Frage von ii420, 160

Existiert ein Gegenstand nicht, wenn niemand ihn anschaut?

Ähnlich wie Schrödingers Katze: Z.B. ein Glas. Dieses Glas stelle ich auf einen Tisch. Alle die im Raum sind und nun vom Glas wegschauen. Existiert es dann trotzdem noch?

Expertenantwort
von SlowPhil, Community-Experte für Physik, 49

Zunächst einmal kann ich mir des Gegenstandes nicht voraussetzungslos wirklich sicher sein, aber das liegt nicht an der Quantenmechanik.

Vielmehr weiß ich ganz sicher nur, dass ich existiere, wohl bemerkt, als ein Wahrnehmendes Wesen, da ich mir eine derartige Frage sonst gar nicht stellen könnte. Dies heißt freilich nicht, dass ich mir etwa meines Körpers, meines Namens etc. wirklich sicher sein könnte, denn das ist ja Wahrgenommenes, und dies kann theoretisch Illusion sein, wie es sie im Traum ja auch häufig ist. Für meine Mitmenschen gilt natürlich dasselbe, was ich auch der Erfahrung mit Träumen entnehmen kann.

Was die Quantenmechnik betrifft, so denke ich, dass die Vorsicht der Quantenphysiker, wenn sie von der Realität eines Geschehens reden, durchaus nachvollziehbar ist - wobei ich zu bedenken gebe, dass die Aussage, etwas existiere nicht, eine mindestens ebenso starke Behauptung ist wie die Behauptung, es existiere.

Die Auffassung hingegen, dass die Kenntnisnahme einer Messung durch den Experimentator überhaupt erst eine einzige Realität aus zuvor mehreren Möglichkeiten schaffe und etwa Schrödingers berühmte, gleichwohl aber nicht beneidenswerte Katze in einen eindeutigen Zustand »lebendig« oder »tot« versetze, erachte ich als eine krasse anthroponarzisstische Missdeutung der Quantentheorie.

Immerhin scheint sie mir anhand eines möglichen Quanten-Zeno-Effekts oder dessen Gegenteil eventuell falsifizierbar und erfüllt somit die nötigen popperschen Anforderungen an eine wissenschaftliche Theorie.

Der Quanten-Zeno-Effekt besagt, grob gesprochen, dass sich gewisse quantenmechanische Übergänge von einem Zustand in einen anderen dadurch verzögern lassen sollten, dass man sie häufig genug beobachtet.

Man kann sich modellhaft vorstellen, dass die beiden Zustände sich durch einerseits eine 12-Uhr- bzw. 6-Uhr-Stellung und andererseits 3-Uhr- bzw. 9-Uhr-Stellung eines Doppelzeigers darstellen lassen. In dem Augenblick, in dem man nachschaut, befindet er sich stets entweder in der Senkrechten oder in der Waagerechten denn beobachten kann man prinzipiell nur einen der beiden Zustände und keine Mischung daraus.

Ist der Zeiger dazwischen, so stellen die Quadrate seiner Projektion auf die Waagerechte bzw. Senkrechte die Wahrscheinlichkeiten dar, beim nächsten Nachschauen die Waagerechte oder Senkrechte zu erhalten. Die Wahrscheinlichkeiten selbst ändern sich also zeitlich nicht linear, sodass, wenn man den Zeitrahmen etwa kurz genug wählt, der Zeiger häufiger zurück- als vorspringen sollte, was den Übergang verzögert. Natürlich muss man eine Vorstellung davon haben, wie schnell sich der Zeiger bewegt.

Dies sollen Physiker anhand eines radioaktiven Zerfallsprozesses ausprobiert haben, wobei sich m.E. jedoch herausstellte, dass der Prozess nicht aufzuhalten, sondern eher zu beschleunigen ist. Die Entscheidung, ob sich ein Kern umgewandelt hat oder nicht, scheint viel früher eindeutig festzustehen als zuvor gedacht, ganz ohne Bewusstseinseingriff, denn der Zerfall wurde beschleunigt.

Antwort
von Aleksakisu, 60

Das kannst du durch ein einfaches Experiment herausfinden.

Stell das Glas auf den Tisch. Dann dreh dich um und schau woanders hin. Jetzt taste mit deiner Hand hinter dir den Tisch ab. Es gibt zwei Möglichkeiten:

a) Du spürst das Glas. Ja, es existiert noch, auch wenn du es nicht siehst.

b) Für einen Moment ist da was an deiner Hand, dann ist es weg und du hörst ein Klirren. Nein, jetzt existiert das Glas nicht mehr und du solltest beim nächsten Tastversuch vorichtiger sein.

Eine gewisse Ähnlichkeit mit Schrödingers Katze ist da also schon ;)

Kommentar von grtgrt ,

Die Frage war ja: Würde ein Gegenstand nicht existieren wenn niemand Ihn anschaut?

Sie wird beantwortet in https://ggreiter.wordpress.com/2014/09/24/der-kollaps-der-wellenfunktion-allzu-o... .

