Frage von sunrisec, 71

Wurden in der DDR alle Briefe kontrolliert oder nur bei einigen bestimmten Personen?

Wurden von der Staatssicherheit alle Briefe geöffnet oder nur von bestimmten Personen? Denn alle ist ja unmöglich. Nach welchen Kriterien wurde denn geöffnet? LG

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von 666Phoenix, 33

Nein, es wurden nicht alle Briefe kontrolliert, geschweige denn geöffnet. So viele Mitarbeiter hatte selbst die Stasi nicht!

Manche wurden geöffnet.

Dazu musste aber ein konkreter Verdacht vorliegen: Absender oder/und Adressat standen z. B. schon länger unter Stasi-Kontrolle, oder es waren Bürger mit kritischen Berufen (hochrangige Wissenschaftler, Politiker u. a.). 

Kommentar von 666Phoenix ,

Danke für den Stern!

Antwort
von gschyd, 34

Ich habe mich das auch schon gefagt ... - denn ich (Schweiz) hatte damals eine Brieffreundin in der DDR.

Deren Briefe waren eigentlich immer sehr, sehr gut zugeklebt (auch noch mit zusätzlichen Klebern) und dennoch liessen einige sich sehr, sehr leicht öffnen (halt so als ob sie schon mal geöffnet worden wären).

Wohlgemerkt wir waren zwei jugendliche Mädchen die sich über das Leben und was wie später machen wollten unterhielten
(sie wollte eigentlich was anderes werden aber das durfte sie vom Staat her nicht - irgendwas mit Lehrerin ...)

Von daher gehe ich davon aus, dass definitv mind. Stichproben durchgeführt wurden.

Antwort
von Lazarius, 22

Wer soll das heute wissen? Wer war dabei?

Ich kann mir vorstellen, dass Briefe an Personen ins westliche Ausland und auch von da kommende, schon kontrolliert wurden.
Bei Personen, die politisch negativ aufgefallen waren, war das bestimmt ebenso.

LG Lazarius.

Antwort
von beangato, 35

Nein, alle Briefe wurden nicht kontrolliert - höchstens die von Personen, die negativ aufgefallen sind.

Antwort
von matzevalentin, 11

Hier die richtige Antwort von einem ehemaligen MfS-Oberleutnant: Ja, alle Briefe wurden geöffnet, gelesen und die "operativ-bedeutsamen Inhalt" hatten, wurden kopiert und an die entsprechenden Dienststellen des MfS, z.B. die Kreisdienststellen in den Kreisstädten von der Abt. M (Postkontrolle) weitergeleitet. Unter der Devise: Dem Gegner keine Chance! Man kann doch nicht nur Stichproben machen und der feindliche Gegner freut sich. Die Totalkontrolle war natüprlich teuer und fraß auch menschliche Ressoucen.

Sie war clever, intellektuell und vor allem konnte sich diese Vollkontrolle niemand echt vorstellen - weder der gelernte gutgläubige DDR-Bürger , noch unser bayerisches Bäuerlein oder der westdeutsche Fischkopp. Deshalb galt das MfS auch als bester Geheimdienst der DDR.

Sollten zu einer Person mehrfach operativ-bedeutsame Informationen erarbeitet worden sein, dann hat ein zuständiger operativer Mitarbeiter in einer dieser Dienststellen diesen Knüllch dann unter M-Kontrolle gestellt, d.h., einen Antrag gestellt, das zielgerichtet alle Infos zu neuen Briefen direkt an ihn gingen.

Das MfS sollte vorbeugend tätig werden, also wurden dann erstmal Briefe gesammelt und ausgewertet. Wenn dann genügend "geeignetes" Material vorhanden war, wurde eine OPK oder ein OV eingeleitet und der Bürger zielgerichtet überwacht. Am Ende brachte man ihn von seinen feindlichen Handlungen ab oder Hans Wurst durfte in den Knast einziehen, nachdem ordentliche Gerichte der DDR ihn verurteilt hatten.

Politische Dummbatzies zahlten dann im Westen ordentlich Knete, um diese Ex-Knackis aus der Haft in der DDR freizukaufen.

Heute stehen diese Schellfische wieder an der Grenze und spielen den Gutmenschen gegenüber den Flüchtlingen, die ihm dann seine Hose stehlen und ihn dann mit nacktem Pöter zurücklassen.

Antwort
von Hoegaard, 38

Von Leuten, die sowieso schon unter Beobachtung standen, vielleicht auch stichprobenweise Briefe ins westliche Ausland.

