Frage von elagtric, 94

Woher kommt eigentlich dieser morbide Kult um Adolf Hitler ?

Selbst über 70 jahre nach seinem Tod, einem von ihm losgetretenen verheerenden Weltkrieg mit Millionen Toten wird er von einer gewissen Bevölkerungsschicht regelrecht angebetet. Selbst im Ausland.Amerika, Polen, Ukraine usw ... Woher kommt das, gibt es einen vergleichbaren Kult um Personen der jüngeren oder auch älteren Zeitgeschichte ?

Bitte keine Antworten von selbsternannten "nationalen Sozialisten" , deren Argument kenne ich zur Genüge.

Mich interessiert diese Faszination, nicht seine "Lebensleistung"

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Unsinkable2, Community-Experte für Politik, 10

Woher kommt eigentlich dieser morbide Kult um Adolf Hitler ?

Prolog: Das ist eine Frage, die ich seit einem runden Vierteljahrhundert für mich selbst zu beantworten versuche. Vielleicht helfen dir meine Überlegungen dazu, es besser zu verstehen.

Es wird dich allerdings wohl überraschen, dass ich deine Frage indirekt zu beantworten versuche. Denn das Verständnis für den "heutigen Hitler-Kult" kann man meines Erachtens nur verbessern, wenn man versteht, wie unsere Wertebilder aufgebaut sind...

--------------------------------------

Er begründet sich auf einem hierarchischen System von Herrschenden und Beherrschten, wie es seit Jahrtausenden dogmatisch gepflegt wird.

  • Jeder kennt den Papst der Katholischen Kirche. Selbst viele Atheisten kennen seinen Namen. Doch für Katholiken ist er "heilig". Sie himmeln ihn an. Denn er steht in ihrer Hierarchie ganz oben an der Spitze. Er lenkt sie. Er gibt ihnen den Weg vor. Er leitet sie an.
  • Jeder kennt Cheops und seine Pyramide. Selbst Nicht-Ägypter. Und stets heißt es: "Cheops baute seine Pyramide." Doch er selbst dürfte dafür keine Hand gerührt haben. Stattdessen waren es findige Architekten und fleißige Arbeiter, die allesamt namenlos bleiben, weil sie eben in der Hierarchie nicht weit genug oben standen.
  • Jeder kennt die Kaiser, Könige und Fürsten des Mittelalters. Je höher in der Hierarchie, desto bekannter sind sie. Ihre einzige gemeinsame Leistung war es einst, von der richtigen Frau geboren worden zu sein. Manche taten sich noch durch blutige Kriege oder andere fragwürdige Taten hervor. Doch sie alle eint eines: Sie stehen in der Hierarchie ganz weit oben. Deshalb muss man sich ihre Namen merken. Ihre, und nicht die der Generäle und Heerführer, die die eigentliche Kriegsarbeit machten, nicht die der Diplomaten, die die eigentliche politische Arbeit machten ... nur die der Anführer ganz an der Spitze.

Es ist also "zutiefst natürlich" (naja, sagen wir: "dogmatisch sauber propagiert"), sich auf "einen (An-)Führer" zu konzentrieren. Einen, der das Wort führt. Einen, der sagt, wo es lang geht. Einen, der anführt. Und je einfacher und eingängiger seine Erklärungen der Welt sind, desto "besser" ist er. Keine komplizierten Anleitungen, keine ständigen Entscheidungen, die man selbst treffen muss: Ein einziger, der die Spur vorgibt, und in der man treu und gedankenlos folgen kann.

Wenn dieser Jemand dann auch noch postuliert, dass man selbst - ohne etwas dafür tun zu müssen - besser als andere sei (auch hier greift das hierarchische Dogma!), ist es ein willkommener, ein akzeptierter (An-)Führer.

----------------------------------

Warum nun ausgerechnet "Hitler"?

Ganz einfach: Hitler vereinte all das wie kein Zweiter in jener Zeit. Er gab den Menschen in Zeiten großer Hoffnungslosigkeit (Depression, Reparationen, etc.) und hochgradiger Verunsicherung (aufblühende Demokratie mit all ihren Zwängen zum selbständigen Denken) eine klare, einfache Linie, der jeder folgen konnte. Und zugleich erklärte er jene, die ihm folgen würden, zu "besseren Menschen". Einfach so. Nur, weil sie ihm folgen.

