Frage von MeikRatsuchus, 41

Wozu brauchen wir in unserer sozialen Sphäre Werte und Normen?

Immer wieder werden große Erziehungsmängel an der gegenwärtigen Jugend ausgesprochen. Es gäbe einen "Verfall der Wertvorstellungen" und eine "Verrohung der Umgangs-Formen". Respektlosigkeit im Alltag, antisoziales Verhalten, Verrohung der Sprache und eine niedrige Gewaltschwelle seien aktuelle Phänomene. Nun, ich bin nun 17 und soll kleinen Kindern in der Orientierungsstufe dies erklären. Dazu möchte ich ihnen 1. erklären, wozu der einzelne Mensch und 2. wozu unsere Gesellschaft überhaupt Werte braucht. Hierbei könnte ich fachliche Hilfe gebrauchen, kann mir dabei jemand auf die Sprünge helfen ? Das wäre sehr lieb :) LG Meik

Expertenantwort
von Schuhu, Community-Experte für Schule, 41

Du könntest bestimmte Situationen schildern, und die Kinder beurteilen lassen, ob "richtig" oder "falsch" gehandelt wurde. Da wird allen klar, dass wir diese Werte und Normen haben und meistens anwenden. Verstoßen wir dagegen, empfinden wir (und die anderen) das als "falsch". Indem wir das Gegenüber als Menschen erkennen, erkennen wir auch, dass er genauso behandelt werden möchte wie wir. Das moralische Prinzip ist genial zusammengefasst in dem Sprichwort: "Was du nicht willst, was man dir tu, das füg auch keinem andern zu."

Antwort
von frederick, 27

MeikRatsuchus: Den Verfall der Sitten und Werte bei der Jugend beklagte schon der alte Platon. Das ist eher ein Problem des gesellschaftl. Wandels, der über 2 oder 3 Generationen hinweg als noch brachialer empfunden wird, als er zw Eltern + Kindern innerhalb der Familie hervorbricht. Verrohung der Umgangsformen, zunehmende Respektlosigkeit + Rücksichtslosigkeit im Alltag, erhöhte Gewaltbereitschaft… das allerdings sind in der Tat Phänome der Gegenwart, die nicht von der Hand zu weisen sind. Sie prägen unseren Alltag immer wieder in erschreckender Weise – und werden auch statistisch sichtbar. Ursachen hier auszurollen, führte etwas zu weit, da ich schon eine Menge von 5.000 möglichen Zeichen verschwendet habe:

Schuhu: „Was Du nicht willst…“ – Jepp, volle Zustimmung. Ist in der Tat der beste Grundsatz des gegenseitigen Miteinander. Greift nicht alles, ist aber wohl die am weitesten greifende Orientierung.

NosUnumSumus: „Immer hinterfragen“ – volle Zustimmung. Ansonsten: Selten liest man so viel Unsinn so gebündelt. Weil Du alles absolutistisch formulierst. Mal zurücklehnen und hier und da gepflegt relativieren. ++ Du brauchst Geld, damit Du den Computer bezahlen kannst, mit dem Du an GF teilnimmst. Du wirst ihn schwerlich mit Hühnern oder deren Eiern bezahlen können. Schulden tragen das Geldsystem erst, weil es Leute gibt, die Geld verleihen, um sich daran zu bereichern. Ursprüngl stand dem Geldwert immer Sachwert gegenüber. Aber auch: Der Adel konnte Schuld auch ohne Geld einfordern + also ausbeuten: Die Leibeigenen an ihrer bloßen Arbeitskraft, und Bauern + sonstige durch Ziehung von materiellen Werten! ++ Moral wird von Schuldgefühlen getragen. Korrekte Aussage. Aber: Mit einem kollektiven Rechtsempfinden geht auch so etwas wie „Moral“ einher. Das ist unvermeidlich, aber – richtig erkannt von Dir – auch sehr problematisch. Denn Moral wird häufig + leicht über das Recht gestellt – und spätestens dann gehen Freiheit + Selbstbestimmung des Individuums zu Bruch.