Antwort
von soissesPDF, 23

Dazu waren es denn doch zuviele und die von der Stasi strunz zu faul.
Wenn gab es Anweisungen, welche Briefe für welchen Ort, welche Empfänger/Absender zu untersuchen seien.

Kommentar von 666Phoenix ,

die von der Stasi strunz zu faul.

Der Stasi-Kenner! Er pupst wiedermal!

Kommentar von soissesPDF ,

Sagte Dir bereits, ich diesen Pfeifen gegenüber, als die mich verhörten. Weiß schon deshalb was die mir vorhielten, wußten und vor allem so gar nicht wußten.

Deren eigene Blindfische bestätigten handschriftlich auf der Anweisung "Nachbarschaftsbefragung" ..."Täter im Umfeld nicht
bekannt".
Daraufhin wurde "Postüberwachung" angeordnet.

Bei dieser Gelegenheit sagte ich denen noch "...klappt die Akte zu, sonst überlege ich mir dieses ungastliche Land gen Westen zu verlassen."
Antwort: "...hier kommt jeder raus, sie nicht..."
8 Monate später ging die Reise in den Westen.

Die Überwachungsposten bei der Post nannten sich Stelle XII.
Die Anweisung war, die gesamte Westpost dieser zuzuleiten.
Hinter jeder Fichte haben die den Klassenfeind vermutet, diese Paranoiker.

Kommentar von 666Phoenix ,

Deren "Paranoia" bestand darin, solche Pupser wie Dich in die  Fahndung einzubeziehen.

Im "freiheitlich-demokratischen" Deutschland geht man das etwas vornehmer an:

"Die Überwachung des Postverkehrs wird in demokratischen Rechtsstaaten durch das Postgeheimnis verboten. Dennoch (! - Ist doch nicht möglich!!) bestehen auch dort unter engen Voraussetzungen Möglichkeiten der Postüberwachung.

In Deutschland, wo Art. 10 GG das Postgeheimnis schützt, regelt das Gesetz zur Beschränkung des Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnisses Ausnahmen (nein aber auch! - gibt es etwa "Ausnahmen"?) für die Nachrichtendienste der Bundesrepublik, also Bundesamt für Verfassungsschutz, Bundesnachrichtendienst und Militärischer Abschirmdienst. 

Über die Anwendung dieser Maßnahmen wacht die G 10-Kommission (Lachnummer: "Die G 10-Kommission verlangte, nachdem sie Kenntnis von diesen Vorgängen erhalten hatte, die Herausgabe der NSA-Selektorenlisten oder Einsichtnahme in diese, um eventuelle Verstöße gegen Art. 10 GG festzustellen. Dieses Ersuchen lehnten die Bundesregierung und der Chef des Bundeskanzleramtes in einer Sitzung der G 10-Kommission vom 18.06.2015 ab." - ist doch echte "Kontrolle"!)

.....
Auch bei Strafgefangenen ist eine Postüberwachung im Rahmen der Regeln des § 29 StVollzG möglich."

(Aus Wikipedia)

Außerdem sieht das heute so aus:

BND-Reform: Bundesregierung befürwortet großflächige Internetüberwachung...

Der US-amerikanische Whistleblower und ehemalige Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden enthüllte Anfang Juni 2013, wie die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich seit spätestens 2007 in großem Umfang die Telekommunikation und insbesondere das Internet global und verdachtsunabhängig überwachen....

Gigantische Bewachung bei Olympischen Spielen in Rio de Janeiro:

85.000 Polizisten und Soldaten im Einsatz. Geheimdienstexperten aus 100 Ländern arbeiten vor Ort zusammen....

Überwachung aus dem Weltraum: Europas Sicherheitsbehörden mit neuer „Datenautobahn“...

______________

Hinter jeder Fichte haben die den Klassenfeind vermutet,

Na gut! So viele Fichten gab es aber nun wieder nicht in der DDR :-)

"8 Monate später ging die Reise in den Westen."

So lange haben die das noch ausgehalten mit Dir??

Sagte Dir bereits, ich diesen Pfeifen gegenüber, als die mich verhörten. Weiß schon deshalb was die mir vorhielten, wußten und vor allem so gar nicht wußten.

???

Was hast Du Dir denn heute reingezogen? 