Kommentar von Aleksakisu ,

Meine Antwort sollte vor allem darauf anspielen, dass niemand das Glas anzuschauen braucht, um es durch andere Sinne wahrnehmen zu können und sich auf diese andere Art seiner Existenz zu versichern. Ich habe die Frage quasi als Würde ein Gegenstand nicht existieren, wenn niemand ihn anschaut? gelesen.

Aber ein sehr interessanter Artikel, danke dafür :)

Antwort
von grtgrt, 26

Ein Gegenstand existiert völlig unabhängig davon, ob ihn jemand anschaut.

Zweifel daran sind heute längst ausgeräumt, waren zunächst aber nicht so leicht ausräumbar, da sie entstanden waren in Konsequenz der Tatsache, dass man damals den sog. Kollaps der Wellenfunktion (ein Konzept der Quantenmechanik) noch nicht so richtig verstanden hatte.

Bitte lies mehr dazu in https://ggreiter.wordpress.com/2014/09/24/der-kollaps-der-wellenfunktion-allzu-o... .

Antwort
von TheTeito, 76

Nur mal rein hypothetisch davon ausgehend, dass du noch vier andere Sinne hast, mit welchen du den Gegenstand wahrnehmen kannst, macht das keinen Sinn. Allein das Wegschauen ändert nichts daran, dass der Gegenstand dort existiert.

(Interessanter ist diese Frage meiner Meinung nach, wenn man sich fragt, was mit den Dingen/Sachverhalten passiert, wenn man sich weigert, an sie zu glauben)...

Antwort
von michi4560921, 7

Das Glas existiert, da seine Atome mit sich selbst und mit der Umwelt (Luft, Tisch) interagieren. Der Mond ist auch das wenn du nicht hinschaust weil seine Atome dauernd mit anderen Atomen und Teilchen (Photonen etc) in Wechselwirkung stehen). Dadurch das Licht (egal welcher Längenwelle) auf den Mond oder das Glas fällt wir sein Standort dauernd bestimmt ==> Wellenfunktion zerstört.

Schrödingers Katze ist nicht wörtlich zu nehmen. Würdest du Star der Katze allerdings ein Atom bzw. seine Bestandteile (z.B.: Elektron) nehmen und von der Umwelt abschotten, kannst du laut Quantenmechanik nicht mehr sicher sein  ob es in dem zurückgelassenen Zustand existiert, da sein Impuls und sein Standort in Wahrscheinlichkeiten zerfließt.

Hoffe ich konnte helfen ;)

Antwort
von skyberlin, 47

Die Arktis existiert auch, ohne unsere Beobachtung, Sibirieren besteht auch, größenteils, ohne unsere  Beobachtung. Der Himalaya existiert, auch ohne unsere Beobachtung. Die Regenewälder der Welt, existieren ohne unsere Beobachtung, obwohl die Satelliten-Scans vieles erfassen: vieles existiert ohne unsere Beobachtung. Ich bin vielfach über den Himlaya geflogen, Bilder, die die Welt noch nicht gesehen hat... Es ist kaum greifbar, weil die letzten Geheimnisse der Welt niemand gesehen hat, obwohl sie existieren. Wegschauen oder Unkenntnis sind kein Beleg für die Nicht-Existenz von Existierendem!


Antwort
von FrankFurt237, 63

Meines Erachtens nicht. Ohne wahrnehmenden Übersetzer (unsere Sinne) existiert das Universum nicht.

Kommentar von grtgrt ,

Dies gilt hinsichtlich der (von Person zu Person leicht unterschiedlichen) Realität, aber nicht notwendig auch hinsichtlich der Wirklichkeit.

Der Unterschied zwischen (stets subjektiver) Realität und der Wirklichkeit wird erklärt in http://greiterweb.de/zfo/Realismus.htm#msgnr0-35 .

Antwort
von Neutralis, 48

Ja, das liegt daran, dass immer Messungen statt finden. Atome,Infrarotstrahlung usw. Außerdem geht es bei Schrödingers Katze um Quantenobjekte und nicht um den Makrokosmos.

Siehe Doppelspaltexperiment und die Superposition von Teilchen. 

Antwort
von AtotheG, 63

Natürlich, es ist ja schließlich da nur ignoriert man es.


Schrödinger Katze ist etwas komplett anderes, solange der Zustand der Katze ungewiss ist, ist sie beides tot und lebendig.

Kommentar von grtgrt ,

Was Schrödingers Katze betrifft, lies bitte zunächst mal https://ggreiter.wordpress.com/2015/03/25/schrodingers-katze-warum-das-gleichnis... .

Antwort
von konstanze85, 33

Natürlich

Antwort
von Halloweenmonster, 46

Natürlich existiert das Glas.

Das Haut nicht ab.

Dein Telefon kann klingeln. Musst du es dafür 24/7 anstarren?

Antwort
von SirPyro, 42

Dazu gibt es eine interessante Theorie die besagt das alles nur Dan ist solange du du bist z.b verschwindet dein zimmer sobald du nicht mehr da bist weiß nicht mehr Genua wie die heißt und habe da auch mangelnde Informationen muss man sich genauer mit befassen

Antwort
von Coldnez, 22

Google mal: "Existiert der Mond auch, wenn niemand hinsieht?"

Das ist die Frage, die in der Quantenphysik sehr bekannt ist und schon viel darüber geschrieben wurde

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