Frage von ThomasJNewton, 178

Wurde das Volt verbogen, damit eine Wattsekunde einem Joule entspricht?

Hallo werte MItexperten!

Wer mich kennt, wundert sich vielleicht, sollte aber nicht daran zweifeln, dass ich mehrfach versucht habe, es selbst rauszufinden. Nach den 5. Mal gehen mir aber die Suchbegriffe aus.

Es ist schon verwunderlich, dass J und Ws gleich sind. Ersteres ist ja kg*m²/s², letzteres VAs.

Und alle "Grundeinheiten" wurden definiert, als man die Zusammenhänge noch nicht wirklich durchschaut hat. Selbst https://de.wikipedia.org/wiki/Volt#Historische_Definition sagt nur, dass das Volt irgendwann mal um knapp 2 % "abgewertet" wurde.

Ich vermute, dass dies deshalb geschah, damit J und Ws gleich sind. Habe das aber noch nie bestätigt gefunden.

Also frohes Osterrätseln, oder hoffentlich eine schnelle klare Antwort.

սoʇʍəN әɯoɹәԸ sɐաօч⊥

Expertenantwort
von SlowPhil, Community-Experte für Physik, 60

Selbstverständlich meinte ich in meiner ersten Antwort, dass ich den von Dir verlinkten Text anders verstanden habe als dahingehend, das Volt sei als die vom Weston-Normalelement gelieferte Spannung definiert gewesen.

Den Kommentar und die Wertung fasse ich dahingehend auf, ich hätte ihn Deiner Meinung nach somit nicht verstanden, Punkt.

Also schauen wir doch mal am besten nach, was da überhaupt steht:

Früher wurde die Definition von einem Volt von dem Weston-Normalelement abgeleitet. Dieses Element liefert bei einer Temperatur von 20 °C eine elektrische Spannung von genau UN = 1,01865 V.

Der Text ist interpretierbar. Du hast ihn so aufgefasst wie oben skizziert. Allerdings ist dies nicht die einzige Interpretationsmöglichkeit, denn "von etwas ableiten" muss gerade nicht heißen, dass genau diese Spannung als 1V angesehen wurde, sondern nur, dass diese Spannung ihrer Reproduzierbarkeit wegen als Referenzspannung diente.

Das wiederum heißt, dass das Volt als diese Spannung mal einem bestimmten Faktor definiert war, in dem Fall eben einer, der nahe an 1 liegt, was natürlich zu oben skizzierter Interpretation verleitet. Allerdings hatte zuvor das Clark-Normalelement als Referenz gedient. Das liefert 1,4382V, und dementsprechend ist die damalige Definition der Spannung 1V wie folgt angegeben:

The international volt was defined in 1893 as 1/1.434 of the emf of a Clark cell.

(https://en.wikipedia.org/wiki/Volt#History) Über die Definition über das Weston-Normalelement steht dort:

Prior to the development of the Josephson junction voltage standard, the
volt was maintained in national laboratories using specially constructed
batteries called standard cells. The United States used a design called the Weston cell from 1905 to 1972.

Das heißt, dass diese Definition ein nationaler US-Standard war. Das heißt aber nicht, dass man den Weston-Faktor "geschlabbert", d.h. gleich 1 gesetzt hätte. Unter https://de.wikipedia.org/wiki/Clark-Normalelement steht noch

Das Clark-Normalelement weist einige Nachteile wie einen vergleichsweise großen Temperaturkoeffizienten von −1,15 mV/°C und Korrosionsprobleme
im Bereich der Anschlussdrähte mit dem Zink-Amalgam auf. Das
Clark-Normalelement wurde in der Folge von dem temperaturstabileren Weston-Normalelement abgelöst.

Der Vorteil des Weston-Elements gegenüber dem Clark-Element lag also offensichtlich in seiner größeren Zuverlässigkeit und nicht in der größeren Nähe der von ihm erzeugten Spannung zum Wert 1V.

Kommentar von ThomasJNewton ,

Ich bin immer noch nicht ganz schlau aus den Antworten geworden.
Neben vielem, was ich nicht nur schon wusste, sondern teils selbst vorher verlinkt hatte, bleibt nur die Aussicht auf Gleichungen, die ich nicht in einem Tag verstehe:
https://de.wikipedia.org/wiki/CGS-Einheitensystem#CGS-Einheiten_der_Elektrodynam...

