Frage von MartinWladislav, 146

Wohin mit meinem Potenzial?

Hallo und willkommen in der Welt des Lebens zwischen "ICH BRECH DAS ALLES AB." und "Diese Welt ist ja immer noch so, wenn ich das tue."!

Ich sehne mich nach Hilfe bei einem großen Problem in meinem Leben, wenn nicht sogar einer der größten Hürden die ich in nächster Zeit bestreiten muss.

Vorab zu meiner Person:

Ich bin 20 Jahre jung und habe mein Wirtschaftsabitur erfolgreich bestanden. Ich habe diesen Winter mein erstes Semester im Fach Informatik in Angriff genommen.

Da ich unglaublich enttäuscht bin von unserem Wirtschafts-/Geldsystem, war mein Abitur die schwerste und kraft aufwendigste Zeit meines Lebens. Wir lernten, wie wir systematisch die Armen ausbeuten und unseren Profit zu maximieren, nur damit wir uns höhere Autos und schnellere Häuser leisten können (pun intended).

Da meine Entscheidung zu studieren leider mehr oder weniger im eifer des Gefechts getroffen wurde, habe ich inzwischen meine Zweifel, ob es eine gute Idee war mich weiter den Strapazen einer "Karriereleiter" zu unterwerfen.

Nun zum Problem:

Ich bin es satt in dieser Leistungsgesellschaft zu leben. Ich bin es leid mir mit Geld einen sozialen Status kaufen zu müssen. Und ich vor allem habe ich die Nase voll von Kosumgeilheit und Gesprächen über das neueste iPhone.

In meiner Welt wird Erfolg nicht so definiert. Ich sehne mich nicht nach Reichtum und Luxus. Alles was ich will ist etwas zu tun, das mein Umfeld und mich glücklich macht. Ich will einen sinnvollen Beitrag zu unserer Gesellschaft leisten.

Meine Tätigkeit sollte mich natürlich finanziell nicht vollkommen im Regen stehen lassen. Ich würde mich eines schönen Tages an einer Partnerin und ein Paar Mini-Me's erfreuen. Leider bezahlen sich auch in meiner Welt die Rechnungen für so etwas nicht von selbst.

Ich fühle mich stark verbunden mit der Natur. Zudem bin ich nicht ungebildet. Ich habe viel Potenzial und bin sehr kreativ (Ich will nicht überheblich klingen, aber ich habe definitiv meine Stärken).

Mein Plan war es immer, viel Geld zu verdienen und dieses dann einzusetzen, um diese Welt zu einem besseren Ort zu machen (oder zumindest mein Umfeld). Nur leider merke ich wie die wunderschöne Blume meines Lebens unter dieser Anstrengung langsam verwelkt und an Farbe verliert. Diese Umstände zwingen mich etwas zu ändern.

Wie setze ich dieses Potenzial vernünftig ein?

Was kann ich tun um meinen Beitrag zu leisten?

Gibt es vielleicht schon "Communities" in Deutschland die meinem Weltbild entsprechen?


Ich entschuldige mich für diesen kleinen Roman, aber ich fühle mich etwas hilflos, da meine Familie viel von mir erwartet und alle so "stolz" sind, weil das Problemkind endlich angefangen hat zu studieren.

Ich würde mich sehr über Ratschläge freuen. Ja sogar Kritik an meinem Weltbild (falls vorhanden) ist erwünscht. Ich habe das hier nicht geschrieben, um Leute davon zu überzeugen, dass meine Meinung richtig ist.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von rotreginak02, 66

Hallo MartinWladislav,

Ich bin es satt in dieser Leistungsgesellschaft zu leben. Ich bin es leid mir mit Geld einen sozialen Status kaufen zu müssen. Und ich vor allem habe ich die Nase voll von Kosumgeilheit und Gesprächen über das neueste iPhone.

Ich nehme dich mal "beim Wort"....:

Du bist mit 20 noch am Anfang deines persönlichen und beruflichen Lebensweges, also spricht auch Nichts dagegen, dich erst einmal raus aus dieser "Leistungsgesellschaft" zu bewegen, zu orientieren und dann später dein Studium weiter zu verfolgen oder eben nicht....je nachdem, wo die Reise hin geht......

Da gibt es viele Möglichkeiten, im In- und Ausland. Ein soziales Jahr kann man bspw. auch in Israel in einem Kibbuz machen, fernab von iphone.....und Co
Kannst dich hier ja mal inspirieren lassen:

http://embassies.gov.il/berlin/departments/offentlichkeitsarbeit/AufenthalteinIs...

oder aber auf auslandserfahrungen.de

Ausprobieren statt Jammern, ist immer die beste Methode, etwas über sich und/ oder die Welt heraus zu finden.

Kommentar von rotreginak02 ,

danke für den Stern...und dir bei neuen Wegen viel Erfolg!

Antwort
von Fortuna1234, 60

Hi,

du bist damit mit Sicherheit nicht alleine und das ist kein neues Bild ;) Du willst die Welt zu einem besseren Ort machen? Das ist schön, das wollen einige andere auch. Ich finde immer man muss nicht beides unter einen Hut bringen. Kommt aber auch drauf an in welchen Dimensionen du helfen willst.

Eine Freundin hat Sozialwissenschaften studiert und wollte Entwicklungshilfe machen. Natürlich bezahlten sich die Rechnungen nicht selbst und so richtig selbst Brunnen graben wollte sie auch nicht. Traum und realität sind also aufeinander geprallt. Jetzt hilft sich in einem Insititut Jugendlichen mit Migrationshintergrund.

Andere verdienen einen Haufen Kohle (mit unterschiedlichen Sachen) und spenden sehr viel Geld an unterschiedliche Organisationen.

Andere helfen in der Freizeit. Es wird als selbstverständlich gesehen und nicht so drüber diskutiert.

In meinem Umkreis ist es normal, wenigstens regional, zu helfen und zu unterstützen. Und das klappt schon alles. Tafel, aktuell Flüchtlingshilfe, Tierheim etc.  jeder hat etwas wo er helfen möchte. Ich bin zB kein Tiermensch (die braucht es natürlich auch, ich würde aber nicht im Tierheim helfen). Früher habe ich geholfen und jetzt wo ich arbeite habe ich weniger Zeit, kann jedoch wenigstens Geld geben. Mein Arbeitgeber (Finanzbranche) hilft auch, das sind entweder Geldspenden oder Sachspenden. Ob ich jetzt beim Firmenlauf mitmache und damit indirekt Geld an regionale Sachen spende oder direkt Sachspenden gebe ist eben unterschiedlich. Ich habe auch schon öfter Sachen kostenlos an Einrichtungen gegeben. Man kann also schon helfen und damit die Welt stückchenweise besser machen oder Arme unterstützen.

Ich kann keinen Krieg verhindern, ich kann keine Kindersterblichkeit verhindern, keine Krankheiten heilen. Ich bin kein Arzt und kann nicht bei Ärzte ohne Grenzen mitmachen, aber es gibt die ja. Man muss eben nur seine eigene Rolle finden und mit seinen eigenen Mitteln helfen. Ich will trotzdem im Beruf erfolgreich sein, ich will eine Familie gründen und finde nichts davon schließt sich gegenseitig aus.

Wo versuchst du denn die Welt zu verbessern? Wo bist du gescheitert? Warum bist du frustriert? Was wäre denn - egal wie utopisch - dein Traum der Weltverbesserung?

Antwort
von Bianca1349, 78

Wie es sich anhört, macht dich informatik überhaupt nicht glücklich. Du kannst mit deinem wissen und deiner einstellung sehr viel erreichen, aber wie du schon sagst, die rechnungen zahlen sich nicht von selbst. Hast du mal von dem dreieck der nachhaltigkeit gehört? Das bedeutet, dass man trotz wirtschaftlichem wachstum die umwelt und das wohl der menschen verbessert. Wir haben das damals in erdkunde gelernt. Das heißt, du könntest dir einen beruf suchen, bei dem du deine wirtschaftlichen kenntnisse aus der schule anwenden kannst (und damit auch geld verdienst) ohne arme menschen auszunutzen oder der umwelt zu schaden. Wenn du dich zb für autos interessierst, könntest du ja elektroautos entwickeln. Oder du forschst an erneuerbaren energien. Wenn du ein gutes konzept entwickelst und umsetzen kannst, schaffst du arbeitsplätze (soziale verbesserung), schonst die umwelt wegen erneuerbaren energien (ökologische verbesserung) und arbeitest gleichzeitig in der wirtschaft. Dadurch könntest du alles so verbinden, dass du dein wissen zugunsten der menschheit und der umwelt einsetzen kannst und verdienst trotzdem genug um eine familie zu ernähren. Ich hoffe, ich konnte dir helfen.

Antwort
von SinSanctuary, 28

Hallo, ich kann absolut nachvollziehen, was du geschrieben hast. Und es gibt definitiv mehr Menschen da draußen, die die gleiche Meinung wie du haben. Sie sind im real life nur leider etwas schwer zu finden... Aber vielleicht helfen dir ja zb diese Internet-Communities für den Anfang -> http://www.utopia.de/ oder auch -> http://www.nachhaltigleben.ch Es gibt auch diverse Facebook-Gruppen.

"Ich bin es leid mir mit Geld einen sozialen Status kaufen zu müssen." Du musst überhaupt nichts (außer irgendwann sterben, aber das ist ein anderes Thema), und schon gar nicht diesen Konsum-Irrsinn mitmachen. Ich bin der Meinung, dass es eh ziemlich armselig ist, sich über materielle Statussymbole zu profilieren.

Ich kann dir ebenfalls nur den Tipp geben: Mach, was dich erfüllt. Vielleicht kannst du ja etwas "grünes" studieren, zB Umweltschutz(technik) od. so.

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