Frage von ThreeDaysLack, 112

Wohin mit den Gedanken und Gefühlen, die man nicht teilen kann?

Hallo zusammen. Ich bin 18 Jahre alt, weiblich und sehr sehr einsam. Eigentlich solange ich schon denken kann. Ich kann mich daran erinnern, mich schon in der 1. Klasse verstellt zu haben, weil ich anderen unbedingt gefallen wollte. Ich war immer sehr schüchtern, sehr unsicher, habe viel zu schnell vertraut und beinahe fremden Menschen zu viel gegeben. Freunde hatte ich zwar immer wieder welche, aber niemals richtige, mit denen ich mich wirklich verbunden fühlte, denen ich mich anvertrauen konnte, mit denen ich auf einer Wellenlänge war. Zu Beginn der Pubertät machte mir das noch sehr zu schaffen, jetzt gehört für mich diese Einsamkeit und gewisse Sehnsucht einfach schon zum Alltag, so traurig das auch klingt.. Vor einem Jahr habe ich meinen Realschulabschluss gemacht, saß seitdem eigentlich nur zuhause (war eine schreckliche Zeit im Bezug auf meine seelische Gesundheit) und habe im Moment habe ich auch nur noch eine "Freundin", die aber eben auch keine wirkliche ist, ich lasse das Ganze nur so laufen. Ich war auch noch nie in einer Beziehung, obwohl ich weder schlecht aussehe, noch unfreundlich bin.. Ich selbst war aber noch nie eine längere Zeit über an jemandem interessiert. Ich bin ein ziemlich introvertierter Mensch, ich gehe nicht gerne feiern (soll nicht heißen, dass es mir gefällt, nur zuhause rumzusitzen), philosophiere gerne über Dinge :), habe einiges durchgemacht im Leben (wobei es natürlich zuhauf Menschen gibt, die weit Schlimmeres erlebt haben), ich fühle mich anders, als die meisten Gleichaltrigen (zumindest die in meiner Umgebung). Obwohl sich vermutlich die meisten jungen Leute so fühlen, sich für etwas Besonderes und Spezielles halten. Dass ich durch meine fehlenden sozialen Kontakte nicht viel erlebe, ist traurig, aber wird hoffentlich noch kommen in der Zukunft (werde nach den Sommerferien mit meinem Abitur beginnen). Das Problem ist, dass ich so gerne jemanden hätte, mit dem man sich über Gedanken Ängste und Gefühle, Ideen, Interessen etc. austauschen könnte ohne Neid, Missgunst, Heuchelei, Schadenfreude oder Verurteilung. Manchmal habe ich das Gefühl, zu platzen, wenn ich mich niemandem mitteilen kann! Und ich kann mich einfach niemandem mitteilen in meinem Umfeld.. Zu meinen Eltern habe ich ein schwieriges Verhältnis. Es ist nur i.O. wenn wir beim Oberflächlichen bleiben. Ja, mit Sicherheit werden die richtigen Menschen noch kommen (so die Theorie und die Hoffnung), doch was soll ich solange tun? Bitte ratet mir nicht zu einem Psychologen zu gehen. Kennen wir schon, hatten wir schon. Psychologen sind keine gleichgestellten Freunde. Ich fühle mich, als wäre ich in der falschen Dimension gefangen. Als wäre ich in einer unsichtbaren Kuppel und könnte nicht ausbrechen. Mit 18 Jahren konnte ich noch nichts von dem erleben, was ich gern erleben würde (was die Gruppenaktivitäten betrifft), weil nie die richtigen Menschen da waren in meinem Leben. Es erscheint mir alles so falsch...

Antwort
von EinNarr, 45

Eine Biografie der Einsamkeit.

Sich anders zu fühlen oder auch anders zu sein und durch eine Verkettung von Ereignissen immer wieder in der Einsamkeit zu landen, um dort zu verharren, ist alles andere als schön. Der Wunsch nach sozialen Kontakten ist nachvollziehbar aber gestaltet sich sichtlich schwer, wenn der Zugang fehlt zu anderen Menschen in deinem Alter - die vielleicht auch wirklich etwas mit dir teilen und ein echtes Interesse an dir und deiner Person haben.

Mehr oder minder Dankbar bin ich an der Stelle dem Internet. Es bietet durch Foren eine Möglichkeit des Austauschs und gerade größere Foren veranstalten auch allerorts kleinere treffen der Communities - einfach um auch mal eine reale Komponente in das digitale Forenleben zu streuen. Gerade dort hast man aber erst einmal die Möglichkeit sich auszutauschen, Gedanken kann man ausdrücken und zum Gespräch stellen, man kann privat schreiben und vielleicht lernt man so auch Menschen kennen, mit denen du das machen kannst, was du dir unter anderem wünscht - dich austauschen.

Selbst hier, auf GuteFrage, kannst du deine Gedanken teilen. Es ist vielleicht eine etwas schäbig anmutende Werbung aber du schreibst sehr gut und ich glaube das es viele gibt, die sich über eine gut geschriebene Antwort von dir freuen würden. 

Ein Forum ersetzt auf kurz oder lang nicht die realen sozialen Kontakte, auch wenn es immer eine Möglichkeit der Überbrückung und eine willkommene Ergänzung bleiben wird. In dem realen Umfeld ist "Geh raus und lerne Menschen kennen." immer leichter gesagt als getan. Du schreibst, dass du darauf hoffst im Abitur den Anschluss zu finden und ich glaube deine Chancen stehen auch nicht schlecht - neue Menschen und vielleicht dann auch die Richtigen für dich, um all das zu machen, was du gerne mal machen möchtest. Anderweitig besteht aber auch die Möglichkeit sich irgendwo einzubringen. Soziale Projekte beispielsweise, ein Ehrenamt. Oft entscheiden sich auch junge Menschen dafür auf diese Weise aktiv zu werden und lernen sich auch über diese Projekte kennen. Es wären, je nach Wunsch nach sozialen Engagement, direkt zwei Fliegen mit einer Klappe.

Weiterhin ist die Selbstreflexion ein entscheidender Punkt. Verstehe die folgenden Punkte nicht als direkten Vorwurf, eher dienen sie als Beispiele zur Veranschaulichung. 

Einige Menschen haben beispielsweise zu hohe Ansprüche oder geben den Menschen in ihrer Umgebung nicht lange Zeit, damit sie sich wirklich präsentieren können. So gehen stellenweise auch potentielle neue Bekanntschaften verloren, einfach weil man sie zu früh mit einem Stempel belegt hat und die Sache für beendet erklärte. Es geht nicht darum sich zu verstellen, viel mehr geht es darum zu schauen, wie man sich eigentlich verhält anderen Gegenüber. Ist man schnell ablehnend? bewertend? All das passiert manchmal ohne das eigene Mitwissen und blockiert das soziale Miteinander ungemein. Aus dem Nähkästchen geplaudert - mir wurde oft gesagt, dass ich unfassbar abweisend wirke, einfach von meiner Haltung her und deswegen viele auf Distanz gehen würden. Mir war das nicht bewusst aber darauf zu achten allein bewirkte schon ein kleines Wunder.

Schlussendlich ist das soziale immer ein Balanceakt den alle beteiligten Seiten aufbauen und aufrechterhalten müssen.

Kurzum - für den reinen Austausch empfehle ich dir ein Forum und hoffe auch inständig dich vielleicht hier nochmal irgendwo lesen zu dürfen. Alles andere ist eine Frage der Möglichkeiten und der Zeit. Abwarten was das Abitur bringt und schauen welche Möglichkeiten es gibt, sich in der Freizeit einer Gruppe anzuschließen. Von jetzt auf gleich wird das schwer aber Chancen wird es geben. Den Blick aber auch auf sich zu halten kann viel bringen, manchmal wirkt man anders, als man wirken möchte. Vielleicht erleichtert das sogar schon den Einstieg in das soziale Umfeld des Abiturs.

Ich wünsche dir alles Liebe und Gute für die nächste Zeit und hoffe, dass du den ersehnten Anschluss findest und auch die Gespräche, die du suchst.

Liebe Grüße.

Antwort
von iDreamless, 50

Ich würde ja mal sagen, fang an, im Internet nach Leuten zu suchen. Da sind die Chancen viel größer, Leute zu finden, mit denen man sich wirklich versteht.
Kannst dich auch gerne bei mir melden wenn du willst

Antwort
von einfachichseinn, 49

Vielleicht stellst du an so eine Freundschaft auch zu viele Ansprüche?

Also ich meine jetzt nicht, dass du mit Freunden nur über Oberflächlichkeiten reden solltest, aber vielleicht übersiehst du einfach all diese tiefen Augenblicke, weil Dein Augenmerk auf all das negative gerichtet ist?

Du solltest allerdings wirklich mal einen Psychotherapeuten aufzusuchen, nicht um einen Freund zu gewinnen, sondern um herauszufinden, wieso du so ein Problem hast Bindungen einzugehen.

Antwort
von Jule140, 39

Wo kommst du denn her?
Vielleicht kann ich dich mal einpacken und schauen obs dir bei uns im Freundeskreis gefällt? 😉

Kommentar von ThreeDaysLack ,

Hessen ^^

Antwort
von Dezentgestoert, 53

Du kannst gerne immer mit mir schreiben wenn du willst c: bin für dich da...ich weiß wie du dich fühlst

Antwort
von howelljenkins, 58

du schreibst, dass du dich schon seit der ersten klasse verstellst und wirfst dann anderen vor, dass sie etwas vortaeuschen ... 

vielleicht faengst du damit an, selbst die maske fallen zu lassen. womoeglich tun das andere dann auch

Antwort
von lonelydevil, 64

Also brauchst du einfach jemanden um einfach mal normal zu reden ohne dich verstellen zu müssen? Wenn dir langweilig ist kannst du gern mit mir schreiben...mir ist viel zu oft zu langweilig und ich hab oft niemanden zum schreiben^^

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