Frage von Envie, 88

Würde jemand, der Depressionen hat, es einfach so erzählen?

Die Frage ist ein wenig merkwürdig, aber ich trage diese schon länger mit mir herum. Ich wurde vor einiger Zeit viel mit Depressionen konfrontiert. Viele Leute in meinem Umreis, auch Leute, mit denen ich nicht einmal viel mache, meinen, sie wären an diesen erkrankt. Ich stelle mir generell die Frage: Würde jemand, der Depressionen hat, es wirklich so heraus sagen?

Ich hatte selber Depressionen, bin da noch nicht ganz raus, aber auf einem guten Weg, allerdings wäre es für mich einfach unmöglich gewesen, auf Leute zu zu gehen und so etwas zu erzählen. Ich habe mich dafür geschämt und mich selbst dafür fertig gemacht, mir gesagt, dass ich mir das nur einbilde, weil ich Aufmerksamkeit möchte. Aber man soll sich selbst ja nicht immer auf andere übertragen.

Antwort
von Andrastor, 19

Depression ist eine introvertierte psychische Erkrankung. Wenn jemand also tatsächlich an Depressionen leidet ist es höchst unwahrscheinlich dass diese Person auf andere zugeht und ihnen die Krankheit quasi ins Gesicht drückt.

Wenn dies so nicht Teil einer Therapie ist, vermute ich, sind diese Menschen nicht tatsächlich depressiv, sondern hatten oder haben höchstens depressive Phasen, welche sie nun an die große Glocke hängen.

Sie zeigen sozusagen die Kratzspuren ihrer Hauskatze und erzählen stolz das wäre ein Löwe gewesen.

Antwort
von Tremswaldi, 28

Hallo Envie,

ich find deine Frage überhaupt nicht merkwürdig!

Ich hatte auch Depressionen und habe mich dafür in 'Grund & Boden' geschämt - das ist natürlich auch nicht der 'richtige' Umgang damit ;-) Aber es war mir schon zuviel dass das engere Umfeld darüber Bescheid wußte.

Und ja, ich habe noch heute Probleme darüber zu reden/schreiben.

Natürlich beobachte ich dieses Thema in letzter Zeit viel aufmerksamer. Mir fällt dabei Folgendes auf:

Depressionen sind anscheinend zur 'Modeerscheinung' mutiert.

  • Insbesondere sehr junge Menschen (13..17) leiden vermeintlich darunter. Am Anfang schockierte mich das. Aber wenn man sich die Mühe macht und hinterfragt... wenn man sich die 'Geschichte' anhört... die Symptome.... die Sorge die dahinter steht...

Sorry, aber oftmals kann ich das nicht ernst nehmen. Dann muss ich einfach weiterklicken...

  • Auf der anderen Seite stehen Leute, die sich eher bedeckt halten.... die nach Worten 'ringen' um zu verdeutlichen wie sie sich fühlen.... deren Not so unsagbar groß erscheint...

Vielleicht ist meine Einstellung dazu nicht fair.... unsachlich... und natürlich steht es mir nicht zu... will hier auch niemandem auf den Schlips treten...

Aber schön, das Du deinen Weg anscheinend gefunden hast...

Antwort
von kindvbahnhofzoo, 30

Ich denke das kann man so nicht verallgemeinern. Manche gehen offen damit um und andere behalten das für sich.

Der Begriff wird aber -leider- oft genug auch im Alltag als Synonym für schlechte Laune oder Stimmungstiefs verwendet ohne, dass groß darüber nachgedacht wird, dass das eine ernstzunehmende Krankheit ist.

Und einen miesen Tag kann man nicht mit dem Vergleichen, was jemand mit der Diagnose Depression durchmacht.

Liebe Grüße

Antwort
von TheTrueSherlock, 18

Kommt auf die Persönlichkeit an und ist vielleicht auch davon abhängig, inwiefern man im Verarbeitungs- und Aufbereitungsprozess fortgeschritten ist.

Ich selbst habe auch Depressionen (mittelschwere) und habe es erzählt. Mein bester Freund, mein Freund und meine Mutter weiß es. Außerdem habe ich mich viel mit Internetfreunden darüber ausgetauscht, das hat auch schon etwas geholfen.

