Frage von peachesx3, 50

Woher kommen die unterschiedlichen Anforderungen bei den Unternehmen?

Hallo,

Ich bewerbe mich gerade für eine Ausbildung und da viel mir auf, dass ein paar Firmen mindestens Abitur verlangen und andere schienen mit dem Quali zufrieden zu sein. Das verwirrt mich etwas, denn auch wenn Noten nicht alles sind und ich niemanden abwerten will, gibt es schon einen gewaltigen Unterschied zwischen Quali und Abi , was das reine Wissen angeht. Woran liegt es also, dass man für den selben Beruf , einmal so "hoch gebildet" sein muss und einmal reicht das "schlechtere" Wissen?

Ich dachte mir es liegt daran, dass kleine Firmen wenig Bewerber haben und weniger zahlen, sodass sie ihre Ansprüche senken müssen. Aber das ist eben auch nicht gerecht, wenn es die selbe Arbeit ist, nur woanders.

Habe ich recht damit oder gibt es andere Gründe?

LG.

Antwort
von ShinyShadow, 16

Ich finde deine Gründe sehr realistisch und bin der Überzeugung, dass das auch die wichtigsten sind.

Es ist nunmal so, dass die meisten lieber bei Audi, Porsche, Siemens,... (Unternehmen, die eben jeder kennt) arbeiten wollen als bei der Firma XY im Nebendorf. Demnach haben diese auch mehr Interessenten, welche sie durch die Voraussetzungen schon mal vorsortieren.

Was auch mit dazu kommt: Die Vorstellungen der Bewerber passen sorum oft besser zum Unternehmen. Ich persönlich hab in einem mittelständischen Unternehmen in eher ländlicher Gegend ein duales Studium gemacht und durfte in meiner Phase im Personal bei der Auswahl der Azubis mithelfen. Bei uns war es zum Beispiel so, dass wir auch Bewerber mit Abi für ne "normale" Ausbildung hatten, aber doch eher weniger. Und die wenigen wurden nicht eingeladen, die Personalleiterin meinte, "das passt einfach nicht zu uns".

Und ja, die großen Unternehmen sind da (meistens!) schon eher auf pure Leistung fixiert. Ich hab mich zum Beispiel bei einer rennomierten Einzelhandelskette für ein Abiturienten-Programm beworben, also auch sowas wie ein duales Studium. Mein damaliger Notenschnitt nach der 12. Klasse (wir hatten noch 13 Jahre im Abschlussjahr 2010 ;)) war 2,2. Weißt du, was als Antwort kam?! Ein Anruf: "Ja, hallo, sie haben sich bei uns beworben [...] Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass sie mit diesem Schnitt einen Studienplatz bekommen?! Wir möchten Ihnen vorschlagen, dass sie zum Probearbeiten kommen für eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau!" Ich war total schockiert über diese Worte. Also nicht wegen dem mit der Ausbildung, sondern diese unverschämte Aussage....  Ein Glück hatte ich am Vortag meine Zusage fürs duale Studium bekommen und konnte ihr das gleich reindrücken ;)

Lange Rede, kurzer Sinn: Meine Erfahrung bestätigt deine Aussagen.

Bewerben kannst du dich trotzdem überall, denn mehr als absagen können sie nicht ;)

Viel Erfolg! :)

Antwort
von wfwbinder, 16

In vielen Berufen ist eine Lehre eine sehr gute Vorbereitung für ein späteres Studium. Das ist logischer Weise bei den Abiturienten für das unternehmen viel eher zu befürchten.

Da ist der große Unterschied zwischen kleinen und großen Unternehmen. Die kleinen Unternehmen möchten gern ihre Auszubildenden nach der Lehre halten um dann dadurch das der frisch ausgebildete im Unternehmen arbeitet, die Aufwendungen für seine Ausbildung wieder herein zu bekommen.

Größere Unternehmen haben eine andere Kalkulation. Die gehen davon aus, dass ihnen 50 % der Auszubildenden durch ein Studium verloren gehen, aber danach, weil sie den Laden schon kennen, als frische Akademiker zurück kommen. Ist insbesondere bei Banken und Steuerberatungs-/Wirtschaftsprüfungsunternehmen der Fall.

