Frage von goodgirl69, 12

Woran erkennt man schwere emotionale Traumata?

Hi liebe Community,

es fällt mir ehrlich gesagt schwer, diese Themen hier anzusprechen, da ich aber im echten Leben noch weniger darüber sprechen möchte, bleibt mir keine andere Wahl.

Grundsätzlich - beziehungsweise nach außen hin - habe ich die letzten Jahre (bin jetzt 19) immer das "perfekte" Leben geführt. Ich habe immer nach dem Grundsatz gelebt, dass ich anderen Menschen nicht auf die Nase binden muss wenn es mir schlecht geht. (Nach diesem Grundsatz lebe ich heute noch).

Meine schlechten Launen lasse ich meistens erst heraus wenn ich alleine bin, oder sie kommen in Form von bissigen Kommentaren gegenüber meist "unschuldigen" Personen zu Tage. Wirkliche Emotion jedoch lasse ich vor anderen selten zu.

Kurz zusammengefasst liegen die Dinge so:

Meine Eltern haben sich getrennt als ich ganz klein war (2 Jahre, oder jünger) und ich hatte immer ein super Verhältnis zu beiden. Habe von Anfang an bei meiner Mutter gewohnt und meinen Vater regelmäßig besucht. Meine Mutter hatte dann einen neuen Freund, den ich gewissermaßen als "Vaterersatz" (klingt jetzt blöd, ist auch das falsche Wort - ich hab ja einen Papa - nur um die Bindung zu veranschaulichen) akzeptiert habe. Lange Rede, kurzer Sinn - als ich circa 12 Jahre alt war haben sich die beiden aufgrund eines Fehlers meiner Mutter getrennt (sie hat sich in einen anderen verleibt) und wir sind sofort mit dem "Neuen" zusammengezogen. Zuerst noch in eine Wohnung in der Stadt in der wir ursprünglich gelebt haben, zwei Jahre später in eine neue. Dies bedeutete für mich: raus aus der gewohnten Umgebung, Schulwechsel etc.

Mein Problem damit ist (ich traue es mich fast nicht zu schreiben, weil es mir 1. für mein Alter falsch vorkommt und ich 2. nicht über das Leben meiner Mutter urteilen will): die meiste Zeit, die ich die letzten 8 Jahre mit ihm verbracht habe, waren wir nicht mehr als Mitbewohner. Wir wechseln an einem normalen Tag rund 5 Wörter miteinander. Ab und zu hat er mich dann beleidigt angemotzt weil er sich nicht von mir respektier fühlt etc. Grundsätzlich gab es einige mehrere "schlimmere" Vorfälle und Streitigkeiten, bei denen meine Mutter aber immer auf meiner Seite war.

Ich muss sagen: zum Glück ziehe ich im Herbst in eine andere Stadt - aufgrund des Studiums - weil ich diese Atmosphäre nicht mehr länger durchhalte. Ich bin dauerhaft aggressiv gegenüber Menschen die es eigentlich gut mit mir meinen, ich drehe innerlich wirklich fast schon durch und stelle mir manchmal vor wie befreiend es wäre, wenn er einfach tot wäre.

Diese Umgebung vergiftet mich wortwörtlich. Meine Seele und meine Gedanken. Es ist wirklich erschütternd, vor allem, da sich das Ganze bereits so lange hinzieht. Wir leben meistens miteinander ohne Probleme, jedoch bedeutet das (beiderseits) nicht, dass wir Sympathien für einander hegen.

Ich könnte hier noch viel mehr anführen, aber jetzt die Frage: Denkt ihr da ist mehr dahinter? Sollte ich einen Therapeuten aufsuchen?

LG goodgirl

Antwort
von Michipo245, 9

Du solltest einfach deine Emotionen zeigen. Ich denke nicht, dass du eine Therapie brauchst, sondern du musst lernen nicht nur zu funktionieren sondern auch Schwäche zu zeigen. Alles in sich reinfressen und heile Welt vorspielen macht auf Dauer krank. An dem Punkt bist du wahrscheinlich gerade.

Bist du wütend, lass es raus. Ist dir zum heulen, heule usw. Auch vor anderen. Lass deinen Emotionen freien Lauf und du wirst dich besser fühlen

Antwort
von norbert9014, 5

Eigentlich hast Du Dir diese Frage schon selbst beantwortet: Das lese ich jedenfalls so für mich heraus.

Angenommen Deine beste Freundin würde Dir das alles so beschreiben, wie Du uns das hier eingestellt hast... was würdest Du ihr raten?

Bei Entscheidungen dieser Tragweite ist eines wichtig: Du allein hast die Verantwortung... und meistens wissen wir eigentlich, was unser nächster Schritt sein sollte. Aber Unsicherheiten vor den (möglichen) Konsequenzen lassen uns zögern... und dann müssen wir aufpassen, dass wir unsere Handlungsfreiheit nicht aufgeben und eine schwierige Lebenssituation derart unser Leben beeinflussen kann, dass wir handlungsunfähig scheinen.

Sincerely Norbert

Antwort
von Gutefragebeni, 6

Denke auch wenn es nicht einfach ist sollte man seine Gedanken ,,reinigen" indem man sich denke mal nur an Sachen orientiert die sein eigenes Leben bereichern auch vom Umfeld her, nur mit Leuten Kontakt haben die gutes anziehen ( wie in the secret )

Antwort
von rednblack, 5

Tja, tut mir Leid aber ich erkenne da jetzt keine traumatischen Beschwerden und ich sehe auch nicht, was dich denn traumatisiert haben könnte. Bei den "schlimmeren" Vorfällen kriegst du ja ganz elegant die Kurve, ohne allzu viel preiszugeben. Mir kommst du so ein bisschen vor, wie einer, der sich nicht gerne in die Karten schauen lässt, der aber auch "kein gutes Blatt" auf der Hand hat.

Bevor du irgendwelche Selbstdiagnosen stellst oder fern-fremd-Diagnosen, solltest du dir einen Menschen suchen, mit dem du reden kannst und willst. Da käme dein "richtiger" Vater ebenso in Frage, wie ein professioneller Therapeut.

Die Frage ist aber, was du erreichen willst. Warum gehst du in deiner Situation ein Studium an und verselbständigst dich nicht erst mal? Was hättest du von einem Trauma?

Antwort
von Julikokos, 2

Hi! 

Ich finde, du solltest mit jemandem persönlich darüber sprechen, weil das ganze etwas komplizierter scheint. 

Ich kenne z.B. die Online Seelsorge per Mail der Jugendkirche Sankt Peter in Frankfurt, wo man Probleme persönlich und anonym mit ausgebildeten jungen Leuten besprechen kann und ein offenes Ohr findet. Das Angebot richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene. Man kriegt garantiert eine Antwort und das auch regelmäßig, von EINER Bezugsperson.

Man kriegt also Fragen und Probleme, die z.B. Psyche, Beziehungen, Familie, Körper und Alltag betreffen ehrlich und umgehend beantwortet und ist ein super Angebot, wie ich finde.  

hier ist der Link:  

https://www.sanktpeter.com/themen/seelsorge/probleme-sorgen-online-seelsorge/

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