Frage von IchDerJosef, 24

YOUTUBE: Wiedergabe von Videos ohne Copyrightvermerk im Privatbereich?

Hallo liebe Experten mit einer nicht ganz einfachen Frage ...

Ich spreche hier von 2 meiner Meinung nach US- Produzenten von Relaxvideos:

Relaxlaunge.tv und Purerelax.tv

Jede diese beiden Plattformen stellt seit Jahren regelmäßig neue, exzellente Clips ein, allerdings ohne Impressum, keinerlei Kontaktinfo oder ähnliches, um dort nach Genehmigung für folgendes fragen zu können:

  • alle klanguntermalten Videos eignen sich hervorragend für demenzkranke Bewohner von Senioren-/Pflegeheimen.
  • Deren Einsatz käme ausschließlich in den eigenen Zimmern zum Tragen, zu denen neben dem Pflegepersonal nur Angehörige Zugang haben.
  • Und in den hausinternen Aufenthalts-/Therapieräumen, die gleichsam für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sind.
  • Die meisten Videos dauern mehr als 1 Std., so dass Heimbewohner einem solch langen Zeitraum geistig nicht mehr folgen können. - Insofern würden Videodateien vom Originalzustand her kopiert, gekürzt und in ein anderes Format umgewandelt. (z.B. Wiedergabegerät per TV im eigenen Zimmer oder für Beamer im Therapieraum)

Einesteils ermöglichen die beiden Produzenten keine Kontaktaufnahme wg. Einver- ständniserklärung, ferner existieren weder Copyright- noch anderer Einschränkungsvermerk.

Zum anderen ist es nicht unvorstellbar, dass einem Mitarbeiter in solch einer Pflege- einrichtung gekündigt wurde, und dieser nach dem Ausscheiden aus der Firma diesen Einsatz von Film-/Tonmaterial meldet ... wo auch immer.

Gibt es hierfür "§§§" ???

Besten Dank für entsprechende Infos und

Viele Grüße,

Josef

Expertenantwort
von GerdausBerlin, Community-Experte für Urheberrecht, 10

UrhG § 53 Vervielfältigungen zum privaten und sonstigen eigenen Gebrauch:

"(1) Zulässig sind einzelne Vervielfältigungen eines Werkes durch eine natürliche Person zum privaten Gebrauch auf beliebigen Trägern, sofern sie weder unmittelbar noch mittelbar Erwerbszwecken dienen, soweit nicht zur Vervielfältigung eine offensichtlich rechtswidrig hergestellte oder öffentlich zugänglich gemachte Vorlage verwendet wird. (,,,)"

Soweit zum Kopieren eines fremden geschützten Werkes. Selbst wenn das Heim gemeinnützig ist, dient es Erwerbszwecken. Man müsste also so viele Kopien aus legalen Quellen kaufen, wie man benötigt. Kürzen darf man dann jede dieser Kopien,  so lange man das Ergebnis nicht "veröffentlicht oder verwertet"; siehe dazu UrhG § 23 Bearbeitungen und Umgestaltungen.

Nun zum Vorführen eines fremden geschützten Werkes:

"(3) Die Wiedergabe ist öffentlich, wenn sie für eine Mehrzahl von Mitgliedern der Öffentlichkeit bestimmt ist. Zur Öffentlichkeit gehört jeder, der nicht mit demjenigen, der das Werk verwertet, oder mit den anderen Personen, denen das Werk in unkörperlicher Form wahrnehmbar oder zugänglich gemacht wird, durch persönliche Beziehungen verbunden ist." (UrhG § 15 Absatz 3.)

Wenn eine Vorführung des Werkes also nur für Heiminsassen bestimmt ist, die zumindest alle gute Kumpels sind, dann sollte die Vorführung als nicht öffentlich gelten.

Gruß aus Berlin, Gerd

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