Frage von cupcake1007, 33

Zäsuren in Latein begründen?

Hey ihr... Ich schreibe übermorgen eine Arbeit in Latein... Und meine Frage ist nun wie ich die Zäsuren begründen kann für die ich mich entschieden habe... Kleine Nebeninfo... Wir werden sechs Zeilen aus Ovids ars amatoria bekommen... Ein Beispiel... Si quis in hoc artem populo non novit amandi,... In diesem Hexameter passt sowohl die Trithemimeres als auch die Penthemimeres und die Hephthemimeres... Es reicht auch wenn die anderen ausgeschlossen werden können... Schonmal vielen Dank für die Hilfe...

Expertenantwort
von Miraculix84, Community-Experte für Grammatik & Latein, 33

Si quis in hoc artem populo non novit amandi

=

- v v - - - v v - - - v v - -

= Wenn aber irgendjemand in diesem Volk die Kunst des Liebens nicht kennengelernt hat,...

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Eine Trithemimeres wäre hinter "hoc".

Eine Penhemimeres wäre hinter "artem".

Eine Hephthemimeres wäre hinter "populo".

Eine Bukolische Dihärese wäre hinter "non".

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=> Alle potentiellen Zäsuren liegen zwischen zwei Worten. Damit wären sie prinzipiell erstmal möglich. Eine Zäsur kann nie ein Wort teilen.

=> Ein Komma als Wink mit einem maximal großen Zaunpfahl existiert nicht. Also ist keine der 4 Zäsuren "bevorzugt".

=> hoc und populo gehören syntaktisch zusammen (KNG-Kongruenz). Eine Trithemimeres und eine Penthemimeres würden diese zusammengehörige Wortgruppe trennen. Deswegen fallen diese beiden Zäsuren weg.

=> Eine bukolische Dihärese liegt aus zwei Gründen eher nicht vor: Erster Grund (stark): "non" und "novit" gehört zusammen. Ein "non" verneint immer das Verb. Eine bukolische Dihärese würde diese beiden zusammengehörenden Worte trennen. Zweiter Grund (schwach): Der Inhalt dieses Verses ist nicht sonderlich bukolisch. (Bukolik = Hirtendichtung).

=> Es bleibt nur die Hephthemimeres übrig!

LG
MCX

Kommentar von Miraculix84 ,

PS: Man könnte jetzt allerdings einwenden, dass "artem" und "amandi" (= Die Kunst des Liebens) zusammengehört und dass eine Hephthemimeres diese beiden Worte trennen würde.

OK. Kann man nur schwer dagegenhalten, aber:

1) Die Worte stehen sehr weit auseinander. Da kann man dann im Zweifelsfall keine Rücksicht drauf nehmen.

2) Wenn ein Wort am Satzende steht, ist es häufig betont. Und hier ist das kein Zufall, dass in einem Werk mit dem Namen "ars amatoria" das "amandi" betont wird. => Ovid hat es bewusst an das Ende gestellt und dabei auch in Kauf genommen, dass es durch eine Zäsur von seinem Bezugswort abgeschnitten ist.

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Was ich dir dazu noch sagen will: Man kann das alles diskutieren. Es gibt sehr häufig mehrere potentielle Zäsuren und man kann nicht immer 100%ig sagen, welches nun DIE Zäsur ist.

=> Frag deinen Lehrer, ob er alle theoretisch möglichen Zäsuren genannt haben will oder nur die wahrscheinlichste / beste!

LG
MCX

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