Die Menschen waren hoffnungslos? Hitler gab ihnen Hoffnung (Arbeit, etc.). Die Menschen waren verunsichert? Hitler gab ihnen Sicherheit (eine klare, politische Linie ohne Fragen und Unsicherheiten). Die Menschen fühlten sich nach dem Ersten Weltkrieg als Verlierer? Hitler gab ihnen das Gefühl, nicht verloren zu sein, sondern zum herrschen bestimmt zu sein.

------------------------------------

Muss es immer ein "Hitler" sein?

Nein, keineswegs. ALLE rechten Ideologien sind "hitler-ähnlich" ausgelegt, funktionieren mit exakt den gleichen Mechanismen. Richtiger gesagt: Hitler orientierte seine Ideologie an den klassischen konservativen/reaktionären Bildern, weil diese so erfolgreich waren.

JEDE rechte Ideologie funktioniert auf die gleiche Weise:

Es gibt eine bedrohliche Situation (Arbeitsplatz, Unsicherheit, etc.)? Dann finde innere und/oder äußere Feinde, gib ihnen Namen und Gesicht und zeige mit dramatischen Posen auf sie. Behaupte, dass sie - und nur sie - das Problem seien. Und behaupte weiterhin, dass das Problem nur gelöst werden könne, wenn man sich um sie - und nur sie - kümmern würde.

Je bedrohlicher die (gefühlte) Situation, desto mehr "Führer" verlangt das Volk. Desto mehr Personenkult musst du betreiben. Desto weniger Leute dürfen sich auf dem allerobersten Sockel der Hierarchie befinden.

Mit anderen Worten: Je unklarer die Situation, je bedrohlicher das Gefühl der Verunsicherung, je unwilliger der eigene Geist, sich eigene Gedanken zu machen, desto mehr wird ein "externes Gehirn" gewünscht: Jemand, der sagt, wo es langgeht. Jemand, der einen Plan hat, der aus der Misere ins gelobte Land führt.

Es ist kein weiter Weg von Hitler über Pastörs über Höcke über Seehofer über Merkel ... tief hinein in die angebliche "gesellschaftliche Mitte". Tatsächlich sind es nur sehr wenige Schritte, die lediglich einen Gradmesser der Verunsicherung innerhalb der gesellschaftlichen Stellung darstellen. (Aus wirtschaftlicher Sicht ergeben sich hier andere Aspekte. Deshalb ist diese Facette ausgenommen. Hier geht es wirklich nur um die "Gefolgschaft" des Volkes selbst.)

Verfolge den Pfad selbst! Und sei nicht überrascht, wenn du bei Analysen, wie "Merkel, einst beliebte Führerin, verunsicherte die Leute mit 'Wir schaffen das!', ohne ihnen eine Antwort auf das 'Wie?' zu geben. Diese wenden sich zunehmend der seehoferschen Ideologie zu. Doch der ist selbst verunsichert und sucht seinerseits Stabilität bei der höckeschen Ideologie ("Grenzen schließen!", etc.). Und Höcke wiederum orientiert sich an alten, erfolgreichen Wertebildern, die auf schwarz-weiß-Skizzen beruhen ("Der Ausländer hat Schuld, dass es uns hier immer schlechter geht."), die wiederum bei Pastörs und Co. kopiert werden. Und der wiederum nimmt seinerseits starke Anleihen bei Hitlers Ideologie; der selbst auch nur alte hierarchische Muster samt deren Zweck-Mechanismen (Feindbilder, etc.) kopierte."

-----------------------------

Warum weichen die Menschen nicht "nach links" aus?

Man könnte ja annehmen, dass im Falle von Verunsicherung auch nach links ausgeschert wird, nicht wahr?! "Mitte funktioniert nicht mehr. Rechts ist 'nicht nett'. Also auf nach links!"

Doch da gibt es genau die gesellschaftlichen Hindernisse, die ich ganz oben nannte: Es ist nicht opportun. Es ist nicht erlaubt. Denn es würde das fundamentale Weltbild der Hierarchien zutiefst erschüttern. Und nein, es stellt kein Problem dar, dass man dieses fundamentale Weltbild mit Hitler und anderen Massenmördern (einschließlich Stalin) teilt. Es stellt aber sehr wohl ein Problem dar, wenn dieses Weltbild erschüttert oder gar demontiert wird. Zumindest für jene, die sich darin wohlig eingerichtet haben.

