Frage von wissbegierig321, 83

Würde eine Eurasische Wirtschaftsunion in der Praxis funktionieren?

Es gibt ja unter anderem von Wladimir Putin den Vorschlag, eine Wirtschaftsunion von Lisabon (Portugal) bis Владивосток (am Pazifik) zu gründen.

Dieses Bündnis wäre, wenn ich das richtig verstanden habe, in erster Linie wirtschaftlicher Natur. Nun, das wäre ja auf der einen Seite nicht schlecht, Rußland hat haufenweise Rohstoffe und Technologie, die sich perfekt mit unserer ergänzt und wir wären völlig unabhängig von Amerika.

Allerdings zeigt ja die Brexitentscheidung, daß wir es nicht einmal schaffen, in Westeuropa einen Staatenbund zu organisieren.

Wäre es unter diesem Gesichtspunkt realistisch, daß sich Westeuropa mit Rußland zusammentut, oder würde solch eine Union auch nur zerbrechen oder zu Unfrieden führen, weil sich einige Länder benachteiligt fühlen würden?

Denn so etwas wie den Schengenraum, aber mit Rußland zusammen fände ich gar nicht verkehrt, denn die gegenseitigen Visavorschriften sind schon etwas übertrieben hoch bzw. könnten wesentlich vereinfacht werden. Wobei man bei der Einreise nach Rußland wenigstens keinen Fingerabdruck abgeben muß, anders als bei unseren "Freunden" jenseits des Atlantik.

Stündet ihr einer eurasischen Union eher offen oder skeptisch gegenüber?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von JBEZorg, 34
Eine Eurasische Union, da wäre ich sofort dafür

Nur jemand, der so tief im Westen sizt(und das meine ich nicht geografisch) kann so ein Unwissen zu dem Thema an den Tag legen, denn im Westen schweigen sich die Medien über das Thema möglichst aus oder geben arrogant-höhnische Pamphlete von sich.

Es gibt ja unter anderem von Wladimir Putin den Vorschlag

Den "Vorschlag" gibt es seit Jahren und er hat den Ursprung weder bei Putin noch in Russland. Die "Neue Seidenstrasse" ist ein chinesisches Projekt(und genau sie, die Chinesen haben diese Formulierung "von Lissabon bis nach..." eingebracht). Und lebhaft diskutiert und auch umgesetzt wird dieses Projekt ständig. Nur wie gesagt die westlichen Medien tun so als ob nichts gewesen wäre.

Was du auch offensichtlich nicht gut kennst ist, dass es eigentlich nur noch um den (west)europäischen Teil gestritten wird. Die Eurasische Wirtschaftsunion existiert schon seit 2015, obwohl China offiziell nicht Mitglied ist, ist es eben die Grundlage für die weitere Entwicklung der Wirtschaftsbeziehungen, die zwangsläufig auf der Zussamenarbeit von Russland und China aufbauen, weil es sich eben auch in die "Neue Seidenstrasse" einfügt. In diesem Jahr ist übrigens Vietnam der Freihandelszone der Eurasischen Union beigetreten.

Allerdings zeigt ja die Brexitentscheidung, daß wir es nicht einmal schaffen, in Westeuropa einen Staatenbund zu organisieren.

Das ist euer Ideologieproblem. Warum muss es einen Staatenbund geben für die wirtschaftliche Zusammenarbeit? Warum muss es eine Union geben? Um so ein EU-Monstrum zu schaffen mit immenser, undurchsichtiger, autoritärer Bürokratie und Wirtschafts-, Finanz, und Justizdiktat für die Mitglieder?

Sowas ist im Konzept der Neuen Seidenstrasse garnicht vorgesehen. Es geht nur um die Entwicklung von für alle Beteiligeten profitablen Wirtschaftsbeziehungen und bloss nicht um Erlass von unwirklichen Gleichschltungsregelungen für die Mitgliedsstaaten und Einmischung in deren politisches Leben.

Das Problem im Westen Europas ist natürlich die massive Propaganda der Transatlantiker, die alles versuchen wird um diese Konzept der eurasischen Zusammenarbeit zu torpedieren. zur Zeit ist es wie gesagt durch massives Totschweigen.