Ich bin halt eher der hartnäckige als der schnelle Typ. Wenn ich schon 5mal danach gesucht habe, dann ist das so.
Klar, solche Ausreden kommen hier 50mal täglich. Und dass du mir nicht glaubst, ist nur zu verständlich.

Der Daumen Runter war etwas aus Frust. Ich weiß ja als einziger sicher, dass er von mir kam. Ich gebe es zu und bin nicht stolz d'rauf. Ich hoffe, du verzeihst mir das.

Kommentar von SlowPhil ,

Ich habe nicht gesagt, ich glaubte Dir nicht. Ich habe lediglich die Textstelle anders interpretiert. Allerdings hast Du Recht damit, dass es wünschenswert wäre, die vom Weston-Normalelement Gebrauch machende Definition des Volts wäre im Wortlaut verfügbar. Den Daumenrunter habe ich Dir nicht wirklich übel genommen, fand aber schon, dass ich dazu etwas sagen sollte.

Expertenantwort
von PWolff, Community-Experte für Physik, 75

Es stimmt, im Internet findet man erstaunlich schwierig etwas zu den Geschichten der Definitionen von Volt und Ampere (die ja über 1 VA = 1 W zusammenhängen).

Die Einheitsladung hatte man zunächst so definiert, dass im Coulomb-Gesetz die Zahlenkonstante eine möglichst einfache Form hat, 1 bzw. 1/(4π) hat.

(Daraus folgt die heute übliche Definition mit Kräften zwischen stromdurchflossenen Leitern.)

Die älteste Definition des Volt, die ich gefunden habe, ist die über die (Leerlauf)spannung einer bestimmten galvanischen Zelle. Eine galvanische Zelle hat man genommen, weil die sich leicht reproduzieren lässt, und die Zelle wurde wahrscheinlich so gewählt, dass das Voltampere möglichst nahe am Watt, äquivalent das Voltcoulomb am Joule lag. Einen beliebigen Wert kann man mit galvanischen Zellen nicht erzeugen, da es nur begrenzt viele Materialkombinationen für die Elektroden gibt.

Vermutlich hat man auch in diesem Zusammenhang das Coulomb definiert, genauer: die Größenordnung des Wertes, so dass man eine galvanische Zelle für eine Spannungseinheit in der Größenordnung 1 nehmen konnte. Das SI war zu dieser Zeit vermutlich schon eingeführt oder zumindest so stark in der Diskussion, dass man Einheiten in Hinblick auf dieses System definierte.

Expertenantwort
von Franz1957, Community-Experte für Physik, 41

Die englische Wikipedia gibt hierüber, wie so oft, etwas detailliertere Auskunft als die deutsche. 

https://en.wikipedia.org/wiki/Volt#History

Bevor man die Clark-Zelle als Referenzspannungsquelle vereinbarte, wurde demnach das Volt definiert durch die Leistung von 1 Watt bei einem Strom von 1 Ampere. Gleichzeitig soll das Volt als das 10-hoch-8-fache der Spannungseinheit des cgs-Systems verstanden worden sein...

Kommentar von Franz1957 ,

...was allerdings etwas komplizierter ist, als es hier klingt. Im GCS-System gibt es mehr als eine Spannungseinheit. Gemeint ist wohl die Einheit abV:

https://en.wikipedia.org/wiki/Abvolt

In die Definition der anderen Spannunseinheit statV fließt auch auch die Lichtgeschwindigkeit mit ein. 1 ststV = 299,792... Volt.

Kommentar von Franz1957 ,

Wirklich zufriedenstellend finde ich das noch nicht. Daß das Watt
1882 als Einheit der Leistung eingeführt wurde, findet man leicht heraus, aber nicht, welche Meßvorschrift dieser Vereinbarung zugrunde lag.

Kommentar von ThomasJNewton ,

Ich bin ja des Englischen durchaus mächtig, auch wenn es mich manchmal mächtig in die Ohnmacht treibt.

Aber ein Zentimeter-Gramm-Sekunde-System, wo schon das Kilogramm als Grundeinheit schon fragwürdig, aber anerkannt ist, und wo der Durschschnittami in Zoll, Fuss, Meilen und Fahrenheit misst und blubbert.
Das lehne ich ab. Sollen die Deppen doch in Dummheit sterben, und vorher ihre Atomwaffen selbst schlucken.

