Würdet ihr als inkomplett Querschnittsgelähmter eine arbeits -und zeitintensive Reha durchführen, wenn die Chance aufs Wieder-Laufen-Können relativ hoch wär?

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11 Antworten

Ich würde die Reha auf jeden Fall empfehlen. In solchen Kliniken arbeiten verschiedene Menschen mit verschiedensten Professionen. Das bedeutet, dass hier sehr viel Erfahrung zu erwarten ist. Die Reha ist außerdem intensiver und man kann sich mit anderen Patienten unterhalten und sich auch mal "auskotzen" aber auch Tipps erhalten.

Ein Querschnitt kann man sich so vorstellen: Jemand hat mit einem Hammer auf eine Computerfestplatte geschlagen und sie zerstört.
Bei einem inkompletten Querschnitt ist sie nur gelöscht und kann langsam neu bespielt werden.
Natürlich ist jeder Querschnitt individuell und prognosen geben kann man nicht. Außer dass eine Rehaklinik immer bessere Erfolgschancen hat.... Wenn es einem nicht gefällt kann man sich ja jederzeit für eine ambulante Reha entscheiden.

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Kommentar von FluffInTheNavel
26.03.2016, 07:38

Danke für die Antwort.
Ich kann deinen Vergleich zu einer "gelöschten" Festplatte nicht ganz nachvollziehen. Auch bei einem inkompletten Querschnitt findet echtes Zellsterben im Rückenmark statt, so wie auch bei einer kompletten Lähmung. Dienjenigen, die wieder Laufen können, tun das hauptsächlich mithilfe der "verbliebenen" beweglichen Muskeln.


Verwechselst du die Sache bei deinem Vergleich evtl. mit einem Schlaganfall?
Kannst du bitte kurz dazu sagen, ob du selbst betroffen bist, oder jemanden in deinem Umfeld hast oder einfach woher du deine Kenntnisse darüber hast?
Wäre sehr nett von dir, vielen Dank!

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ich kann aus eigener Erfahrung,genickbruch,nach Unfall vom hals abwärts gelähmt ,auser herz lunge,nur sagen das sich für viele Reha auf jeden fall lohnt,ich selbst war fast 7 Monate auf Reha,von intensievvstation 4 Wochen,dank meines Chirurgen direckt platz bekommen,eines ist klar,nicht ein jeder schaft eswie ich wieder halbwegs auf die beine zu kommen,es gehört viel arbeit vor allem auch der unbedingte wille dazu,ich lebe jetzt über 20 jahre mit der Behinderung,inkomplette spastische Lähmung,das leben ist nicht einfach doch bin ich auch heute noch meinem Chirurgen dankbar das er sich unermüdlich für rehaplatz eingesetzt hat und ich im rahmenn meiner Möglichkeiten mein leben noch geniesen kann, Erfahrungsaustausch gern per mail milli48mwien@yahoo.de

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ICH bin noch NIE gern gelaufen (wenn ich hier von "laufen" schreibe, meine ich das übliche "sich zu Fuß vorwärtsbewegen") Insofern war ich gar nicht böse, dass ich nach einem Schlaganfall mit halbseitiger Lähmung links nicht mehr laufen konnte. Obwohl mir der Rolli von Anfang an schon völlig ausgereicht hätte, meinten die Ärzte, mich wieder auf die Beine bringen zu können. Nach drei Jahren SEHR intensiver Reha, in denen ich gern zum Mörder meiner Therapeuten geworden wäre, konnte ich mehr schlecht als recht wieder so halbwegs am Stock gehen. Erst nach dem ich mir bei einem bösen Sturz das linke Knie völlig zerstört hatte, nützt mir auch bester Wille nichts mehr. Nun sitze ich halt im E-Rolli und bin damit VÖLLIG ZUFRIEDEN: im Gegensatz zu querschnittgelähmten "Kolleginnen und Kollegen" funktionieren Darm und Blase mindestens genausogut wie der Sexualtrieb und dessen Möglichkeiten. Ausser mit meiner mickrigen Rente, bin ich recht zufrieden mit meinem Leben. Und NEIN, Ich würde KEINE größeren "Verrenkungen" mehr unternehmen, um wieder laufen zu können.