Ich schrieb es schon in einem Kommentar in diesem Thread:

Ein stellvertretender Propaganda-Leiter der Nazis kann Bundeskanzler werden, aber ein Fahrer, der sozialistische Stasi-Mitarbeiter chauffierte und selbst SED-Mitglied war, darf nicht Mitglied des Bundestages sein...

DAS ist unser Weltbild. So transportiert es die Propaganda in die Köpfe der Menschen.

Es gibt BIS HEUTE in unserem Weltbild überhaupt keine Abgrenzung nach rechts. Aber es gibt sehr klare und scharfe Grenzen nach links.

Und das Volk will vieles. Nur eines nicht: Ärger. Stress. Unruhe. Man will "sein Leben in Ruhe leben". Punkt. Wenn man das auch noch mit dem Gefühl kann, nicht völlig die Arschkarte gezogen zu haben, sondern "dazu zu gehören" (wozu auch immer), ist man schon zufrieden.

... Was ich hier explizit für Deutschland beschrieb, findest du in ähnlicher Weise auf der ganzen Welt. Auch - und gerade - in den USA, wo man ohne die geringste Behinderung nazi-freundliche Kulte pflegen kann (s. "White Aryan Resistance", etc.), aber systematisch als "Gefahr für das System" von Geheimdiensten überwacht wird, wenn man sich als "Kommunist" outet.

------------------------------------

Und so kommt es, dass unsere Gesellschaft auch nach 70 Jahren immer noch im gleichen "Denk-Kreis" zirkuliert:

  • "Der Kapitalismus gebiert den Krieg. Deshalb lehnen wir den Kapitalismus ab und fordern den Sozialismus als neues Werte- und Gesellschaftsziel." Das sagten nicht etwa KPD-Angehörige. Das kam - im allerersten Bundestag - aus den Mündern von CDU-Abgeordneten; nachzulesen in den alten Bundestags-Protokollen. Und selbst die SPD hat den "demokratischen Sozialismus" in ihrem Grundsatzprogramm bis heute stehen.
  • "Sollte jemals wieder ein Deutscher eine Waffe anfassen, soll ihm der Arm abfallen.", hieß es kurz nach dem Krieg.
  • "Wir müssen uns gegen die Bedrohung durch den bolschewistischen Juden verteidigen können. Deshalb brauchen wir eine Armee.", hieß es schon runde 10 Jahre später. (Gut, es hieß nicht mehr "bolschewistischer Jude". Es hieß kurz "der Iwan" oder "der Russe", um der neuen Propaganda gerecht zu werden.)
  • "Wir dürfen nicht daneben stehen, wenn in unserer Nachbarschaft Gräuel geschehen. Deshalb schicken wir unsere Verteidigungsarmee ins Ausland.", brach man dann, kaum 30 Jahre später, die nächste große Hürde.
  • "Deutschland wird am Hindukusch verteidigt.", sagte ein deutscher Verteidigungsminister weitere kaum 10 Jahre später und schickte die Enkel weiter weg, als ihre Großväter jemals gekommen waren.
  • "Die Armeen in Europa müssen aufgerüstet werden. Unser Feind, der uns unser Leben, unsere Kinder und unsere Werte rauben will, heißt al-Quaida-Taliban-Islamischer_Staat.", heißt es heute.

Das Weltbild wird immer klarer und klarer. Und es rutscht immer weiter nach rechts, dorthin, wo äußere und innere Feinde als "wahre Schuldige an der Misere" bezeichnet werden. Wieder einmal. Wie schon so oft in der Vergangenheit.  

Und es ist IMMER das gleiche Werte-Bild, das dahinter steht: "Volk ohne Raum, aber mit nachahmenswerter Kultur. Das bringen wir anderen Völkern mit Waffengewalt bei.", hieß es vor rund 70 Jahren. "Demokratie und Freiheit sind unsere nachahmenswerten kulturellen Errungenschaften. Das bringen wir anderen Völkern mit Waffengewalt bei.", heißt es runde 70 Jahre später immer noch. (Nicht "schon wieder", sondern "immer noch"!)

