Frage von Loeffelqualle, 137

Woran liegt es, das Menschen das "Böse" bevorzugen?

Okay. Folgendes. Ich bin fest davon überzeugt, dass jeder Mensch in sich drinnen einen Punkt hat, an dem er abgrundtief böse ist. Manche leben das aus (Terroristen, etc) manche nicht. Ich möchte damit nicht sagen, dass ich Terroristen gut finde, um Gottes Willen, bestimmt nicht! Aber ich glaube, irgendwo tief in uns drinnen wären wir alle dazu fähig. Eine Mutter würde für ihr Kind (also nicht jede Mutter, aber eine die ihr Kind halt liebt) über Leichen gehen. Meine Mutter hat mir mal erzählt, sie würde ohne mit der Wimper zu zucken jemanden umbringen wenn es um mich ginge. Jeder hat bestimmt irgendwas, für den er einen andern umbringen würde. Haustier, Partner, Kind, etc. Aber Mord ist Mord und Mord ist böse. Ob mit Grund oder ohne. Da wären wir wieder. Aber weshalb ist das so? Und warum bevorzugen wir das Böse? In Filmen ist man eigentlich immer für den Gauner etc. Oder Serien wie Hannibal oder so, alleine die Tatsache das man sowas schaut, ist nicht wirklich engelsgleich. Oder angefangen bei so "harmlosen" Sachen wie Happy Tree Friends. Sehr viele gucken das (ich gehöre auch dazu) und es gefällt den Leuten. Aber warum? Warum sind wir tief in unserem Inneren so?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von kloogshizer, 50

So binär würde ich das nicht sehen. Selbst für Mord gibt es Situationen in denen er ethisch vertretbar ist. Wenn es keinen Ausweg gibt, und man da mit viele Menschen retten kann, ist es z.B. meiner Meinung nach vertretbar, einen tyrannischen Herrscher zu ermorden, Hitler usw. Ok, das sind Extremfälle, aber beim Lügen ist es offensichtlicher, man kann sich leicht eine Situation überlegen, in der es ethisch richtig ist, zu lügen.

Es sind also die Begründungen auf die es ankommt. Dinge einfach als "böse" zu definieren vereinfacht das Ganze ziemlich, und was soll dieses Böse denn überhaupt sein? Während die USA Osama Bin Laden als böse bezeichnen, bezeichnen die Anhänger Bin Ladens die USA als böse. Letztlich ist man immer selbst der Gute, und böse sind immer die anderen. Um Handlungsmotive bestimmter Menschen zu verstehen ist die Kategorie des Bösen damit vollkommen untauglich, und man sollte sich eher darauf konzentrieren, was Menschen dazu bringt bestimmte Dinge zu tun, als nach einem Ursprung des Bösen zu suchen.

"Das Böse" gibt es nicht.

Antwort
von Sonja66, 14

Gut und Böse entsteht ja grundsätzlich mal ausschließlich durch Urteil und Wertung.
Würden wir Menschen also nicht werten, gäbe es auch kein Gut und Böse.

Aber gut.....

Wenn ich als Mutter mein Kind vor Angriffen schütze, dabei erfolgreich bis zum Äußersten gehe, dann ist das einfach so und muss nicht zwingend gewertet werden.
Der Angreifer ist beim Kampf zu Tode gekommen. Fertig. Das muss weder gut noch böse sein. Es ist halt einfach so, wie es ist.

Auch das deutsche Gesetz unterschiedet da.

Vielleicht kann man es noch als Selbstverteidigung ansehen. Diese ist vielleicht auch völlig normal und ein natürlicher Reflex in uns. Was würde es schon für einen Sinn machen, wenn sich Menschen nie wehren würden.

Tief in unserem Inneren sind wir alles was es gibt.

Warum wir Bestimmtes davon intensiver leben, hat vielleicht viel mit Angst und der eigenen Liebesfähigkeit zu tun, wie stark ausgeprägt es jeweils ist. Die eigene Motivation könnte dafür aufschlussreich sein.

Zusätzlich wirken vielleicht auch eigene Prägung, eigene Erlebnisse.

