Frage von honigbienchen5, 44

Würdet ihr den Job annehmen oder nicht, bitte um Meinungen zu meinem Problem?

Hallo, ich - 27 - habe aus wirtschaftlichen Gründen Ende Oktober meinen Job in einer Marketing-/Kommunikationsagentur verloren, obwohl mein Chef mich gern behalten hätte, es kam überraschend, da große Aufträge kurzfristig wegfielen. Ich bin traurig, mir fehlen meine Kollegen, es war die ideale Firma, aber es gab halt nichts mehr für mich zu tun. Ich bin Online-Redakteurin / Texterin. Jedenfalls habe ich die letzten Wochen fleißig Initiativbewerbungen geschrieben - so habe ich meine bisherigen 3 Festanstellungen auch gefunden - und wurde heute eingeladen mit den Worten, du kommst uns wie gerufen.

Es ist ebenfalls eine Agentur, die jedoch grade mal seit 3 Jahren existiert und bisher nur aus 4 Leuten besteht (inkl. Chef). Noch in einem halb baufälligen Loft, alles neu und halt ganz anders als meine alte Firma. Chef wirkt superlässig, fand meinen Lebenslauf und die Fähigkeiten gut, sagte mir, er brauche jemanden für das, was ich bisher gemacht hab (sehr gut), aber auch jemanden, der sich um das "Backoffice" kümmert, das Administrative. Er hat Bedenken, dass wenn sich die Firma vergrößert, dass die Struktur abhanden, alles durcheinander kommt und benötigt nun jemanden, der das alles etwas koodiniert und da ruhig selbstständig agiert. Nun möchte er mich wohl probeweise mal 3 Monate einstellen und wenn alles gut läuft, gerne auch weiter.

Ich denke schon, dass er mich haben will, aber ich zögere nun, weil ich nicht weiß, ob ich dem gewachsen bin bzw. was da von mir erwartet wird. Ich bin super mit Webdesign, Schreiben, Texten, all das. Die Bezahlung wäre super. Aber was erwartet er da mit dieser Administration von mir, Führungsqualitäten? Ich hab damit null Erfahrung und weiß nicht, ob ich das kann, ich bin eher der ruhige Typ. Eigentlich habe ich mir endlich etwas Langfristiges gewünscht, das könnte es ja auch werden und ich bin froh, Geld zu verdienen. Aber wenn es nicht passt und er mich nach 3 Monaten entlässt, hab ich noch eine kurze Anstellung mehr im Lebenslauf und das ist auch nicht nett. Andere Angebote habe ich bislang noch nicht, ich habe heute aber nochmal eine Menge Initiativbewerbungen rausgehauen, also kann noch was kommen, wenn der Markt auch gerade ziemlich schlecht ist.

Was würdet ihr machen?

Antwort
von creator78, 44

Erkundige dich doch noch mehr ob diese Firma mit dem was Sie tut, langfristig auch Zukunft hat. Für die Administration kannst Du doch sicherlich immer noch Seminare und Schulungen besuchen.

Kommentar von honigbienchen5 ,

Das ist eine gute Idee.. sieh bitte auch meinen Kommentar weiter unten mal an dazu :-)

Antwort
von Lichtpflicht, 28

Also... ich wurde auch einmal eingestellt mit dem Hinweis, ich hätte ebenso "administrative Aufgaben" zusätzlich zu erledigen. Was das genau bedeutete: Ich hatte Termine zu organisieren, E-Mails an Externe zu verfassen, Räume für Meetings zu buchen, Protokolle zu schreiben, rumzutelefonieren, Scheduling meines Chefs machen, den Hausmeister zu holen, Reiseanträge auszufüllen, Urlaubszeiten zu koordinieren.... im Klartext: Das, wofür man normalerweise eine gelernte Bürofachkraft (Sekretär) einstellt.

Auch bei mir war die Situation, dass mein Chef dringend eine Bürofachkraft gebraucht hätte, sich aber keine zusätzlich leisten konnte und daher zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen konnte, als er jemanden bekam der sowohl texten konnte als auch die Bürosachen gemacht hat.