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Ich würde kämpfen - und alle Möglichkeiten nutzen, auch wenn nur eine Chance von 10% gegeben wäre. Ob das erfolgreich sein würde, steht auf einem anderen Blatt - aber der eiserne Wille, die Situation zu verbessern, wäre bei mir vorhanden.

Dazu brauche ich nicht endlose Diskussionen.

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Es ist einfach nur trivial zu behaupten das schlußendlich der Querschnittsgelähmte selbst für seinen Rollstuhl verantwortlich ist, er war nur zu faul für die Reha......

Dies wäre die Quintessenz der Telefonistin und meine Frage an diese wäre ob sie dem Rollstuhl entfliehen konnte, denn nur dann wäre so eine Aussage statthaft! Hier wird der Misserfolg einfach dem Geschädigten überantwortet und so geht es nicht.

Sollte es eine Chance auf Verbesserung geben ist es sinnvoll hierfür zu kämpfen, lange und intensiv, aber die Aussage du kannnst laufen wenn......das ist Bauernfängerei.

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Kommentar von FluffInTheNavel
24.03.2016, 06:25

Ich weiß es zwar nicht genau, aber höchst wahrscheinlich war sie selbst nicht betroffen (genau so wenig wie mein Angehöriger).

"er war nur zu faul für die Reha...."

Sie hatte gemeint, dass die meisten zwar eine Reha machen würden, aber eben nicht intensiv genug und deshalb im Rollstuhl bleiben würden.

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Kommentar von abibremer
24.03.2016, 16:23

Das hat mit Trivialität NICHTS zu tun: Meine liebe querschnittgelähmte Nachbarin täte NICHTS lieber, als sich auf die eigenen Beine zu stellen, wenn es auch nur die GERINGSTE Möglichkeit dazu gäbe.

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Das Problem ist, dir bezahlt niemand eine 1 oder 2 Jahre dauernde Reha, selbst bei guten Erfolgsaussichten.

Die 50-%-Aussage deines Bekannten ist leider absoluter Unsinn.

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Ich Schätze, daß dieser Anteil zu hoch gegriffen ist.

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Und man sollte auch bedenken, daß  häufig noch Comorbidäten hinzukommen, wie Gelenkschäden, die dann gerade bei anderer Belastung höllische Schmerzen verursachen können.

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Ich selbst bin nicht querschnittgelähmt - zum Glück-habe habe nur leichte! Lähmungen ein einem Bein - und wie das schon auf das betroffene Kniegelenk geht- auch wenn mir die Behinderung kaum jemand ansieht. Und die Muskeln dann schmerzen. Und immer wieder, einmal nicht gut aufgepaßt- verstauche ich mir das Knie.

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Ich glaube nicht, daß ich es schaffen würde, bei wirklich starken Ausfällen von Muskeln , wieder zum Laufen zu kommen- bei allem Willen nicht


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Kommentar von FluffInTheNavel
24.03.2016, 08:17

Mein du mit Comorbidäten sowas wie Begleitverletzungen?

Dazu hat mein Angehöriger ebenfalls eine pauschale Erklärung parat, die er einfach und überall für jeden Fall geltend macht:

"Die Schmerzen und auch verkrüppelungen lassen sich
mit Bewegung wieder reparieren und notfalls gibt es für eine Zeit Spezialschuhe oder Ops oder Korsettes um es wieder brauchbar und esthätisch hin zu kriegen."

Was kann man zu so einer Aussage sagen? Wenn es doch angeblich für jeden Betroffenen so tolle Möglichkeiten gibt, wieso hast du dann noch Schmerzen, Silo123 ? ;)

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Egal ie hoch die Chancen sind, ich würde auf jeden Fall eine Reha durchführen und KÄMPFEN.

Denn nur wer kämpft kann gewinnen, wer nicht kämpft, hat bereits verloren.

