wurde heute in der Bahn kontrolliert und hatte ein "falsches" Ticket, muss jetzt 20euro bezahlen. Meine Frage: zählt das auch als Schwarzfahren?

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4 Antworten

Hallo hanneskc,

Schwarzfahren als solches gibt es im deutschen Strafrecht nicht.

Das was umgangssprachlich als Schwarzfahren genannt wird, ist, wenn man den Straftatbestand des folgendes Gesetzes erfüllt:


§ 265a StGB - Erschleichen von Leistungen 

(1) Wer die Leistung eines Automaten oder eines öffentlichen Zwecken dienenden Telekommunikationsnetzes, die Beförderung durch ein Verkehrsmittel oder den Zutritt zu einer Veranstaltung oder einer Einrichtung in der Absicht erschleicht, das Entgelt nicht zu entrichten, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft, wenn die Tat nicht in anderen Vorschriften mit schwererer Strafe bedroht ist. 

(2) Der Versuch ist strafbar. 

(3) Die §§ 247 und 248a gelten entsprechend.


Wie Du dem von mir fett dargestellten Teil des § 265a StGB entnehmen kannst, muss kann man sich nur dann strafbar machen, wenn man die Absicht hat, den Fahrpreis nicht zu entrichten.

Man kann den Straftatbestand aber nicht fahrlässig begehen.

Wenn einer z.B. irrtümlich eine falsche Fahrkarte kauft und denkt er darf mit dieser Fahrkarte den Zug bzw. die Strecke befahren, liegt kein Erschleichen von Leistungen im Sinne des Strafgesetzbuches vor und man muss nur die Fahrpreisnacherhebung die in Deinem Fall 20,00 Euro  (meist aber mindestens zwischen 40 ~ 60 Euro) zahlen. In dem Fall ist das kein Fall für die Polizei.

Die meisten Fälle die den Straftatbestand des Erschleichens von Leistungen erfüllen sind die, wo ein Fahrgast in der Hoffnung nicht erwischt zu werden in das Verkehrsmittel einsteigt ohne im Besitz einer Fahrkarte zu sein.

Im Bezug auf Deine Frage gibt es aber auch oftmals Konstellationen,  die den folgenden Straftatbestand erfüllt:


§ 263 StGB - Betrug 

(1) Wer in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, das Vermögen eines anderen dadurch beschädigt, dass er durch Vorspiegelung falscher oder durch Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen einen Irrtum erregt oder unterhält, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. 

(2) Der Versuch ist strafbar.


Beispiele für den Betrug sind z.B:

  • Ein Jugendlicher kauft sich eine Kinderfahrkarte und gibt an, er sei noch ein Kind und dürfe dementsprechend mit der Kinderfahrkarte fahren
  • Jemand kauft sich ein ermäßigtes Ticket das nur in Verbindung mit der Bahncard gültig ist, legt dabei aber die Bahncard eines anderen vor und gibt vor der Karteninhaber zu sein
  • Jemand fährt mit dem Studententicket ohne Student zu sein und legt einen gefälschten Studentenausweis vor. In dem Fall liegt sogar noch zusätzlich eine Urkundenfälschung gem. § 267 StGB vor.

Also zu Deinen Fragen:

Muss ich nach dem 3. mal auch eine Anzeige erwarten?

Die Zeiten sind vorbei, wo die Bahn erst nach dem dritten mal einen Strafantrag / eine Strafanzeige stellt.

Nur wenn Du Dir ausversehlich ein falsches Ticket gekauft hast, erfolgt seitens der Bahn keine Meldung an die Polizei.

Hast Du den Straftatbestand

  • gem. § 263 StGB wegen Betrug oder
  • gem. § 265a StGB wegen Erschleichen von Leistungen oder
  • gem. § 267 StGB wegen Urkundefälschung

erfüllt, stellt die Bahn auch beim ersten Vergehen den Strafantrag / die Strafanzeige.

Und weiss jemand, ob sowas verjährt?

Erschleichen von Leistungen verjährt nach 3 Jahren und Betrug wie Urkundenfälschung verjährt erst nach 5 Jahren.

Schöne Grüße
TheGrow

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Hallo :-)

Rechtlich gesehen hast du ein Erschleichen von Leistungen gem. § 265a StGB begangen. Die Verjährung ist in den §§ 78 - 78c StGB geregelt. Da § 265a StGB eine Freiheitsstrafe unter 1 Jahr vorsieht, verjährt diese Tat nach 3 Jahren.

Ob du nach dem 3. Mal eine Anzeige erwarten kannst, kann ich dir nicht sagen, denn diese kannst du jederzeit erwarten. Hör einfach auf, ohne gültigen Fahrschein die Fahrt anzutreten und bezahl' den Fahrpreis wie die meisten anderen ehrlichen Bürger- und Bürgerinnen!

Alles Gute .. :-)

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Kommentar von huste
13.11.2015, 17:23

Die Schilderung klingt anders und das Gegenteil wird nur schwer zu beweisen sein. Siehe Antwort von TheCrow. Beim nächstenmal sieht es schon anders aus: Wie will man erklären, dass man beim zweiten mal immernoch nicht wusste, dass die Karte nicht gilt? - Da ist man dann schon beim Betrug.

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"Schwarzfahren" also rechtlich Erschleichen von Leistungen oder Betrug kann bereits bei der ersten Tat angezeigt werden. Die Entscheidung liegt ausschließlich beim Verkehrsunternehmen und falls involviert der Polizei.

Warum nur 20,- und nicht 60,-?

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Was ist ein "falsches" Ticket?

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Kommentar von hanneskc
11.11.2015, 12:06

z.B. Kurzstrecke gekauft, aber im Nahbereich gefahren

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