Im Nachhinein kann ich dir sagen, ich mochte diese Aufgaben gar nicht. Null. Es war nicht wirklich schwierig, eher nervig und oft schlicht langweilig und absolut geistig unterfordernd. Trotzdem hast du gewaltigen Stress und Druck, denn alles muss schnell klappen und Fehler darf man nicht machen. Ich bin definitiv kein Mensch fürs Administrative.

Ich habe den Job dennoch gemacht weil ich die restliche Arbeit geliebt habe und ich unbedingt Fuß in der Firma fassen wollte, sie ist sehr groß und etabliert mit vielen Karrieremöglichkeiten und angenehmen Bedingungen. Ich bereue es absolut nicht, anders wäre ich nicht hineingekommen.

Falls dir aber an der Firma selbst nicht viel liegt, du keine große Karriere erwarten kannst und auch weißt, dass du nicht der organisatorisch-administrative Typ bist, würde ich fast sagen, glücklich wirst du da nicht.

Es ist jedoch besser als arbeitslos sein. Auch wenn nur 3 Monate im Lebenslauf drinnen steht, wenn du gut begründen kannst, warum, ist es doch allemal besser als Arbeitslosigkeit, oder findest du nicht?

Ich würde vermutlich die Sache so lange hinauszögern, bis klar ist, ob bald was anderes kommt oder nicht, wenn nicht, zusagen.

Kommentar von honigbienchen5 ,

Genau. So ähnlich hat er es auch formuliert. Dass auch mal Aufgaben anfallen können, die keiner so gerne macht und dies und das. Ich werd für meine deutschen Verhältnisse bereits sehr, sehr gut bezahlt (ist in der Schweiz, ich lebe in Deutschland, aber das geht da drüben noch viel besser und käme dann nach einigen Monaten auch), daher nehme ich es auf jeden Fall an (900 Euro ALG im Monat sind echt besch....)
Ich mach mir um Unterforderung nicht so viele Gedanken, da werde ich dann eher aktiv und suche mir Arbeit oder gucke, was ich sonst so machen kann, was die Firma weiterbringt.
Ich hab eher Bedenken vor der Überforderung, dass der Chef vielleicht erwartet, ich schmeiße seinen Laden und weiß, worauf es ankommt. Nein, weiß ich nicht. Termine koordinieren, dies und das abstimmen, Kundenberatung, was weiß ich... ich hab mit sowas null Erfahrung. Ich kann einfach nur gut schreiben und Webseiten verwalten und Redaktionelles machen.

Kommentar von Lichtpflicht ,

Naja... mit Unterforderung meine ich definitiv nicht, dass du zu wenig zu tun hast und dann nebenbei noch Zeit hast, dir um andere Dinge Gedanken zu machen.

Mit unterfordernd meine ich, dass du das stetige Gefühl bei diesen Aufgaben hast, dass wirklich jeder Hans sie machen könnte, du jetzt aber der persönliche Hans hier bist obwohl du genau soviel kannst wie alle anderen und Zeit mit belanglosen, nervigen Dingen die sonst keiner machen will verschwendest, in denen du wirklich sinnvolle und produktive Dinge tun könntest wenn du dürftest ;) so ging es jedenfalls mir. Darauf solltest du dich einstellen.

Wegen Überforderung: No way! Ich konnte übrigens keinen Strich mehr als du, habe noch nie irgendwas in die Richtung gemacht, keine Ahnung von Bürokommunikation, Eventmanagement oder überhaupt BWL, und bin auch privat nicht der gute Koordinator.

Am Anfang war schon Stress und Panik dabei, nach ca. 3-6 Wochen war ich drin, ohne das jemals gelernt zu haben. Selbstverständlich ist das schaffbar, wenn du nicht auf den Kopf gefallen bist. Und ich meine, wenn du es nicht schaffst, dann eben nicht, dann gehst du wieder und bist eine Erfahrung reicher.

