Frage von ari1985, 92

Wurde Deutschland zum Gastarbeiter Abkommen mit der Türkei 1961 durch die USA gedrängt?

Antwort
von Geraldianer, 44

Dies wird von konservativer und rechtsextremer Seite immer wieder so betont. Sie berufen sich dabei auf eine Untersuchung von Heike Knortz.

Diese Untersuchung wird aber von den meisten Wirtschaftshistorikern kritisch betrachtet.

http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2008-2-184.pdf

Tatsächlich sind die tatsächlichen Zusammenhänge wie meist bei solchen Pauschalaussagen eben komplizierter.

Faktisch hatten wir damals nur etwas mehr als 100.000 Arbeitslose, von denen die meisten wohl kaum arbeitsfähig waren, da gleichzeitig etwa 400.000 Stellen nicht besetzt werden konnten. Obwohl es ja bereits Verträge mit anderen Ländern wie Italien, Spanien, Griechenland und Jugoslawien gab.


Kommentar von Hegemon ,

Hier sollte man genau hinsehen.

Die Frage war, ob die USA zum Anwerbeabkommen mit der Türkei gedrängt hat. Und das ist eindeutig zu bejahen. Die Türkei spielte und spielt eine entscheidende Rolle als strategischer Partner an der Südflanke der Sowjetunion/Rußlands. (Man denke nur an die Stationierung der Jupiter-Raketen, in deren Folge es zur Kubakrise kam.) Aus diesem Grund drängte die USA das AA zum Abkommen. Die Türkische Regierung machte ebenfalls Druck - aus wirtschaftlichen und demografischen Gründen. Das ist alles hinreichend bekannt und belegt, und in diesem Punkt vertritt Frau Knortz keineswegs eine Minderheitenmeinung.

Siehe hier die Abschnitte "Außenpolitische Motive" und "Verlauf und Folgen":

https://de.wikipedia.org/wiki/Anwerbeabkommen\_zwischen\_der\_Bundesrepublik\_De...

Was hingegen merkwürdig ist, ist ihre Auffassung (soweit man der Rezension glauben darf), daß sämtliche Anwerbeabkommen - also auch die mit Italien, Griechenland, Spanien und Portugal vom AA ausgegangen sein sollen und hier ausschließlich außenpolitische Erwägungen und nicht wirtschaftliche eine Rolle gespielt hätten. Das ist m.M.n. natürlich höchst unglaubwürdig. Und folgerichtig hat auch der Rezensent ein Problem mit dieser Darstellung.


Kommentar von Geraldianer ,

Naja - Wikipedia ist jetzt nicht gerade eine verlässliche Quelle.

Aus diesem Grund drängte die USA das AA zum Abkommen.

Das halte ich jetzt einfach mal für reine Verschwörungswichtelei. Tatsächlich hat, unabhängig von der Kritik an ihrer Sichtweise, Frau Knortz nie etwas von amerikanischer Einfluss geschrieben. Und auch natürlich auch nicht belegt. 😷

Hier findet man eine Kurzfassung der Position von Frau Knortz selbst, da kann sich jeder selbst überzeugen, dass Wiki vielleicht nicht immer die richtige Quelle ist (S.13-36):

http://t1p.de/hp27

Kommentar von Hegemon ,

Es steht Dir frei, die beim Wikipedia genannten Quellen zu prüfen.

Zudem dürfte es schwierig werden, zu erklären, warum man Gastarbeiter ausgerechnet aus Asien holen mußte, wenn man sie auch aus Europa haben konnte.

"Frau Knortz nie etwas von amerikanischer Einfluss geschrieben..."

Deswegen ist es auch verwunderlich, daß Du ausgerechnet mit dem Hinweis auf ihre Publikation die Frage zu beantworten versuchst.

Kommentar von Geraldianer ,

Es steht Dir frei, die beim Wikipedia genannten Quellen zu prüfen.

Frau Knortz ist die Quelle von Wikipedia. Wenn Du schon meine Beiträge nicht liest könntest du vielleicht zukünftig wenigstens Deine eigenen Links lesen.

Und komme jetzt bitte nicht mit diesem Herrn Luft. Den kenne ich zufällig persönlich ...

Kommentar von Hegemon ,

Oooooh. Er mag den Luft nicht. Gab's Hänseleien im Sandkasten? Wie furchtbar.

Kommentar von Hegemon ,

Selbst die Bundeszentrale für Politische Bildung BPB (eine Behörde im Geschäftsbereich des Bundesteriums des Innern BMI) läßt in ihren Arbeitsblättern für den Schulunterricht verlautbaren (Seite 4, Arbeitsblatt 02):

"1960 Druck der USA und der NATO [...] auf die deutsche Bundesregierung zur Vereinbarung eines Anwerbeabkommens mit der Türkei.
Ziel: Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage in der Türkei und Verhinderung des Ausscherens der Türkei aus der NATO."


http://goo.gl/S8T5vD

Angesichts dessen ist es verwunderlich, daß dieses simple geschichtliche Basiswissen immer noch nicht bei allen Zeitgenossen angekommen ist.

Kommentar von Hegemon ,

Es heißt natürlich "Bundesministerium". Ich bitte vielmals um Verzeihung.

Kommentar von Geraldianer ,

Sind die von Dir verlinkten Arbeitsblätter eigentlich für die Grundschule oder für die Hauptschule?

Kommentar von Hegemon ,

Ich nehme zur Kenntnis, daß Du Dich mangels Argumenten gezungen siehst, vom Thema abzulenken.

Wenn man im Hause der Bundesregierung der Auffassung ist, daß die USA Druck auf die Bundesregierung ausgeübt haben, dann darf man das der Bundesregierung ruhig mal glauben.

Es ist tragisch, daß es trotz Einführung der Schulpflicht vor fast 300 Jahren nicht gelang, dieses Schulwissen der Jahrgangsstufen 5-7 allen Mitbürgen zu vermittelt. Daß aber der Verfolgungswahn mancher Zeitgenossen sogar so weit geht, dahinter Verschwörungen und Rechtsextremisten zu vermuten, entbehrt nicht einer gewissen Komik.

Antwort
von Hegemon, 39

Eindeutig: ja. Es ging u.a. um militärisch-geostrategische Interessen der NATO. Arbeitskräfte hätte man auch aus dem christlich-europäischen Kulturkreis rekrutieren können. Wollte man eigentlich auch.

Hier erfährst Du die Hintergründe:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/integration/gastarbeiter-die-kuns...

Kommentar von Maxieu ,

Danke für den Link.

Dieselben Interessen der NATO haben übrigens im Zypern-Konflikt seit den 50-er Jahren zu einer Parteinahme der Anglo-Amerikaner für die türkische Seite geführt und somit den panturkischen Irredentismus gefördert, der die aktuelle Politik der türkischen Regierung weiterhin antreibt und der deren aggressive  Politik in Klein- und Mittelasien leitet.

Antwort
von Jewi14, 59

Ein klares Nein. Durch die Wirtschaftswunderjahre gab es Arbeitskräftemangel und durch Anwerbeabkommen mit div. Länder sollte dies behoben werden

Antwort
von baindl, 46

Nein.

http://www.bpb.de/themen/IEX7W3

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