... Gute (= Herrenmenschen) hier; Böse (= Untermenschen) dort. Das Weltbild ist klar strukturiert und einfach zu verstehen. 

Und Unterschiede werden nicht gemacht. Stattdessen greift eine ultimative Gleichmacherei, wie einst die Rassenideologie der Nazis: "Der Islam gehört nicht zu Deutschland." Dabei ist es unerheblich, dass 95% der Moslems friedliche Zeitgenossen sind, die den gleichen Gott nur anders anbeten wollen. Entscheidend ist, dass sie als "Feindbild" auserkoren wurden. Damit sind sie in Sippenhaft. 

... Wie einst bei den Nazis. Wie einst unter Hitler.

====================

An dieser Stelle beende ich meine Einlassung. Sie ist alles andere als "vollständig", denn es gibt noch zahlreiche weitere Facetten. Doch ich habe versucht, dir einen roten Faden zu geben, der dir helfen kann, weitere Facetten zu entdecken und zu verfolgen. 

Wenn du mich zwingen würdest, diesen "roten Faden" in einem Satz zusammenzufassen, dann würde ich es so formulieren:

  • Je weniger Allgemeinbildung & Intelligenzleistung (vulgo: "selbständiges Denken") vorhanden ist, 
  • und je größer bzw. komplexer die Probleme werden, 
  • desto rechter wird die (politische) Einstellung der Menschen.

Das haben die Menschen sich nicht selbst ausgedacht. Das ist auch kein "Automatismus". Vielmehr ist es eine "dogmatische Wertebild-Doktrin" (s. ganz oben), die nicht in Frage gestellt werden darf und die nur eine Öffnung nach "noch weiter rechts", also nach "noch mehr Hierarchie", hat; in alle anderen Richtungen aber verschlossen ist.

Kommentar von PeVau ,

Mal wieder eine ausgezeichnete Antwort!

Kommentar von elagtric ,

kan mich nur anschliessen !

Antwort
von surfenohneende, 13

Selbst über 70 jahre nach seinem Tod, einem von ihm losgetretenen verheerenden Weltkrieg mit Millionen Toten wird er von einer gewissen Bevölkerungsschicht regelrecht angebetet. Selbst im Ausland.Amerika, Polen, Ukraine usw ... Woher kommt das, gibt es einen vergleichbaren
Kult um Personen der jüngeren oder auch älteren Zeitgeschichte ?

Die Ukrainer hassen Alles Russische & Sowjetische , besonders wegen Zaren-Reich, Lenin & Stalin ... klar, dass Diese Nazi-Bewegungen ( incl. NS-Deutschland ) verehren  ... Das ist in Lettland genauso 

die ukrainesche "Swoboda"-Partei hatte bis vor Kurzem die Wolfsangel (Nazi-Symbolik) als Partei-Zeichen , auch hohe "Swoboda"-Mitglieder wurden mit "Hitler-Gruß" erwischt

und in den USA konnten so Einige Sie an die sogenannte "Überlegenheit der Weißen Rasse" glauben es nicht verkraften, dass "Schwarze" ( = von den Europäern als Sklaven nach USA verschleppte) & Native-Americans ( Echte Amerikaner aka "Indianer" ) & Gemischte auf Einmal gleichberechtigt sind mit den vorherigen "Weißen" "Herrschern"

Antwort
von Digarl, 39

Oft werden diese Menschen förmlich missioniert. Erst kommt man in die Gesellschaft, merkt das man so akzeptiert wird wie man ist, macht sich erst dann wirklich mit der Materie vertraut und gerät "einfach so rein". Das verbreitet sich einfach gut, weil es etwas ist woran man glauben kann. Ideologien könnten durchaus auch als Religionsersatz dienen, da sie einem oft auch eine Lebensweise vorschreiben. Und wie sagte Immanuel Kant? Es ist doch so bequem, unmündig zu sein.

Aber Gaius Iulius Caesar ist auch in aller Munde gewesen, auch heute noch ... wenn auch in einem anderen Kontext. 

Diese Menschen haben sehr viel bewegt, wenn auch nicht immer zum positiven. Menschen die große Revolutionen durchführten sind logischerweise auch so ziemlich die bekanntesten ihrer Zeit. Denn Napoleon war sicher auch bekannter als irgendein Hans in einem Dorf. Bei den Gegnern ist es die Angst, die den Mythos am Leben erhält. In den eigenen Reihen oftmals der Stolz, der nicht selten auf die Propaganda des Regimes basiert.

