Frage von CameronLith, 132

Würde mein Testament vor Gericht in dieser Situation berücksichtigt werden?

Nehmen wir an, ich würde ein offizielles Testament machen, in dem ich schreibe, dass eventuelle Verantwortliche für meinen Tod NICHT für diese Tat bestraft werden sollen. Und jetzt nehmen wir an, dass ich wirklich ermordet werde oder so. Würde der Mörder dann wirklich profitieren können von meinem Testament und ungestraft davon kommen?

Antwort
von Tellensohn, 32

Salue Cameron

Es gibt Antragsdelikte und Offizialdelikte.

Bei Antragsdelikten handelt der Gesetzgeber nur, wen Jemand eine Anzeige macht.

Bei Offizialdelikten hingegen muss der Gesetzgeber handeln, wenn er in irgendeiner Form davon erfährt.

Mord, Todschlag, fährlässige Tötung usw. sind Offizialdelikte. Es geht nicht um das Opfer (also Dich) sondern der Täter und seine Tat werden beurteilt.

Man merke: Die Justiz ist täterorientiert.

Ist der Täter in irgendeiner Form weniger strafmündig, z.B. weil er geistesgestört ist, wird dies bei der Strafe berücksichtig, respektive es wird,  zu Gunsten einer Behandlung, auf eine Strafe verzichtet.

Bei allem Verständnis für Deine humanitäre Haltung, das nächste Opfer, vielleicht mit einer lebenslangen Behinderung wegen der nächsten Tat, hätte es bestimmt lieber gesehen, wenn der "nette" Täter hinter Verschluss gewesen wäre.

Es grüsst Dich

Tellensohn

Kommentar von CameronLith ,

Ja, das letzte Argument habe ich mir beim Stellen meiner Frage auch überlegt. Vielleicht sollte man bei Serientätern eine Ausnahme machen, das kann ich ja hinschreiben. Ich meine nur, dass niemand für etwas bestraft werden sollte, das ich irgendwann (spätestens wenn ich mit irgendeiner unheilbaren Krankheit diagnostiziert werde oder zu alt werde) sowieso selbst getan hätte.

Antwort
von wfwbinder, 35

Eventuell wenn Du es begründen würdest.

"Die Person, die mich getötet hat, hat mir durch den schnellen Tod, einen langwierigen, schmerzhaften Krebstod erspart.

Ich bitte seine Tat als Tötung auf Verlangen einzustufen."

Wenn das Gericht dem folgt und der mann einen guten Anwalt hat, kommt er evtl. mit 5 Jahren davon.

Kommt natürlich auch auf die Situation an, in der die Tötung geschah.

Kommentar von CameronLith ,

Oh, das ist gut! Ich schreibe dann hin: "Die Person, die mich getötet hat, hat mir etwas abgenommen, das ich sowieso schon lange vorhatte. Sie hat mir sozusagen eine ganze Menge Arbeit erspart und verdient deshalb meinen ganzen Dank. Ehrlich gesagt: ich hätte die Person unter anderen Umständen sogar dafür bezahlt, dass sie mich umbringt." Geht das?

Kommentar von wfwbinder ,

ja, ich meine schon. habe selbst mal über diese Dinge nachgedacht.

Kommentar von CameronLith ,

Das ist cool, okay, danke!

Antwort
von abibremer, 20

NEIN: Wenn du wenigstens gelegentlich die "Tagesschau" sehen würdest, hättest du mitbekommen müssen, welchen "Riesenaufriss" die Diskussion über die "Sterbehilfe" verursacht hat: Da ging es darum, WIE die gesetzliche Gestaltung zum Thema "Sterbehilfe" auszusehen hat: Wenn also jemand aufgrund schwerster Krankheit SELBST aus dem Leben scheiden möchte. Da wurde tagelang diskutiert, WELCHE Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit lebenserhaltende Maßnahmen NICHT länger vorgenommen werden sollten.

Kommentar von CameronLith ,

Ja, diese Berichte habe ich natürlich gesehen und auch die endlosen Talkshows zu dem Thema, aber stell dir vor, das alles passiert erst in 30-40 Jahren oder noch später. Bis dahin kann sich doch noch so viel ändern.

Antwort
von Ronox, 23

Es liegt nicht in deinem Ermessen zu entscheiden, ob ein Totschläger/Mörder für seine Tat bestraft wird oder nicht. Du kannst auch nicht in deine Tötung einwilligen. Das Testament könnte aber Auswirkungen auf eine etwaige Erbunwürdigkeit des Täters haben.

Kommentar von CameronLith ,

Wie jetzt, Ebenbürtigkeit? Also, dass die Leute dann denken, dass ich auch ein Mörder bin oder was?

Kommentar von CameronLith ,

Achso, Erbunbürtigkeit. Ich bin ja blöd. Okay, und was ist eine "Erbunbürtigkeit des Täters"?