Nur weil etwas in der englischsprachigen Wikipedia existiert, heißt es nicht, dass es Hand und Fuß hat.
Dein Link wurde von dir ja nicht zu ersten Mal genannt.

Kommentar von Franz1957 ,

Deiner Aversion gegen das atombewaffnete Deppentum kann ich nur von ganzem Herzen zustimmen. Zum Zentimeter-Gramm-Sekunde-System oder den imperial units sehe ich allerdings keinen Zusammenhang, nicht einmal eine Scheinkorrelation.

Einstein beispielsweise hat im CGS-System gerechnet, und nicht erst, nachdem er in die USA emigriert war, oder nachdem Szilard, Wigner und Teller ihn überredet hatten, ihren verhängnisvollen Brief an Roosevelt zu unterschreiben, sondern weil man als Physiker 1905 eben so rechnete.

https://de.wikibooks.org/wiki/A.\_Einstein:\_Kommentare\_und\_Erl%C3%A4uterungen...

Über die durchschnittsamerikanische Alltagskultur schließlich mag man denken, was man will: Die Längeneinheit Fuß ist unbestreitbar die einzige, die halbwegs Hand und Fuß hat.

Antwort
von weckmannu, 22

Bei Wiki wird nicht berichtet, daß das Volt "abgewertet" wurde, sondern dass 1883 eine bestimmte chemische Naßzelle als Referenz dienen solle - die Clarkzelle - deren Spannung auf 1,42... Volt festgelegt wurde. Die Definition dafür, was 1 Volt sein soll, war bereits im cgs -System durch Bezug von W und Joule vorhanden.

Es liegt ein Mißverständnis vor über den Begriff 'Referenzzelle'. Die Festlegung 1911 der Weston-Zelle auf 1,018 V bedeutet keine "Abwertung", Die bereits existierende Einheit wurde lediglich mit der wesentlich stabileren Spannung der neuen Zelle verglichen, die praktischerweise einen Wert dicht bei der bereits definierten Einheit Volt hat.

Das cgs-System ist nicht 'abartig', sondern galt in deutschen Universitäten noch bis 1971. In meinen Lehrbüchern über Atomphysik anfangs der 60er Jahre oder in der Radio Technik war es noch Standard. So wurden Kondensatoren statt in Picofarad in 'centimeter' nach cgs gemessen.

Antwort
von gh7401, 23

Bis in die 60-er Jahre benutzte man das Weston-Normalelement, um eine Referenzspannung vor Ort zur Verfügung zu haben. Man kann nicht für jede Messung nach Paris fahren, um dort die internationalen Normale zu benutzen. Mit der Festlegung des Ampere durch die Kraftwirkung eines stromdurchflossenen Leiters wurde man von der Bauart des Normalelementes unabhängig. Diese Normalelemente wurden überall auf der Welt bereitgehalten und öfters miteinander verglichen. Man musste, je genauer die Messmöglichkeiten wurden, stets neue "Volt" definieren. V(inter) mit irgendwelchen Jahreszahlen. Das war selbstverständlich sehr unbefriedigend. Inzwischen kann man den gebrochenen quanten-Hall Effekt verwenden. Heute hat man die Lichtgeschwindigkeit definiert. Das heisst, man gibt ihr einen bestimmten Zahlenwert in m / s. Dadurch sind dann Meter und Sekunde definiert, wenn man eins von beiden festlegt. Gegenwärtig wird versucht, das kg über das Mol und die isotopenreine Si-Kugel festzulegen. Ich bin aber seit 25 Jahren aus dem Geschäft. Verfolge die Sachen nicht aktuell.

Expertenantwort
von SlowPhil, Community-Experte für Physik, 46

Das Volt ist als J/C=J/As definiert. Es ist eine kohärente Maßeinheit respektive Teil eines kohärenten Einheitensystems, in dem ein Minimalsatz aus Basisgrößen und -einheiten auszureichen hat, um alle anderen direkt aus ihnen herzuleiten. Wäre das Volt einst als etwas zu groß definiert gewesen, sodass auch 1VAs>1J gewesen wäre, und wäre die Definition dann geändert worden, so wäre das keine Verbiegung, sondern bloß eine Korrektur gewesen.

