Würdet ihr euch auf eine Religion einlassen, um bessere Berufschancen zu haben?

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19 Antworten

Ich habe selber bei einem christlichen Träger gearbeitet (und arbeite jetzt bei einem anderen) und habe viele agnostische Kollegen, einige auch ohne Kirchenmitgliedschaft (grade sind es 4 in einem Team von 30 im ganzen Haus). Das gab nie Probleme, im Gegenteil, so kamen in den Pausen gute Gespräche zu Stande.

Wir haben nur einmal jemanden abgelehnt, der atheistisch/agnostisch unterwegs war, weil diese Person sehr abfällig unterwegs war. Eine Bewohnerin bei uns begrüßte den Menschen mit "Ah, ein neues Gesicht! Grüß Sie Gott!" und derjenige antwortete mit "Ja, wenn ich ihn seh, den Sch*kerl!" Als die Bitte eines Bewohners aufkam, vor dem Essen zu beten, gab es abfälliges Lachen, Augenrollen und Tellergeklapper.

Wenn du allerdings jeden einfach machen lässt, denke ich, gibt es kein Problem :) Friedliches Nebeneinader und alles ist gut :)

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Sozialer Bereich ist nicht gleich sozialer Bereich. Es gibt viele soziale Berufe, in denen man konfessionslos arbeiten kann, in der Altenpflege, in der Psychotherapie, in der Flüchtlingshilfe, in der Jugendarbeit, als Sozialfürsorger usw.
Auch in vielen kirchlich getragenen Institutionen. In Seelsorgeinstitutionen usw.

Nein, ich würde mich keiner Religion anschließen, nur um bessere Jobchancen zu haben, das ist auch nicht Sinn der Sache und käme für mich einer Prostitution gleich. Toleranz ist hier das Stichwort.

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Hallo.
Für die Arbeitgeber ist es nichts verbotenes darauf zu achten, ob jemand religiös ist oder nicht. Gerade wie du schon sagst, gibt es viele soziale "Gewerkschaften" die von der Kirche unterstützt werden.
Wenn dich das stört, musst du dich einfach woanders umschauen. Es gibt genügend andere Arbeitgeber die da keinen Wert drauf legen. An deiner stelle würde ich mich aber nicht für einen Job in dieser Größe verändern.

LG Larainheaven

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Ich habe selbst die Erfahrung gemacht, dass man als Buddhist gute Jobchancen hat. Wenn du jedoch nur wegen der (deutlich) besseren Berufsaussichten einer Religion beitreten würdest, wäre de wahre Sinn einer Religion doch nicht erfüllt...

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Ich verstehe hier die Gesetzgebung in Deutschland sowieso nicht (bin keine Deutsche). Sollte gemäss Grundgesetz nicht eine Benachteiligung wegen seiner Religion ausgeschlossen sein? Wie ist es dann möglich, dass es massive Berufseinschränkungen in Bereichen gibt, die NICHTS mit Verbreitung der Religion zu tun haben und noch dazu öffentliche Aufgaben erfüllen? Die Trägerschaft sollte sich doch nur auf die Verwaltung beschränken. Ob ein Krankenhaus in staatlicher oder kirchlicher Trägerschaft ist, hat doch keinen Einfluss auf die Arbeit des Chirurgen oder der Krankenschwester.

Ist das nicht verfassungswidrige Diskriminierung Nichtgläubiger? Was soll dieser Zwang zur Heuchelei?

Kann mir das jemand erklären?

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Kommentar von wolfruprecht
25.04.2016, 10:08

Ich kann hier nur für die Kath. Kirche schreiben.

Die öffentlichen Aufgaben, die die Kirche als Träger übernimmt, werden von ihr auch mit etwa 10-20 % bezuschusst, der Rest refinanziert. Die Kirche selbst sieht auch das christlich-soziale Engagement als eine Form der Verbreitung ihrer Religion. Somit muss auch "drin sein, was außen drauf steht". Es ist ja gerade interessant, dass die Kirche fast immer an ihrem sozialen Engagement gemessen wird und nicht an ihrer Lehrverkündigung. Glaubensverbreitung geht eben nicht nur über den Kopf (Verstand), sondern auch über den erfahrbaren Teil im alltäglichen Miteinander.