Kommentar von 666Phoenix ,

Fortsetzung: 

"Überwachungsstaat DDR-Postkontrolle in der Bundesrepublik

Dass Bürger bespitzelt wurden und weder Post noch Telekommunikation vor dem staatlichen Zugriff sicher waren, kennt man aus der DDR. Dass aber auch in der Bundesrepublik ähnliche Zustände herrschten, ist neu. Der Freiburger Historiker Josef Foschepoth behauptet genau das in seinem neuen Buch "Überwachtes Deutschland".

"Das war das am besten und am meisten überwachte Land in Europa, vielleicht auch weltweit", sagt Josef Foschepoth über die DDR. Im ehemaligen Bahnpostamt in Hamburg wurden jahrzehntelang Briefe und Pakete aus der DDR aufgerissen und durchsucht. "Die Post wurde hier vom Postbahnhof in den Aufzug im Mittelbau transportiert und von dort in den siebten Stock befördert", erinnert sich Carl-Henry Dahms, ehemaliger Beamter der Bundespost. "Das war ein Raum mit drei bis vier Postbeamten und einem Zollbeamten. Das fand an Tischen statt, die vor dem Fenster angeordnet waren."

(Aus http://www.3sat.de/page/?source=/kulturzeit/lesezeit/166156/index.html)

Hatte natürlich nichts zu tun mit Schnüffelei und Überwachung, schon gar nichts mit Verletzung des Postgeheimnis! 

Mach Dich ruhig weiter lächerlich (mehr ist eigentlich schon gar nicht möglich!)

Kommentar von soissesPDF ,

Was immer auch in der BRD geschah oder geschieht, dagegen steht jedem Bürger der Rechtsweg offen.
Das war in der DDR so nicht möglich.

Hier und jetzt muss niemand vor lauter Staatsgläubigkeit erstarren.
In der DDR wurde die per Parteidoktrin verlangt.

Wir leben nicht am Ende aller Zeiten, oder in der besten aller Welten.
Geschichte ist ein dynamischer Prozess.

Die DDR ging in den Orkus der Geschichte ein.

Kommentar von 666Phoenix ,

das mit dem "orkus" lese ich jetzt schon das 1000. mal von dir.

das ist eben das lustige an dir: du lebst von abgedroschenen banalitäten!

das mit dem "rechtsweg" habe ich erwartet (du bist sowas von vorhersehbar).

nimm einfach zu kenntnis, dass du & co. immer nur die Sache bemeckerst, nie aber die (scheinbare) möglichkeit, sich dagegen zu wehren.

und in der "Sache" habe ich dir gerade nachgewiesen, dass es heute noch viel ekliger zugeht!

"staatsgläubigkeit" - wenn ich das schon lese! mach du dich heutzutage mal offen über deinen arbeitgeber lustig. die meisten, die das taten, müssen nicht in den westen flüchten, werden aber zumeist auf dauer ins soziale aus geschossen, wo sie sich dann an ihrer "freiheit" mit hartz iv und 1-euro-jobs erfreuen dürfen.

Kommentar von soissesPDF ,

Dein letzter Absatz ist berechtigt.
Nur ist der Erfinder von HartzIV ausgerechnet die SPD.

Nun mach einmal die Augen auf:
Andrea Nahles (SPD), vorgebliche Linke und HartzIV Kritekerin, verschärfte die HartzIV Sanktionen mit einer Verfügung:
"...sozialwidriges Verhalten..."

Fällt fast nicht auf, oder?
Es waren die Nazis die den Begriff "asoziales Verhalten" erstmals in das Strafgesetzbuch aufnahmen.
Und es war die SED, die den §249 DDR-StGB einführte, wiederum jenes "asoziales Verhalten".

In der BRD wurden die Verurteilten nach § 249 DDR-StGB nur dann rehabilitiert, wenn sie ihre Arbeitsverweigerung in der DDR mit einer politischen Aussage begründeten.

Die DDR war nicht das Arbeiterparadies, sowenig wie das die BRD je gewesen ist.
Mit Einführung von HartzIV posaunte gar Franz Müntefering (SPD) heraus: "Es gibt keine Arbeiterklasse mehr."

" ... dass du & co. immer nur die Sache bemeckerst, nie aber die (scheinbare) möglichkeit, sich dagegen zu wehren."

Es ist nicht meine Aufgabe als Märrthyrer aufzutreten, für eine Sache die weder Mehrheiten hat, noch je ein loyale Partei.
Ihr hattet eure Chance und diese nachhaltig vergeigt.
Eure Opfer zu verraten wäre schlichter Verrat.

Geschichte ist ein dynamischer Prozess, nichts ist in Stein gemeißelt, nicht für Euch und nicht für Heutigen.

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