Weiter ist es so, dass wenn wir über etwas zu schlecht denken, also auch werten und urteilen, wir dies zu böse machen und vermeiden wollen.

Menschen, die viel Hass und Wut in sich aufgebaut haben, können diese Gefühle einfach nicht mehr in sich behalten und müssen sie ausleben. Diese Energien drängen sehr stark nach außen.
Diese Energien kann man grundsätzlich gegen sich oder etwas richten oder für etwas einsetzen.
Das entscheidet jeder selbst.
Menschen, die voller Hass sind, Schuld nur auf das Leben und andere schieben, haben es vielleicht nie anders gelernt.
Der Mensch, wie ich finde, muss wirklich alles lernen, auch den ausgeglichenen Umgang mit eigenen Aggressionen.

Wohin mit den Energien des eigenen Ärgers?
Behalten geht nicht, man kann sie auch nicht auflösen, also....

Gegen den vermeintlich Schuldigen?
Gegen mich selbst?
Willkürlich gegen irgendwelche, die irgendwie damit zu tun haben?
In die Verwirklichung eigener Ziele, Bedürfnisse?
In ein mutiges Leben?
In Courage, die Rage des Herzens?

Das entscheidet jeder nach bestem Wissen und Gewissen.
Jeder halt, wie er gerade kann und denkt. Besser geht nicht.
Änderungen kann man durch Lernen (aus Fehlern) vornehmen.

Antwort
von Silo123, 43

Ich sage, daß die meisten Menschen nicht "Das Böse" bevorzugen. Und es ist überhaupt eine Definitionsfrage, was "böse" überhaupt ist.

Das , was als "böse" gilt wird nach gesellschaftlichen Normen festgelegt.

Und etwas , was in einer Gesellschaft als verwerflich gilt, kann in einer anderen Gesellschaft anerkannt kann..

Nehmen wir mal die Mutter, die für ihr Kind über Leichen geht: Ist die wirklich "böse"? . Sie setzt Prioritäten und unter Umständen sind die nicht ganz gesellschaftskonform, aber ist das wirklich "böse" ?

Keine Gesellschaft kann ohne Normen existieren. Und es gibt zig Philosophien, die sich mit dem Thema befassen . Und auch Autoren. Hesse z.B. beschäftigt sich auch damit. Aber auch da geht es um die Defintion des "Bösen" oder amoralischem, (im Gegensatz zum Unmoralisachen) im Bezug auf die Gesellschaft.

Antwort
von Silo123, 31

Nochmal eine Sache zu einem Punkt, den Du ansprichst:

"
In Filmen ist man eigentlich immer für den Gauner etc."

Da wird mit psychologischen Mitteln gespielt. Die Geschichte wird quasi aus Sicht des Gauners erzählt und auch viele positive Gefühle für ihn aufgebaut. Aber das wichtigste ist die Perspektive -------- Und damit sind wir im Kern drin.

Eigentlich suggerien,( bzw. machen es verständlich)  solche Filme eine bestimmte Perspektive, mit der gearbeitet wird. Es ist quasi eine spezielle Sicht, aus EINER Perspektive mit den dann geltenden Wertvorstellungen

Und Du kannst das Ganze quasi als Experiment an Dir ansehen- ich finde , daß es echt ein interessantes Experiment ist. Du fühlst Dich immer mehr in den Gauner (mit Dir eigentlich fremden Wertvorstellungen) ein und am Ende willst Du sogar, daß er obsiegt.

Ja, es wird auch da mit Wertvorstellungen experimentiert, inwieweit die veränderbar sind. Wären sie es nicht, wäre so ein Film ein Flopp.

Eine menschliche Eigenschaft ist für solche Filme aber unabdingbar: Einfühlen, Mitgefühl und das ist wahrscheinlich das, was viele von Gräueltaten abhält. Aber auch das kann in Gesellschaften ganz oder teilweuse ausgeschaltet werden und ich frage mich manchmal, ob Leute, die Mobben, verprügeln ....(obwohl es nicht gesellschaftkonform ist), darauf genauso reagieren.

