Frage von Youareme, 115

Woher kriege ich jetzt noch Kraft, dass ich nicht aufgeben werde?

Hallo, ich wünschte mir ich müsste diese Frage nicht stellen, doch jetzt führt kein Weg mehr daran vorbei. Mein letzter und bester Skill funktioniert nicht mehr. Ich hatte echt lange gebraucht um ihn zu finden, da nichts anderes geklappt hat. Aber jetzt, jetzt sehe ich das ich nicht mal mehr die Kraft have, etwas zu unternehmen. Ich fühle mich wie eine Schlaftablette, wahrscheinlich wäre es besser ich würde es jetzt tun, auch wenn meine Familie keine Ahnung hat, aber momentan könnte ich einfach aus dem 6. Stock bringen und es wäre mir egal. Ich dachte, immer irgendetwas hält mich irgendwie ab. Selbst wenn jmd die Polizei oder sonst so diese Sachen anrufen würde, wäre es mir egal. Ich fühle mich einfach wie ein Stein aus Beton. Ich brauche Hilfe, das weiss ich. Aber ich kann nicht reisen, bin momentan so geistert das ich kein Geld Zuviel habe um abzureisen, da alles schon bezahlt ist. Ich kann also nicht jetzt nach Hause reisen. Ich denke ich könnte auch keinen in meiner jetzigen Umgebung sagen, was gerade in mir vorgeht, weil ich dann verstumme. Kennt jmd das Gefühl? Wie geht ihr damit um?

Support

Liebe/r Youareme,

Deine Situation klingt besorgniserregend. Aber auch wenn es hier um einen guten Rat geht, ist es schwierig Dir einen zu geben, ohne Deine tatsächliche Situation genauer zu kennen.

Sprich bitte mit einem Menschen darüber, dem Du vertraust. Das kann ein guter Freund, ein Verwandter oder auch eine Vertrauensperson aus der Schule sein.

Du kannst Dich zudem jederzeit an die Telefonseelsorge wenden. Dort ist rund um die Uhr jemand erreichbar und Du hast die Möglichkeit, ein anonymes und vertrauliches Gespräch zu führen. Telefon: 0800/1110111 oder 0800/1110222 (gebührenfrei aus dem deutschen Fest- und Mobilfunknetz).

Zögere im Notfall bitte nicht, den Notruf 112 zu wählen!

Herzliche Grüße

Eva vom gutefrage.net-Support

Antwort
von EinNarr, 36

"[...] momentan könnte ich einfach aus dem 6. Stock bringen und es wäre mir egal."

Wichtig ist jetzt erst einmal es bei dem "könnte" zu belassen und sich, gedanklich, entschieden gegen ein "wollen" oder sogar "müssen" zu stellen. Sich in die Möglichkeit des "Könnens" hineinzusteigern wäre absolut destruktiv und womöglich auch ein Unterfangen, dass du schlussendlich doch bereuen könntest - das Gefühl erst im freien Fall festzustellen, dass es einem doch nicht egal ist, sollte niemand erleben.

Zum einen ist es wichtig sich auf die Skills zu konzentrieren und zu schauen, welche Alternativen man findet. Du schreibst das dein "bester Skill" nicht mehr funktioniert. Unter Umständen lässt er sich jedoch in einer Skillskette noch einflechten und erzeugt im Zusammenspiel mit anderen den gewünschten Effekt. Die Frage ist welche Skills du noch kennst, welche du schon probiert hast und welche nicht. Als Möglichkeit kann ich dir aber mal eine "Beispielkette" nennen:

Musik anmachen (welche Entscheidet sich danach, wie Musik auf dich wirkt.) -> Kaugummi oder etwas vergleichbares kauen (am besten scharf oder mit Mentholgeschmack) -> Unter die Dusche stellen (mit zeitlichen Abständen immer kälter drehen bis die "Schmerzgrenze" erreicht ist, du sollst schließlich drunter stehen bleiben können) -> Deinen "Besten Skill" einflechten (an welcher Stelle er auch am besten passt)

Die Reihenfolge sollte bleiben, jedoch können sie sich darüber hinaus überschneiden - die Musik kann also auch noch beim duschen laufen und auch der Kaugummi kann dabei im Mund bleiben. Wichtig ist schlicht und ergreifend das du auf Reize zurückgreifst die deinen gedanklichen Fokus verschieben und dein Körpergefühl verändern - ohne dich selbst zu schädigen.

Weiterhin ist es wichtig, dass du im Verlauf der nächsten Zeit deine Medikation überarbeitest und eventuell ein Medikament ersetzt respektive auf eine Bedarfsmedikation umsteigst. Medikamente sind zur Unterstützung da und wenn sie dieser Funktion nicht nachkommen, dann stimmt etwas mit ihr nicht. Eventuell lässt sich an der Stelle etwas verändern, damit du nicht zusätzlich einer sedierenden Wirkung ausgesetzt bist, die dich wie eine "Schlaftablette" fühlen lässt.

