Frage von YassineB87, 50

Woher nehmen Buddhisten Ihre Überlieferung?

Hi Leute, woher nehmen eigentlich Buddhisten Ihre Überlieferung und können sicher sein, dass diese authentisch sind? Vielen Dank!

Antwort
von ArbeitsFreude, 30

"Vom Hörensagen", lieber Yassine:

Die Überlieferungen wurden so weiter gegeben wie Enzylexikon und Suziesext das beschrieben haben.

Wenn jemand sich auf die Lehren Buddhas bezog, begann er immer mit den Worten "So habe ich gehört: ..."

Ich finde das eine ausnehmend sympathische Art der Überlieferung, DENN: Es kommt eben NICHT auf die AUTHENTIZITÄT an, sondern auf den Geist dahinter!

Der Ruf nach "Authentizität", lieber Yassine, schafft bekanntlich nur Unfrieden - lies*  Dir doch bitte das ganze "Gezerve" zwischen den verschiedenen monotheistischen Religionsbefürwortern hier auf GF durch - Das läuft doch oft nach dem Motto: "Ähtsch, Deine Religion ist nicht authentisch!" - "Aber Deine ist verfäähälschT!" (sag* mal ehrlich: Findest Du das gut???)

Weißt Du: Wir Buddhis können überwiegend sehr gut damit leben, dass wir uns mit Schriften, Meinungen und Überlieferungen befassen, die halt möglicherweise NICHT authentisch sind: Auf das Denken und die Absicht kommt es an! ...und es möge jeder für sich selbst prüfen!

Kommentar von YassineB87 ,

Lieber Arbeitsfreude,

Natürlich mag ich es als möglichst friedlicher mensch nicht zu "streiten" usw. wer meine sonstigen antworten etc liest sieht eigentlich auch, dass ich entweder meine eigene auffassung (im rahmen meiner Religion natürlich, was aber viel spielraum lässt) vertrete oder immer möglichst für das möglichst positive (aus meiner sicht ) diskutiere. Bezogen auf meine oder andere religionen.

Meine ansichten sind natürlich schon ziemlich "eingebürgert" im sinne von "ich möchte wissen was budhha sagte, also möchte ich seine ansichten hören" 

Ich werde, wie ihr wahrscheinlich schon denken könnt, nicht dem islam verlassen oder ein budhist werden. aber zwecks gegenseitigem verständnis muss ich zugeben, dass das die "große" religion ist, mit der ich mich bisher am wenigsten beschäftigt habe.

ich finde es halt interesseant, wie man im buddismus auch einige paralelen auch ziehen kann zu anderen religionen (ich weiß, die kann man immer reininterpretieren). aber es macht ja sinn mit anderen auch immer einen gemeinsamen nenner zu suchen. zum beispiel was du beschreibst im letzten satz nennt sich "niyya" auf arabisch und ist grundvoraussetzung im islam. ebenso auch im Christentum oder Judentum, denn ohne die reine Absicht  ist alles nur heuchelei beim praktizieren des jeweiligen glaubens. worauf sich die absicht dann bezieht ist eine andere sache.

beim recherchieren ist mir witzigerweise aufgefallen, dass buddha von manchen im islamischen meinungen auch als Prophet anerkannt werden könnte, was mir völlig neu ist. ich wusste schon dass es laut unserer religion wirklich wirklich viele Propheten gibt und nur die wichtigsten genannt werden und (nach unserem glauben) mohamed der letzte ist und das jedes Volk seinen Propheten bekam...

ich finde sein verhalten weißt auch ziemlich darauf hin manchmal und manchmal nicht nach dem typischen propheten

aber wie gesagt ich fange ja grad erst mit dem "thema" an

Kommentar von ArbeitsFreude ,

Na dann wünsche ich Dir viele interessante neue Erkenntnisse zwischen buddhismus und Islam, lieber Yassine!

Da Du von Deinen Recherchen schreibst: Hast Du denn rausbekommen, ob Buddha von einigen Islam-Vertretern tatsächlich auch als Prophet gesehen/bezeichnet wird?

Gerne tausche ich mich weiter mit Dir aus!

Antwort
von Rosenblad, 8

Als jemand der nicht weiß wie er seinen Lebensweg ohne zu stolpern gehen soll, hebe ich ein großes, rotgefärbtes Ahornblatt auf und bestaune es von beiden Seiten, schaue in die Augen eines sich vor Lachen nicht mehr „einkriegendes“ Kindes, halte meine Nase an einem einsam stehenden Rapsstängel am Feldweg, schmecke die Süße eines herzroten, mich verführenden Apfels oder fühle die zarte Hand eines geliebten Menschen – das ist meine authentische Überlieferung.

Oder:

Wo man keine Schrift mehr zu erkennen vermag, sollte man in aller Stille und allen Lärm ruhig weiterlesen.

Expertenantwort
von Enzylexikon, Community-Experte für Buddhismus & Religion, 22

Die buddhistischen Lehren wurden meines Wissens nach etwa 100 Jahre nach Buddhas Tod erstmals zusammengefasst und schriftlich fixiert.

