wirkt eher wie eine eigene Welt mit anderen Gesetzen.

Ja, er wirkt grundsätzlich schwächlich (leicht, dünn), das bemerkt er vielleicht auch deutlich.

Alternativen scheinen nicht möglich, es steckt irgendwie zu viel Bedeutung in der ganzen Sache; schlagen, Reaktion, der Kinder, Reaktion der Betreuer.

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