Antwort
von TimeosciIlator, 11

In der Tat ist es so, dass unsere Welt verrückt nach "Crime" ist. Jeder liebt die spannenden Thriller. Sie dienen der Unterhaltung. Man versucht im Film die ganze mögliche Palette aller verfügbaren Emotionen rüberzubringen, damit wir uns immer wieder neu besinnen können.

Dies hat aber nichts mit unserer Realität gemein.

Und ein Wort noch zu "Happy Tree Friends". Diese unter lustigem Deckel produzierte Zeichentrickserie ist wirklich alles andere als empfehlenswert. Wenn ein Unterhaltungswert lediglich durch Destruktion ohne sinnvollen Zusammenhang stattfindet, wird er allerhöchstens Selbstzweck. So etwas hat unsere ansonsten doch hochinteressante Filmbranche nicht nötig und wird dadurch nur unnötig herabgewürdet :-(

Eine bekannte Vorreiterband, der ebenfalls berühmten Motörhead, widmete dem Thema "Böse" folgenden Instrumental-Song:

HAWKWIND - "It Is The Business Of The Future To Be Dangerous" (=Es ist das Geschäft der Zukunft gefährlich zu wirken)

Antwort
von Andrastor, 80

Erstens das "Böse" gibt es nicht. Es ist eine subjektibe Bewertung von Ereignissen, Personen und Taten.

Wir Menschen mögen das Drama. Uns fasziniert was wir in unserem Leben nicht haben. Dazu gehören Magie, der Glaube an Götter, Geister und Fabelwesen, sowie auch Darstellungen vom Tod und Gewalt.

Wir Menschen sind Tiere, um genau zu sein jagende Omnivoren. Als solche liegt uns Töten in den Genen. Die Natur ist grausam und ungerecht, nur wer sich am stärksten durchsetzt, hat die besten Chancen. Diese einfachen Prinzipien sind bis heute in uns erhalten geblieben.

Daher hat jeder Mensch das Potential zu töten.

Kommentar von Loeffelqualle ,

Und warum fasziniert uns das so?

Kommentar von Andrastor ,

All diese Dinge regen einen ganz bestimmten Bereich unseres Gehirns an, der eine Art Belohnung dafür ausschüttet, die Hormone, die für Faszination zuständig sind und Glückshormone.

(Dieser Gehirnbereich wird im Übrigen bei Märchen und Fantasiegeschichten ebenso aktiv wie beim Glauben an Götter. Das soll so nebenbei als Denkanstoß dienen)

Es ist eine Art Belohnung für Neugierde.

Wir Menschen haben Kreativität und Neugierde zu unseren Spezialgebieten gemacht. Daher ist es auch verständlich dass wir positive Gefühle bekommen, wenn wir diese Bereiche befriedigen.

Kommentar von Loeffelqualle ,

Danke, das war was ich wissen wollte^^

Kommentar von Andrastor ,

gern geschehen.

Antwort
von zahlenguide, 76

wenn deine mutter um dich zu verteidigen jemanden umbringt, ist das notwehr und notwehr ist ein vollkommen natürliches verhalten. jemanden aber nur aus spass zu töten, ist sicherlich nicht gesund.

Kommentar von Loeffelqualle ,

Es ist Mord. Ende.

Kommentar von zahlenguide ,

nein, ist es nicht. wenn dich jemand bedroht oder dein Kind und Du keine Wahl hast, diesen Menschen zu töten, ist das was anderes als würdest Du planen jemanden zu töten, weil du z.B. sein Geld willst.

Kommentar von Silo123 ,

Damit machst Du es Dir zu einfach. Nichtmal im deutschen Strafrecht, was ich für eine gute Maxime halte (im allgemeinen, es gibt natürlich! Punkte, die ich anders sehe), wäre es so einfach und so ein Verhalten könnte von Notwehr (straffrei) , über Totschlag bis zum Mord angesehen werden(Notwehrexcess wäre u.U. auch noch ein Punkt). (Ein Richter würde deswegen  auch eine Riesen Beweisaufnahme starten, alles abwägen und dann zu einem Urteil kommen, welches falsch sein mag- davor ist niemand gefeit.

Aber ein guter Richter würde sich zumindest bemühen, eine Würdigung des konkreten Falles (Würdigung heißt da!!!!, nur zur Sicherheit: alle Einzelpunkte abwägen, die Motive, die Situation.... beleuchten ... )zu einem Urteil kommen.

