Frage von Balurot, 101

Würde die Einführung des Grundeinkommens für alle wirklich den Bildungsgrad erhöhen?

Bitte seht Euch das beigefügte Bild an. Es erklärt die Grundzüge des Grundeinkommens.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Kurisutihna, 72

So einfach wie turnmami das sieht ist das tatsächlich garnicht. Klar, die die keine bildung wollen, wollen dann auch nicht. Aber es ist nachgewiesen, dass Jugendliche aus sozial schwachen Familien häufig schlechter in der Schule sind. Mit einem gewissen grundeinkommen kann dieser effekt reduziert werden (zum beispiel können die familien dann nachhilfelehrer bezahlen)

Kommentar von turnmami ,

Die werden z.T auch heute schon über das JC finanziert. Wer in D eine Schule besuchen möchte, der hat sehr viele Fördermöglichkeiten!

Kommentar von Balurot ,

turnmami: Entschuldigung, ich bin aus Österreich. Was ist das JC?

Kommentar von wfwbinder ,

JC = Jobcenter, in manchen Gegenden auch ARGE, die Stelle wo man ALG II (Hartz IV für arbeitsfähige Personen) beantragt.

Antwort
von ReimundAcker, 9

Natürlich lässt sich das zukünftige Verhalten vom Menschen nicht sicher voraussagen (zum Glück). Es gibt aber u. a. folgende Indizien, die darauf hindeuten, dass das Grundeinkommen (GE) gut für die Bildung ist:

Verbesserung des Bildungsangebots durch das GE:

  • Mit einem Grundeinkommen würde jeder Zweite mehr Zeit mit der Familie verbringen, was i. A. auch der Bildung seiner Kinder zugute käme (s.
    www.grundeinkommen.ch/die-schweiz-arbeitet-weiter-erste-repraesentative-umfrage-...)
  • Es könnten mehr Menschen Bildungsarbeit leisten, weil ihr Lebensunterhalt durch das GE bereits gesichert wäre.
  • Jeder zweite Lehrer fühlt sich durch den Stress in seinem Beruf im Übermaß belastet. Jeder dritte zeigt Anzeichen von Selbstüberforderung und Resignation, 35 Prozent der Lehrer leiden bereits an »Burnout« und weitere 30 Prozent befinden sich im Frühstadium. Das GE könnte ihnen helfen, dem wachsenden Druck zu entkommen.
    50 Prozent der Befragten gaben an, sich für den Beruf des Lehrers entschieden zu haben, weil sie sich verbeamten lassen können und damit im Alter abgesichert sind.
    Jeder vierte befragte Lehrer wollte ursprünglich nicht Lehrer werden und sah seinen Beruf nur als Notlösung an. Oftmals wären nach einigen Berufsjahren eine anders gerichtete Tätigkeit oder ein Sabbatjahr hilfreich. All dies wäre in Folge eines GE sehr viel leichter zu bewerkstelligen. (Quelle: http://www.erziehungskunst.de/artikel/neue-perspektiven-wie-veraendert-das-bedin...)
  • Staat und Wirtschaft müssen ihre Bildungsangebote attraktiver gestalten, weil die durch GE abgesicherten Menschen nicht mehr so leicht zur Annahme von Jobs und der dazu nötigen Aus- und Weiterbildung zu zwingen sind.
  • Auch das Angebot von attraktiven nicht berufsbezogenen Bildungsangeboten nimmt durch das GE zu, weil die Nachfrage danach zunimmt (s. u.).

Verbesserung der Bildungsnachfrage durch das GE:

  • Ein Grundeinkommen würde jeder Zweite für seine Weiterbildung nutzen (s. www.grundeinkommen.ch/die-schweiz-arbeitet-weiter-erste-repraesentative-umfrage-...)
  • Auf mein-grundeinkommen.de berichten viele der Gewinner eines einjährigen Grundeinkommens, dass sie es für Bildung genutzt haben.
  • Das GE verbessert die Grundlagen für Ausbildung, Studium und Weiterbildung, weil es von der Notwendigkeit befreit, sich ständig um seinen Lebensunterhalt zu sorgen. Dadurch sind Studium, Aus- und Weiterbildung jederzeit möglich.
  • Das GE verbessert die Möglichkeiten zum Erwerb von Bildung und beruflicher Qualifikation. Geringverdienern fällt es leichter, zugunsten von Qualifizierungsmaßnahmen für eine gewisse Zeit aus der Erwerbsarbeit auszusteigen.Der Lebensunterhalt während der Qualifizierungsmaßnahme und für die benötigte Zeit bis zum Wiedereinstieg in den Beruf sind gesichert.
  • Gerade gering qualifizierte Personen arbeiten häufig in unsicheren Beschäftigungsverhältnissen, mit denen eine Bildungsmaßnahme oft nur schwer zu vereinbaren ist. Mit GE können diese Menschen ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen, um einer Weiterbildung nachzugehen.
  • Das GE ermöglicht eine freiere Berufswahl. Auch heute spielt die Frage, wie schnell man als junger Mensch finanziell unabhängig ist, für viele eine entscheidende Rolle bei der Berufswahl. Immer wieder verzichten junge Menschen aus sozial schwächeren Elternhäusern auf einen höheren Bildungsabschluss, um früher in das Erwerbsleben einzusteigen und ihre Eltern finanziell zu entlasten. Das GE sorgt für finanzielle Absicherung während der Ausbildung.
  • Das GE schafft mehr Freiheit in der Verwendung der Mittel, die zur Grundsicherung dienen. Empfänger von Sozialhilfeleistungen sind heute eingeschränkt in ihrer Mittelverwendung durch zweckgebundene Leistungen z. B. für Miete, Strom und Heizung. Mit GE kann sich jemand z. B. entscheiden, eine billigere Wohnung zu mieten und das gesparte Geld für Bildung zu verwenden. Bei Hartz-IV-Bezug würde das gesparte Geld vom Amt einbehalten.
  • Mit GE verbringen die Menschen mehr Zeit mit Tätigkeiten, die sie gerne machen. Junge Menschen passen daher ihre berufliche Ausbildung mehr an ihre Interessen, Talente und Neigungen an. Dadurch sind sie für die Ausbildung besser motiviert.
  • Auch die Nachfrage nach nicht berufsbezogenen Bildungsangeboten nimmt durch das GE zu, weil die Menschen mehr Zeit und Geld haben, um ihren Interessen und Neigungen zu folgen.

