Frage von xTheKeks, 97

Wovon ist der Satz eigentlich abhängig, dass er so lauten muss?

Letzte Woche hat ein Klassenkamerad als er etwas erzählt hat: wegen dem Krieg gesagt. Mein Lehrer hat ihn darauf korrigiert mit: wegen des Krieges. Warum heißt es denn so? Kann mir das einer vielleicht erklären? Vielen Dank

Antwort
von miaLaiin, 51

Das ist der Genitiv bzw. der zweite Fall. Den Genitiv verwenden wir, um eine Zugehörigkeit anzuzeigen. Außerdem steht der Genitiv nach bestimmten Präpositionen, Verben und Adjektiven. Die Kontrollfrage nach dem Genitiv lautet „Wessen?“.

Kommentar von Hooks ,

Diese Frage gilt für das Genitivobjekt (wird vom Verb verlangt) und das Genitivattribut (wird vom Substantiv verlangt).

Hier paßt diese Frage nicht, da die Präposition "wegen" den Genitiv verlangt, und das muß man einfach auswendig lernen.


Den Genitiv verwenden wir, um eine Zugehörigkeit anzuzeigen.

Hm, naja, es gibt bestimmt Leute, die argumentieren dann so: "dem Peter sein Buch"...

Kommentar von Deponentiavogel ,

Falsch und doppelt falsch.

Antwort
von Deponentiavogel, 22

Der Genitiv ist der Kasus des unbestimmten Bezugs, der immer auf die Frage ›In Bezug worauf?‹ antwortet.

Im Gegensatz zum Dativ oder dem Akkusativ zeigt er keine räumlichen Verhältnisse an und steht deshalb seit seinem Ursprung im Späturindogermanischen niemals mit einer Präposition.

Der Genitiv kann adverbial (im Adverbiale) oder attributiv (im Attribut) frei auftreten:

– Siehst du die Hand des Kindes ? (attributiv)

– Ich bedarf eines Bades. (adverbial)

Was die meisten Grammatiken als Präposition mit Genitiv interpretieren, sind allesamt attributive Genitive (Hand des Kindes), die dem übelsten Deutsch überhaupt, nämlich dem Kanzleideutsch, entspringen:

– Man kann dies an Hand eines Beispiels erkennen. --›
– Man kann dies anhand eines Beispiels erkennen.

Scheinpräpositionen mit dem Genitiv sind in 9 von 10 Fällen solche Denominalisierungen (mithilfe, vonseiten, aufgrund …). Dass es keine Präpositionen sind, erkennt man daran, dass man sie mit einer anderen Präpositionalphrase auflösen kann:

– Man kann dies anhand von einem Beispiel erkennen.

Der Präposition wegen liegt diese Systematik zugrunde. Die Kanzlisten verwendeten ›von Wegen des Angeklagten‹ für ›von Seiten des Angeklagten‹. Hier steht ein gewöhnlicher attributiver Genitiv.

Es gibt nur ein Problem. Es waren die niederdeutschen Kanzleien, die davon Gebrauch machten. Und niederdeutsch sprechen wir heute nicht mehr. Wir sprechen hochdeutsch.

Wegen kam als Niedergermanismus in den hochdeutschen Sprachraum, wo der attributive Genitiv nicht verstanden wurde, da man ja nicht um die Bedeutung des Wortes Wegen wusste. 

Man benutzte es deshalb als gewöhnliche Präposition mit einem gewöhnlichen räumlichen Kasus; in diesem Fall mit dem Dativ. Richtig ist daher allein:

– Wegen dem Krieg.

Wir haben es nicht mehr mit einem unbestimmten Bezug zu tun, sondern mit präpositionaler Rektion. 

________

Wer wegen mit Genitiv gebraucht, spricht in norddeutscher Dialektform, aber nicht standarddeutsch. Unsere Standardsprache ist Hochdeutsch und dort ist der attributive Bezug nicht mehr ersichtlich.

Würden Grammatiken nicht seit Jahrzehnten auswendig gelernte Regeln propagieren, die keiner durchschaut, wäre wegen mit Genitiv längst ausgestorben.

Kommentar von Wakeup67 ,

Was verlangt der Duden???

Kommentar von Deponentiavogel ,

Was willst du von mir? 

Der Duden ist ein Privatverlag mit einer Privatmeinung. Damit ergießt er sich in seiner Interpretation der amtlichen Rechtschreibung.