Antwort
von HarlequinVialis, 15

Ich denke das kann man nicht so einfach so pauschalisieren, ich glaub das kommt ganz auf die Person an. Vielleicht sind diese Menschen, mit denen du in Kontakt kommst einfach so weit, darüber zu reden, wollen Hilfe oder einfach nur einen Austausch. Vielleicht wollen Sie dich auch einfach nur netterweise informieren. Natürlich gibt es immer auch solche, die damit Aufmerksamkeit erringen möchten oder sie haben es einfach aufgeschnappt und missbrauchen das Wort für ein eigentlich kleines Tief, wissend oder auch unwissend, weil ihnen nicht bewusst ist was diese Krankheit alles tatsächlich mit sich zieht. Ich persönlich wurde auch mit Depressionen diagnostiziert. Ich habe kein Problem darüber zu reden, eben weil ich finde, dass es auf Grund des hohen Aufkommens kein Tabu Thema mehr sein sollte. Dabei muss man natürlich aufpassen, mit wem man darüber redet und wie man es an den Mann bringt. Mir ist z.B. wichtig, nicht mitleidserhaschend zu wirken. Auf gar keinen Fall würde ich die Störung als "Schutzschild" missbrauchen wollen (' Ich kann nix dafür, ich bin depressiv! '). Ich habe es z.B. eng vertrauten erzählt, die sich sicherlich schon lange gefragt haben, warum ich in Situation xyz so übertrieben sensibel/impulsiv/aggressiv reagiere. Erläuternd, aber mit dem Zusatz wie und ob man mir aus der Situation heraus helfen kann. Wenn ich das erzählt habe, hat sich schon hier und da heraus gestellt, wer damit umgehen kann und wer nicht. Die Personen belaste ich dann natürlich nicht unnötig weiter damit... andere haben auch tatsächlich bösartige Tendenzen gezeigt, mir aus der Störung einen Strick zu drehen... Also ja: selbstverständlich kann man als Depressive/-r wählen frei über seine Diagnose zu reden, aber es ist ein Tanz auf Messers Schneide und du weißt nie wie dein Gegenüber reagiert. Wenn du nun sagst, dass dir das so viele erzählen, hast auch du die Wahl: Du scheinst auf deine Mitmenschen wie jemand sehr vertrauenswürdiges zu wirken, dass sie dir so etwas intimes anvertrauen, ist doch schön! Allerdings wenn du dich dadurch überrumpelt und belastet fühlst, solltest du das aber auch unbedingt (sachte) klar machen! LG :)

Antwort
von jealuna, 19

Ich habe auch schon viele Erfahrungen mit depressiven gemacht. Sehr viele sogar. Und die die ich machte waren ausschließlich so dass die erkrankten es nicht sagten und selber glaubten dass sie es sich nur einreden und dass das doch garnicht sein kann. Jeder kann behaupten dass er depressiv sei und das ist das schlimme heutzutage.. Depression wird zur volkskrankheit. Und meiner Meinung nach nicht weil es wirklich jeder hat sondern weil es jeder behauptet. Depressionen zu haben ist nichts schönes. Wirklich nicht. Man möchte garnichts mehr machen ist antriebslos und möchte am liebsten sterben. Man möchte nicht einmal reden geschweige denn darüber dass man Depressionen hat. Also das habe ich aus meiner Erfahrung heraus so gelernt

Antwort
von Failea, 43

Ich denke sowas kann man nicht pauschalisieren, das ist von Person zu Person unterschiedlich.

Es gibt Leute, die verstecken ihre Depressionen so gut, dass nicht mal ihre Familie es mitkriegen.

Andere gehen auf jeden zu und erzählen lang und breit was sie bedrückt...

Ich kann beispielsweise relativ offen über solche Dinge reden, zumindest über den Großteil. 

 

Antwort
von Mika01235, 27

Leute mit Depressionen sagen sowas nicht; Es gibt immer Anzeichen die darauf schließen dass sie eine haben,aber sagen tun die meisten es nicht.

ich hatte selbst welche. Ich kann sagen:

So wars bei mir: Ich fühlte mich extrem einsam, ich hatte Stimmungsschwankungen, alles war nur eine graue Welt mit Selbstmitleid und ohne gute Gefühle, ich suchte Hilfe bei anderen

-> Wegen dieser Hilfe wurde ich als jemand abgestempelt,der nur Aufmerksamkeit wolle. Diese Leute haben nciht gecheckt dass ich depressiv war, und ihre Unterstützung wohl sehr gebraucht hätte

Schluss: Leute die sagen,sie haben sowas, wollen dir vl. eines ihrer Probleme,das sie viel beschäftigt,näherbringen. Quasi Bestätigunsgefühl dass es ok ist, Probleme zu haben. Aber ich bezweifel dass sie wirklich an Depressionen leiden

Antwort
von hippiewitch, 30

das kommt ganz auf die Person an..es gibt ja auch Menschen denen so etwas peinlich ist und die sich keine hilfe holen.. wenn man ein lockerer Mensch ist und sich helfen lassen will redet man auch offen darüber 

Antwort
von Wonnepoppen, 34

du hast recht, die meisten Menschen offenbaren sich nicht, da diese Krankheit immer noch ein Tabu Thema ist, leider!

Antwort
von sleepschaf, 23

Ich hatte auch Depression ich habe nur mit einer sehr vertrauten Person darüber geredet sonst habe ich mich auch geschämt und es keinem gesagt.

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