Antwort
von Novos, 17

Die "Einkünfte" bei der Ausbildung sind normal nicht gravierend unterschiedlich. Je nach Beruf und Firma können schon unterschiedliche Zugangsansprüche gestellt werden. Da hängt auch von der "Verwendungsvorstellung" der Firma, nach der Ausbildung ab. Möglicher Weise ist im Anschluss der Ausbildung eine spezielle Weiterbildung möglich um eine bis dahin vakante Stelle zu besetzen.

Antwort
von Dirk-D. Hansmann, 6

Abiturienten sind auch nicht das Gelb vom Ei. Scheinbares Mehr-Wissen führt da gern zu Klugmeierei. In der Regel haben da einige Betriebe die Nase voll von.

Dabei sind Abiturienten zu einer Menge Selbstsicherheit erzogen. Das führt in der Regel erst einmal dazu, dass man ziemlich schnell und häufig erklären muss, welche Dinge erledigt werden müssen. In der Praxis erklärt einem eine Abiturient gern mal wie die Arbeit zu organisieren wäre - Ohne ausreichende Kenntnis für solche Überlegungen zu haben.

Dazu kommen die Lernanforderungen. In der Ausbildung geht es erst einmal darum viele Grundlagen zu legen. Diese Grundlagen werden durch einfachste Tätigkeiten gelegt. Dabei werden aber auch andere Zusammenhänge im Laufe der Zeit bekannt.

Das Lernen in vielen Betrieben ist daher auf einfache Wiederholung und geringer Erklärungstiefe ausgelegt. Leute die diesen Weg gegangen sind, die wissen, dass sich die Erkenntnistiefe von selber einstellt.

Darum ist es auch nicht wichtig welchen Abschluss jemand hat. Es geht um die Grundintelligenz und nicht die mitgebrachte Bildung.

Anders wenn Absolventen einer Wirtschaftsschule bevorzugt gesucht werden.

Die Themen sind hier nicht gerecht oder ungerecht. Das wird immer die Begleitung bei der Stellensuche sein. So lange jemand die Grundqualifikationen für eine Stelle hat, kann man die Person auch nehmen.

Nur muss sie von der Art und der Arbeitsweise/Arbeitsergebnissen an der Schnittstelle zu anderen Belegschaftsteilen Dinge in bestimmter Art und Weise erledigt haben.

Schluss endlich wird also die Stelle nach Sympathie vergeben. Also die Person, die im Gesamtbild am Besten in die Belegschaft passt wird genommen.

Antwort
von Bley1914, 1

Es liegt viel an dem Betrieb aber ich glaube auch das Bildungssystem in Deutschland mehr als ein Caos.

Ich bin seit 20 Jahren Taxifahrer. Abiturienten reden nur Von Formeln (hochtrabend). Ich wohne hier im Oldenburger Münsterland, die Leute wollen Bodenständiges Personal. Ich kenne hier auch einige die sind bei einer Bank angefangen, die Sitzen jetzt zum Teil der Bremer Landesbank.

Die Bankleute hier wollen Leute die hier in der Gegend ihre Arbeit machen und möglichst noch Plattdeutsch reden können. Hier in einer Bank selbst Großbetriebe wollen das Personal was die gut ausgebildet haben und für die Firma gut sind behalten.

Abiturienten können einfache % und Überschlagsrechnungen ohne Rechner

gar nicht machen .

Ich hoffe das du das Verstanden hast

>Mit Gruß

Bley 1914

Antwort
von domtschig, 16

Nun das liegt wohl eher an den persönlichen Erfahrungen der Unternehmen, die eventuell einmal schlechte Erfahrungen mit der Lernbereitschaft und vlt dem Lernverständnis von Lehrlingen hatten, die einen niedrigeren Schulabschluss hatten.

Natürlich kann und sollte man nicht alle über einen Kamm scheren, jedoch werden die sich vlt einfach sagen: wir sollen nur Abiturienten da wir da relativ sicher sein können das die Azubis den Lernstoff verstehen und auch die benötogten Leistungen einfach bringen.

So könnte ich mir das vorstellen, ist natürlich nur meine persönliche Meinung, doch das wäre für mich einleuchtend, da Lehrlinge schließlich auch Kosten verursachen wie zB die schulische Ausbildung etc.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community