Aber nochmal. Putin und Xi sind nunmal die Redeführer des Projekts, aber es ist ursprünglich eine chinseisches Projekt. Und ja, natürlich würde Russland davon enorm profitieren. Tut es jetzt schon. Chinesen investieren Milliarden in den Ausbau der Eisenbahnstrecken in Russland.

Antwort
von Crysali, 57
Dagegen, wir sollten die EU stärken und sowohl Rußland als USA als Konkurrenten sehen

Wir sollten immer aufpassen, nicht zu sehr zum Kauknochen für Russland und die USA zu werden, vor allem, wenn es in unserer Mitte gerade so kriselt.

Antwort
von SapuTina, 13
Eine Eurasische Union, da wäre ich sofort dafür

Hey, ich denke mal das würde sehr gut funktionieren da es nur eine Wirtschaftsunion wäre und jeder Staat selbständig wäre. Die Russen zwingen ja niemandem etwas auf, das ist denen auch egal wer da mitmacht oder nicht.

Ich finde wir sollten das schon in Erwägung ziehen und da mitmachen, dann gäbe es auch mehr Frieden und weniger Wettrüsten

lg Tina

Antwort
von soissesPDF, 49
Dagegen, wir sollten neutral sein wie die Schweiz

Würde nicht funktionieren, aus dem gleichen Grund warum die EU nicht funktionieren kann.
Entscheidend sind kulturelle Unterschiede und die Verfassungswirklichkeit des Nationalstaates.
Zudem ist Wirtschaft keine altruistische Veranstaltung, hier herrschen Egosimus und Gewinngier.

Antwort
von simferopol, 42
Eine Eurasische Union, da wäre ich sofort dafür

Diese sinnvolle Idee gibt es bereits seit 2010. Dazu bedarf es einer europäisch-russische Freihandelszone und einer gemeinsamen Industriepolitik. Das Kernproblem in der heutigen Welt besteht nach Putin in der Kumulierung von globalen Ungleichgewichten.

Das Modell, wonach das eine regionale Zentrum zügellos Anleihen aufhäuft und Güter konsumiert, während das andere Billigware produziert und Schulden aufkauft, hat, wie wir täglich sehen versagt.

Sowohl Russland als auch die EU sind wirtschaftlich sehr anfällig. Während die russische Wirtschaft noch relativ abhängig von Rohstoffen ist - zwar nicht mehr in dem Maße wie vor einigen Jahren - hat die EU mit den Folgen der Deindustrialisierung und der damit einhergehenden strukturellen Arbeitslosigkeit  - hier vor allem in Osteuropa - zu kämpfen.

Eine russisch-europ. Wirtschaftsunion könnte zu strategischen Allianzen in den Bereichen des Schiff- und Flugzeugbaus, der Automobilproduktion, der Weltraumtechnologien, der Medizin- und Pharmaindustrie, der Kernenergie und Logistik führen, die Energiepolitik könnte entpolitisiert werden.

Leider sehen wir gerade, wie die Transatlantiker durch antirussische Sanktionen, Blokadepolitik bei der Lösung globaler wirtschftlicher, politischer und militärischer Konflikte die EU destabilisieren und letztendlich durch Geifer und Einpeitscherei zu Fall bringen.

Antwort
von atzef, 55
Dagegen, wir sollten uns an den USA orientieren/zusammenarbeiten

Das feste und stabile Bündnis mit den USA hat uns enorme Vorteile gebracht und basiert auf gemeinsamen Werten, die sich an der Universalität der Menschenrechte, Freiheit, Demokratie, Gewaltenteilung und Rechtsstaatlichkeit orientieren.

Russland mit seiner zaristisch/stalinistischen Vergangenheit und einem Putinismus, der in all diesen Punkten Defizite vor dem Hintergrund massiver politisch-kultureller Rückständigkeit aufweist, ist schlicht und ergreifend weder ein verlässlicher noch vertrauenswürdiger Partner auf Augenhöhe. Russland muss sich erst noch zivilisieren. Woher soll es auch kommen? Die waren bis vor 1 1/2 Jahrzehnten noch unter totalitärer Fuchtel und haben keinerlei Plan, wie eine offene, tolerante und freiheitliche, demokratische Gesellschaft in Rechtssicherheit und mit Gewaltenteilung funktioniert.