Jede erreichbare Verbesserung des IST-Zustandes ist doch zu begrüßen... das wieder Laufen können wäre dann das Sahnehäubchen oben drauf.

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Kommentar von FluffInTheNavel
24.03.2016, 07:00

Einverstanden. Laufen ist auch nicht für jedermann das wichtigste auf der Welt. Das muss es auch nicht. Aber hier bei der Frage gehts nunmal konkret um das Wiedererlangen der Gehfähigkeit :)

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Nicht jeder Grad von Querschnittsgelähmten ist gleich. Fakt ist aber, wenn absolut alle nötigen Nerven, Muskeln und Knochen fürs Gehen durch sind, dann kann man nicht mehr laufen.

Sollten bei einem Querschnittsgelähmten nur Quetschungen sein oder Verkümmerungen sein, ja, dann sollte man eine Reha machen, denn die letzte Chance zum wieder laufen, sollte man nutzen.

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Kommentar von FluffInTheNavel
24.03.2016, 06:02

Vielen Dank für die Antwort. Es geht ja hier um die Behauptung, dass zwar fast alle Querschnittsgelähmten eine Reha machen, aber diese angeblich eben nicht intensiv genug machen bzw. der Wille und die Ausdauer nicht hoch genug seien und deshalb in der Welt mehr rollstuhlfahrende Querschnittsgelähmte zu finden sind, als laufende Querschnittsgelähmte.

DASS eine Reha generell gemacht wird und gemacht werden sollte, ist klar. Die Frage ist nur, ob sie auch intensiv genug gemacht wird, oder ob es eben auch bei inkompletter Lähmung üblich ist, dass anatomisch gesehen kein Laufen mehr möglich ist. Das bestreitet ja mein Angehöriger und behauptet, es käme "nur auf den Willen an", wenn es kein kompletter Querschnitt ist.

Was ich vergessen habe zu erwähnen: Es wäre gut, wenn zu jeder Antwort noch kurz der Hinweis gegeben würde, ob derjenige selbst betroffen ist oder nicht.

Vielen Dank!

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Meistens geht es doch nicht um den Willen des Patienten - wer bezahlt einem gesetzlich Versicherten denn eine jahrelange Reha, an deren Ende er (möglicherweise!!!) "nur noch" schwer gehbehindert statt Rollifahrer ist?

Kostentechnisch lohnt sich das (für die Versicherer) nicht!

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Im ersten moment denkt man natürlich sofort daran eine solche reha zu machen. Wenn man dadurch vielleicht nicht mehr auf den rollstuhl angewiesen ist, und wieder freier und mobiler in seinen bewegungsmöglichkeiten ist, na klar, sofort.

Aber auf der anderen seite, wenn du erwähnst, diese reha dauert 1-2 jahre, also eine recht lange zeit. Gehen wir einmal davon aus, diese person hat einen ehepartner, kinder und eine arbeitsstelle, beispielsweise im büro, oder als führungsperson für welche das laufen an sich rein beruflich gesehen nicht von nöten ist, wie beispielsweise für einen bauarbeiter für den es von nöten wäre...ja dann kann ich durchaus verstehen, wenn diese jenige person darüber nachdenkt, ob er für jahre eine reha besucht. Somit seine gute arbeitsstelle aufgibt, den ehepartner und die kinder in dieser zeit alleine lässt. 

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Kommentar von FluffInTheNavel
24.03.2016, 08:24

Auch wenn dir mit einer Wahrscheinlichkeit von über 50 % jemand prophezeit, dass du danach ein viel freieres und noch unabhängigeres Leben führen könntest?

Außerdem muss man Bedenken, dass ein Großteil der Querschnittsunfälle ziemlich JUNGEN Menschen passiert, die noch nicht in so einer festgesetzten familiären Situation mit Frau und Kind sind. Auf einige wird das bestimmt zutreffen, klar, aber wahrscheinlich nicht auf einen signifikanten Großteil der statistisch geschätzten 1,5 Millionen inkompletten Querschnitte.

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