Woran liegt es, dass Grönlandwale so alt werden?

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5 Antworten

Das lässt sich letztlich auf die Physik zurückführen. Versuche das mal sehr kurz und grob darzustellen.

Für Systeme nahe des thermodynamischen Gleichgewichtes gilt die kosmologische Zeit Einsteins. In der Theorie dissipativer Strukturen (Nobelpreis 1977) wird gezeigt, dass Systeme fernab des thermodynamischen Gleichgewichtes zusätzlich eine systeminterne thermodynamische Zeit haben. Diese thermodynamische Zeit ist eng an die jeweilige Entropieproduktion (Energieumsatz) gebunden.
Dies trifft auf jedes lebende System zu.

Auf die Biologie übertragen bedeutet dies, je höher der Stoffwechselumsatz (=Entropieproduktion), um so schneller erreicht das System sein Lebensende. Ganz grob kann man sagen, dass die Lebewesen ungefähr gleich viele Stoffwechselzyklen durchleben, bevor das System ins Chaos stürzt (stirbt). Daher bedeutet ein langsamer Stoffwechsel wie beim Grönkandhai, dass er in Jahren gezählt lange lebt. Man könnte zugespitzt auch formulieren: Wer schnell lebt, lebt kürzer.

So ist es auch kein Zufall, dass das bisher älteste (individuelles Lebensalter) Individuum in der eiskalten Antarktis gefunden wurde. Da wird der Riesenschwamm Scolymastra joubini 10.000 Jahre alt und zeichnet sich durch einen unglaublich langsamen Stoffwechsel aus. Der lebt zwar lange, dafür ist sein Leben das langweiligste, was man sich nur vorstellen kann.

Haie an sich gehören zu den ältesten Tierarten auf der Erde. Sie sind schon relativ früh aufgetaucht und haben offensichtlich im Gegensatz zu vielen anderen Tieren diverse Erdkatastrophen überlebt incl. der großen Artensterben vor 250 und 65 Mio Jahren. Ähnlich wie bei Krokodilen, die ebenfalls zu den Überlebenskünstlern gehören, dürfte ein Hauptgrund ebenfalls im geringen Stoffwechsel zu finden sein. Durch den geringen Energiebedarf können die die Hungerzeiten besser überstehen.

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Kommentar von sgn18blk
04.09.2016, 10:46

Super Antwort! Vielen Dank ;-)

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Grönlandwale werden etwas mehr als 200 Jahre alt. Grönlandhaie über 400 Jahre.  Es liegt bei beiden arten am eher niedrigen Stoffwechsel und auch das sie in kälteren Regionen leben. Wann sich der Eishai genau entwickelt hat kann ich nicht sagen.  Haie gibt es schon seit etwa 450  Millionen Jahren. 

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Es handelt sich um Haie.

Der Grund dürfte der niedrige Stoffwechsel in den kalten Gewässern und die langsame Lebensart sein. Natürlich gehören auch die passenden Gene dazu.

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Kommentar von sgn18blk
04.09.2016, 07:07

Okay, vielen Dank. Und könntest Du auch meine zweite Frage beantworten? Weil ich würde das ziemlich gerne wissen.

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Kommentar von sgn18blk
04.09.2016, 07:15

Wow, sehr interessant! Vielen Dank nochmal @Othetaler

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Gemäß der Life-history-Theorie, die artspezifische Lebensläufe erklären soll, muss ein Organismus seine begrenzten Ressourcen auf verschiedene essentielle Prozesse aufteilen, darunter Wachstum, Selbsterhaltung und Reproduktion. Das Wachstum und die Selbsterhaltung sind nur deshalb von evolutionärer Bedeutung, weil sie zu einem bestimmten Zeitpunkt in Nachkommen umgesetzt werden.

Die Umweltbedingungen entscheiden darüber, welche Verteilungsstrategie am vorteilhaftesten ist. Sehr stabile Lebensräume und phänotypische Anapassung daran begünstigen z.B. lange Entwicklungszeiten, spätes Einsetzen der Reproduktion und Brutpflege. Sehr variable Lebensräume und hohe Sterblichkeitsraten begünstigen dagegen schnelles Wachstum und massenhaften Nachwuchs bei wenig ausgeprägter Brutpflege.

Weitestgehend lässt sich diese Theorie als ökologische Version der physikalischen Ansicht verstehen, die Hamburger02 dargelegt hat. Grönlandhaie und Grönlandwale leben demnach unter Bedingungen, die extrem spätes Einsetzen der Reproduktion (150 Jahre beim Grönlandhai) und viel Aufwand bei der Selbsterhaltung (hohes Alter) begünstigen.

Zum stammesgeschichtliche Alter der beiden Arten: Die Bartenwale (Mysticeti), zu denen der Grönlandwal gehört, haben ihren Ursprung zu Beginn des Oligozän vor etwa 34 Millionen Jahren. Innerhalb der Bartenwale trennten sich die Familien der Glattwale (Balaenidae) und der Furchenwale (Balaenopteridae) vor etwa 20 Millionen Jahren im frühen Miozän, vermutlich, weil sie verschiedenen planktonreichen Strömungen folgten. Als Angehöriger der Glattwale muss der Grönlandwal als Art also jünger als 20 Millionen Jahre sein.

Das Alter der Grönlandhaie lässt sich auch eingrenzen. Die Dornhaiartigen (Squaliformes), zu denen er gehört, traten erstmals im Oberjura zwischen etwa 160 und 145 Millionen Jahren auf. Die Familie der Schlafhaie (Somniosidae), die zu den Dornhaiartigen gehört und den Grönlandhai einschließt, entstand zu Beginn der Oberkreide vor etwa 100 bis 90 Millionen Jahren. Die einzelnen Arten der Familie sind dabei wahrscheinlich wesentlich jünger.

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400 Jahre, so alt wird weder ein Säuger noch ein Fisch - forget it.

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Kommentar von PlueschTiger
12.09.2016, 20:16

145 Jahre ist der älteste Bekannte Mensch. Der durchschnitt ist 80, wieso soll da 400 so unmöglich sein? Ich weiß nicht was du glaubst, was das für eine Seite hier ist, aber Sprüche wie deine sind nicht das was hier gefragt ist, jedenfalls nicht als Antwort.

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