Und wenn jetzt jemand halb Europa einnahm, sein Land um ein vielfaches vergrößerte oder einen großen Schuldanteil an den Tod von 6 Millionen Menschen sowie für einen Weltkrieg (mit)verantwortlich ist, ist es ja nur logisch das sich viele von dieser Person erzählen. Das wird dann aufgeschrieben und generell passiert sowas ja ziemlich selten. Und vor allem sowas wie Hitler war  bisher eigentlich einmalig (also vor allem in diesem Ausmaß).

Wir reden auch noch über Dinosaurier, obwohl kein mensch jemals einen lebenden Saurier sah. Das tun wir, weil sie für uns heutzutage etwas unvorstellbares sind. 

Bezieht sich deine Frage eigentlich darauf, wie man jemanden verehren kann der sowas schreckliches tat oder wie man überhaupt jemanden so verehren kann? Für die zweite Frage könnte man auch Gottheiten nennen, für die es keine Beweise gibt. Dafür wurde insgesamt bei weitem mehr geopfert, als für alles andere. 

Kommentar von elagtric ,

Ich versuche einfach nur diese Faszination, teilweise schon Kult zu verstehen, die "er" heute noch auf nicht wenige Menschen auszuüben vermag.

Fast schon eine Quasireligion, ich kapier diese Leute nicht.

Kommentar von Digarl ,

Der Nationalsozialismus ist eine Ideologie, Religion ist ebenso eine Ideologie. Ergo kannst du den Nationalsozialismus durchaus Religion nennen. Wenn es auch bei weitem keine Religion im klassischem Sinne ist. Viel mehr ist es eine Weltordnung. Doch der Nationalsozialismus schreibt jemanden einen gewissen Verhaltenscodex vor. Ebenso erklärt er die Welt, also mit den Rassentheorien usw.

Das ist wohl der Hauptgrund, weshalb selbst heute noch viele dieser Szene angehören. Sie suchen einfach nach ihrer Identität und verheddern sich dann in diesem Gewebe, das einem Spinnennetz gleicht. Oftmals sind die Anhänger des Nationalsozialismus (eigentlich sind es ja gar keine "richtigen" Nationalsozialisten sondern meist nur Rassisten die selbst keine Ahnung von Nationalsozialismus haben) Atheistisch oder leben eine Religion nur sehr halbherzig aus. Sprüche wie "Odin statt Jesus" symbolisieren auch nicht, dass sie an Germanische Religionen glauben, sondern existieren eigentlich nur zur Provokation. Tiefgründiges Wissen über Germanen haben sie oft auch nicht. Das zeigt, wie halbherzig sie das ganze ausleben. Und auch das sie oftmals keiner Religion angehören (bzw. sie nicht richtig ausleben) zeigt, dass sie offensichtlich wirklich nach einem Religionsersatz suchen. Da die meisten von Politik auch kaum Ahnung haben, kann man durchaus davon ausgehen das die meisten sich lediglich der Gesellschaft von gleichgesinnten erfreuen. Doch indem sie das tun fördern sie natürlich direkt sowie indirekt die Verbreitung der rechten Szene. 

Kommentar von Unsinkable2 ,

Der Nationalsozialismus ist eine Ideologie, Religion ist ebenso eine Ideologie. Ergo kannst du den Nationalsozialismus durchaus Religion nennen.

Diese Herleitung ist völliger Quatsch!

  • "Eine Rose ist eine Blume. Eine Nelke ist eine Blume."
  • "Also kann man eine Rose auch eine Nelke nennen."

... Wirklich?

Richtig ist: "Ideologie wird zur Religion, wenn sie dogmatisch ist. Die nationalsozialistische Ideologie war/ist eine zutiefst dogmatische Ideologie. Also ist sie auch eine Religion."

-------------------------------

Doch der Nationalsozialismus schreibt jemanden einen gewissen Verhaltenscodex vor. Ebenso erklärt er die Welt, also mit den Rassentheorien usw.

AUSNAHMSLOS JEDE Ideologie schreibt Verhaltenskodizes vor. Man könnte sie auch "Gesetze" nennen.