An die Rohstoffe kommen wir auch so :-), da braucht man dem Kremelzwerg nicht in den Allerwertesten zu kriechen.

Die USA ist die stärkste Volkswirtschaft auf der Welt und wird es lange noch bleiben. Der nordatlantische Wirtschaftsraum, also Westeuropa und Nordamerrika ist seit 300 Jahren die führende Wirtschaftsregion der Welt und droht nun, von der südostpazifischen abgehängt zu werden.

Da bringt uns Russland nicht weiter, sondern nur der engere Schulterschluss mit Nordamerika als Anrainer eben auch dieser neuen Wachstumsregion.


Kommentar von simferopol ,

Danke für die Schenkelklopfer am Samstag!! Lachen ist ja bekanntlich die beste Medizin.

Kommentar von wissbegierig321 ,

gemeinsamen Werten, die sich an der Universalität der Menschenrechte, Freiheit, Demokratie, Gewaltenteilung und Rechtsstaatlichkeit orientieren.

Rußland hat natürlich einige Punkte, in denen es sich noch entwickeln muß, die Korruption ist dort allgemein etwas höher.

Allerdings, was die Menschenrechte anbelangt, würde ich die USA nicht als Partner auf Augenhöhe betrachten. Im Gegensatz zu Rußland gibt es in den USA immernoch die Todesstrafe, die Strafen sind teilweise auch völlig willkürlich - gehört man der falschen Rasse an, kann diese auch dreimal so hoch ausfallen. Wirkliche Rechtsstaatlichkeit sieht anders aus.

der in all diesen Punkten Defizite vor dem Hintergrund massiver politisch-kultureller Rückständigkeit aufweist, ist schlicht und ergreifend weder ein verlässlicher noch vertrauenswürdiger Partner auf Augenhöhe. 

Politisch-kulturelle Rückständigkeit, hmm. Gibt es denn, abgesehen von der Schweiz und paar anderen kleineren Ländern, überhaupt eine wirklich demokratische Gesellschaft? In den USA bestimmen die Lobbylisten, in Rußland die Oligarchen, beides die gleiche Plörre. Warum Rußland ein weniger verläßlicher Wirtschaftspartner sein sollte, leuchtet mir da nicht ganz ein.

Sogar im Kalten Krieg hatte sich Rußland an die Verträge gehalten und Rohstoffe geliefert, dabei hätten sie uns locker den Gashahn abdrehen können.

Die USA wollen uns TTIP aufdrücken, aber hinter verschlossenen Türen. Das hat auch nicht viel mit Demokratie zu tun. Im Gegensatz zu den USA bräuchten wir bei Rußland aber weniger zu fürchten, daß sie uns genmanipuliertes Getreide oder gechlorte Hähnchen unterjubeln wollen.

wie eine offene, tolerante und freiheitliche, demokratische Gesellschaft in Rechtssicherheit und mit Gewaltenteilung funktioniert

Aber die USA wissen das? ;) Nachdem sie die Indianer nahezu ausgerottet haben, hielten sie sich Sklaven dessen Nachfahren noch Jahrhunderte später diskriminiert werden, sowohl wirtschaftlich als auch gesellschaftlich. In Rußland leben dutzende Ethnien friedlich beisammen, kein Russe wäre auf die Idee gekommen, die asiatischen Völker in Sibirien zu vertreiben. Sie sind im Grunde die Vorfahren der Indianer.

Die USA ist die stärkste Volkswirtschaft auf der Welt und wird es lange noch bleiben.

Mit einer Verschuldung, jenseits von gut und böse und einer eher ineffizienten Wirtschaft (abgesehen von Kalifornien und der Ostküste, Bankensektor)? Wenn der Dollar fällt, leben die auf dem Niveau der Ukraine, eine Mittelschicht gibt es kaum, generiert wird das BIP durch den Bankensektor und Silicon Valley (Denen aber China schon ernste Konkurrenz macht).

Kommentar von atzef ,

Du bist einfach nur oberflächlich über Russland informiert...

