Frage von Cliche, 41

Warum verlaufen Revolutionen so langsam und manchmal sogar rückläufig?

In Ägypten haben viele geglaubt dass die Revolution mit Mubaraks Sturz geglueckt ist aber nun leiden sie wieder...

Meine Frage: Warum verlaufen Revolutionen im allgemeinen oder zB die franzoesische so langsam und oft sogar mit Zurückwerfungen?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von berkersheim, 11

Was eine Revolution ist, weiß man meist erst hinterher. Wer kann denn jetzt schon ermessen, was die Völkerwanderung nach Deutschland als Folgen bringt? Alles Spekulationen und Wunschbilder! Erst in 50 Jahren weiß man mehr. Die mit Spekulationen und ideologischen Wunschbildern überladenen deutschen Medien sind mit ihrem moralisch überladenen Idealismus keine gute Informationsquelle. Da wurden idealistische Multi-Kulti-Träume vorschnell auf Nordafrika übertragen und die "demokratische Revolution" gefeiert in Ländern, in denen nie eine demokratische Tradition entstanden war. Wie so oft wurden von 200 Quellen die 5 in die Ideologie passenden und eine unpassende (wegen der Neutralität) von den restlichen 195 präsentiert, um die eigene Ideologie mit Quellen angeblich zu untermauern. Da haben die USA, die den Ursprung der Wirren bereits Jahre vorher im Irak herbeigekriegt haben, schnell nochmal die Diktatoren, die nicht mit ihnen sondern mit den Russen kollaboriert haben, "hochgehen" lassen und alle unterstützt, die ihnen dabei behilflich waren, einschließlich den IS, und die Franzosen und Engländer haben fleißig mitgemischt, die Franzosen vor allem aus dem Wunschdenken, die Fehler ihrer eigenen Kolonialpolitik in Algerien gleich mitbeseitigen zu können.

Die Ursprünge dieser Revolten sind vielfältig. Ein Basisgrund ist einmal die Überjugendlichung und demgegenüber die mangelnden Perspektiven. Schon als ich in den 90er Jahren in Marokko in Urlaub war hat der Reiseleiter auf den hohen Bevölkerungsanteil der unter 25 jährigen hingewiesen. Das ist allerdings ein Phänomen aller Länder, die von Aufruhr geschüttelt sind und von wo jetzt die Menschen nach Deutschland strömen. Ein weiterer Grund ist die US-Weltmachtpolitik, die die Schwäche des zusammengebrochenen Sowjetsystem zu nutzen sucht, um sich eine bessere Position gegen China zu sichern. Ob in der Ukraine oder in Syrien, überall haben sie die Unruhen geschürt und jedweden gefördert, der die Machtpositionen der Moskautreuen Diktatoren beseitigen wollte. Dabei wird in unserer Presse z.B. verschwiegen, dass ein Baschar al-Assad in Syrien als Alawit ein wesentlich liberalerer Machthaber war als z.B. der König von Saudi Arabien. Die Christen, die sich anfangs gegen Saddam haben aufputschen lassen, haben das mit hohem Blutzoll bezahlt. Da wurde uns mit moralischen Lügen verkleistert, dass der Hauptgrund der Unterminierung seiner Regierung war, dass Assad es mit den Russen hält und der König von SaudiArabien mit den USA. Man muss wohl so alt werden wie ich, um zu kapieren, dass die USA mit jedem Lumpen kooperieren, wenn das ihrer Machtpolitik dient. Keine Illusionen: Russen und Chinesen sind da keinen Deut besser, doch sollte man bei dem ganzen moralisch übertünschten Schwindel sich selbst ein wenig Realismus bewahren.