Die Grammatik kennt der einzelne Sprecher am besten.

Kommentar von Hooks ,

Woher hast Du diesen Quark?

– Ich bedarf eines Bades. (adverbial)

Was ist daran adverbial? Das ist ein klassisches Genitiv-Objekt.

Kommentar von Deponentiavogel ,

Klassisch ist daran gar nichts. Das haben die Germanisten aus der Formenlehre mitgeschleppt, die sich sporadisch mit Satzlehre beschäftigt und dafür den Begriff Genitivobjekt geprägt hat.

Nach klassischer Grammatik ist ein Objekt nur eines, wenn es im Akkusativ steht. Die anderen Satzglieder sind Subjekt, Prädikat, Attribut und Adverbiale. 

In der Satzanalyse der germanistischen Linguistik ist eben alles grün und ein Objekt. Sie kann auch nicht erklären, wie Genitiv-, Präpositionalobjekt, Dativobjekt und Akkusativobjekt zusammenhängen. Stichwort Lexikon. 

Wenn man weiß, dass im Adverbiale ein freier Genitiv, ein freier Dativ oder eine Präpositionalphrase stehen können, lässt sich viel befreiter arbeiten:

– Ich gedenke des Unfalls. (attributiver genitivus pertinentiae).

–› Ich gedenke dem Unfall. (dativus commodi)

– Ich harre seiner Entscheidung. (attribut. gen. pertinentiae)

–› Ich harre auf seine Entscheidung. (Präpositionalphrase)

Kommentar von Deponentiavogel ,

Natürlich meine ich:

– Ich gedenke des Unfalls (adverbialer genitivus pertinentiae)

– Ich harre seiner Entscheidung (adverb. genitivus pertinentiae

Dummer Fehler.

Kommentar von Hooks ,

Ich habe gelernt, daß ein Objekt zwingend vom Verb abhängt und daß ein Adverbiale eine zusätzliche Erklärung ist, die auch weggelassen werden kann.

Ich arbeite damit ganz frei und finde das sehr einfach und logisch.

Ich werde meinen Kindern auch nichts anderes erzählen.

Kommentar von Deponentiavogel ,

Ich werde meinen Kindern gar nichts davon erzählen. 

Das ist eben der nachträgliche Schluss, den die germanistische Linguistik gezogen hat. 

Demnach müsste es auch ein Adverbialobjekt geben:

Er benimmt sich =/

Er benimmt sich idiotisch.

(Dank an Wikipedia für das Beispiel.)

Die Satzgliedanalyse in der germanistischen Linguistik ufert in unterschiedlichen Objekten, Angaben, Ergänzungen, Satzteilen versus Satzgliedern und dergleichen mehr aus. 

Man versucht dann durch Satzgliedumstellung zu eruieren, was ein Satzglied ist und was nicht oder was doch nur ein Satzteil ist. Wobei auch diese Thesen widerlegt werden können:

Tücher habe ich nur weiße.

Und das drängt man den Schülern auf. Sicherlich pädagogisch wertvoll.

Antwort
von Hooks, 31

Ganz einfach: Die Präposition "wegen" regiert den Genitiv. Schöner wäre es noch nachgestellt: "des Krieges wegen".

Kennst Du den (nicht ganz ernst gemeinten) Spruch: "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod!"? das ist damit gemeint. Vor lauter Schlampigkeit wird sehr häufig der Dativ anstelle des Genitivs verwendet.

Kommentar von xTheKeks ,

Ohja :D

Dankeschön 

Kommentar von Deponentiavogel ,

Erstens, der Genitiv ist dem Genitiv sein Tod.

Zweitens, wegen steht mit Dativ.

Der Genitiv kann gar nicht regiert werden.

Kommentar von Hooks ,

Vogel? Wer hat hier einen Vogel? Wo hast Du Deutsch gelernt?

Alles drei ist falsch.

zum dritten:

http://www.deutschplus.net/pages/Prapositionen_mit_Genitiv

Die wichtigsten Präpositionen, die den Genitiv regieren, sind folgende:

angesichts

anhand

anlässlich

anstatt /statt

anstelle

aufgrund

außerhalb

bezüglich

halber

infolge

innerhalb

laut

mithilfe

oberhalb

trotz

um...willen

unterhalb

unweit

während

wegen

zugunsten

Kommentar von Deponentiavogel ,

Schau dir doch meine Antwort an.