1. Menschenrechte. Folter ist in russischen Gefängnissen an der Tagesordnung. Offiziel mag die Todestrafe abgeschafft sein, unliebsame politische Opponenten aber werden nicht nur weggesperrt wie Chodorkowski, sondern auch final aus dem Weg geräumt wie die Politkovskaja, Litwinenko, Nemzow. Kürzlich verschieden 2 führende Funktionäre der russischen Anti-Dopig-Agentur, nachdem sie sich zu Aussagen bereiterklärt hatten... Weitgehende Gleichschaltung der Medien, unfassbare Justizwillkür..., der unglaublich aggressive Rassismus gegen Nichtrussen, insbesondere Kaukasier, der tief in der russischen Orthodoxie verwurzelte Antisemitismus...Man muss schon sehr scheuklappig unterwegs sein, um all diesen ganzen russischen Müll zu übersehen

2. Ja. Es gibt "wirkliche" Demokratien. Insbesondere sind das die Staaten der EU, Nordamerikas, Australiens, Neuseelands etc.

Lobbyismus steht einer Demokratie nicht automatisch im Weg, sondern ist die ultima-ratio-Daseinsbedingung einer pluralistischen Gesellschaft. Schlussendlich heißt Lobbyismus nichts weiter als Interessenvertretung. Und genau darum geht es in einer freiheitlichen Demokratie: Interesse verfolgen und vertreten zu dürfen.

3. Russlands Verlässlichkeit kann man bestens in der Geschichte studieren. Nehmen wir mal die deutschen Antifaschisten, die vor Hitler in die SU geflüchtet sind. Erst stopfte man sie nach den Schauprozessen Ende der 30er Jahre in russische Gulags, dann wurden sie als Präsent der SS nach dem gemeinschaftlichen Überfall auf Polen übergeben. DDR 53, Ungarn 56, CSSR 68.. Russland schert sich einen Dreck um Prinzipien, Verträge oder Absprachen,wenn es nur seinem eigenen Vorteil dient.

4. Nein. Die Russen hätten uns nie den Gashahn abdrehen können. Dazu waren sie viel zu sehr auf westliche Devisen angewiesen. :-) Im Konflikt mit der Ukraine setzt Russland deren Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen als willkommenes Druckmittel ein. Das sollte eine Lehre sein. Ebenso die russische Reaktion auf den Abschuss eines Jets über der Türkei: Verbot aller Wirtschaftsbeziehungen zur Türkei...

5. Die Geschichte der USA besitzt fraglos dunkle Flecken. Die Behandlung der Indianer gehört ebenso dazu, wie die Versklavung der Farbigen. Immerhin aber führten die USA um eben die Abschaffung der Sklaverei einen Bürgerkrieg...Und wenn wir uns demgegenüber die russische Geschichte anschauen, strotzt die geradezu vor Verbrechen gegen nichtrussische nationale Minderheiten. Umsiedlung der Krimtartaren, der Deutschen, der Polen, der Tschetschenen, die Opfer in der Ukraine, im Baltikum... Was glaubst du wohl, warum Russen im ehemaligen Herrschaftsbereich der Sowjetunion außerhalb Russlands so verhasst sind...?

6. Die USA, präziser die öffentlichen Haushalte der USA, sind hoch verschuldet, u.a. wegen einer Niedrigsteuerpolitik. Die Wirtschaft ist die mit riesigem Abstand reichste der Welt! :-) Untergnagspropheterie ist immer ein Zeichen von Wunschdenken und Argumentationsschwäche. Da der Zusammenbruch nicht bevorsteht, verschiebt man ihn rhetorisch halt in die Zukunft und weidet sich an seiner malerischen Ausgestaltung...:-)

Antwort
von Bilka29, 18
Eine Eurasische Union, da wäre ich sofort dafür

Wir haben historisch und kulturell mit Rußland viel mehr gemeinsam, als mit den USA. Während Rußland viele Rohstoffe besitzt und durchaus hochentwickelte Technologie im Bereich Medizin, Weltraumtechnik und Telekommunikation, könnte Westeuropa dies mit seinem Wissen über Maschinenbau ergänzen.

Ich wäre dafür und glaube auch nicht, daß diese Union zerbrechen würde, da eine Eurasische Union eben jedem Mitgliedsstatt die Freiheiten ließe - anders als die EU!

Antwort
von Juli277di, 9
Eine Eurasische Union, da wäre ich sofort dafür

Natürlich, allerdings muss man erst die Politik miteinander verständigen.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community