Und JEDE Ideologie erklärt die Welt mit "Rassentheorien". Auch mit völlig falschen, verqueren und hirnrissigen Beschreibungen wird nicht gespart, wenn es der Ideologie dient:

Im Kapitalismus gibt es etwa Leute, die geben (Arbeitgeber) und Leute, die nehmen (Arbeitnehmer). Doch tatsächlich ist es genau anders herum: Der Arbeitnehmer GIBT seine Arbeit(sleistung); und der Arbeitgeber NIMMT sie im Austausch gegen Bezahlung. Da das jedoch nicht in das Bild der (anzuhimmelnden) Leistungsträger, also der ideologisch erwarteten Subordination, passt, wurden die Begriffe vertauscht. 

So, wie die Nazis "Rassen" benutzten, um Abgrenzungen zu schaffen, benutzen andere Ideologien "Klassen" und "Schichten", um Abgrenzungen zu schaffen.

--------------------------------------

Das ist wohl der Hauptgrund, weshalb selbst heute noch viele dieser Szene angehören. Sie suchen einfach nach ihrer Identität und verheddern sich dann in diesem Gewebe, das einem Spinnennetz gleicht.

Der "Hauptgrund" ist, dass die Gesellschaft BIS HEUTE ihren Weg "rechts" sucht. Und so, wie die CDU (einst: Zentrum) damals Hitlers Ideologie nahe war und ihm half, die Demokratie durch eine Diktatur zu ersetzen, ist sie es bis heute. Nicht in allen Details, und manches bleibt auch einfach unausgesprochen, doch im Grundsatz unterscheiden sie sich nicht allzu sehr.

Es ist also das System der Propaganda, das einen Weg auf dem Grat sucht: "Rechts" soll es sein, aber "zu weit rechts" ist derzeit gesellschaftlich nicht opportun:

Ein stellvertretender Propaganda-Leiter der Nazis kann Bundeskanzler werden, aber ein Fahrer, der sozialistische Stasi-Mitarbeiter chauffierte und selbst SED-Mitglied war, darf nicht Mitglied des Bundestages sein...

DESHALB "verheddern" sich manche Leute in diesem Gewebe: 

Es gibt keinerlei Abgrenzung nach rechts; dafür aber eine sehr scharfe und klare Grenze nach links.

Kommentar von Digarl ,

Achja: Natürlich gab es solche Theorien auch schon lange vor Hitler, dieser sammelte ja eigentlich nur und trug alles zusammen (und das nicht mal alleine). Doch er verkörpert diese Theorien wie sonst kein anderer. Er ist einfach der bekannteste. Deswegen wohl ausgerechnet Hitler. 

Antwort
von Suboptimierer, 46

Ich weiß nicht, wie es in der rechtsextremen Szene ist, aber bei denen, die hier Fragen zu rechten Parteien stellen oder die gegen die Aufnahme von Flüchtlingen sind und solch ähnliche Fragen stellen, liest man selten etwas davon, dass sich auf Adolf Hitler berufen wird. 
Auch im privaten Umfeld kenne ich ein paar, oft Ältere, die Flüchtlingen ablehnend gegenüber eingestellt sind. Da denkt nicht einer eine Sekunde über Adolf Hitler nach.

Mir scheint es bald so, als ob die rechten eher bereit sind, das Thema ad acta zu legen als die rechte Szene, so als ob die Linken mit Vorurteilen gegenüber den Rechten arbeiten, die sie ihnen eigentlich vorwerfen wollen, gegenüber Migranten zu haben.

Es ist eine Angst der Linken. Und wo Ängste ohne Fakten sind, wird es oft gefährlich.

Antwort
von woflx, 14

Ob ein solcher Kult tatsächlich so verbreitet ist, wage ich zu bezweifeln (wobei ich über das Ausland keine Aussage treffen kann), zumindest ist für mich nicht einmal ansatzweise eine Verehrung erkennbar, wie sie etwa Che Guevara erfährt.

Falls es dennoch solche Erscheinungen gibt, handelt es sich sicherlich in erster Linie um pubertäre Provokationen, die auf den "Reiz des Verbotenen" bzw. die Lust am Tabubruch zurückzuführen sind und nicht auf eine bestimmte politische Einstellung.