Der Buddhismus ist aber keine Offenbarungsreligion, bei denen die Worte Gottes angeblich durch einen oder mehrere Propheten übermittelt wurden.

Stattdessen sind die buddhistischen Schriften eher Lehrreden über richtiges Verhalten, die Praxis der Meditation und philosophische Vorstellungen

Deshalb sind für den Buddhisten die unveränderte Form der Schrift nicht von herausragender Bedeutung.

Wichtiger ist das eigene Verständnis und die eigene Praxis.

Buddha selbst hat seine Schüler dazu aufgefordert, alle Lehren zu prüfen, ob sie wahr sind und ob die Befolgung der Regeln zu positiven Ergebnissen führt - auch seine eigene Lehre sollten sie hinterfragen

Diese Aufforderung steht im so genannten "Kalama Sutta" - dort rät er, nicht allein aufgrund von Familientraditionen, oder Gewohnheiten an etwas zu glauben, sondern selbst zu prüfen und erkennen, ob es zu positiven Entwicklungen führt.

Antwort
von NewKemroy, 29

Es sind sehr viele Lehrreden des Buddha überliefert. Das nennt man den Palikanon. Pali ist eine alte tote Sprache, vergleichbar mit Latein.

http://palikanon.com/

Liest Du z.B. Anguttara Nikaya III, 66


Antwort
von suziesext10, 25

die ältesten buddhistischen Schriften sind der Dreikorb, in der Pali-Sprache. Sie wurden in der Zeit des buddhistischen Maharaja Ashoka auf (getrocknete und gepresste) Palmblätter geschrieben. Vorher wurden die Suttas von Generationen von Mönchen, in der Regenhüttenzeit, auswendig gelernt und weitergegeben.

Ob sie authentisch sind? Weißt du, im Altbuddhismus gibt es keine Glaubenslehre, sondern nur Anleitungen, Ratschläge und Texte über die Methode. Als Buddhist mußt du auch nichts glauben, sondern du mußt die Anleitungen studieren, selber anwenden und wenn sie für dich gedeihlich sind, dann sollst du sie bewahren.

Es ist für uns also gar nicht mal so wichtig, ob der Wortlaut eines Sutra jetzt genau der O-Ton Buddhas ist, sondern wichtig ist es für uns ausschließlich, was die überlieferte Lehre in uns bewirkt und ob sie wirkt und uns der Erleuchtung näher bringt oder uns von ihr entfernt.

Kommentar von YassineB87 ,

danke für die tolle antwort. ich möchte hier nicht über wahr oder nicht wahr streiten. ich möchte nur verstehen wie es im budismus ist um selbst ein bild machen zu können zu themen die mir im kopf rum schweben.... woher kam das gedankengut, also ich nenne es mal anweisung so zu denken. dass meinte ich. und vor allem wie kann man sich sicher sein, dass etwas von ihm kam, da er eigentlich sehr zurückgezogen lebte soweit ich weiß

Kommentar von suziesext10 ,

der (historische) Buddha Siddharta Gautama irrte 7 Jahre lange rum, voller Verzweiflung und spiritueller Not. Der Überlieferung zufolge hat er unter einem Feigenbaum, in Bodhgaya, während seiner Versenkungsübungen endlich den Durchbruch, die Befreiung vom Leiden und vom Nichtwissen erlangt. Danach wollte er zurückgezogen leben. Auf einer Wanderung versperrte ihm eine riesige Königskobra den Weg und verlangte von ihm, seine gefundenen Erkenntnisse zu teilen mit anderen Menschen. Soweit die Legende.

Der historische Buddha wanderte 40 Jahre lang durch Nordindien, nahm Schüler an, erbettelte seinen Lebensunterhalt, organisierte den Mönchsorden und veranstaltete Lehrgespräche bei Nicht-Mönchen. der bekannteste war Raja Bimbisara, der den Orden dann auch materiell unterstützte, sodass die Mönche nicht mehr in Regenhütten bleiben mussten, während der Regenzeit, sondern feste Klöster bekamen, die aber im Besitz des Spenders blieben. Buddha war eine öffentlich sehr bekannte und angesehene Persönlichkeit. Die indische Geschichtesschreibung beginnt mit seinen Daten.

Kommentar von YassineB87 ,

Dankeschön, nur kurz zum verständniss: du sprichst hier aber von einer Person korrekt???

es liest sich bisschen so durch den absatz, als wären es 2 Personen. habs gegoogelt und der historiche budda zeigte mir halt nur den siddharta gautama

Kommentar von suziesext10 ,

Buddha ist einfach ein Ehrentitel. Im Altbuddhismus ist ein Buddha ein vollständig Erwachter, der nach einer Zeit des spirituellen und gesellschaftlichen Niedergangs den Dharma durch eigene Übung wiederentdeckt und weitergegeben hat. Es hat also vor Siddharta Buddhas gegeben und es wird auch nach ihm welche gegen.

Der Buddha des kommenden Zeitalters ist unter dem Namen 'Maitreya' prophezeit.

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