.

Und in den Definitionen für alle 3 Strafbestände ist viel enthalten und insgesamt stimme ich denen zu, aber vielleicht auch weil ich Deutsche bin. In anderen Gesellschaften wird wiederum manches anders gesehen.

Kommentar von zahlenguide ,

moralisch ist es aber schon eine andere Stufe, ob ich plane jemanden zu töten, um eigene Vorteile durchzusetzen oder ob ich mich wirklich bedroht fühle oder merke, dass Menschen in Gefahr sind, die mir was bedeuten und ich eben keine Wahl habe, als selbst zu Gewalt zu greifen. Das sind zwei völlig verschiedene Paar Schuhe, die man nicht vergleichen kann. Ansonsten könnte man ja auch sagen, dass ein Berufsmörder der Mafia genauso ist wie jemand ein Polizist, der jemanden erschießen muss mal ansonsten sein Partner sterben würde.

Kommentar von Silo123 ,

Der Berufsmörder der Mafia wird das aber U.U. anders sehen. Nur als Gedanke: er könnte denken, daß die Mafia das einfach beste ist, daß die für ihre Leute sorgen..... und daß die Strukturen für einen Staat besser seien.

Und Menschen in Gefahr, DIE EINEM WAS BEDEUTEN, zu verteiligen könnte man auch u.U. als eigennützig ansehen, es ist ein eigener Vorteil, sich diese Menschen zu erhalten.

Was ich damit sagen will: Ich denke, daß es nicht so! einfach ist.

Kommentar von zahlenguide ,

doch ist es, denn es gibt ganz deutliche interviews mit mafiamitgliedern, mit Mördern und mit Psychopathen - auch im Internet und die wissen ganz genau, was sie da tun. - Ein Mensch, der Angst um das Leben eines anderen Menschen hat, hat da eine ganz eigene Motivation. Aber vielleicht musst du mal in deinem Leben selbst eine Panikattacke haben um zu begreifen, dass man wenn man sowas hat alles tun würde um da wieder raus zu kommen. Es ist so wie bei riesigen gigantischen Schmerzen, man würde auch dann alles tun, um diese Schmerzen nicht mehr zu haben. Oder kennst Du das Gefühl nicht, wenn Du an ein heißen Backblech ausversehen anfasst und unbedingt zum nächsten Wasserhahn möchtest? was wäre, wenn es keinen Wasserhahn in der nähe gäbe? Du würdest schon nach wenigen Minuten alles tun um diesen Schmerz in deinen Fingern los zu werden. Genauso ist es, wenn dich jemand bedroht und dich umbringen will. Du willst nur raus aus dieser Situation. Ein Mörder ist aber nicht in so einer Situation. Er ist der Täter. Er überlegt, wenn er für einen kleinen Vorteil umbringen kann. Übrigens: Mörder der Mafia töten nicht, weil sie das System toll finden, sondern weil man sie selbst töten würde, wenn sie einen Auftrag ablehnen würden. Aber sie haben sich freiwillig für dieses System entschieden. Wenn Du aber überfallen wirst, dann hast Du Dich nicht für den Überfall entschieden und deshalb trägst du auch 0,0 Schuld an dem Überfall. 100 Prozent der Schuld tragen immer die Täter. Wenn dich jemand mit dem Tode bedroht, dann ist er der Täter und er ist 100 Prozent Schuld, wenn er selbst dabei stirbt. Dann hat er Pech gehabt. er hätte dich ja nicht bedrohen müssen, oder deine Familie. Oder würdest Du deine Familie vergewaltigen, foltern und ermorden lassen? Nein, würdest du nicht.

Antwort
von Machtnix53, 12

An den Abwehrreaktionen gegen die Erziehung zum "Guten". Das "Gute" wird gepredigt und das "Böse" wird gelebt.  Würde das "Gute" mehr gelebt und auf das Predigen verzichtet, sähe alles ganz anders aus.

Zu den Filmen:

https://machtnix53.wordpress.com/2010/02/18/reiz-bedrohung-8032686/

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community