Ich habe den Text aber gar nicht so verstanden, dass das Volt als genau die vom Weston-Normalelement erzeugte Spannung definiert gewesen wäre, sondern derart, dass das Weston-Normalelement zur Eichung verwendet worden sei, weil es relativ zuverlässig und wenig temperaturabhängig eine standardisierbare Spannung erzeugt. Dass dies nur knapp 2 Prozent über der Einheit Volt selbst liegt, scheint mir Zufall zu sein, ein etwas unglücklicher dazu, weil dies zum  - wie ich meine - Missverständnis geführt hat.

Kommentar von ThomasJNewton ,

Ich habe den Text aber gar nicht so verstanden

Jau

Kommentar von SlowPhil ,

Ich habe den Text nicht nicht verstanden, sondern anders verstanden als dahingehend, die Weston-Spannung habe früher als 1V gegolten.

Vor Kurzem habe ich zu der Sache eine zweite Antwort geschrieben, die ich mit Zitaten aus den Wikipedia-Artikeln zu dem Thema belegt habe. Diese Zitate scheinen mir eine Interpretation zu stützen, die auch schon von anderen Antwortern vorgebracht wurden, etwa @TomRichter:

Nein, Wikipedia sagt nur, dass man als Referenzzelle das Weston-Element  genommen hat. Aber nicht, dass dessen Spannung als 1V genommen wurde.

Mag sein, dass Du dahingehend anderer Meinung bist; wir müssen uns ja nicht einig sein. Gewertet werden sollte meines Erachtens in  einer Diskussion Sachlichkeit und die Bereitschaft, zu argumentieren und seine Auffassung auch zu begründen, nicht die passgenaue Übereinstimmung mit der Auffassung eines Anderen.
Dementsprechend neige ich dann, wenn ich mit einer Antwort oder einem Kommentar nicht übereinstimme, nicht dazu, diese(n) deswegen gleich negativ zu werten, es sei denn, sie/er macht den Eindruck, dass auf eine vernünftige und diskutable Begründung bewusst verzichtet wurde, etwa zugunsten von Polemik, wie sie beispielsweise GdRT gern vorbringen.

Expertenantwort
von TomRichter, Community-Experte für Physik, 66

Nein, Wikipedia sagt nur, dass man als Referenzzelle das Weston-Element genommen hat. Aber nicht, dass dessen Spannung als 1V genommen wurde.

Auch das zuvor verwendete Clark-Element wurde nicht als 1V definiert, sondern als 1,434V. Meines Wissens schon damals im Bemühen, das Volt dergestalt zu definieren, dass 1 V = 1 W / 1  A sein solle. Nur dass man damals noch mit cgs-Einheiten gearbeitet hat:

https://en.wikipedia.org/wiki/Volt#History

Abweichungen von der heutigen Definition ja - aber nciht in der Größenordnung 2%, eher 0,2%.

Kommentar von ThomasJNewton ,

In meinem Link sind das aber knapp 2 %. Das kannst du nicht wegdiskutieren. Oder ich habe das Rechnen komplett verlernt.

Und wenn du da zig % ins Spiel bringst, mag das historisch richtig sein, ist aber keine Antwort.
Auch in der englischsprachigen Wikipedia sehe ich keinen Hinweis. Und so schlecht ist mein Englisch nicht, auch wenn ich die Sprache zunehmend weniger mag. In dem Maße, wie ich andere Sprachen kenne.

Was und wen ich schätze, das sollte klar sein.
In diesem Fall reicht mir aber "im Bemühen" nicht, es wurde ja mal entschieden.
Wer hat das wann entschieden?
Das ist meine Frage.

Kommentar von TomRichter ,

Ist das mit den 2% denn so schwer zu verstehen?

Man hat nicht gesagt, das Weston-Element hat 1,000V.

Man hat gesagt, das Weston-Element ist wunderhübsch, das nehmen wir als Referenz und erklären dessen Spannung zu 1,018V. Übrigens nicht als Definition, sondern als in jedem Physiklabor reproduzierbare Referenz.

Die Definition und auch, wer das definiert hatte, steht sehr wohl in dem von mir verlinkten Abschnitt: "In the 1880s, the International Electrical Congress, now the International Electrotechnical Commission (IEC), approved the volt as the unit for electromotive force. They made the volt equal to 10^8 cgs units of voltage,"

Der Faktor 10^8 war willkürlich - hätten die damals 10^6 oder 10^9 gewählt, hätten wir heute einen Umrechnungsfaktor von 10 oder 100 zwischen V*A und W.