Kommentar von honigbienchen5 ,

Vielen Dank, du hast mir sehr geholfen! :-)

Antwort
von aurora13, 35

Wovor hast Du Angst? Das ist doch eine tolle Möglichkeit, Dich weiterzuentwickeln; noch dazu wirst Du nicht ganz ins kalte Wasser geworfen, sondern kannst mit der Zeit an Deinen Aufgaben wachsen, die sich ja sicher nicht von heute auf morgen ergeben, sondern sich langsam mit der Firma entwickeln können.

Diese Aufgaben werden sich sicherlich auch positiv in Deinem Lebenslauf machen. Wer nicht wagt der nicht gewinnt...und wenn Du gerade keine bessere Alternative hast, warum nicht?

LG

Kommentar von honigbienchen5 ,

Vielen Dank.. ich weiß ja, dass das eigentlich nur förderlich ist. Ich habe weiter unten dazu einen Kommentar verfasst, magst du da mal kurz antworten?

Antwort
von AmandaF, 27

Du solltest es versuchen. Die Firma ist noch sehr übersichtlich und meistens hilft man sich da noch gegenseitig. Du musst halt auch fragen, wenn du nicht klar kommst. Und sollte sich die Firma mit der Zeit vergrößern, bist du schon Profi.

Antwort
von Veritae, 30

Annehmen! Besser als die Arbeitslosigkeit!

Administratives heißt in dem Sinn nur verwalten und koordinieren, glaub mir, das kriegst du hin!

Kommentar von honigbienchen5 ,

Ja. Mein Freund sagte das auch, dass das eine tolle Chance ist und ich mir mehr zutrauen soll. Ich bin ein relativ ruhiger und schüchterner Mensch in den ersten Wochen im Büro und tue mich schwer damit, was zu wagen in dem Sinn. Daher meine Befürchtung, von mir wird erwartet: Schmeiß den Laden jetzt. Ich weiß nicht, was ich da strukturieren, koordinieren soll. Es sieht irgendwie so aus, als merkt der Chef: Mein neuer Laden läuft gut, Aufträge kommen, ich stelle Leute ein, aber oh, es könnte durcheinander kommen mit den Abteilungen und Leuten, ich brauch jemanden, der den Überblick hat. 

Ich hatte noch nie so Verantwortung oder Koordinationsaufgaben, ich hab immer nur für mich gearbeitet an meinem Schreibtisch. 

so in etwa. er war auch etwas unsicher heute, fragte, traust du dir das zu? Klar hab ich genickt und zugesagt, aber puh... Ich weiß nicht, ich hab Angst.

Kommentar von aurora13 ,

Evtl. hat der Chef Dich gerade wegen deines schüchternen Charakters ausgesucht. Du sollst ja auch garnicht gleich alles an Dich reißen und managen, das geht meist sowieso nach hingen los, weil die älteren Kollegen sich von der "Neuen" nichts sagen lassen wollen. Du wirst mit der Zeit da reinwachsen...kümmer Dich erstmal nur um das, was Du kannst und lass Dich von Deinen Kollegen einweisen, interessiere Dich für sie. Deine ruhige Art wird Dri helfen, nicht zu einer klatschtante zu werden sondern Du wirst vermutliche eher zuhören, wodurch dir die Bedürfnisse der einzelnen Mitarbeiter klar werden.

Genau das brauchst Du dann später, wenn Du tatsächlich mal etwas koordinieren sollst. Einen guten Draht, ein ruhiges und kompetentes Auftreten.

Kommentar von honigbienchen5 ,

Das klingt gut. Ich bin ja auch nur anfangs schüchtern, war nach 3 Monaten im letzten Betrieb ganz offen und lustig mit allen. Soweit ich weiß, gibt es bislang nur 2 Grafiker / Designer, eine, die das Büro mitnutzt und so halb selbstständig arbeitet und dann eben den Chef. Die sind alle so alt wie ich, der Chef ist aber so Anfang 40 denk ich. Also da ist echt nicht viel los. Was eigentlich ok ist, aber ich hoffe, er erwartet nicht, dass ich da alles von selbst in die Hand nehme. So ähnlich hat er es aber formuliert. Hilfe. :(

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