Frage von Hilflos98, 128

Wohnung liegt über Hartz IV-Satz. Kann ich den Rest selbst zahlen?

Hallo zusammen, ich möchte bzw. muss aus Platzgründen und drohender Wohnungslosigkeit mit meinem Partner und meinem Sohn in eine größere Wohnung ziehen. In meiner Stadt gibt es jedoch nur sehr sporadisch 3-Raum-Wohnungen, die in Frage kämen. Die Wohnung, die wir haben möchten, liegt jedoch 40€ über dem Budget. Meine Frage nun: Kann ich die 40€ selbst von meinem Regelsatz zuzahlen, wenn ich das auf einem gesonderten Blatt bestätige, das ich der Anlage beifüge? Der Umzug ist dringend notwendig, und eine andere Wohnung ist nicht in Aussicht. Danke für eure Antworten!

Antwort
von schleudermaxe, 37

Das verstehe ich nicht so ganz. Wenn denn das Jobcenter genehmigt oder nicht, wird doch mit dem Bescheid die weitere Vorgehensweise angeraten. Wie ist diese denn ausgegangen?

Derzeit verlieren die doch bundesweit fast alle Gerichtsverfahren, weil deren Listen weder aktuell noch nachvollziehbar sind.

Binde ggf. mit ein die Damen und Herren vom Diakonischen Werk. Ich höre immer wieder, daß die fit sind und gerne helfen. Es geht ja wohl auch um ein Kind und um eine gewisse Dringlichkeit, was dies auch immer sein mag.

Den Umzug, die Schönheitsreparaturen, die Mietsicherheit  und die fehlende Erstausstattung sollen die doch bestimmt auch übernehmen, oder?

Viel Glück.


Antwort
von toomuchtrouble, 63

http://www.jobcenter-region-hannover.de/site/unterkunft_heizung/

Wenn alle Stricke reißen, könnt Ihr die Differenz immer noch selbst bezahlen. Du solltest das aber erst einmal nicht anbieten, sondern liste sauber die Gründe auf, die für die Überziehung der Mietobergrenze sprechen und dokumentiere Deine Eigenbemühungen übersichtlich in tabellarischer Form:

  • Wohnberechtigungsschein vorhanden ja/nein/beantragt am??
  • Besuchstermine wann und wo??
  • Wohninteressentenbogen bei allen größeren Wohnungsanbieter (kommunale Wohnungsgesellschaften, Wohnungsbau-Genossenschaften) ausgefüllt und vor allem die Anbieter von Sozialwohnungen)

Hier in Hannover und vermutlich auch in vielen anderen Regionen wird das System nicht starr gehandhabt. Es wird immer abgewägt zwischen Kosten/Nutzen und wie weit Deine Wohnungssuche nachvollziehbar sorgfältig war oder ob andere Kriterien zutreffen, die höhere Aufwendungen rechtfertigen. Lies hierzu bitte die Ausführungen zu energetisch saniertem Wohnraum... oder... wenn die Wohnung schon wärmegedämmt ist, liegt die Mietobergrenze bei einer 75m² Wohnung und 3 Personen 45 Euro über dem Regelbedarf!!! Selbstverständlich kennt der Fallmanager die aktuelle Wohnsituation und weiß, dass z.B. hier in Hannover auf dem freien Wohnungsmarkt keine 3-Zimmer/75m²-Wohnung für eine Bruttokaltmiete (incl. Betriebskosten aber ohne Heizung) von 500 Euro zu bekommen ist.

Zuletzt... ist Dein Partner auch auch Transferleistungen angewiesen? 

Antwort
von DerHans, 66

Wenn es sich nur um 40 € handelt, solltet ihr erst versuchen, die volle Miete einzufordern.

Wenn ihr dann einen Bescheid bekommt, könnt ihr da immer noch in Widerspruch gehen.

Wenn ihr einmal die Eigenzuzahlung akzeptiert habt, kommt ihr da nicht mehr raus.

Natürlich müsst ihr die Notlage darlegen und eure Bemühungen um eine günstigere Wohnung belegen.

Kommentar von EstherNele ,

Nach 13 Jahren, in denen ich beruflich Rat suchende ALG II-Empfänger bei Problematiken wie dieser betreut (und sehr oft auch zum Amt begleitet) habe, weiß ich:

Es gibt hier keinen Ermessensspielraum - diese regionalen/ kommunalen  Angemessenheitsgrenzen sind verbindlich.

Ich hatte Fälle, da sind Neuanmietungen wegen 2 - 3 € drüber abgelehnt worden.