Dass es aber 1,00 und nicht 0,99 oder 1,01 ist, liegt daran, dass bereits im cgs-System die elektrische Spannung von der Arbeit abgeleitet ist, und dass der Umrechnungsfaktor ins MKS-System die Lichtgeschwindigkeit ist, welche auch damals schon auf deutlich mehr als 2 Stellen bekannt war.

https://de.wikipedia.org/wiki/CGS-Einheitensystem#CGS-Einheiten\_der\_Elektrodyn...

Kommentar von ThomasJNewton ,

Die knapp 2 % zu berechnen bereiten mit keine Schwierigkeiten, das wissen wir alle.
Da will ich auch keine Widerworte hören, dass das 0,2 % sind.

Und die 1880erJahre erwähnst du jetzt zum ersten Mal. Ich hab ja nach dem wann, wer, wieso und überhaupt gefragt. Eine "hübsche" Referenz brauche ich nicht.

Das cgs ist keine Einheit, sondern, sondern ein abartiges Einheitensystem.

Trotz allem, dein letzter Link wird es wohl gewesen sein, die Antwort auf meine Frage. Zumindest bis Pfingsten, oder Weihnachten, das Jahr bleibt offen.

Gibt einen Weihnachtsstern, wenn die Zeit reif ist.

Antwort
von atoemlein, 19

Man kommt wohl nicht darum herum, das Volt heute als abgeleitete Einheit zu verstehen. Wie so einige andere auch, die historisch anders zustande kamen.

Somit ist die Antwort auf deine Frage: JA.


Expertenantwort
von Franz1957, Community-Experte für Physik, 32

Hier wird die Geschichte der Einheit Volt, wie ich meine, genau genug beschrieben, um Deine Ausgangsfrage zu verneinen.

https://sizes.com/units/volt.htm

Der Betrag des internationalen V wurde so gewählt, daß er mit dem Faktor 10 hoch 8 zur Spannungseinheit des CGS-Systems kompatibel ist. Um eine praxistaugliche Referenzspannungsquelle zu haben, wurde definiert, daß das Clark-Element 1,434 V hat.

Kommentar von Franz1957 ,

Daß J und Ws gleich sind, kommt schlicht daher, daß J und W alle beide in einem Aufwasch unter Bezug auf das erg definiert worden sind. Auch hierbei wollte man also einen numerisch glatten Anschluß an das CGS-System haben. 1 J = 10^7 erg, und 1 W = 10^7 erg/s.

https://sizes.com/units/watt.htm

Kommentar von Franz1957 ,

Daß ein Joule nun in mechanischen Einheiten (kg*m²/s²) das Gleiche ist wie in elektrischen Einheiten (VAs), kommt daher, daß auch die
elektrischen SI-Einheiten aus denen des CGS-Systems abgeleitet sind, die wiederum grundsätzlich unter Bezug auf mechanische "Grund"-Größen definiert worden sind. Die dahinter stehende Auffassung war, "absolute" Einheiten zu haben. So haben Gauß und Weber elektromagnetische Größen in mechanischen Einheiten ausgedrückt. An diesem an der Mechanik ausgerichteten Größenverständnis wurde auch, als man die modernen Einheiten festlegte, festgehalten.

Two different methods of establishing a system of electrical units can be chosen. Various artifacts, such as a length of wire or a standard electrochemical cell, could be specified as producing defined quantities for resistance, voltage, and so on. Alternatively, the electrical units can be related to the mechanical units by defining, for example, a unit of current that gives a specified force between two wires, or a unit of charge that gives a unit of force between two unit charges. This latter method ensures coherence with the units of energy.

[...]

The absolute-units system related magnetic and electrostatic
quantities to metric base units of mass, time, and length. These units had the great advantage of simplifying the equations used in the solution of electromagnetic problems, and eliminated conversion factors in calculations about electrical quantities. However, the CGS units turned out to have impractical sizes for practical measurements.

https://en.wikipedia.org/wiki/Ohm#History

Antwort
von newcomer, 65

damals vor unendlich langer Zeit konnten noch keine so genauen Messgeräte hergestellt werden da entsprechend genaue Reverenzspannung fehlte und die Geräte durch Spule und Zeiger ziemliche Streuung hatten

Kommentar von weckmannu ,

100 Jahre sind nicht unendlich lang, und die alten Physiker waren gescheiter als ein 'newcomer' sich vorstellen kann. Die Referenzspannung der Clark-Zelle wurde schon 1883 mit 3 Stellen hinter dem Komma gemessen.

