Wohin wird sich die Türkei entwickeln?

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10 Antworten

Wird er die Türkei vollkommen umkrempeln und aus dem Staat einen
"Gottesstaat" machen? Vergleichbar mit dem Iran? Ist das vorstellbar?

Nein, das ist eher unwahrscheinlich. Erdogan ist ein herrschaftssüchtiger Machtmensch, der am liebsten die Kontrolle über alles und jeden haben will. Ich glaube nicht, dass er religiöse Gelehrte als Autorität neben sich im Staat aufbauen will. Aus diesen Gründen existiert ja auch der Streit mit seinem ehemaligen Weggefährten Fetullah Gülen. Nein, Erdogan möchte selbst bestimmen und befürchtet auch bei Islamgelehrten (die ihm ideologisch prinzipiell nahe stehen), einen Teil seiner Macht verlieren zu können.

Definitiv werden in Zukunft aber viele Gesetzesentwürfe auf nicht-rechtsstaatliche Weise durchgewunken werden, eben weil der Justizapparat unterwandert wurde und auch alle weiteren Gewalten unter der Kontrolle Erdogans stehen. Darunter werden dann wohl auch einige Gesetze sein, die auf konservativ-sunnitischem Regelwerk basieren. Zudem wird Erdogan auch seine konservative Ideologie im Bildungssystem weiter durchsetzen wollen, indem er Imam-Hatip-Schulen bauen lässt und Veränderungen bezüglich der Lehrpläne durchführt. Der Laizismus, den Erdogan seit je her offenkundig verabscheut, dürfte spätestens damit endgültig abgeschafft sein.

In welche Richtung Erdogan die Türkei auch immer steuern wird, es wird eine negative Entwicklung sein. Der demokratische Rechtsstaat wurde ausgehebelt, Kritiker und Minderheiten werden unterdrückt und das Volk hat nur noch vergleichsweise geringe Möglichkeiten, Erdogans ungeheurer Macht etwas entgegenzusetzen. Baba Erdogan blind zu folgen und ihm praktisch die Alleinmacht zu geben, ihm also die Verantwortung der kompletten Türkei in die Hand zu geben - das ist töricht, naiv und dumm. Kein Mensch, und sei er noch so aufrichtig und fähig, darf derartige Machtdimensionen besitzen. Schon gar nicht jemand wie Erdogan, für den Demokratie und Menschenrechte einen so niedrigen Wert haben. Das türkische Volk, vor allem das oppositionelle Bürgertum sowie all die noch ungeborenen Kinder, werden den Preis zahlen müssen, ihre Bürgerrechte unter der Knechtschaft Erdogans abzugeben bzw. gar nicht erst kennenzulernen.

Die einzige Hoffnung besteht darin, dass das auf Kreditblasen aufgebaute Wirtschaftssystem zusammenbricht und es zu einer schweren Wirtschaftskrise in der Türkei kommt. Dann dürfte es in der Tat zu milieuübergreifenden Widerständen gegen die Regierung kommen. Gleichzeitig muss sich die Opposition neu formieren, also ein für die Bevölkerung attraktives Gegenangebot bieten und die richtigen Leute an die Macht lassen. Oppositionsführer Kilicdaroglu (CHP) ist seit 2010 Parteivorsitzender, Devlet Bahceli (MHP) sogar seit 1997. Vor allem dem stoischen Kilicdaroglu mangelt es an der Fähigkeit, die Leute mitzureißen. Dabei ist die sozialdemokratische CHP eigentlich die einzige Partei, die annähernd in der Position ist, der Regierung etwas entgegenzusetzen. 

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Kommentar von muhamedba
21.07.2016, 13:00

Aus diesen Gründen existiert ja auch der Streit mit seinem ehemaligen Weggefährten Fetullah Gülen

Ah, ist das so? :D

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Ich fürchte, dass man das im Moment überhaupt nicht vorhersehen kann, wie sich das entwickelt. Ich vermute sogar, dass selbst Erdogan das nicht weiß.

Eines ist jedenfalls klar. Erdogan wird mit seiner Politik die Türkei weiter spalten und diejenigen, die er jetzt unterdrückt, werden auf die passende Gelegenheit warten, dass Erdogan Schwäche zeigt, um dann die offenen Rechnungen zu präsentieren.
Habe hierzulande auch mit Erdogananhängern gesprochen und deren Hauptargument für Erdogan ist, dass er für wirtschaftlichen Aufschwug gesorgt habe. Im Moment schwächelt die türkische Wirtschaft aber und die derzeitige Politik ist eher geeignet, für Chaos und Inkomeptenz zu sorgen, als für eine wirtschaftliche Erholung.

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Demokratischer wird der Statt sicher nicht, ein ähnliches System wie im Iran halte ich aber kaum für realistisch.

Erdogan wird jetzt wohl nach und nach die Demokratie aushebeln und sich endgültig zum Alleinherrscher machen, er wird mit Sicherheit auch dafür sorgen das der Islam wieder in die Türkische Gesetzgebung, vielleicht will er auch in Teilen die Scharia einführen.

Was ich mir aber im Gegensatz zum Iran nicht vorstellen kann, ist das Erdogan wie im Iran einen Geistlichen als Macht Instanz zulassen wird, Erdogan macht auf mich nicht den Eindruck als sei er gewillt seine Herrschaft mit jemandem zu Teilen.   

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Erdo selbst ist zwar konservativ islamisch, ein astreiner Gottesstaat wie bei den Saudis oder dem IS wird aber von Haus aus nicht sein Ziel gewesen sein.