Unterstützung ist hier auch schon ein wichtiges Stichwort. Unter allen Umständen ist eine therapeutische Unterstützung sehr wichtig. In welcher Form diese stattfindet obliegt dabei dir und deinen Möglichkeiten. Zumindest jedoch wäre eine ambulante Psychotherapie der womöglich richtige Schritt. Wenn du Schwierigkeiten hast die richtigen Anlaufstellen zu finden oder sich Fragen auftun, dann kannst du dich gerne über einen Kommentar oder eine persönliche Nachricht melden.

"Ich denke ich könnte auch keinen in meiner jetzigen Umgebung sagen, was gerade in mir vorgeht, weil ich dann verstumme."

Das Gefühl ist nicht unüblich. Es lässt sich allerdings umgehen, indem man den schriftlichen Weg wählt. Das kann in Form einer Nachricht sein oder auch als Brief. Es gibt mehrere Wege sich mitzuteilen, ohne direkt ein Gespräch beginnen zu müssen. Ich für meinen Teil habe immer auf eine Nachricht zurückgegriffen und damit ganz gute Erfahrungen gemacht, um so einen "Einstieg" zu ermöglichen. Der Austausch mit anderen ist in solchen Momenten unabdingbar und dementsprechend lohnt dieser Schritt sehr.

Kurzum - Einen Blick auf die Skills zu werfen ist wichtig, vielleicht hilft es eine Skillskette zu erproben. Zukünftig ist eine Umstellung der Medikation denke ich ratsam und auch eine Therapie, damit eine langfristige Genesung möglich ist. Zum jetzigen Zeitpunkt kannst du aber erst einmal auch schriftlich den Kontakt suchen und so ein Gespräch ermöglichen.

Ich wünsche dir alles Gute für die Zukunft und hoffe sehr, dass du die Situation unbeschadet überstehst.

Liebe Grüße.

Kommentar von Youareme ,

Das mit der Skillskette kenne ich allzu gut, aber es wirkt nicht. Unter der Dusche neulich dazu meine alten Ritzwunden aufzukratzen, beim Kaugummi kauen fokussieren sich die Gedanken mehr zum Thema und Musik wenn es eigentlich gute Musik ist macht sie mich wütend weil es nicht mein Zustand ist und traurige erinnert mich wie blöde das alles ist. Ich bin ja in Behandlung, aber was bringt die Behandlung wenn es einem damit nicht besser geht, nicht weil man den Therapeuten nicht mag, sondern weil man immer zurück fällt ins schwarze Loch

Kommentar von EinNarr ,

Wenn du unter der Dusche deine Wunden aufkratzt, dann gebe deinen Händen ebenfalls etwas zur Beschäftigung und verstärke den Kältereiz. Der Reiz muss sämtliche anderen Handlungen unterbrechen - plump ausgedrückt: Es muss so arschkalt sein, dass du gar nicht zum kratzen kommst.

Der Kaugummi einzeln ist selten Hilfreich aber in Kombination mit dem Rest entwickelt er manchmal eine passende Wirkung. Es geht auch hier darum nur eine Beschäftigung respektive Reiz zu finden - in dem Falle im Bezug auf den Geschmackssinn.

Bei der Musik kann man variieren. Es kann auch "Stimmungsneutrale Musik" sein. Ich habe sehr gute Erfahrungen in diesen Momenten mit Noise gemacht - also im besten Fall leicht rhythmischer Krach. Die Musik bildet einen sehr intensiven Reiz für das Gehör, ist jedoch weder fröhlich, noch traurig und überlagert eher, als das Gefühle verstärkt würden. Andernfalls kann die Musik auch eher in eine aggressive Richtung schlagen - Black Metal zum Beispiel. An der Stelle ist ein wenig Experimentierfreudigkeit gefragt, um den richtigen Klang zu finden.

Ein Noise-Beispiel wäre nebenbei:

https://hexhorizontal.bandcamp.com/album/influx-ii-the-isthmus

Eine Therapie braucht viel Zeit und auch man selbst muss sehr viel Kraft investieren und auch mit Rückfällen rechnen. Wichtig ist es auch nicht, dass diese Rückfälle nie wieder kommen, sondern das man lernt mit diesen umzugehen - sein Verhalten in dieser Situation also verändert und sich zum Beispiel ein "entgegengesetztes Handeln" ermöglicht. In diesem Fall arbeitet man exakt gegen den Impuls - wenn dieser also lautet "Ich bleibe jetzt hier liegen.", zwingt man sich förmlich raus zu gehen und selbst wenn man dann nur einen Kaffee trinken geht. Das ist nur ein Beispiel aber darum geht es - den Umgang mit der Situation verändern. Vielleicht kannst du deine Therapeutin nochmal direkt darauf ansprechen und ihr könnt fokussierter an solchen Techniken arbeiten.

Du gibst die Richtung in einer Therapie vor, also kannst du auch genau diese Situation ansprechen und versuchen Lösungsansätze zu erarbeiten. Du zeigst eine Menge Willen und ich glaube, dass du mit dieser Grundlage wirklich gut arbeiten kannst - möglich ist es auf jeden Fall.

Liebe Grüße.

