Frage von lonelytwin, 16

wurde ich so erzogen oder bin ich einfach von Natur aus ein Feigling und Ja-Sager?

Hallo, ich habe ziemliche Probleme in meinem Leben.

Ich habe eine Zwillingsbruder, mit dem ich mein ganzes Leben, also 36 Jahre lang, zusammen gelebt habe. Seitdem ich mich erinnern kann habe ich von meinen Eltern gehört, dass ich mit meinem Bruder zusammen sein soll. Sie haben uns immer alles zusammen machen lassen, ob Kindergarten, Schule, Sport, Uni usw. Das habe ich auch getan, bzw kamm es mir gar nicht in den Sinn, dass ich ein Recht auf mein eigenes Leben habe. Da mein Bruder immer stärker war als ich, konnte er immer sein Recht, zur Not auch mit Gewalt, durchsetzen. Also war er der Führende der die Außenkontakte pflegte und ich habe den Rücken frei gehalten. Ich habe, bis ich etwa 20-22 war, nie von mir als Person gesprochen, sondern immern von WIR. Ich hatte nie meinen eigenen Freundeskreis und ehrlich gesagt weiß ich auch nicht wie es geht Freundschaften zu haben und zu pflegen. Als ich mit mitte 20 anfing mir Gedanken darüber zu machen, waren wir, oder besser gesagt ich, so fest mit meinem Bruder "verwachsen", dass es mir unmöglich schien etwas zu Ändern. So was konnte ich auch meinen Eltern nicht antun. Ich war einfach der, der die Erwartngen anderer erfüllt hat. So wollte man es von mir. Und so, denke ich, wollte ich es auch, denn ich war und bin zu sehr auf die Meinung anderer, in diesem Fall meiner Eltern, angewiesen und wenn ich ein gutes gehorsames Kind war, wurde ich gelobt.

Mit Mädchen hatte ich immer Probleme. Ich habe nie gewußt, was von mir erwartet wird, wie ich mich benehmen muss. Ich konnte mich nie mit Mädchen unterhalten und mir war meine eigene sexualität sehr peinlich. Ich erinnere mich sehr gut an einen Freund meines Faters, der immer, wenn er bei uns zu Besuch war, gesagt hat, dass ich ein Schönling sei und ein Frauenheld aus mir wird (im Positiven Sinne). Meine Mutter meinte immer dazu, "Gott bewahre, was sagst du denn für Blödheiten". Unbewusst muss ich abgespeichert haben, dass es schlecht ist sich für Frauen zu Interessieren. Mein ganzes leben habe ich von allen möglichen Frauen gehört, dass Männer alle Böcke sind und nur das eine wollen. Und so wollte ich nicht sein, ob meiner Mutter zu liebe, oder weil ich einfach wieder nur die Erwartungen anderer erfüllen wollte, und habe mich dementsprechnd verhalten. Ich bin weggerannt. Ich wollte weibliche frendschaften, spürte aber, dass ich mehr möchte und das war ja "falsch".- "Gott bewahre" eben.

Dieses Jahr heiratete mein Bruder und ich musste unsere gemeinsame Wohnung verlassen. Eigentlich eine positive entwicklung. Endlich eigenes Leben, eigene Wohnung, eigene Freunde und Interessen.

Aber ich kann das alles nicht. Nichts macht mir alleine spaß. Ich habe viele Ideen, was ich unternehmen könnte, aber am Ende sitze ich zuhause und mach nichts. Ich kann keine Freundschaften knüpfen, ich habe Angst vor Frauen, bin ziemlich deprimiert und sehe meine Zukunft schwarz.

Entschuldigt für den langen Text. Aber ich musste mich einfach jemand anvertrauen.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Nashota, 9

Das liest sich eher wie eine Partnerschaft, als eine Geschwisterbeziehung, die du da mit deinem Bruder hattest. Und deine Mutter hat offensichtlich auch nicht verstanden, dass sie trotz Zwillingen zwei Kinder hat, die jeder für sich individuell sind.

In meinen Augen ein klarer Erziehungsfehler, Zwillingen immer alles zusammen aufzudrücken. Ganz nach dem Motto "Dein Bruder war gerade auf dem Klo, jetzt musst du auch gehen."

Eltern, die ihre Kinder nicht auf eigene Beine stellen, halten sie bewusst unselbstständig. Du bist nun das beste Beispiel dafür.

Allerdings bist du auch in einem Alter, wo du dich selbst im Genick packen kannst und das auch tun solltest.

Alleine wohnst du nun schon. Arbeiten gehst du sicher auch. Dann überlege dir, was dir Spaß machen könnte, Sport, Aktivitäten. Und dann mache sie auch.

"Schlag-mich-tot-Tipps" allgemein zum Beispiel Fitnesstempel, Sportvereine, Tanzschulen. Finde heraus, wo deine Stärken liegen und engagiere dich irgendwo.

Zur Not kannst du aber auch mal mit dem Hausarzt reden. Mitunter hilft dir auch eine ambulante Gesprächstherapie.

Antwort
von HalloRossi, 5

Du willst nicht loslassen. Ist klar, weil es dir Sicherheit gibt. Aber du musst. Auf jeden Fall brauchst du einen Therapeuten zum Reden. Auch wenn du denkst, es ist unnötig... ist es nicht, dass wirst du dann sehen. Und dann brauchst du eine Sportart. Du denkst nur, dir gefällt nichts. Das stimmt nicht. Du hast dich nur nie damit beschäftigt. Vielleicht brauchst du was besonderes, probiere mal Reitstunden, Yoga, Kitesurfen oder Montainbiken. Probiere es wenigstens ein paar Mal. Hätte mir jemand mal gesagt vor 8 Jahren ( da war ich Ende 30) das Mountainbiken was für mich ist, hätte ich den für verrückt erklärt. Bis ich in einem Preisrätsel ein richtig cooles 4000€ Teil gewann und es einfach mal probierte. Es war sensationell und hat mir Selbstvertrauen gegeben. Nur ein Beispiel. Aber zwinge dich dazu, einmal in der Woche etwas nachzugehen und es mindestens 5 mal auszuprobieren. Und gebe dir Aufgaben, zB irgendeine Frau auf der Arbeit zum Kaffee in der Mittagspause einzuladen.

Antwort
von Otilie1, 14

du bist weder ein feigling noch ein versager ! dein leben ist nur eingefahren und das musst du jetzt ändern. nur mut - das wird schon noch ......

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