Eine etwas bessere Position hätten sie vielleicht, wenn einer der beiden einen Job / ein Einkommen hätte, aus dessen Freibetrag man diesen Mietanteil bezahlen könnte.

So wird man eher fragen, wieso es ALG II-Empfängern so leicht fällt, mal eben so 40 € von 364 € Regelleistung einzusparen.

Anders wäre es, wenn sie in einer Wohnung drin sind und diese jetzt zu teuer wird - da kann man ein Stück weit so verhandeln.

Zudem gibt es dann Ausnahmen, in denen eine Miete bis zu 10% über der Obergrenze vom Amt zu übernehmen ist.

Aber das alles gilt eben nicht bei Neuanmietung.

Ich mache der FS hier ehrlich keine Hoffnung, lasse mich aber gern durch die Praxis eines Besseren belehren.

Kommentar von DerHans ,

Auch wenn es Regelsätze und RICHTWERTE gibt, sind soziale Angelegenheiten GRUNDSÄTZLICH Einzelfallentscheidungen.

Man kann also sein Recht zur Not auch einklagen. Das dauert zwar und man braucht einen langen Atem.

Aber diese Richtsätze sind nicht in Stein gemeißelt.

Antwort
von EstherNele, 42

Ich befürchte, dass ihr Pech haben werdet mit diesem Wunsch.

Das Amt darf - ohne Wenn und Aber - keine Mietverträge akzeptieren, die über der Angemessenheitsgrenze liegen.

Ich kenne Fälle, da ist das schon bei 2 und 3 Euro abgelehnt worden. Und ich habe in 13 Jahren beruflich im Bereich  Sozialberatung/ ALG II eine Menge solche Fälle kennengelernt und begleitet.

Und 40 € drüber ist schon ein ziemlicher Brocken. Immerhin sind  das 11% der Regelleistung eines Erwachsenen (in einer Partnerschaft). Da wird man sich im Amt schon fragen, an welcher Stelle du das einsparen willst.

Eine etwas andere Position hättest du, wenn einer von Euch einen Job hätte und damit hättet ihr ja immerhin trotz Anrechnung einen  gewissen Betrag mehr zur Verfügung als ein "normaler" ALG II-Haushalt. Da könntest du ja immerhin begründen, dass du die 40€ aus dem Freibetrag nimmst.

Antwort
von Gerneso, 54

In meiner Stadt gibt es jedoch nur sehr sporadisch 3-Raum-Wohnungen, die in Frage kämen.

Wenn ihr sowieso nicht arbeitet, könnt ihr ja auch mal irgendwo hinziehen wo es günstigen Wohnraum gibt. Oder einfach mal bundesweit nach Arbeit suchen und dann dorthin ziehen wo man sich eine Wohnung von seinem GEHALT leisten kann.

Kommentar von KaeteK ,

Wäre wohl die bessere Lösung..

Kommentar von toomuchtrouble ,

Geht es vielleicht auch ohne Ressentiment-geladene Unterstellungen unlauterer Motive?

Es herscht Niederlassungsfreiheit, die Frage ist an Eindeutigkeit nicht zu übertreffen, der Rest ist Dein Problem, für das ich Dir auf Wunsch gern das passende Forum suchen werde.

Kommentar von EstherNele ,

Es herscht Niederlassungsfreiheit,

Das ist so weit korrekt. Allerdings würde das in deinem Kontext offenbar bedeuten, dass das Amt mir als Bedürftigen jede Miete zu zahlen hat, nur weil ich irgendwo hin oder irgendwo nicht weg will.

Und genau das ist nicht so. Das Amt verbietet niemandem, sich seinen Wohnort selbst zu suchen, es begrenzt bloß die Kosten des Wohnens, wenn diese von der Allgemeinheit getragen werden müssen. Wenn du da hinwillst, dann musst du selber zahlen.

Wenn ich mir Berlin Kurfürstendamm oder Potsdamer Platz als Selbstzahler nicht leisten kann als Adresse, dann kann es nicht so sein, dass ein ALG II-Empfänger, der ja komplett von der Gemeinschaft der Steuerzahler finanziert wird, dort logiert, weil er nur dort seine Wunschwohnung findet.

ALG II soll zum Leben reichen, allerdings auf einem recht niedrigen Niveau. Es ist eigentlich nicht dazu gedacht, dass man es sich mit dieser Leistung auf längere Zeit gemütlich macht.

Und dem Mangel an Wohnungen, die "angemessen" sind, wird ja auch damit Rechnung getragen, dass die Angemessenheitsgrenzen in den vergangenen mehrfach nach oben korrigiert wurden.