Verbesserung der Rahmenbedingungen für Bildung durch das GE:

Durch GE wird der einzelne Schüler, Lehrer oder Dozent in die Lage versetzt, sich selbst geeignete Rahmenbedingungen für ein sinnvolles Lernen und Studieren zu schaffen.


Kommentar von Balurot ,

Vielen Dank für die ausführliche Antwort!

Antwort
von wfwbinder, 29

Kaum, die Familien die heute nicht darauf achten, das die Kinder pünktlich in der Schule sind, werden es auch dann nicht machen.

Gute Bildung ist nämlich, im Gegensatz zu häufig geäußerten Meinung, m. E. kein Problem des Geldes, sondern eine Sache derBildung der Eltern und des Wollens.

Zu meiner Schulzeit bekamen wir Kinder mehrfach die Woche gesagt, "lern schön, pass gut auf, was der Lehrer sagt." Das gibt es heute kaum noch.

Aber in Familien mit gut gebildeten Eltern werden die Hausaufgaben besser kontrolliert und die Eltern können helfen.

Daran wird auch ein bedingungsloses Grundeinkommen nichts ändern.

Aber eine gute Idee ist es trotzdem. Rentern bliebe der Gang durch die Instanzen erspart. Verwaltungskosten gespart.

Antwort
von turnmami, 47

Das glaube ich nicht. Da diejenigen, die jetzt nichts lernen wollen, dann überhaupt keinen Grund mehr haben zum lernen.

Antwort
von 1988Ritter, 31

Ich denke auch, eine Erhöhung des Grundeinkommens kann die Struktur innerhalb von Deutschland verbessern.

Diese Verbesserung kann schon aus der dann allgemeinen positiveren Stimmung heraus kommen, da die Bevölkerung sieht, dass sich die Arbeit wieder lohnt.

Es ist also der Belohnungsfaktor der ein Motor sein kann. Menschen die sich jetzt vielleicht sagen, was soll ich als Verkäufer im Supermarkt, da verdiene ich ja nichts, werden wieder einen Sinn erkennen. Es kann eine Steigerung bei den Berufs- und auch Schulabschlüssen geben.

Kommentar von Balurot ,

1988Ritter: Von einer Erhöhung habe ich gar nicht gesprochen. Ich war erst bei einer Einführung.

Kommentar von 1988Ritter ,

Da wir ja schon den Mindestlohn haben, resultiert für mich die Einführung gleichzeitig als Erhöhung. War unglücklich ausgedrückt.

Kommentar von Balurot ,

OK. Alles klar.

Der Mindestlohn ist aber kein Grundgehalt für alle. Der Mindestlohn gilt nur für die Menschen, die arbeiten.Das Grundgehalt würde auch für Menschen gelten, die nicht arbeiten.

Antwort
von luibrand, 19

Der eigene Bildungsgrad ist immer auch eine persönliche Willensfrage und auch abhängig von der Förderung der eigenen Anlagen. Soziologische Betrachtungen sehen eine deutliche Steigerung der Bildungschancen für die Gesellschafft durch ein Grundeinkommen. Was der Einzelne daraus macht, wie er die Bildungsangebote nutzt, ist hauptsächlich eine individuelle Angelegenheit.

Kommentar von wfwbinder ,

Du schreibst Jemanden, der mit Hauptschulabschluss begonnen hat und sich über Handelsschule, Berufsausbildung, Hochschulreife auf dem 2. Bildungsweg mit zwei nachfolgenden Studien weiterqualifiziert hat, aus dem Herzen.

Antwort
von voayager, 17

ggf., jedoch nur bedingt

Antwort
von aek79, 2

Schon lange wollte ich einen Schreibmaschinenkurs, einen Buchführungskurs, und meinen Führerschein machen. In dass Museum schaffe ich es auch nur einmal im Jahr. In das Kino ebenso, obwohlich das mag. Lesen geht nur im Urlaub, und dan nur noch leichtes, weil ich so müde bin.

Schaffe all das nicht weil ich mit meine Selbstständigkeit 150% Einsatz bedarf und so nie Zeit finde. 

Wir sind nicht faul und dumm! Wir sind nur überbeschäftigt!

Also....

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