Eine Internetseite, die nachplappert, was sie so oder so ähnlich von einer Grammatik mit hohen Auflagen gehört hat, stärkt deinen Standpunkt nicht, sondern macht ihn schwach.

Antwort
von Birnenmatsch, 40

Ein gutes Hilfsmittel ist immer die Worte durch Synonyme zu ersetzen, bei "wegen" z.B. "aufgrund". Dann sieht jeder dass "aufgrund dem Krieg" falsch aussieht :)

Kommentar von Hooks ,

Falls "jeder" weiß, daß aufgrund den Genitiv regiert...

Kommentar von xTheKeks ,

Dankeschön :)

Kommentar von Deponentiavogel ,

Das nächste Mal folge ich deinem Rat.

Der Kampf war brutal.

Aha.

Der Schlacht war brutal.

Kommentar von Hooks ,

Wo ist hier das aufgrund?

Kommentar von Deponentiavogel ,

Nirgends. Das System bleibt aber gleichdumm.  

Synonym sind zwei Wörter auf der Ebene der Bedeutung.

Das hat nichts mit der Grammatik zu tun.

Kommentar von Birnenmatsch ,

Damit, dass wer dieses Verfahren auf ein Nomen anwendet, hätte ich jetzt beim besten Willen nicht gerechnet :)

Antwort
von Harald2000, 34

Nach "wegen" folgt eben der Genitiv !

Kommentar von Deponentiavogel ,

Falsch. Es ist der Dativ.

Kommentar von Hooks ,

Es wird nicht dadurch richtiger, daß man es stereotyp wiederholt.

Kommentar von Deponentiavogel ,

Richtiger nicht. Es bleibt gleich richtig.

Ich will nur gern so viele Leute aufklären wie möglich.

Kommentar von Hooks ,

Ich denke, da gibt es wichtigere und dringendere Dinge in unserem Alltag, über die aufgeklärt werden müßte.

Deshalb ziehe ich mich jetzt aus der Diskussion heraus.

Antwort
von Wakeup67, 30

Wegen des "wegen"

Wegen verlangt einen Genitiv. 

Kommentar von Deponentiavogel ,

Falsch. Dativ.

Kommentar von Wakeup67 ,

Falsch!!! 

Man fragt nach wessen oder was?

Kommentar von Deponentiavogel ,

Grammatik mit Fragewörtern ausmachen zu wollen, ist kindisch.

Außerdem auch noch falsch.

Kommentar von Wakeup67 ,

Hast Recht mit deiner Ausführung, was den Ursprung und Herkunft betrifft. Dennoch ein Auszug aus dem aktuellen Duden: 

Präposition mit Genitiv:
Umgangssprachlich auch mit Dativ:
wegen eines Diebstahls
wegen der hohen Preise
wegen des Vaters oder des Vaters wegen
wegen der Leute oder der Leute wegen
wegen meiner (noch landschaftlich)
wegen dem Kind

Sprache verändert sich und wird von Zeit zu Zeit neu geregelt. So so gilt für die Sprache in Schulen und Verlagen das, was der Duden sagt. Nach "wegen" steht der Genitiv. Und nicht nur im Norden. 

Kommentar von Deponentiavogel ,

Der Duden ist ein Privatverlag. Für Schulgebäude und staatliche Institutionen ist das amtliche Regelwerk verbindlich, das sich allein mit Rechtschreibung befasst.

Der Duden versucht zusätzlich – ganz in der Art der linguistischen Germanistik– , der deutschen Grammatik auf den Grund zu gehen. Meist schreibt er von seinen Vorgängerbänden ab, ohne nur ein einziges Mal das festgefahrene Konzept zu hinterfragen.

Der Duden ist keine Autorität für Rechtschreibung. Für Grammatik gibt es keine Autoritäten, nur den einzelnen Sprecher.

Kommentar von Hooks ,

Deponentiavogel

Es wird nicht dadurch richtiger, daß man es dauernd wiederholt. Gehirnwäsche überlaß bitte anderen.

Antwort
von PHoel, 33

Ist halt die Deutsche Grammatik, viel gibt's da nicht zu erklären.

Antwort
von oppenriederhaus, 29

Grammatik :

der Krieg

des Krieges

dem Krieg

den Krieg

Kommentar von Hooks ,

Schon klar, aber hier liegt es an der Präposition "wegen", die den Genitiv regiert.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten