Frage von CamelWolf, 79

Worin liegen die Ursachen für die oftmals negative Wahrnehmung vom Beamten in Deutschland?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Geraldianer, 17

Beamte werden sehr oft mit unangenehmen Erfahrungen in Verbindung gebracht.

Stundenlages Warten an Ämtern, Strafe für die Hundehütte ohne Baugenehmigung, Lehrer die mit Lateinvokabeln nerven ...

Es gibt dagegen wenige positive Erfahrungen, die man mit Beamten in Zusammenhang bringen kann.

Die Schuld würde ich aber nicht bei den Beamten sehen. Sie sind nur das "Gesicht" einer Bürokratie. die meist frustrierend empfunden wird.

Antwort
von Daoga, 32

Ist der reine Neid. Sicheres Geld, lebenslänglich sicher vor Kündigung und angeblich nix zu tun.

Daß die kleinen Beamten, die die ganze tagtägliche Arbeit in den Ämtern an der Backe haben, in Wahrheit die Prügelknaben für jeden sind, der einen Groll auf den Staat generell hat, und zugleich die Prügelknaben für den Staat, der bei ihnen zuallererst kürzt und zugleich immer mehr auflastet (Einstellungsstopp, Personalkürzungen, Arbeitszeitverlängerungen, von Zwangsversetzungen an unbeliebte Orte ganz zu schweigen) wird dabei gern übersehen. Und "lebenslänglich" kann man in mehr als eine Richtung lesen, Beamte zahlen z. B. auch lebenslänglich Lohnsteuer, sogar als Rentner (anders als normale Rentner) und müssen ordentlich Beiträge zu den privaten Krankenkassen löhnen (wegen des Beihilfe-Systems). 

Kommentar von Jonas711 ,

Einstellungsstopp, Personalkürzungen, Arbeitszeitverlängerungen und Zwangsversetzungen sind alles ganz normale Vorgänge in der freien Wirtschaft. Dies wird nicht übersehen, sondern als Teil der Gesellschaft des 21. Jh. vorausgesetzt.

Zu den Pensionen: http://www.zeit.de/wirtschaft/2016-06/beamtenpension-rentenreform-altersarmut-ru...

Kommentar von Daoga ,

Personalkürzungen nach Art des Staates haben mit gesundem Menschen- oder Unternehmerverstand leider nicht viel zu tun. In den 60ern/70ern wurde alles verbeamtet, was bei drei nicht auf dem Baum war, und als man dann in den 90ern merkte, daß als Ergebnis eine riesen Pensionslawine auf den Staat zukommt (der "Gehaltsverzicht" aus den 60er Jahren, 7 %iger Beamtenbeitrag zur Pension, wurde zwar jahrzehntelang abgezogen, aber nie Rücklagen daraus gebildet), reagierte man mit einem praktisch totalen Einstellungsstopp. Ergebnis: die erfahrenen alten Hasen gingen in Pension, ohne ihr Wissen an eine junge Generation weitergeben zu können, das Ergebnis natürlich ein riesen Verlust an Wissen und Erfahrung, an dem die Ämter dann zu knabbern haben. "Kontinuität", wo ein erfahrener Beamter jahrelang in der gleichen Stelle sitzt und den ganzen Job aus dem Effeff kennt, ist heutzutage kein Wert mehr, stattdessen muß rotiert werden auf Teufelkommraus, rein in die Stelle, raus aus der Stelle, noch bevor der Bearbeiter voll eingearbeitet ist, nur um irgendwelche Vorgaben von oben zu erfüllen. Kein Wunder, daß manche Ämter so konfus in ihren Entscheidungen wirken, wenn sich keiner mehr so richtig auskennt.

Bei Artikeln über Beamtengehälter und -pensionen werden gerne nur die Vorteile für die Beamten aufgezählt, aber äußerst selten die ganzen Nachteile erwähnt. Wie z. B. auch die nichtexistierende Mitversicherung von Kindern, ein Beamter muß seine Sprößlinge selber kostenpflichtig versichern. Die Beamten selber hätten übrigens keine Probleme damit, ins normale Rentensystem "überführt" zu werden, und sei es nur, damit die ewigen Unterstellungen endlich aufhören... sondern der Staat ist der Blockierer, der dafür nämlich die (nichtexistenten!) Rückstellungen seit den 60er Jahren für die Beamtenpensionen in die Rentenkasse überführen müßte, und das geht nicht, weil dieses Geld gar nicht existiert, weil es nie angelegt wurde...

Kommentar von autmsen ,

Hierzu ein skandalöses Beispiel aus der Vergangenheit: 

Bundespolitik schaffte die Ein-Euro-Jobs. Das Bürgermeisteramt Köln nun ersetzte alle, wirklich alle Vollzeitarbeitskräfte durch Ein-Euro-Jobber. Selbstverständlich hatten diese nur Zeit-Arbeitsverträge. Sie wurden nur kurz angelernt. Und sollten nach Ende ihrer Längstzeit neue Ein-Euro-Jobber anlernen. 

Hier geht es nicht nur um die Zerstörung von Vollzeit-Arbeitsplätzen .Es geht auch um massiven volkswirtschaftlichen Schaden. Denn Ein-Euro-Jobber zahlen nicht in das Sozialversicherungssystem in angemessener Weise ein. Die Folgen sind mittel- und langfristig schon heute stark spürbar. 

Köln war nur ein Beispiel von vielen. Köln ging allerdings reichlich laut durch die Medien. Andere Beispiele wurden eher versucht der Öffentlichkeit vor zu enthalten. 

Antwort
von Malheur, 35

Schwierig. Ich habe schon unterschiedlichste Arte von Beamten kennengelernt, vom Arbeitstier bis hin zum Beamten, wie man sie ihn sich vorstellt: gemütlich, Kaffee, nicht so viel Hektik.
Es gibt eben zumeist ein sicheres Einkommen und daher kaum Druck schnell arbeiten zu müssen. In Zeiten, wo alles super schnell und gründlich erledigt werden muss, wird das nicht gern gesehen. Da kommt Neid auf und dergleichen.

Aber das lässt sich eben nicht so über einen Kamm scheren.

Antwort
von Fragenwacht, 44

Viele sehen im Beamten einen Staatsvertreter und lass dann an ihm alles aus. 

Antwort
von Jonas711, 28

Beamten sind gewissermaßen der privilegierte Teil einer Zweiklassengesellschaft (Quasi-Jobgarantie, Privatpatienten, üppige Pensionen).

Diese Jobgarantie ist auch Ursache des (nicht vollständig von der Hand zu weisenden) Vorurteils, dass Beamte im Vergleich zu Angestellten in der Wirtschaft eher faul sein dürfen und dies dabei bestmöglich ausnutzen.

Daneben vertreten Beamte häufig indirekt den Staat, mit dem einige Menschen auch so ihre Probleme haben.

Kommentar von CamelWolf ,

Ok, die Jobgarantie. Das stimmt. Haben aber  viele Angestellte in der freien Wirtschaft de facto ebenso. 

Was die Privatversicherung angeht - ist für die Masse der mittleren und gehobenen Beamten mehr Last als Freude da die Arzt- und Apothekenrechnungen immer verauslagt werden müssen. 

Üppige Pensionen ??? Teilweise, wobei diese versteuert werden müssen und teilweise mit Hungerbezügen (im mittleren Dienst) während der aktiven Zeit "erkauft" werden.

PS: Bin übrigens selber kein Beamter. 

Kommentar von Jonas711 ,

Das muss ich meinen Chefs mal erzählen, dass ich eine de facto Jobgarantie habe. Bestenfalls findet man das amüsant. 

Zu den Privatversicherungen: Das ist nur eine Seite der Medaille. Genauso wahr ist es aber, dass Privatversicherte deutlich besser und schneller behandelt werden.

Zu den Pensionen: Im mittleren Dienst könnte die Bezahlung selbstverständlich deutlich besser sein. Das ist aber in der freien Wirtschaft nicht anders. (ein Beispiel: Mein Arbeitgeber ist gerade aus dem Tarifvertrag ausgestiegen, weil er sich geweigert hat, die Lohnerhöhungen mit zu gehen) Für ausreichende Renten ist da noch lange nicht gesorgt.

Ich muss aber zugeben: So rosig wie in meinem Ausgangspost ist die Situation sicher nicht. Ich hab das Ganze ein wenig verkürzt und komprimiert. 

PS: Mein Vater und Großvater waren Beamte. Ich beziehe mich also besonders auf meine eigenen Erfahrungen. Diese sind sicher nicht zu 100% auf alle Beamten verallgemeinerbar.

Kommentar von Daoga ,

Der Privatversicherte wird schneller behandelt, weil er erst mal selber das Geld auslegen muß (praktisch natürlich für den Arzt, der sich nicht selber mit den Krankenkassen herumstreiten muß), und ob der Beamte das hinterher von der Beihilfe (zur Hälfte) und von seiner Privaten (die andere Hälfte) erstattet kriegt oder einen Teil selber tragen muß weil manche Leistungen nicht beihilfeberechtigt sind und dafür bei der Krankenkasse wieder teure Zusatzversicherungen verlangt werden, das ist dann sein privates Problem.

Ist eben alles nicht so einfach wie gedacht.

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