Im Allgemeinen ist die Anstellungspraxis der Kath. Kirche bezüglich der religiösen Orientierung ohnehin eher sehr liberal. Nur wenn sich jemand aus der Katholischen Kirche durch Austritt verabschiedet hat, gibt es ernsthafte Schwierigkeiten, sonst eher kaum und müsste schon außergewöhnlich absonderlich sein.

Natürlich könnte der Staat auch diese öffentlichen Aufgaben selbst übernehmen, kostet ihn allerdings die 10-20% mehr, die die Kirche aus ihren eigenen Mittel drauflegt. Die bisher gängige Praxis ist halt eine Win-Win-Situation für Staat und Kirche.

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Wie kommst du darauf, dass die meisten Träger kirchlich sind? Das stimmt nicht! Ich kenne zig Einrichtungen mit städtischem Träger. Dass du in kirchlichen Einrichtungen nicht angenommen wirst, ist klar. Du kannst und willst schließlich nicht deren Werte weitergeben. Frage bei städtischen/gemeindlichen Trägern an.

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Kommentar von Zicke52
24.04.2016, 22:42

"Dass du in kirchlichen Einrichtungen nicht angenommen wirst, ist klar"

Wieso? Es geht hier doch nicht um kirchliche, sondern um soziale Berufe.

Dass man nicht Priester oder Nonne werden kann, wenn man der entsprechenden Religion nicht angehört, ist klar. Sogar bei Religionslehrern kann ich noch verstehen, dass man auf Zugehörigkeit zur der zu unterrichtenden Religion besteht. 

Aber was haben soziale Berufe damit zu tun? Deren Zweck ist doch nicht die Verbreitung der Religion.

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Ich bin grade in einer sozialen Ausbildung und haben grade ein Praktikum in einem Betrieb mit christlichen Träger absolviert. Da die Kollegen, Klienten und Chefs dort sehr begeistert von mir waren und ich in dieser Einrichtung nach der Ausbildung definitiv Chancen hätte, übernommen zu werden, wäre ich auch bereit dazu, mich ihrer Religion anzuschließen. Wenn man dort fest eingestellt werden möchte, muss man sich taufen lassen - auch dazu wäre ich bereit. Weil mir diese Einrichtung und der Beruf sehr gefällt und sie verlangen das nun mal. Das bedeutet ja nicht, dass ich jeden Tag in die Kirche gehen oder auch zu Hause beten muss. Man muss eben nur ein gewisses Grundlagenwissen mitbringen, da die Leute dort vor dem Essen und einmal wöchentlich in der Andachtsstunde beten - mehr ist es nicht. Damit habe ich keine Probleme. :) Mehrere Kollegen haben sich für diesen Beruf taufen lassen und meine Schwester auch, obwohl keiner von ihnen den Glauben vertritt.

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Kommentar von Zicke52
25.04.2016, 11:51

Ich verstehe ja, dass du den Kompromiss eingehst, um deinen Traumjob zu bekommen. Aber findest du es nicht schäbig von deinem Arbeitgeber, dich zur Heuchelei zu zwingen? Es ist ihm schliesslich egal, was du wirklich glaubst, das kann er ohnehin nicht feststellen. Aber er will, dass du vorgibst zu glauben. Wirklich Gläubige würden dich nicht zur Taufe zwingen, denn sie betrachten Taufe als Sakrament und seinen Missbrauch zu profanen Zwecken als Frevel. Deine Arbeitgeber sind also Frevler gemäss den Lehren ihrer Religion.

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Ich würde das unter gar keinen Umständen machen, weil ich eine Religion "nicht mit mir vereinbaren kann", auch wenn sie nur auf dem Papier steht

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Kommentar von DerRiesenFisch
24.04.2016, 16:43

So sehe ich das persönlich auch

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Wenn es nicht auf die Religion drauf ankommt, empfehle ich das fliegende Spaghettimonster. 

