Frage von Taschenkristall, 38

Woran liegt es, dass wir gewisse Dinge (Nahrungsmittel,Gerüche) nicht mögen?

Ich hab mich öfter schon gefragt woran das liegt dass wir gewisse Nahrungsmittel, Getränke und Gerüche nicht mögen. Ich z.b mag unter anderem keinen Kokos auf Keksen,Kuchen und ich mag auch keine Kokosnüsse an sich. Was mir aber nichts aus macht ist der Kokos auf Raffaello und in Bounty , es schmeckt mir sogar gut. Aber wieso ist das so? Warum mag ich Kokos und aber doch wieder nicht.

Was passiert im Gehirn wenn wir etwas nicht mögen, wenn uns etwas nicht schmeckt oder was wir nicht riechen können? Was für Prozesse laufen da ab im Gehirn?

Ich weiß diese Frage ist schwierig und hier sind keine Neurologen aber ich will das echt gern wissen.

Danke :)

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Vanelle, 14
dass wir gewisse Nahrungsmittel, Getränke und Gerüche nicht mögen

Bei Nahrungsmitteln hilft der Geruch recht schnell und zuverlässig Genießbares von Schädlichem oder Giftigem zu unterscheiden.

Einen Teil dieser Wahrnehmung wird in uns "in die Wiege" gelegt. Säuglinge reagieren relativ früh mit Ekel auf bestimmte Gerüche und Geschmack (bitter, sauer).

Das wird ab einem gewissen Alter korrigiert durch Beobachten des Verhaltens der Eltern. Was denen schmeckt, muss gut sein :-)

Noch etwas später entscheiden Vorlieben und eigene Erfahrungen.

Gehirn wenn wir etwas nicht mögen, wenn uns etwas nicht schmeckt oder was wir nicht riechen können?

Erfahrungen und Emotion werden verknüpft und entscheiden über "mag ich/nicht".

Wer den sich nach einem bestimmten Nahrungsmittel übergeben musste, sich unwohl fühlte, dem reicht zukünftig der Geruch, um Ekel und Abwehr auszulösen. Dabei muss das Nahrungsmittel gar nicht ursächlich gewesen sein.

Das funktioniert leider auch umgekehrt. Viele industrielle Produkte gaukeln über Geruch und Geschmack etwas "Gutes" vor.

So ganz neu ist dieses "Verfeinern" allerdings nicht.

Spätestens seitdem wir unsere Nahrungsmittel kochen/braten haben die Menschen sich "überlistet" :-)

Antwort
von Colombo1999, 19

Das sind unsere Gewohnheiten und Tendenzen, die auf der Erfahrung in der Vergangenheit beruhen.

Man kann sie alle umprogrammieren, wenn man möchte.  Dazu gehört einfach Achtsamkeitstraining und Geistesstraining. Das macht das Leben um ein Vielfaches leichter.

Google bitte einmal: "Wahrnehmungsprozess". Da findest Du viele kluge und einige weniger kluge Beschreibungen dazu, wie sich unsere Gewohnheiten, Reaktionsmuster, Tendenzen bilden.

Manche sind rein psychologisch, andere beschreiben die physiologischen Prozesse.

Eine umfassende Erklärung sprengt hier den Rahmen; sie würde die Klärung von Begriffen wie Synapsen etc. voraussetzen. Es gibt auch gut verständliche Bücher zu Wahrnehmung und Lernen.

Antwort
von Shiftclick, 11

Du hast recht, das ist eine schwierige Frage und sie kann nicht befriedigend und endgültig beantwortet werden. Zu dem Thema haben sich, wie man sich leicht denken kann, zahlreiche Wissenschaften und Forscher ausgetobt. Ich empfehle dir, zumindest einmal den Artikel bei Wikipedia durchzulesen: https://de.wikipedia.org/wiki/Ekel

  • Im Gehirn ist Ekel im limbischen System lokalisiert. Hier werden bei Ekelgefühlen und bei Angst der so genannte Mandelkern (Amygdala) und der orbitofrontale Cortex aktiviert. Das sind Ergebnisse von Untersuchungen mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT). Die Amygdala entscheidet auf Grund früherer Erfahrungen, ob ein Reiz für den Organismus als schädlich einzustufen ist oder nicht. Die Reizbewertung kann durch neue Erfahrungen und neue Bewertung verändert werden. Werden die entsprechenden Gehirnregionen bei einer Operation gezielt gereizt, treten Brechreiz und Würgereflexe auf wie bei realem Ekel. Die Aktivierung der entsprechenden Regionen allein durch das Beobachten angeekelter Personen wurde ebenfalls in wissenschaftlichen Experimenten nachgewiesen.
  • Im Jahr 2004 veröffentlichten Wissenschaftler der London School of Hygiene and Tropical Medicine unter der Leitung von Val Curtis Ergebnisse einer Untersuchung über die universell häufigsten Ekelauslöser und zogen daraus den Schluss, dass Ekel keine Lernerfahrung, sondern genetisch bedingt sei. Die Gemeinsamkeit der meisten als ekelhaft empfundenen Substanzen oder Objekte sei, dass sie mit Krankheit und Infektionen in Zusammenhang stünden wie Kot, Eiter oder Leichen. Die biologische Funktion des Ekels bestehe also darin, vor Krankheiten und Tod zu schützen.

Interessant ist, dass Ekel anscheinend bei Tieren nicht vorkommt. Ratten haben ein sehr gutes Gedächtnis für Stoffe, mit denen sie einmal schlechte Erfahrungen gemacht haben, weswegen es schwierig ist, Ratten zu vergiften. Trotzdem scheinen sie sich nicht zu ekeln. Ebenfalls interessant ist, dass Kleinkinder keinen Ekel empfinden und ihn erst lernen müssen. In mancherlei Hinsicht ähnelt Ekel Ängsten und Phobien, z.B. neigt er dazu, zu generalisieren, nachdem man einmal auf etwas 'abonniert' ist. In psychologischer Hinsicht gehört Ekel zu den sieben Basisemotionen/Affekten (Freude, Trauer, Verachtung, Angst, Wut, Überraschung, Ekel), die in jeder Kultur vorhanden sind und die mit typischen, kulturübergreifenden Mustern von Gesichtsausdrücken einhergehen.

Kommentar von Osmologie ,

Ergänzend kann ich diesem Beitrag hinzufügen, das das Gehirn logisch arbeitet. Alles hat seinen Grund bzw. Hintergrund - wie bereits gesagt. Aber es geht noch viel weiter! Ich beschäftige mich seit Jahrzehnten damit und stelle logische Muster fest. Dazu muss man sich aber gleichzeitig mit der Chemie auskennen und den einzelnen Molekülen. Das Gehirn - limbische System - faßt alle Eindrücke zum Geruch zusammen. Es ist unser Ur-Sinn mit dem alles Leben begonnen hat. Man kann beobachten, das dieser Sinn für all unser Tun verantwortlich ist: Erinnerungen und Bewältigungen, physische Zustände und der momentane Ist-Zustand.  Nimmt man bestimmte Düfte immer wieder, wird man ein Muster erkennen können - solltest du mehr wissen wollen, schau nach Osmopraktik.

Antwort
von Brunnenwasser, 7

Colombo hat das schon sehr gut erklärt. Ich kenne Leute die bestimmte Sachen nicht essen, wenn das Essen eine bestimmte "Form" hat. Das ist echt nur tiefenpsychologisch zu erklären, es fällt einem schwer solche Leute nicht gedanklich in die Klappsmühle zu schicken.

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