RolfHoegemann am 10.04.2007 um 16:22 Uhr
Beim gestrigen Osterspaziegang in Heidelberg fiel mir vermehrt auf, dass sooooo viele Menschen mit dem Handy am Ohr durch die Stadt liefen und pausenlos quasseln mussten - quer durch alle Nationalitäten. Und bei der Rückfahr in der Bahn die gleiche Beobachtung - drum: was haben wir alle vor der Erfindun des Handys denn gemacht, wenn wir in der Bahn/Bus oder auf der Strasse waren?
Es soll sogar Leute gegeben haben, die ab und zu einfach mal nachgedacht haben......

Gelesen, uns die Gegend angeschaut und dabei WIRKLICH was gesehen oder - einfach persönlich miteinander geredet.

Wenn ich mal viel weiter in der Zeit zurückgehe, dann haben sich die Leute irgendwann zusammengefunden und Geschichten erzählt.... siehe Chaucers berühmte "Canterbury Tales" - Leute auf einer Pilgerfahrt erzählen sich was, um sich die Zeit zu verkürzen. Heute reagieren wir individueller, je nachdem, in welcher Stimmung wir sind und wie die Leute um uns herum sich benehmen. Da kenne ich eine Menge, von denen ich mir nichts erzählen lassen will. - Mich stört am "öffentlichen" Telefonieren zweierlei: 1. Ich will Privates von anderen Leuten nicht so laut ins Ohr geschrien bekommen 2. Die Banallität vieler Anrufe (z.B. "Also, in fünf Minuten bin ich bei Dir.... sitze noch im Bus.... habe vorhin den xy getroffen....") geht mir auf den Wecker. Ist ja fast so schlimm wie im Fernsehen.
Es gibt und gab schon immer zwei Sorten von Menschen. Zum Einen die Stillen, die haben vor sich hingeschaut und nur beobachtet. Dann die Aufgeschlossenen, die haben sofort Kontakt gefunden und sich unterhalten. Nicht selten haben sich dadurch Freundschaften gebildet. Jetzt hätte ich doch beinahe die Dritten vergessen, die sich in ein Buch oder eine Zeitung vertiefen.
Das mit dem Handy fällt auf, weil sich die Leute scheinbar mit dem Nichts unterhalten.

In Bus und Bahn wurde gelesen (Zeitung oder Buch), als Schüler hat man meistens während der Fahrt noch schnell Hausaufgaben gemacht... Viele haben sich einfach unterhalten, oder aus dem Fenster geschaut. Und klassisch ist natürlich auch, eben ein kleines Nickerchen einzuschieben, wenn die Fahrtzeit es zuläßt.
Auch wenn es ohne Handy wohl kaum noch geht ??, hatten die Leute früher ohne Handy auf jeden fall eines. Mehr Geld im Geldbeutel.
RolfHoegemann am 10. April 2007 23:16 Oh ja!!!!
wie viele Menschen sind durch Handys in die Schuldenfalle geraten... oder sind schon darin gewesen.

Ich habe viel gelesen, manchmal gestrickt, mal 'nen Brief geschrieben oder Tagebuchnotizen, aber auch gerne Menschen beobachtet, vor mich hingeträumt oder gegrübelt. Oder die Gegend an mir vorüberziehen lassen. Gegend bewusst anschauen verliert seinen Reiz mit der Zeit, wenn es immer dieselbe Strecke ist. Und ja, stimmt, was Schuggi schreibt, Schularbeiten habe ich vor viiieelen Jahren in Bus und Bahn auch hin und wieder gemacht. :)

Da ist man noch viel persönlicher gewesen, man ist mehr auf seine Mitmenschen eingegangen. Wie schnell hat sich da ein Gespräch unter völlig Fremden ergeben. Und man hat, aus dem Fenster schauend, wirklich noch Dinge gesehen, auf die heute doch niemand mehr achtet. Heute: griesgrämige Gesichter, weil bei dem Einen das Handy nicht klingelt, bei dem Anderen, weil es zu oft klingelt, bei dem Dritten, weil er unfreiwillig Zuhörer diverser banaler Gespräche gleichzeitig ist.
Dafür würde ich Dir gerne nochmal 100 Daumen hochstrecken....