Frage von Robinson007, 49

Woher kommt der Schimmel in der neuen Wohnung?

Bin seit 8 Wochen in meiner neuen Wohnung im Erdgeschoss. Nun habe ich voller Erschrecken auf der Unterseite meiner Matratze Schimmel entdeckt. Die Luftfreuchtigkeit beträgt ca. 80 %, nach mehrstündigem Lüften geht es auf 77% runter. Draußen haben wir lt. öffentlicher Wetterstation 61% Luftfeuchte. Sonst ist kein Schimmel zu finden im Schlafzimmer. Auch nicht an den Fensterscheiben oder Ecken. Wasser läuft auch nicht am Fenster runter am Morgen wenn wir zu zweit sind. Die Matratze lag auf einem Matratzenschoner aus Rosshaar und war zusätzlich in einem Milbenschutz eingepackt. Frage: Kommt der Schimmel von den 80% Luftfeuchte, vom Milbenschutz/Dicken Matratzenschoner oder habt ihr andere Ideen?

Antwort
von Onki73, 17

Einige Schimmelpilzsporen keimen auf einer nährstoffhaltigen Oberfläche ab einer Oberflächenfeuchte von 0,7 aw aus. Das entspricht einer daran anliegenden ruhenden Luft mit 70% rel. Luftfeuchte. Bei 0,8 aw Oberflächenfeuchte (80% rel. Luftfeuchte) keimen die meisten Schimmelsporenarten aus. Schimmelsporen fliegen immer durch die Luft. Sie sind Teil unserer natürlichen Umgebung. Wichtig ist, die Oberflächenfeuchte unter der Keimungsgrenze zu halten, um den Schimmelwuchs zu unterbinden.

In Erdgeschoßwohnungen kann Kellerfeuchte durch den Fußboden diffundieren (Preußisches Kappengewölbe mit Holzbodenaufbau) oder oberhalb des kühleren Erdgechoßfußbodens kommt es selbst zur Erhöhung der Raumluftfeuchte durch Raumluftauskühlung. Immer dort, wo sich Luft abkühlt, steigt die rel. Luftfeuchte an.

Liegt die Matratze direkt auf dem Boden der Erdgeschoßwohnung, ist der Schimmelwuchs fast unvermeidlich, da auch der Mensch in der Nacht schwitzt und damit die Matratze befeuchtet. Unterhalb der  Matratze sollte mind. eine 20cm zirkulierende Luftschicht befinden. Das Bett in eine Raumecke geschoben ist hierbei ungünstig für die Luftzirkulation, in die Aussenwandecke noch ungünstiger, weil sich an der Aussenwandecke im Winterhalbjahr die kälteste Stelle mit der höchsten Raumluftfeuchte befindet und der hohe Feuchtewert innerhalb der Wand noch eine lange Zeit - in Anhängigkeit von den sorptiven Eigenschaften der Wand - gespeichert bleibt.

Zur Senkung der Raumluftfeuchte muss diese Feuchte an die Umwelt abgeführt werden. Da durch das Bewohnen regelmäßig Feuchtigkeit entsteht (Atmung, Kochen, Duschen, Zimmerpflanzen, etc.) sollte diese Feuchtigkeit auch regelmäßig abgeführt werden.

Im Grenzbereich des Schimmelwuchses bei über 70% rel. Raumluftfeuchte ist die alleinige Stoßlüftung unzweckmäßig. Hier sollte zusätzlich eine leichte permanente Lüftung am Fenster geschaffen werden. Es gibt im Handel sogenannte Spaltlüfter für das Fenster oder die Herausnahme von etwas Dichtgummi (10-12cm) oben am Fensterflügel an allen Fenstern der Wohnung sorgt für eine verbesserte Grundlüftung der Wohnung, befreit aber nicht vom morgendlichen Stoßlüften und dem Lüften nach dem Kochen, Duschen, etc.

Hier im Forum schreibt einer, der baut fleißig Passivhäuser mit Lüftungsanlagen und spricht sich regelmäßig gegen die Entnahme von Dichtgummi am Fenster aus. Beim Passivhaus mit seinem rechnerischen Verbrauch (Heizkosten) von 1l Öl pro qm Wohnfläche im Jahr schlagen Lüftungswärmeverluste von 0,2l Öl pro qm im Jahr durch undichte Fenster auch mit 20% des Heizkostenverbrauches ins Gewicht. Da sind luftdichte Fenster wichtig.