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Warum das so ist, kann ich nicht beantworten.

Was ich aber sagen kann: Bin selbst Atheist und könnte mich nie irgendeiner Glaubensrichtung anschliessen.

Ich kenne eine Person, die wegen der Arbeit der Kirche beigetreten ist.

Doch muss man im sozialen Bereich nicht zwingend zur Kirche gehören. Meine Freundin arbeitet da und sie ist nicht gläubig.

Du musst Dich wo bewerben, wo Kirchenzugehörigkeit nicht nötig ist.


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Das kann ein Betrieb grundsätzlich selbst entscheiden. "Ein zunehmendes Problem" ist völlig übertrieben. Die wenigsten Betriebe handhaben das derart. Nein, würde ich nicht. Ich würde meine Konfession auch nicht für eine Arbeit ablegen. Du wirst auch so eine Stelle finden. 

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Kommentar von DerRiesenFisch
24.04.2016, 16:43

Bei uns in der Umgebung ist das tatsächlich schwierig geworden. Ich lebe in einer katholischen Gemeinde.

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Das ist eine schwierige Angelegenheit.

Ich weiß ja nicht, um welche Berufe es genau geht. Ich kann mir nur vorstellen, dass man davor Angst hat, dass z.B.alte Leute oft der Vergangenheit anhängen. Selsbt bei Demenz erinnern sie sich dann vielleicht an Dinge aus ihrer Kindeheit oder Jugend. Das Vaterunser vielleicht. Oder bestimmte Kirchenlieder. Und dann kann ein junger Mensch, der selbst keinen Glauben hat, da nicht "mitreden".

Das ist aber nur eine abstruse Theorie von mir :-)

Zurück zur eigentlichen Frage: Ich würde keinesfalls einen Glauben oder eine Religion vortäuschen, hinter der ich nicht stehe. Dadurch würde ich meine gesamte Karriere auf einer Lüge aufbauen. Das kann auf Dauer nicht gut gehen und belastet mich nur selbst.

Allerdings muss ich auch dazu sagen, dass ich nicht in deiner Lage bin.

Eine Anmerkung hätte ich noch: Der Ton macht die Musik. Ich kenne deine Leute nicht, aber es ist natürlich ein dramatischer Unterschied, ob ich sage "Ich glaube nicht an Feen und Märchenbücher - wer das tut, hat in meinen Augen einen Dachschaden", oder ob ich sage "Ich selbst glaube nicht, bin aber gläubigen Menschen gegenüber offen eingestellt".

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Kommentar von Zicke52
25.04.2016, 11:41

Also ich denke, es ist selbstverständlich, von einem Mitarbeiter zu verlangen, dass er seine ideelle Gesinnung im Beruf zurückhält, sei es bzgl. Religion, Politik, oder anderweitig. Kein vernünftiger Mensch wird seine Kunden oder Patienten mit "Religiöse haben einen Dachschaden" oder "nur Kommunisten haben Verstand" konfrontieren, selbst wenn er diese Meinungen im Privatleben vertritt. Dazu muss man aber keine Kirchenmitgliedschaft und kein Parteibuch verlangen.

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Es ist in sozialen Berufen wie in jedem anderen Beruf auch so, dass man eine Leidenschaft für seinen Beruf entwickeln muss, um wirklich darin aufzugehen. Wenn man etwas nur so als Job macht, um irgendwie Geld zu verdienen, dann kann das in Frust ausarten. Ob jemand mit Herz und Seele dabei ist oder nur so Dienst nach Vorschrift macht, das erkennen auch Führungskräfte. Und dann wird es schwierig mit Festanstellung und Praktikantenplatz.

Aber wo soll denn die Leidenschaft und Lust am sozialen Beruf herkommen, wenn ein Mensch kein Fundament und dann möglicherweise auch kein richtiges Interesse an Nächsten hat. Ein Mensch, der mit Gott nicht versöhnt, der kann auch keine richtige tiefen Beziehungen zu anderen Menschen aufbauen, ja noch nicht einmal zu seiner Umwelt. Da helfen natürlich auch alle Religionen nichts. Religionen sind sind allesamt nur als bypass-Lösung an Gott vorbei zu sehen.