Kommentar von Youareme ,

Hm, wird aber noch eine Weile brauchen bis ich die Therapeutin sehe, da wir beide Ferien haben

Kommentar von EinNarr ,

Das ist auch eher ein Blick in die Zukunft. 

Bis dahin kannst du dich auch an anderen Stellen melden - unabhängige Krisentelefondienste beispielsweise. Eine Nummer wurde dir bereits vom GuteFrage-Support unter deine Fragestellung geschrieben. 

Unabhängig davon ist der Versuch schon viel Wert. Der Versuch sich schriftlich an jemanden zu Wenden, der Versuch entgegengesetzt zu handeln und der Versuch andere Skills zu verwenden - auch in Kombination. Schlussendlich sollen diese Versuche nicht dein Schaden sein und könnten eventuell sogar die Situation etwas milder gestalten.

Dazu ist es manchmal hilfreich, sich selbst beziehungsweise seinen Gedanken etwas entgegenzusetzen. Eine Art Zwiegespräch mit sich selbst, in der man sich, wie man so schön sagt, "selbst in den Hintern tritt".

Manche Optionen mögen nicht besonders verlockend wirken und man meint, dass diese nicht die Wirkung mit sich bringen, die man erhofft - sie aber aufgrund einer Vorahnung nicht auszuloten käme eher einer Vermeidung gleich. 

Gebe dir selbst und den Optionen eine Chance, damit es dir besser geht und du dich erholst. Für die Zukunft ist schon etwas klar - das Gespräch mit deiner Therapeutin. Da kann jetzt ein Haken hinter gemacht werden - nun geht es um das Hier und Jetzt und da ist es das Beste die Situation zu verändern, denn in ihr zu verharren ist selten eine konstruktive Lösung.

Liebe Grüße.

Kommentar von Youareme ,

Ok, ich werde mein bestes geben, aber ich sehe keine Telefonnummern vom Support

Kommentar von EinNarr ,

Die 0800/1110111 oder 0800/1110222 sind beides Nummern bei denen du dich rund um die Uhr melden kannst. Dort wirst du mit geschulten und professionellen Personal verbunden, welches dir sicherlich auch helfen wird. Dort anzurufen kosten nebenbei, innerhalb von deutschen Netzen, nichts.

Auch wenn du nicht direkt dort anrufen möchtest, ist es empfehlenswert die Nummern zumindest einzuspeichern. So kannst du im Zweifel immer auf diese zurückgreifen. 

Weiterhin kannst du, wenn es dir einfach nur um das Schreiben zur Ablenkung geht, mir auch gerne eine Nachricht schreiben - von Musik über Buch bis Film und was die weite Welt sonst noch bietet bin ich für alles offen.

Ganz auf dich allein gestellt bist du auf jeden Fall nicht und das solltest du immer im Hinterkopf behalten. Natürlich musst du mit der Situation leben und auch deine Gedanken kann dir keiner einfach abnehmen wie eine Tasche aber du kannst dir sicher sein, dass es immer Menschen geben wird, die dir gerne zuhören und dich nicht dir selbst überlassen.

Liebe Grüße.

Kommentar von Youareme ,

Ok, wenn ich Ablenkung brauche melde ich mich danke

Antwort
von Mamue1968, 59

Warst Du schon in einer Klinik mit Borderline - Spezialisten oder PTBS ?

Kommentar von Youareme ,

Nö, war in einer Therapieklinik aber da ging es eher um alles. Ich mag Kliniken eh nicht mehr

Kommentar von Youareme ,

Ok war vielleicht der Hauptprobleme die man dort behandelt hat aber inzwischen sieht man ja was es noch bringt. Nix

Kommentar von Mamue1968 ,

Welche Medikamente nimmst Du , sag mir bitte wie die heißen ?

Kommentar von Youareme ,

Welche willst hören, ich nehme welche wegen ADS und Depressionen

Kommentar von Mamue1968 ,

Nimmst Du auch Neuroleptika ?

Kommentar von Youareme ,

Ne SSRI und Ritalin artige Produkte

Kommentar von Mamue1968 ,

Ich glaube ,das Du medikamentös nicht richtig eingestellt bist, weil Neuroleptika wie Seroquel usw. viel hilfreicher sind und es auch Bedarfsmedikamente mit ähnlichen Wirkstoffen gib wie Truxal - Saft, das man als Notfallmedikament nimmt !

Kommentar von Youareme ,

Ich hatte in der Psychiatrie Notfallmedikamente, nebenbei sind Ritalin für ADS und SSRI wegen Depressionen

Kommentar von Mamue1968 ,

Wenn ich Du wäre, würde ich mal den Arzt fragen, ob ein Neuroleptikum zusätzlich besser hilft und ich denke da Dir die Skills eh bei Dir noch schlecht helfen. Ich denke das Du kein adäquates

Notfallmedikament zuhause hast.  Könntest dem Arzt meine Vorschläge mitteilen ?


Kommentar von LittleMistery ,

Wieso Borderline- oder PTBS-Spezialisten?

Davon ist hier doch gar nicht die Rede.

Kommentar von Youareme ,

Tja, ich glaube es würde mal los geraten, aber Borderline ist einer meiner blöden Diagnosen

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