Beim Altbau, der auch gut 10l Öl pro qm und Jahr verbraucht, fallen die Lüftungswärmeverluste von 0,2l Öl pro qm und Jahr durch undichte Fenster mit lediglich 2% "Mehrverbrauch" ins Gewicht. Hier sind also die 2% "Lüftungswärmeverluste" schon fast vernachlässigbar. Da die Wände des Altbaus aber auch mit zunehmender Feuchte eine geringere Dämmfähigkeit aufweisen, damit also die Heizkosten erhöhen, wirkt die Entnahme von Dichtgummi am Fenster im Altbau eher heizkostenmindernd, da die dadurch trockeneren Wände eine höhere Dämmfähigkeit bekommen.

Ich hatte selbst in meiner letzten Altbau-Mietwohnung ein Schimmelproblem an der Aussenwand, welches durch Stoßlüftung nicht zu beseitigen war. Erst nach der Entnahme von etwas Dichtgummi oben an allen Fensterflügeln der Wohnung (Zugluftkontrolle mkt Kerzenflamme) stoppte der Schimmelwuchs. Die Wand trocknete ab, was den Dämmwert verbesserte. Die Heizkosten blieben unverändert. Die Arztkosten sanken. ;-)

Die Wände des Altbaus können übrigens viele hundert Liter flüssiges Wasser einspeichern. Pro Lüftungsvorgang (Stoßlüftung) können wenige Gramm Wasser nach draußen entsorgt werden. Das Ablüften von hoher Feuchten in einer Wohnung ist also ein Vorgang über Wochen und Monate. Die Raumluftfeuchte steht auch immer mit der Wandfeuchte durch Feuchteausgleich in Verbindung. Eine hohe Raumluftfeuchte deutet auf eine hohe Wandfeuchte hin.

Antwort
von gewustwie, 25

Es kann sein dass deine Matratze schon vorher vielleicht bakteriell kontaminierter oder auf dem Weg zur neuen Wohnung etwas abbekommen hat! Und du hast bis jetzt nicht gemerkt hast, Weil die Luftfeuchtigkeit in der anderen Wohnung sehr trocken war ,  oder warum auch immer!
Und jetzt

(Natürlich wenn kein großer Baufehler in diesem Zimmer ist)

Haben die Pilze oder Bakterien Sporen durch die Luftfeuchtigkeit im Zimmer angefangen zu wachsen!  Akteurin brauchen eine gewisse Temperatur plus Luftfeuchtigkeit um zu wachsen! Weil schau mal was ja nicht ist nur die Matratze davon betroffen?  Ich würde vorschlagen liegt dir eine andere Matratze zu! So  eine günstige!

Antwort
von dietar, 21

80% Luftfeuchte sind für Wohnräume definitiv zu hoch. Falls die Wohnung neu oder neu "saniert" ist, wundert das den Fachmann nicht. Der Energiesparwahn hat zu Vorschriften geführt, die für hoge Luftfeuchten verantwortlich sind. Da haben weder Mieter noch Vermieter schuld. Fast in 70% unserer gesamten Bausubstanz haben wir diese Probleme mit steigender Tenden. Leider fallen auch gute ältere Häuser dem Dämmungswah zum Opfer und werden kaputtsaniert.
In deinem, wie in fast allen Fällen, ist eine Lüftungsfrage. Leider erfordern die modernen Umstände eigentlich  eine elektrische Dauerlüftung mit Energierückgewinnung. Dabei muss bezweifelt werden, dass dabei Vorteile in der Gesamtenergiebilanz entstehen. Am Besten entfernt man die oberen Gummidichtunen an den Fenstern und erhält so eine ausreichende Dauerlüftung. Die vielgelobte Stoßlüftung als Lösung des Luftwechsels, gehört in das Reich der Märchen.l

Kommentar von pharao1961 ,

Nein, gehört sie nicht!

Antwort
von pharao1961, 17

80% sind viel zu hoch! 3x täglich für 5 Minuten mit Fenster GANZ auf sollte man lüften. Dichtungsgummis wegschneiden ist Unsinn. Das ermöglicht keinen effektiven Luftaustausch, ebensowenig wie das Fenster auf Kipp.

Antwort
von acabgt, 22

Wenn der Milbenschutz luftundurchlässig ist und die Matraze darauf liegt oder darin eingepackt ist, dann liegt es auch daran. Die Luftfeuchtigkeit ist allerdings extrem zu hoch und sollte ideal 60% nicht nennenswert überschreiten. Bei 80% kommt es unweigerlich zu Schimmel, an welchen Stellen auch immer.

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