Jedoch: "Die Geister die ich rief werd ich nun nicht los." (Goethe) 

Seinen krassen Aufstieg verdankt er nicht zuletzt den Mullahs, denen die laizistische Türkei Atatürks schon immer ein Dorn im Auge war. Sie geben allem was er tut ein religiöses Fundament und erklären ihn zum Präsident von Allahs Gnaden. Das mussten schon die europäischen Könige im Mittelalter tun. Wer keinen Deal mit dem Vatikan geschlossen hatte bekam keine Segnung Gottes und seine Macht war jederzeit gefährdet, da jeder im Volk ihren Anspruch anzweifeln konnte. Aber wer von Gottes Gnaden herrschte... tja, wat willste da machen?

Hier ist Erdo einen Pakt mit dem Teufel eingegangen. Da die religiösen Führer wohl die Einzigen sind die ihn auf absehbare Zeit abservieren könnten indem sie ihm Allahs Segen entziehen, wird er ihnen jeden Wunsch erfüllen damit sie ihn weiter unterstützen. Und ihr Wunschzettel wird lang sein!

"Wenn Du wissen willst, wer Dich beherrscht, musst Du nur herausfinden, wen Du nicht kritisieren darfst.

Voltaire

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So hat es bei Stalin, A. Hitler und Mao auch angefangen

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Wohin sich die Türkei entwickeln wird? - Auf jeden Fall von Europa weg! - Der Umbau des Staates zu einer nicht demokratischen Alleinherrschaft eines Despoten ist fast schon abgeschlossen.

Hoffentlich ist damit das Beitrittsgeschwätz eines totalitären muslimischen Staates zur EU auch vom Tisch. Dieses Land hat noch nie dazu gepasst und wird vermutlich auch nie dazu passen! Den meisten Bürgern ist das längst klar. Nur unsere EU-Politiker scheinen diese Wahrheit noch nicht offiziell anzuerkennen.

Auch in der Nato ist eine Türkei vom Zuschnitt Erdogans kein Partner, auf den man sich im Verteidigungsfall verlassen kann. Er hat eher die Schläue eines islamischen Täuschers, der einem im Ernstfall in den Rücken fällt. - Stichwort "Taqiyya" aus dem Islam.

Auf jeden Fall wird sich die Türkei in gewisser Weise selbst isolieren, wenn sie nicht auf abhängige und damit erpressbare Nachbarn trifft, welche sich ihrer eigenen Stärken bewusst sind. 

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Kommentar von Grimwulf78
21.07.2016, 09:52

Dieses Land hat noch nie dazu gepasst und wird vermutlich auch nie dazu passen!

Die säkulare Atatürk-Türkei war eigentlich auf einem guten Weg, bis irgendwas mächtig schief gelaufen ist.

Auch in der Nato ist eine Türkei vom Zuschnitt Erdogans kein Partner, auf den man sich im Verteidigungsfall verlassen kann.

Vertrauen ist ohnehin kein relevanter Faktor in der Politik oder im Geschäft. Es geht immer um Interessen. So lange Deine Partner dieselben Interessen haben wie Du (im Falle des Westmächte: Profitsteigerung für unsere Konzerne) kannst Du relativ sicher sein, dass Sie Dir nicht in den Rücken fallen werden. Sie würden ja ihre eigene Position mit schwächen.

Nun verändern sich aber die türkischen Interessenschwerpunkte vom nüchternen, emotionslosen Profitstreben (das relativ berechenbar ist) zu emotional geladener Ideologie gemischt mit religiösem Fanatismus. Das ist nicht mehr berechenbar.

Wir können uns aber relativ sicher sein, dass ein islamischer Fürst wie Erdolf uns "Ungläubige" in den Augen der Fanatiker gar nicht mit Respekt begegnen darf! Allenfalls darf er uns Respekt vorspielen, so lange es was zu holen gibt. Darüberhinaus haben Ungläubige in einer islamistischen Welt keine Existenzberechtigung. Konvertiere oder stirb. Ist doch leicht zu merken ;)

Auf jeden Fall wird sich die Türkei in gewisser Weise selbst isolieren, wenn sie nicht auf abhängige und damit erpressbare Nachbarn trifft, welche sich ihrer eigenen Stärken bewusst sind.

Es gibt doch eine breite Auswahl islamisch konservativer Staaten, mit denen er nun ein Bündnis schließen kann und wird.

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Ja, das ist vorstellbar. Der will sein Volk zurück ins Mittelalter führen und dabei sind gebildete Menschen im Weg, die muss er jetzt alle loswerden. Denn dumme und ungebildete Menschen sind leichter zu lenken.

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Kommentar von Grimwulf78
21.07.2016, 09:39

Jein. Er verhängt grad Ausreiseverbote für Akademiker. Man braucht die gebildeten Leute halt doch, aber nur zum funktionieren, nicht zum denken.

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In 10 Jahren wird die Türkei wieder in der "Steinzeit" leben, so wie die aller meisten islamisch geprägten Länder.

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Kommentar von rawierawie
21.07.2016, 09:14

Das wird jetzt noch schneller gehen!

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Erdogan ist ein Islamfaschist und wird die Türkei in so einen Staat verwandeln.


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Die Anschauung von Herrn Erdogan aus der Vergangenheit, sowie seine Handlungen in der Gegenwart, lassen die Vermutung aufkommen, dass die Türkei sich zu einem Sultanat entwickelt, und die Familie Erdogan zukünftig den jeweiligen Sultan in Erbfolge stellt.

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