Revolutionen sind Etiketten für tiefgreifende Umwälzungen und per se nichts besonders Gutes. Was dem IS im Irak und Syrien (mit Unterstützung der USA und von Saudi Arabien wie der Türkei) gelungen ist, ist eine Revolution, auch wenn sie eher in Richtung Steinzeit verweist. Es ist ein Irrtum, dass Revolutionen immer einen Fortschritt der Geschichte darstellen. Das ist eine der ideologischen Irrtümer des Marxismus, den Marx noch von Hegel geerbt hat, die Illusion, dass Geschichte auf ein positives Ziel, auf eine profane Erlösung gerichtet ist, nachdem man an die religiöse nicht mehr glaubt. Auch das Christentum hat zusammen mit der Völkerwanderung mit einer Revolution nach 400 n.Chr. das Abendland für über 1.000 Jahre ins "finstere Mittelalter" gestürzt. Erst 1.500 n.Chr. hat man sich wieder an wissenschaftliche Kenntnisse erinnert, die ein Archimedes bereits 260 v.Chr. in Syrakus kannte. Was die Aufspaltung der Welt bringt in Länder mit viel Unwissen aber vielen Kindern und Länder mit viel Wissen und Wohlstand und kaum noch Kindern und dann eine Durchmischung der einen durch die anderen, wer will das vorhersagen? Da die unbegrenzte Zunahme der Menschheit wahrscheinlich die größte Gefährdung der Erde darstellt, ist es verwunderlich, dass ausgerechnet Güne im Norden der Welt enger zusammenrücken wollen, damit noch mehr Kinderproduzenten aus südlichen Ländern im Norden Platz finden sollen. Die haben ihren Adorno nicht richtig gelesen: Die Aufklärung mit ihren tollen Ideen ist mit ihren kopflastigen Vernunftideen daran gescheitert, dass die Herzen der Massen nie erreicht hat. Wer jetzt glaubt, mit Vernunft in wenigen Jahren ein jahrelang gewachsenes Mittelalter in den Herzen vieler Menschen ausradieren zu können, könnte enttäuscht werden, weil seine Radiergummi die Seelen nicht erreichen. Hat man vergessen: Die Mörder des 11. September 2001 waren in ihren Herzen religiöse Fanatiker und im Kopf in Deutschland gut ausgebildete Intellektuelle und Ingenieure.

Antwort
von zalto, 41

Revolutionen sind, wörtlich genommen, Umwälzungen. Und da ist es wie das Umdrehen eines schweren Steines: Mal gelingt es und der Stein liegt so, wie man ihn langsam umgedreht hat. Mal rollt er in den Ausgangszustand zurück - oder er kippt um und liegt völlig anders als erwartet. Am Ende reißt er sogar noch weitere Steine mit. Oder der nächste beginnt, dran zu drehen.

Kommentar von Cliche ,

Das ist ja wirklich der perfekte Vergleich! Danke

Antwort
von voayager, 22

Die Französische Revolution verlief sogar im gestreckten Galopp, auch wenn in der Restaurationsphase wieder Vieles zurückgenommen wurde, bzw. aus der Hand geschlagen wurde.

In Ägypten gab es keine Revolution, sondern vielmehr "nur" eine Revolte. Revolten sind meist nur von recht kurzer Dauer.

Antwort
von Immofachwirt, 13

Das liegt in der Natur der Sache.

Nicht umsonst heißt es im Volksmund, dass die Revolution ihre Kinder frißt. Wenn man ein System Umstürzt (umwälzt), ist derjenige, der zunächst unten war oben und umgekehrt. Die Verhältnisse für die Bevölkerung ändern sich dadurch jedoch meißt nicht, sondern es wird nur ein Machthaber durch einen anderen ersetzt.

Und entgegen deiner Auffassung verlaufen Revolutionen ziemlich zügig ab, wenn man ihn mit einem kompletten Richtungswechsel in der Politik (ohne Revolution) vergleicht.

Antwort
von auchmama, 28

Weil keiner in die Zukunft blicken kann, viele aus Eigennutz handeln und auch nicht alle, die einen Krieg begonnen haben, auch als Sieger daraus hervorgegangen sind....

Antwort
von loewenherz2, 30

weil es unterschiedliche Interessen gibt

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community