Antwort
von lesterb42, 5

Ist eine sehr einfache und effektive Art auf sich aufmerksam zu machen und sofort Gegen- und Überreaktionen zu erzeugen.

Antwort
von Maxieu, 9

"...wird er von einer gewissen Bevölkerungsschicht ...regelrecht angebetet"

Glaub ich nicht. Dazu hat woflx auch bereits genug gesagt.

Anscheinend weißt du nicht so recht, was eine Bevölkerungsschicht ist.
Wenn du von deutschen sozialen Verhältnissen redest, geht es bei diesem  im Übrigen recht schwammigen Begriff mindestens um Zehn-, eher Hunderttausende von Menschen, wenn nicht x Millionen - z. B.:
die "Intellektuellen", die Mittelschicht, die Jugendlichen, die gesellschaftlichen Randschichten  etc.

Du hast es, wenn deine Angaben stimmen, an deinem Arbeitsplatz offenbar eher mit vereinzelten Irren zu tun.

Etwas anderes wäre es, wenn es sich dabei um muslimische Araber handelte. Hitler war auch nach dem zweiten Weltkrieg in der arabischen Welt hoch angesehen. Ich muss wohl nicht erläutern, warum.

Noch einmal etwas anderes ist natürlich, warum Hitler die Mehrheit der Deutschen in den 30-er Jahren so fasziniert hat. Aber darüber ist schon soviel Tinte geflossen, dass jedes weitere Wort Energieverschwendung wäre.

Antwort
von voayager, 9

Du siehst Gespenster.

Antwort
von DieterBuschkatz, 15

Einerseits wird er von vielen Nazis verehrt, weil er, der achso große Führer, die ideologie nach der alles nicht-arische Leben unterdrückt werden solle (Anmerkung: Die wirklichen Arier sind ein indischer Volksstamm), die einzig wahre Wahrheit, so weit hinaus in die Welt getragen hat wie kein anderer.

Ich denke also er wird vor allem für seie "großen Taten" verehrt. Schuld an den Schrecken des Zweiten Weltkrieges und der Niederlage Deutschlands sind demnach die Juden, die Volksschädlinge und nicht zuletzt selbst das "schwache deutsche Volk", wie es Hitler selbst gegen Ende gesagt hat. Hitler selbst wird also an allem Schlechten keine Schuld gegeben, der Holocaust selbst wird verleugnet oder als positiv angesehen.

Zusammenfassend wir Hitler von manchen dermaßen "angebetet" weil er es schaffte den Antisemitismus&den Nationalsozialismus wie kein anderer zu verbreiten, gleichzeitig seine "Fans" ihm aber keine Schuld an all dem Schlechten geben, dass er auslöste, bzw. dieses sogar positiv finden. Dazu muss man allerdings natürlich eine gewisse Voreinstellung haben, das ist klar.

Antwort
von Willwissen100, 49

Warum steht in den Geschichtsbücher etwas über Julius Cäsar? Ganz einfach. Die grössten Unmenschen bleiben am längsten im Gerede.

Der Gute Bauer, welcher sein leben lang zu seiner Familie geschaut hat und dieser ein ruhiges Leben erlaubt hat, den interessiert niemand.

Wenn Du also in die Geschichtsbücher willst, musst Du so destruktiv sein wie nur irgendwie möglich.

Antwort
von Wernerbirkwald, 31

Von Bevölkerungsschicht,kann man wohl nicht sprechen.

Es sind nur einige Deppen ,die nichts verstanden haben,aber die leider zur Zeit wieder etwas Auftrieb bekommen.

Kommentar von elagtric ,

Es sind aber komischerweise ganz schön viele Deppen, auf die er immernoch Einfluss zu haben scheint. Ich erwähnte Amerika, Polen usw. nicht umsonst. Dieser spezielle deutsche Faschismus wirkt in seiner damaligen Verwirklichung auf viele Menschen bis heute nach.

Nicht im nachdenklichen Sinn, sondern eher so Richtung Bauernfängerei.

War Hitler da einmalig oder kann das jederzeit wieder passieren ?

Kommentar von Wernerbirkwald ,

Ich glaube ,der große Teil der Menschheit ,hat erkannt,dass Hitler einmalig war,"einmalig Menschenverachtend".Und wenn Menschen das noch einmal zulassen,haben sie das Resultat nicht anders verdient.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten