Frage von Anonyme11, 83

Woher Weiß ich ob ich umsatzsteuerpflichtig bin?

Muss man sich erst anmelden

Antwort
von Dirk-D. Hansmann, 39

Das ist eine Prüfung gemäß Umsatzsteuergesetz.

Dabei geht es erst einmal darum, ob man Unternehmer ist. Will man etwas über einen längeren Zeitraum machen? Soll das gegen Geld geschehen?

Ist das was man tut von der Umsatzsteuer befreit? Der Klassiker sind natürlich Ärzte, aber auch Versicherungen und vieles andere. § 4 UStG

Stellt man fest, dass man der USt-Pflicht unterliegt, dann kann man mit der Überlegung beginnen, ob man die Kleinunternehmer-Regelung in Anspruch nehmen will.

Wie hoch werden in den ersten drei bis fünf Jahren die Investitionen aussehen? Welchen Einnahmen werden diesen Investitionen gegenüber stehen?

Bin ich als Kleinunternehmer überhaupt konkurrenzfähig. Es kann durchaus sein, dass eine einträgliche Kalkulation der eigenen Preise dann eben nicht möglich ist.

Sind meine künftigen Kunden selbst Unternehmer, die der Umsatzsteuerpflicht unterliegen? Weil die können nämlich die an Dich gezahlte Umsatzsteuer bei sich als Vorsteuer abziehen. Bezahlen unter dem Strich also nur den Netto-Preis.

Gibt es weitere Planungen im unternehmerischen Bereich? Auch die können manchmal zur Kleinunternehmereigenschaft zwingen oder sie geradezu ausschließen.

Zu beachten ist auch, dass bei Erfüllung der Kleinunternehmereigenschaft eine 5-jährige Bindungswirkung entsteht. Daher muss man schon mit der Prognose relativ genau umgehen. Um eine richtige Entscheidung treffen zu können.

Ferner verlangt die Inanspruchnahme der Regelung laufende Kontrolle, da ein Wegfall der Regelung oft in Liquiditätsschwierigkeiten führt. Aber auch dann den Ertrag belastet.

Last but not least: Du teilst Deinen Kunden im Grunde mit, dass Du von der Selbständigkeit nicht leben kannst. Du gewährst also einen Einblick in Deine privaten Finanzen.

Schließlich ist es möglich, dass ein Kunde die Regel kennt. Damit ist klar: Du hast lediglich 17.500 Euro Einnahmen im Jahr. Zieht man dafür Materialeinsatz und die eine oder andere Betriebsausgabe ab, hat man schon eine gute Schätzung Deines höchstmöglichen Einkommens.

Rechnet die üblichen Krankenversicherungskosten von etwa 340 Euro im Monat runter. Dann hat man die Zahl, die Dir etwa zur Verfügung steht.

Die Frage nach der Kleinunternehmerregelung gehört nicht in ein Forum. Weil zu viele individuelle Größen eine Rolle spielen. Eine pauschale Antwort ist daher nicht möglich und man verliert die Gesamtsicht.

Natürlich ist es attraktiv am Anfang keine Meldungen an das Finanzamt abgeben zu müssen. Aber ist der Aufwand wirklich so groß? Ist er im Übrigen nicht.

Dazu kommt, dass Unternehmer in dem Bereich gern glauben, dass sie gar nicht mehr "verdienen" dürfen. Unfug. Wovon soll man denn dann leben?

Es wird also mit angezogener Handbremse gearbeitet. Chancen werden aus Angst "vor der Steuer" nicht ergriffen. Ein psychologisches Problem!

Eine vollständige Erläuterung der gesamten Folgen ist wie bereits angedeutet nicht möglich. Suche Dir sachkundigen Rat bei einem Steuerberater. Da kann es im Einzelfall auf die Kleinunternehmereigenschaft 5 Minuten dauern, bis die richtige persönliche Antwort gefallen ist.

Ohnehin bestätigt die Praxis und auch hier die Fragen immer wieder: Wer sich einen Steuerberater aus der unternehmerischen Tätigkeit nicht leisten kann, der sollte das Unternehmen einstellen! Weil notwendige Rücklagen zum Beispiel gar nicht gebildet werden können.

Ertragsschwache Unternehmen verlangen dabei relativ zu großen Unternehmen höhere Rücklagen. Schließlich hat man für Krisen (und die kommen in der Regel in schöner Regelmäßigkeit) keine Absicherung des Lebensunterhaltes.

Auch für einen Wieder-Anschub oder eine Veränderung im Betrieb, einer unternehmerischen Entscheidung benötigt man Geld.

Also - Wer bei den "Großen" mitspielen will, der sollte sich auch so verhalten. Kein Amt schont kleine Unternehmen. Leider. Die Kunden übrigens auch nicht.

Kommentar von Anonyme11 ,

danke

Kommentar von runfunfrunk ,

Die 5-fährige Bindungsfrist besteht allerdings nicht für die Inanspruchnahme der Kleinunternehmerregelung sondern bei Optierung zur Regelbesteuerung.

Kommentar von Dirk-D. Hansmann ,

Danke für die Klarstellung!

Antwort
von PaulBuchhorn, 50

Bei einem Kleingewerbe bist du es nicht. Dies ist bei:

im vorangegangenen Kalenderjahr 17.500 Euro nicht überstiegen hat und
im laufenden Kalenderjahr 50.000 Euro voraussichtlich nicht übersteigt.

(http://www.deutsche-handwerks-zeitung.de/wann-die-umsatzsteuerpflicht-greift/150...)

Darüber hinaus bist du verpflichtet.

Kommentar von Anonyme11 ,

sehr ausführlich danke :)

Antwort
von mm78pr, 33
Antwort
von neuerprimat, 33

Gehst du einer umsatzsteuerpflichtigen Tätigkeit nach? Machst du Umsatz?

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