Kommentar von Ronox ,

Ich habe nicht Erbunbürtigkeit, sondern Erbunwürdigkeit (§§ 2339 ff. BGB) geschrieben. Durch die Tötung des Erblassers könnte letztere eintreten, d.h. der Täter von der Erbfolge ausgeschlossen sein. Das gilt nicht, wenn der Erblasser dem Täter verziehen hat. Die Frage wäre in diesem Fall, ob man das Verzeihen quasi auf Vorrat abgeben kann.

Antwort
von Furino, 3

Mord wäre ein Offizialdelikt und können das durch persönliche Verfügung nicht ändern. Dazu kommt noch das ein Testament die Erbfolge regelt und nicht eine Strafverfolgung.

Antwort
von Honorlezz, 51

Sofern ich weiß (bin mir nicht sicher, bin auch kein Jurist), kann man bei solch schweren Delikten gar nicht auf einen Strafprozess verzichten.

Kommentar von CameronLith ,

Kommt er dann wenigstens mit weniger Strafe davon, wenn ich schreibe, dass mein Tod niemandem das Leben versauen soll?

Kommentar von Honorlezz ,

Nope. Das Gericht untersucht: 

war es Mord/Totschlag/Körperverletzung mit tödlicher Folge etc.

war er unter Drogen/Alkohol Einfluss

was war sein Motiv

war er zum Tatzeitpunkt zurechnungsfähig etc.

und entscheidet dann über seine Strafe.

Kommentar von CameronLith ,

Hmm... Okay, und wenn ich jetzt in mein Testament schreibe, dass ich den Täter dazu gezwungen habe, mich zu töten? Sofern es keine Zeugen gibt und der Täter nicht so dumm ist und die Geschichte aufliegen lässt, kann da ja keiner das Gegenteil beweisen und streng genommen ist das dann nicht seine Schuld. Das lässt sich dann nicht so einfach aus der Welt schaffen. Oder?

Kommentar von Honorlezz ,

Das würde keiner glauben, dass du den Täter gezwungen hast. Wenn es eh schon keine Zeugen gibt, kann man den Mord sowieso vertuschen.

Antwort
von metbaer, 47

Nein, würde er nicht. Dein Wille bricht nicht geltendes Gesetz. 

Kommentar von CameronLith ,

Aber... Es würde doch dann niemand Schaden nehmen, wenn der Mörder davon kommt. Ich bin so oder so tot, und der arme Geistesgestörte kann ein friedliches Leben genießen.

Antwort
von Gustavolo, 18

Cameron:

Erkläre uns, in welchem rechtsslosen Land dieser Erde man leben müßte, in dem der Ermordete letztwillig,  für alle verbindlich verfügen darf, dass sein Mörder straffrei bleiben soll.

Kommentar von CameronLith ,

In einem Land, in dem jeder das Recht auf Freiheit und Gerechtigkeit hat. Nehmen wir an, ich hätte die Person sogar dafür bezahlt, mich zu töten, weil ich es selbst zu schwierig fand - Warum sollte jemand dafür bestraft werden, dass er mir einen riesigen Gefallen getan hat?

Antwort
von Grautvornix, 38

Nein, wenn das so wäre, dann gäbe es Millionen Tote mit gefälschten Testamenten.

Kommentar von CameronLith ,

Aber wenn ich das ordentlich bei einem Notar anlegen lassen würde? Mit Unterschrift und meinem Fingerabdruck und Siegel und was weiß ich noch alles?

Kommentar von Grautvornix ,

Nein, auch dann nicht, Mord ist verboten, das kann man auch nicht erlauben.

Das wäre wie Selbstmord, ist auch verboten.

Kommentar von CameronLith ,

Na und? Selbstmörder kann man aber nicht bestrafen. Ich kann doch einfach in mein Testament schreiben, dass ich den Täter erpresst und dazu gezwungen habe, mich umzubringen? Kann ja niemand das Gegenteil beweisen.

Kommentar von Furino ,

Sie glauben wieder mal, hier die restliche Menscheit für dumm verkaufen zu wollen. Armes Kind.

Antwort
von DarkScammer321, 43

Nein, er würde nicht davon profitieren. 

Kommentar von CameronLith ,

Wieso nicht? :( die können doch nicht einfach meinen letzten Willen übergehen

Kommentar von DarkScammer321 ,

Es ist egal ob du stirbst oder nicht, du kannst trotzdem nicht das Gesetz verändern.

Kommentar von CameronLith ,

Aber... Aber ich will verdammt noch mal keinem armen Geistesgestörten das Leben versauen!

Kommentar von DarkScammer321 ,

Das ist dem Richter aber relativ egal.

Kommentar von CameronLith ,

Und was, wenn ich in mein Testament schreibe, dass ich den Täter dazu gezwungen habe, mich zu töten? Ohne Zeugen kann man das ja wohl schlecht widerlegen, und falls das so ist, ist das ja dann nicht des Täters Schuld.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community