Jemand der im sozialen Bereich tätig werden will, muss bestimmte Fähigkeiten haben, wie zum Beispiel die Fähigkeit des Zuhörens, der Ertragens, allen voran der Nächstenlieben. Das alles ohne enge Beziehung zu Gott hinzubekommen, ist so gut wie unmöglich.

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Kommentar von DerRiesenFisch
24.04.2016, 18:10

Alles klar. Also bin ich ein schlechter Mensch, weil ich nicht glaube, dass irgendein imaginärer Typ die Welt mit haufenweise Zauberkraft erschaffen hat? Wenn du mir Adresse und Telefonnummer von Gott nennst, und ich ihn wahrhaftig kennenlerne, dann überdenke ich meine Aussage vielleicht nochmal.

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Kommentar von Zicke52
24.04.2016, 20:01

WiIl soll sich ein Nichtgläubiger mit Gott versöhnen, wenn er gar nicht an ihn glaubt? Aus dem gleichen Grund kann er auch nicht mit ihm zerstritten sein.

Abgesehen davon, dass es völlig lächerlich ist, einem Nichtgläubigen soziale Fähigkeiten abzusprechen - die betroffenen Arbeitgeber in diesem Bereich verlangen ja keine 'Beziehung zu Gott' - wie sollte man die auch feststellen? - sondern Mitgliedschaft zu einer Kirche, also zu einer Religion, die du selbst als 'bypass-Lösung an Gott vorbei zu sehen' betrachtest. 

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Kommentar von Spockyle
24.04.2016, 20:01

Wat? Ich will dir ja nicht zu nahe treten, aber was hast du denn für ein Menschenbild? Das macht mich grad fassungslos...

Ist ja dein gutes Recht, deine Liebe zu deinen Mitmenschen aus der Liebe zu Gott zu ziehen, aber jetzt eine andere Art oder einen anderen Zugang der Nächstenliebe als "so gut wie unmöglich" zu bezeichnen, ist doch, jetzt mal unter uns beiden Betschwestern, herablassend, findest du nicht?

Ich würde jetzt gerne einen Picard-Facepalm einfügen...

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Ich würde das NICHT machen. Was soll das bringen, sich für eine Festanstellung einem Glauben anzuschließen.....

Während meines Studium habe ich in vielen religiösen Häusern hospitiert und hatte nie derartige Probleme. 

Dein Posting überrascht mich etwas. Traurig das es sowas heute noch gibt.....

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Nur Konfessionslose werden generell abgelehnt.

Das stimmt zumindest für die Katholische Kirche nicht. Etwas anderes ist es, wenn man bereits katholisch ist bzw. war und aus der Kirche ausgetreten war. Dann hat man zumindest für bestimmte Berufe --- nicht alle ! --- bei kirchlichen Trägern keine Anstellungsmöglichkeit (z.B. Kindergärten in kirchlicher Trägerschaft oder konfessionelle Schulen, was ja auch durchaus nachvollziehbar und sinnvoll ist).

Also nur aus beruflichen Gründen katholisch zu werden und eine Anstellung zu erhalten, ist es nicht notwendig, Mitglied einer Kirche zu werden.


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Also ich arbeite im sozialen Bereich (Altenpflegerin) und ich hatte diesbezüglich keine Probleme. Bisher wars jedem Arbeitgeber schnuppe, Hauptsache war nur, dass ich ordentlich gearbeitet hab (hatte aber nie christliche Arbeitgeber).

Von daher würde ich auch nicht extra irgend ner Religion beitreten, man findet was, wenn man gründlich sucht.

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In manchen sozialen Berufen ist man verpflichtet, Mitglied in einer Kirche zu sein , aber man muss nicht religiös sein

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Nein, das würde ich auf keinen Fall machen.

beruf und religion sind zwei völlig verschiedne Dinge.

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niemals, denn sonst wäre ich genauso ein heuchler wie die meisten gläubigen es sind..............:)

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