Antwort
von Geograph, 59
Kommentar von ThomasJNewton ,

Ja toll, den einen Link hatte ich auch schon gebracht, der andere beantwortet nicht meine Frage.

Kommentar von Geograph ,

Entschuldige, aber den Link hattest Du ja schon gefunden.

Ich verstehe es so, daß zunächst die Spannung des Weston-Normalelementes als 1 Volt definiert war.

Im Laufe der Geschichte des Internationalen Einheitensystems ( https://de.wikipedia.org/wiki/Internationales_Einheitensystem#Geschichte) mußte das Volt tatsächlich "abgewertet" werden, damit es als abgeleitete SI-Einheit kohärent (mit dem Faktor 1) über die Basiseinheiten (https://de.wikipedia.org/wiki/Internationales_Einheitensystem#SI-Basiseinheiten) definiert werden kann.

Kommentar von Geograph ,

Ich korrigiere mich:

Da das Clark-Element erst 1874 und das Weston-Element erst 1893 erfunden wurden, habe ich zur Definition des Voltes vor dieser Zeit nichts aussagekräftiges gefunden  :-(

Kommentar von ThomasJNewton ,

Im ersten Link gibt es 13 Punkte, und über Basiseinheiten musst du mich nicht schlau machen. Das mach ich selbst, wenn ich es brauche.

Ich suche ein Hinweis oder Beleg! Verstehen und Gurgeln kann ich selbst.
Es gibt sicher Menschen, die das wissen. Vielleicht auch Menschen, die das lehren.
Feynman ist ja wohl inzwischen tot. Für mich wird er unsterblich sein, solange ich lebe. Weil er Menschen abholt, bevor er die Führung beginnt.

Dass er gerade dich trifft, mein Starrsinn, ist wohl eher Zufall, und geht jedenfalls nicht gegen dich. Im Gegenteil, dein Name ist mir in guter Erinnerung.
Es geht gegen die "man nehme" oder "es seien". "Man nehme" 4 Mathematiker, und sperre sie in einen Raum. Dann "sein es", dass 1 wieder reingehen muss, wenn zuvor 5 rausgingen, damit der Raum leer ist.

Also sorry, ich kann mich nicht immer beherrschen.

Kommentar von TomRichter ,

> Ich suche ein Hinweis oder Beleg!

Hinweise liefert die englische Wikipedia. Belege für Dinge aus dem 19. Jahrhundert finden sich nur selten im Netz, dafür wirst Du Dich vielleicht sogar in die nächstgelegene Uni-Bibliothek begeben müssen. Die

https://de.wikipedia.org/wiki/Annalen_der_Physik

(obendrein ohne das ungeliebte Englisch) sind zumindest teilweise bei google books erfasst.

Antwort
von gh7401, 25

Das Volt ist heutzutage eine abgeleitete SI-Einheit. Man braucht also nichts "verbiegen".

Kommentar von gh7401 ,

Bis in die 60-er Jahre benutzte man das Weston-Normalelement, um eine Referenzspannung vor Ort zur Verfügung zu haben. Man kann nicht für jede Messung nach Paris fahren, um dort die internationalen Normale zu benutzen. Mit der Festlegung des Ampere durch die Kraftwirkung eines stromdurchflossenen Leiters wurde man von der Bauart des Normalelementes unabhängig. Diese Normalelemente wurden überall auf der Welt bereitgehalten und öfters miteinander verglichen. Man musste, je genauer die Messmöglichkeiten wurden, stets neue "Volt" definieren. V(inter) mit irgendwelchen Jahreszahlen. Das war selbstverständlich sehr unbefriedigend. Inzwischen kann man den gebrochnen quanten-Hall Effekt verwenden. Heute hat man die Lichtgeschwindigkeit definiert. Das heisst, man gibt ihr einen bestimmten Zahlenwert in m / s. Dadurch sind dann Meter und Sekunde definiert, wenn man eins von beiden festlegt. Gegenwärtig wird versucht, das kg über das Mol und die isotopenreine Si-Kugel festzulegen. Ich bin aber seit 25 Jahren aus dem Geschäft. Verfolge die Sachen nicht aktuell.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community