Frage von Silberkugel, 85

Woher kennen sich die Ärzte immer so gut mit Arzneimitteln aus?

Hallo Leute,

als Mediziner kennt man sich recht gut mit dem menschlichen Körper aus, sei im Bezug auf seine Anatomie oder aber im Bezug auf seine Biochemie. In den 6 Jahren Medizinstudium und weiteren Jahren in der Facharztausbildung lernt man sicherlich sehr viel. Aber ich frage mich dennoch, wie es die Mediziner schaffen, sich das ganze Wissen aus dem Medizinstudium zu behalten? Vor allem interessiert es mich, wie sie sich merken können, wie unterschiedliche Arzneimittel miteinander interagieren und auf unseren Körperstoffwechsel Einfluss nehmen.

Es gibt doch tausende Arzneimittel und alle haben sie bestimmte Nebenwirkungen. Außerdem gibt es immer wieder neue Arzneimittel über die man praktisch noch keine Informationen hat. Dennoch heißt es ja immer wieder "fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker". Beim Apotheker verstehe ich das ja noch, weil der wahrscheinlich noch tiefer in der Materie ist, aber woher bezieht der Arzt seine Informationen und vor allem, woher nimmt er die Zeit um sich über neue Arzneimittel zu informieren?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Kunzinger, 44

Aufbauend auf das Wissen, was sich der Arzt während des Studiums  angeeignet hat und vor allem aus der Erfahrung mit speziellen Arzeimitteln und Arzneimittelgruppen kann der Arzt bestimmte Medikamente empfehlen. 

Die Kosten von Arzneimitteln werden von der Krankenkasse auch meist nur übernommen, wenn durch zahlreiche Studien belegt ist, welche Wirkungen und mögliche Nebenwirkungen auftreten können.

Aber es gibt auch ein gewisses Regelement was die "Guidelines" betrifft, so gibts zu jeder Diagnose eine Art "Normschema" nach dem man therapeutisch vorgeht, und das sich in vielen Fällen bewährt hat und was "State of the Art" ist.

Aber, was die Wirkungen von den Arzneimitteln untereinander betrifft, also wie sie zusammen wirken vor allem längerfristig, das wird nicht zur gänze erforscht. So wie wenn sich z.B. Wirkungen von Medikamenten gegenseitig aufheben oder verstärken. Oder der Konsum von Alkohol gemeinsam mit Arzneimitteln.  etc...

Die Computersoftware hilft wenn, z.B. ein Patient viele Medikamente einnimmt und teilt nach aktuellem Programmier/Wissensstand mit, welche Wechselwirkungen auftreten können. - vollautomatisch-

Aber es gibt keine Arzneimittel, über die man "keine" Information hat, weil sonst würde dieses nicht zugelassen werden. In Form von Fortbildungen, die für jeden Arzt verpflichtend sind erlangt der Arzt das Wissen über neue Wirkstoffe... -die Informationsquellen sind vielfältig auf dem Gebiet, --> online

Auf die Frage, woher sich der Arzt die Zeit nimmt - die muss er sich nehmen - auch wenn man pro Woche 40 Stunden und mehr arbeiten muss, geht vielleicht das Wochenende zwecks Fortbildungen drauf.

Kommentar von Silberkugel ,

Vielen Dank.

Mit "keine Informationen" meinte ich "keine praktischen Erfahrungen".

Kommentar von Kunzinger ,

Naja, deshalb gibt es ja auch Fachgruppen, wie Cardiologen, Gastroenterologen, Rheumatologen, etc... die sich im Speziellen mit den Medikamenten Ihrer Fachgruppe beschäftigen...

Wie gesagt, es werden vorerst viele Studien gemacht, inwieweit jedes "neue" Arzneimittel wirkt, oder nicht wirkt ... aber den genauen Ablauf so einer Zulassungsphase kenne ich leider nicht...

Antwort
von JanRuRhe, 53

Hallo!
Mediziner müssen viele Voraussetzungen haben. Eine davon ist, viele Dinge zu lernen, zu behalten und quasi auf Knopfdruck wieder zu erinnern. Bei vielen Berufen reicht es, wenn du in Büchern oder im Computer nachschaust, bei einem Arzt sollten die wesentlichen Dinge im Kopf sein, da es auch um Leben und Tod geht und in der entscheidenden Sekunde eben das Buch nicht erst aufgeschlagen werden kann.

Antwort
von Rockuser, 45

Es gibt zwar tausende Medikamente, aber es sind weitaus weniger Wirkstoffe. Oft sind die Medikamente von jedem Hersteller nur anders benannt. Gleicher Wirkstoff- gleiche Dosis, von 10 Herstellern 10 verschiedene Namen.

Die sind noch in Gruppen aufgeteilt, das macht die Sache schon deutlich einfacher.

Antwort
von poppys, 24

Ärzte haben ja nicht nur das Studium, es schließt sich ja auch noch eine mehrjährige Facharztausbildung an. In der Zeit werden sie von einem erfahrenen Arzt begleitet und lernen auch schnell, bei Bedarf Kollegen aus anderen Abteilungen hinzuziehen - eben gerade, was Fragen mit Medikamenten angeht. Man kann alles mögliche nachlesen, es gibt Fortbildungen etc.

Und kein Arzt kennt alle Medikamente, die in Deutschland zugelassen sind, sondern halt eine Übersicht über die Wirkstoffgruppen, die er am meisten braucht. Ein Orthopäde kennt mit Sicherheit andere Medikamente als ein Kardiologe.

Antwort
von derhandkuss, 39

Jeder Mediziner hat in seiner Praxis ein Buch, in dem alle Medikamente aufgeführt werden, die hier in Deutschland vertrieben werden:  https://de.wikipedia.org/wiki/Rote_Liste_(Arzneimittel)

Aus diesem Buch kann der Mediziner beispielsweise Wechselwirkungen entnehmen.

Antwort
von Patrickson, 27

Aerzte haben meistens ein sehr gutes grundwissen, aber jeder arzt ist spezialist. Aufgrund seiner fundierten Ausbildung kann er die wirkung von arztneimittel gut einschätzen. Ein Hausarzt, zum beispiel, hat jeden tag vielleicht etwa 30 patienten zu behandeln. Das ergibt ca. 150 patienten in der woche. Neben seinem grundwissen, kommt seine erfahrung hinzu. Im gegensatz zu apothekern, wird er zusätzlich mit den Folgen seiner Verschreibungen konfrontiert, dh. wenn er einen Scheiss verschrieben hat, ist der Patient, oder andersweitige Stellen, nicht zufrieden mit ihm. Manche erfahrungen eines arztes beruhen zusätzlich noch auf selbsterfahrung. Aerzte sind oftmals sehr lernbegierig und fleissig, denn ohne dies, wären sie kaum aerzte geworden. Jeder arzt will ein guter Arzt sein, denn dies gebietet ihm sein stolz, und also bildet er sich ständig weiter. Ich habe grosse achtung vor aerzten und sie gehören für mich zu den wenigen "hochverdienern" , welche ihren lohn tatsächlich auch verdienen. Deinen arzt kannst du wechseln, wenn du ihn nicht gut findest, deinen chef kannst du meistens nicht wechseln, auch dann nicht, wenn du ihn unfähig findest. 

Antwort
von steinzeitleben, 42

Das steht ja auch alles im Computer.. Und egal was es für eine Marke ist, die Wirkstoffe sind ja alle gleich

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