Antwort
von Italien1972, 62

Hallo, ich kenne mich nicht unter prozentig mit diesen ganzen Hartz IV Zeugs aus, da ich selbstständig bin, aber meine Meinung ja du kannst es mit Sicherheit selber zahlen, nur sicherlich sind die Ämter dann wieder neugierig und fragen sich wo her du das Geld hast um es selber zu zahlen. Damit solltest du immer rechnen. Aber 40 € ist ja kein Hit. Das sollte normalerweise möglich sein das ist ja jetzt keine Unsummen die du selber zahlst. Das ist meine eigene Meinung 100-prozentig kann ich dir jetzt das nicht genau sagen.

Antwort
von 2602Janine, 74

Ich hatte das Problem auch mal. Da lag die Wohnung 3 Euro über dem Satz. Habe dann beim Jobcenter nachgefragt und die meinten dann, dass das nicht möglich ist. Ich weiss jetzt natürlich nicht ob die Regelung von Stadt zu Stadt oder von Bundesland zu Bundesland ne andere ist, aber meine Erfahrung zeigt, dass das nicht geht.

Kommentar von Hilflos98 ,

Hm, mein Vermieter meinte, dass das Schlimmste, was passieren kann ist, dass wir zuzahlen müssen. Zumal das Amt an uns sparen würde, da sie dann keine 2 Wohnungen bezahlen müssten.

Kommentar von EstherNele ,

Das ist die Sicht der Vermieter, die (so meine Erfahrung) nicht unbedingt mit den Hartz IV-Regelungen vertraut sind.

Und das, was uns normaler Menschenverstand sagt, ist auch nicht immer logisch / vernünftig aus Sicht des Amtes.

Kommentar von 2602Janine ,

Ja eigentlich dachte ich auch immer, dass das möglich ist. Ich sag ja, es kann auch sein, dass das von Stadt zu Stadt oder Bundesland zu Bundesland anders ist. Ich kann mir auch nicht vorstellen, warum das nicht gehen sollte. Nur wie gesagt, bei mir ging das leider nicht. Ich hoffe, dass ihr da weniger Probleme mit habt

Kommentar von DerHans ,

Auch wenn es Regelsätze und RICHTWERTE gibt, sind soziale Angelegenheiten GRUNDSÄTZLICH Einzelfallentscheidungen.

Man kann also sein Recht zur Not auch einklagen. Das dauert zwar und man braucht einen langen Atem.

Aber diese Richtsätze sind nicht in Stein gemeißelt.

Antwort
von sozialtusi, 62

Normalerweise ist das kein Problem.

Kommentar von EstherNele ,

Auf welche Bestimmung oder welche Erfahrung berufst du dich denn da?

Wenn man Leute auffordert, innerhalb von 6 Monaten die Wohnung zu wechseln, weil sie 10 oder 20 € zu teuer geworden ist, dann wird man nicht gleichzeitig den Einzug in eine Wohnung genehmigen, welche schon von Anfang 40 € zu teuer ist.

Kommentar von DerHans ,

Wenn "man" das JobCenter darauf hinweist, dass dann sämtliche Kosten in dem Zusammenhang vom JobCenter zu tragen sind, wird es sehr schnell unwirtschaftlich, auf den Umzug zu bestehen und die höhe Miete wird dann auch akzeptiert.

Jedenfalls wenn sie im Verhältnis zu den möglichen Kosten tatsächlich das kleinere Problem darstellt.

Kommentar von sozialtusi ,

Du darfst hinziehen, wo Du möchtest ;) Das Jobcenter verbietet gar nichts. Du bekommst nur die Umzugskosten nicht und musst eben den Überschuss selbst zahlen. Ich habe oft damit zu tun und habe viele Kunden, die das ganz genau so machen.

Antwort
von JiaoYu, 34

Sicherlich spricht absolut nichts dagegen, eine eventuell höhere Miete aus dem Regelsatz selbst zu zahlen. Machen wir seit Jahren, weil z. B. Rollstuhlwohnungen generell über den "Wünschen" der Jobcenter liegen. Einziges Problem ist: wenn Ihr weitere Kosten im Zusammenhang mit dem Umzug beantragen wollt/müsst, werden die wegen unangemessener Miethöhe abgelehnt werden. Denn diese Kosten werden nur übernommen, wenn die Miete angemessen ist. Und da (so kenne ich es inzwischen nach 4 Umzügen und verschiedenen Landkreisen) sind die Damen und Herren hart. Selbst bei nur 2 EUR drüber - unangemessen. Keine Umzugskosten, keine Malerarbeiten...nix! Wäre also genau abzuwägen, ob ihr den Umzug ohne weitere finanzielle Hilfen des Amtes stemmen könntet.

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