Frage von chayenne2703, 75

Wohnung mit Geld vom Jobcenter / Wohnberechtigungsschein?

Meine beste Freundin ist 23 Jahre alt und war vor 2 Jahren mal selbstständig. Das hatte sich aber schnell erledigt, danach hat sie keinen neuen Job gehabt. Sie bekommt monatlich Geld vom Jobcenter + Anteilige Miete die sie zuhause noch zahlen muss, da ihre Eltern auch nicht arbeiten gehen und das Jobcenter das jetzt auf den 3 Personen Haushalt aufteilt. Wir fragen uns gerade ob sie trotzdem einen Wohnberechtigungsschein beantragen könnte. Selbst wenn - nutzt ihr das bei Genossenschaften z.B. nichts, da sie bei einer Wohnung von der GAG z.B. nicht Negativ in der Schufa stehen darf. Also würde sie trotz dessen, dass sie nicht arbeiten geht trotzdem eine Wohnung bekommen ? Und wenn ja, an wen wendet man sich bei sowas, bzw an welches zuständige Amt etc. Sie ist sehr verkracht mit den Eltern und möchte aufgrund dessen etwas eigenes haben.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von toomuchtrouble, 65


http://www.gegen-hartz.de/hartz-iv-wohnung/

U25-Regelung:


Für unter 25-Jährige, unverheiratete Hartz IV-Empfänger besteht kein Anspruch auf Kostenübernahme für eine eigene Wohnung (SGBII § 22 Abs. 2a). Der Gesetzgeber geht davon aus, dass der Verbleib in der elterlichen Wohnung einer Bedarfsgemeinschaft zumutbar ist. Nur in Ausnahmefälle werden die Kosten übernommen.

Gravierende soziale Gründe, die das Zusammenleben im elterlichen Haushalt unzumutbar machen, ein Umzug aus beruflichen Gründen oder sonstige schwerwiegende Gründe können zu einer Ausnahme führen. Ausschlaggebend ist dabei, dass ein Antrag auf Kostenübernahme für eine eigene Wohnung vor dem Auszug beim zuständigen Jobcenter gestellt werden muss.

Eltern sind grundsätzlich nicht verpflichtet, ihr volljähriges Kind weiterhin in der gemeinsamen Wohnung wohnen zu lassen. Denn laut BSG endet mit der Volljährigkeit des Kindes die elterliche Betreuungs- und Aufsichtspflicht. Eltern haben demnach die Möglichkeit, ihr volljähriges Kind – ob im Guten oder Bösen - zum Auszug zu zwingen.

Dann greift die sogenannte Härtefallregelung nach § 22 Abs. 5 S. 2 und 3
SGB II, nach der dem Kind, auch wenn es unter 25 Jahre alt ist, der
volle Anspruch auf eine eigene Wohnung sowie deren Kostenübernahme und
der Regelsatz für Alleinstehende zu steht.



Kommentar von chayenne2703 ,

Also heißt das, wenn die Eltern sie rauswerfen (was sie getan haben, sie wohnt übergangsweise bei mir, ist aber auch keine Dauerlösung) dass sie dann einen Anspruch darauf hat ?

Kommentar von toomuchtrouble ,

Jetzt ist Kommunikation mit den Behörden angesagt. Deine Freundin geht sofort zum Jobcenter und erklärt, dass sie wohnungslos ist, weil die Eltern sie hinausgeworfen haben. Sofern noch Kommunikation besteht, sollten die Eltern die Gelegenheit haben, das auch sofort zu tun. Es besteht ja eine Bedarfsgemeinschaft und es wäre blöd, wenn die Eltern und Deine Freundin Stress bekommen.

Danach geht sie zum Wohnungsamt oder wo immer in Eurer Stadt die Wohnberechtigungsscheine ausgestellt werden und beantragt einserseits den WBS, der Ihr aber vermutlich nichts bringt und andererseits muss sie als Härtefall (wegen Obdachlosigkeit/Wohnungsverlust) anerkannt werden, um bei der städtischen Wohnungsvergabe bevorzugt zu werden.

Die notwendigen Unterlagen (Antrag auf Wohnungsvermittlung / Erteilung eines Wohnberechtigungsscheines, Anlage 2 - Einkommenserklärung Anlage W - Wohnungssuche) sollte sie sich vorab herunterladen und sorgfältig ausfüllen. Wenn sie das überfordert, gibt es in vielen Städten mittlerweile Erwerbslosenzentren oder Freiwilligendienste, die in solchen Angelegenheiten unterstützen oder bei Behördengängen begleiten.


Kommentar von chayenne2703 ,

Danke für ausführlichen Antworten :) Wir werden das mal genau so befolgen. Vielen dank :)

Antwort
von mondfaenger, 49

Sie hat doch eine Wohnung! Wenn sie mit ihren Eltern nicht auskommt, dann sollte sie sich schnellstens eine Arbeit suchen, Geld verdienen und dann ausziehen! Es ist nicht nachvollziehbar, warum der Steuerzahler dies finanzieren sollte! Mit 23 Jahren wird sie wohl in der Lage sein, eine Arbeit zu finden.

Kommentar von chayenne2703 ,

Super hilfreich !! Danke ..

Antwort
von wilees, 48

Einen Wohnberechtigungsschein kann sie auch so beantragen. Allerdings kann sie im Prinzip nur mit vorheriger Kostenzusage des JC einen Mietvertrag unterschreiben.

U25: Kein Hartz IV bei Auszug ohne vorherige Zusage - HartzIV.org

www.hartziv.org/.../20121115-u25-kein-hartz-iv-bei-auszug-ohne-vorherige-zusage....
Kommentar von chayenne2703 ,

Also sagen wir mal, der WBS wird genehmigt. Sie sucht sich eine Wohnung & sobald sie eine gefunden hat muss sie damit zum Jobcenter, ob die das zahlen oder nicht?

Kommentar von wilees ,

So ist wohl der Weg. Allerdings sollte sie sich vielleicht schon im Vorfeld vom JC beraten lassen unter welchen Umständen sie ob ihrer persönlichen Situation ausziehen kann. Auch zum Thema Ausbildung sollte sie sich bitte noch einmal beim AA / JC beraten lassen.

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