Was uns tatsächl. in ein Korsett zwängt, ist Massengesellschaft. Denn je mehr Menschen aufeinander hocken, desto restriktiver sind zwangsläufig die Beschränkungen für einen jeden einzelnen. Das geht aber gar nicht anders! DENN: Die Freiheit des einen muss da enden, wo die Freiheit des anderen beeinträchtigt wird. Die Freiheit das anderen ist jedoch nicht zwingend, das Gleiche tun zu können – sondern vllt einfach nur, von dem ungezügelten (freien) Gebahren des einen nicht gestört zu werden! Beispiel: Wie sollen Menschen in einem Mehrfamilienhaus gemeinsam leben können, wenn keiner von denen oder nur einer auf den Code „Zimmerlautstärke“ geflissentlich sch…ßt? Da dreht der eine zwischen 0 und 24 Uhr allein an den Beats durch, die durch Wände + Decken dröhnen, sieben andere finden den Schlaf wenigstens der Nacht nicht – und nur einer sagt sich: Klasse, muss ich mir keine eigene Musikanlage kaufen.

Sehr wohl natürlich sollte man darauf achten, dass eine Gesellschaft nicht wieder zurückgleitet in archaische Muster, in denen durch Moral und bloßen Starrsinn Menschen in ihren Freiheiten beeinträchtigt werden, wo sie gar niemanden anders durch ihre Freiheit beeintächtigen. Wo also die Behinderung anders Denkender zum bloßen Selbstzweck gesellschaftlicher Kontrolle wird! – Weshalb sollte ich Menschen die gleichgeschlechtliche Liebe verwehren? Ich muss es ja selbst nicht ebenso halten, wenn es mir nichts gibt. Weshalb sollte ich einer Mutter verwehren, ihr Kind auch in der Öffentlichkeit an der Brust zu stillen? Das hat mit Exhibitionismus ja so herzlich wenig gemein. Aber wenn es das Schamgefühl zumindest einer Mehrheit der Menschen verletzt, dann muss eine Frau nicht zwanghaft maximal leichtbekleidet herumlaufen. Andererseits: Weshalb sollten Männer ihren runden Wanst zur Schau tragen dürfen, im Sommer nur leicht verhüllt durch das klassische Rippenunterhemd – während Frauen sich weitreichend verhüllen sollen?

Von dem „Käfig der Moral“ will ich also gern auch sprechen. Aber Werte und Rechte schränken uns nicht nur ein, sondern schützen auch. Dass dieser Schutz oft zu weit geht, oft nur sinnlos einschränkt, das geht auch in Ordnung. Aber nicht alles, was Regel ist, dient der Gleichmacherei, sondern weitreichend der Notwendigkeit, viele Menschen auf begrenztem Raum so in Frieden zu halten, dass sie sich nicht gegenseitig zerfleischen.

Antwort
von NosUnumSumus, 28

Dieser Käfig der Moral hält uns in unserem Verstand gefangen und ist ein fein ausgeklügeltes Unterdrückungsinstrument, das und im Zaume hält und kontrollierbar macht. All diese Werte sind künstlich ausschließlich zu diesem Zweck geschaffen worden, sowie auch das Schuldsystem. Jeder Mensch glaubt daran, Schuld zu haben bzw. haben zu können und interpretiert das negativ. Auch unser Geldsystem basiert auf Schulden, ohne sie gäbe es kein Geld mehr. Denn die Schulden des Einen sind das Vermögen des Anderen...
Deshalb ist es gut, dass immer weniger Menschen, vor allem die nachfolgenden Generationen, nicht mehr mitspielen (wollen). All diese Werte sind nur unnütze Einschränkung und hält uns hier in diesem Stadium der spirituellen bzw. geistigen Entwicklung gefangen, bindet uns an das System und macht uns unfrei. Alle Werte und Rechte (die ja auch nur erfunden sind und mit Verpflichtungen einhergehen) schränken uns nur zusätzlich in unseren ohnehin unbestrittenen Rechten als Mensch ein und zwängen uns in das Korsett des kollektiven Gleichmachers.

Also merken: Immer hinterfragen und sich überwiegend mit den positiven Dingen im Leben befassen, doch auch einen Blick ins Finstere wagen und bedachtsam seinen Weg wählen!

Liebe Grüße :-)

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