Frage von miesmacher1, 58

Woher kennen Gefängnisinsassen die Taten der Anderen?

Man liest ja immer mal wieder, dass es Vergewaltiger im Knast nicht leicht haben. Meine Frage wäre woher wissen die anderen Mitinsassen eigentlich welche Taten ein anderer Gefangener begangen hat?

Antwort
von gernehelfen1993, 58

Die haben doch bestimmt Zeiten wo die sich sehen und reden dürfen. Mittagessen, Arbeiten tun die dort ja trotzdem. Da kann man sich viel untereinander erzählen!

Antwort
von Artus01, 33

Da gibt es mehre Möglichkeiten.

Zunächst sind da diejenigen die durch ihre schweren Verbrechen durch die Medien bekannt wurden. Auch Gefangene lesen Zeitungen und schauen Fernsehen.

Dann wird natürlich in den Arbeitsbetrieben, in der Freistunde oder bei Gemeinschaftsveranstaltungen über die "Heldentaten" geredet. Der vom Fragesteller angeführte Personenkreis ist bei solchen Gelegenheiten meist recht still, und/oder versucht durch erfundene "normale" Straftaten abzulenken. Spätestens wenn es dann um Details geht, merken die Anderen daß da was nicht stimmt und dann gibt es kein Entrinnen mehr.

Bei Gemeinschaftsunterbringungen wird auch gerne mal in den Unterlagen der anderen rumgeschnüffelt. Eine Ausfertigung des Urteils oder nur ein Vollstreckungsblatt reicht dann schon aus. Besonders verdächtig ist das Fehlen jeglicher Unterlagen.

Es kann auch vorkommen das Bedienstete etwas unvorsichtig mit ihren Papieren sind und diese nicht verdeckt auf dem Schreibtisch liegen haben.

Kommentar von miesmacher1 ,

Plausible Antwort, vielen Dank! Eine Anschlussfrage an jemanden, der vll. im Gefängnis arbeitet: Da das deutsche Rechtssystem in mancherlei Hinsicht insbesondere für mich als Vater häufig nicht nachvollziehbar ist im Hinblick auf die verhängten Strafen...

Wie ist es denn nun wirklich? Kommt es vor, dass solche Menschen (Kindermörder, Kinder-Vergewaltiger) unbeschadet durch ihre Haftzeit kommen, oder ist das eher unwahrscheinlich? Und weshalb läuft es bspw. nicht so, dass man u.a. den Sicherungsverwahrten ein Selbstmordmittel (Zyankali o.ä.) in die Zelle gibt? Das wäre dann ja keine Todesstrafe sondern ein nahegelegter Suizid aufgrund einer angenommenen irreparablen Hirnschädigung.

Kommentar von Artus01 ,

Ja, im Grunde hat der Täterkreis der sich an Kindern vergreift es schwer. Man darf nicht vergessen das viele "normal" kriminelle selbst Kinder haben und sich an Kindern niemals vergreifen würden. Da es sich hierbei auch nicht selten um Gewalttäter handelt, liegt es natürlich in der Natur der Sache solche Probleme auf die bekannte Art zu lösen. Übergriffe auf den bestimmten Täterkreis kommen immer wieder vor, die Dunkelziffer ist hier ebenfalls als hoch anzusehen. "Sittiche" haben es insofern schwer, ihre Haftzeit überstehen sie aber meistens, indem sie sich von anderen abseits halten.

Das "nahelegen" eines Suizids paßt nicht in die Ausrichtung des Vollzuges, auch, und erst Recht nicht bei Sicherungsverwahrten. Sowas kommt nicht in Betracht. Zumal es jedem unbenommen bleibt seinem Leben ein Ende zu setzen, aber diese Enscheidung muß er selbst treffen. Möglichkeiten gibt es genug. Letztlich kann man einem Inhaftierten oder Sicherungsverwahrten keine gefährlichen Materialien in die Hand geben, er kann sie auch gegen andere einsetzen.

Kommentar von miesmacher1 ,

Nochmal Danke. Die Deutsche Justiz könnte doch dem Beispiel aus Belgien folgen und Suizid diesem Klientel zumindest vereinfachen:

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/sterbehilfe-belgischer-sexualstraftaeter-e...

Was mir auch unverständlich bleibt, ist die willkürliche Anordnung der Sicherungsverwahrung. Warum hat bspw. dieses Paar, das ein Kind gezeugt hat blos um es zu missbrauchen "nur" 8 Jahre (er) bzw. 5 Jahre (sie) bekommen und das auch noch ohne Sicherungsverwahrung, (bei 2/3 Strafe bleiben davon effektiv 6 übrig). Welcher Gutachter bzw. Richter kann ernsthaft glauben, dass ein solch geschädigtes Hirn je wieder "normal" sozialisiert werden kann?

Kommentar von Artus01 ,

Was in anderen Ländern geschieht sollte die deutsche Justiz nicht beeinflussen. Was Du da aus Belgien schilderst steht dem in der deutsche Justiz vorherrschenden Ziel der (Re)sozialisierung entgegen. Man muß das nicht gut finden. Persönlich halte ich derartige Vorgehensweisen für moralisch bedenklich.

Was die Anordnung der Sicherungsverwahrung in Deutschland angeht so ist diese an strenge Regeln gebunden, genau findest Du sie hier:

http://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__66.html

Hier wird zum Beispiel in den meisten Fällen vorgeschrieben das bereits Vorverurteilungen stattgefunden haben müssen. Den Nachweis das es sich um einen sogenannten "Hangtäter" ( Abs. 1 Nr. 4) handelt muß man erst mal erbringen, viele Gutachter zieren sich vor einer solchen klaren Aussage, sofern von ihnen überhaupt eine kommt. Die Gerichte legen da sehr strenge Maßstäbe an. Noch strenger ist die letztliche Überprüfung durch den BGH. Tatsache ist jedoch das seit mittlerweile vielen Jahren auch von deutschen Gerichten die Sicherungsverwahrung schneller angeordnet wird als vor, sagen wir mal, 20 Jahren.

Es ist für den "Normalbürger" sicherlich sehr oft unverständlich ergangene Urteile, besonders im Strafrecht, zu verstehen, geschweige denn nachvollziehen zu können. Es ist aber gut das deutsche Gerichte unabhängig, auch von der öffentlichen Meinung, urteilen. Es ist eines der besten Rechtssysteme auf dieser Welt, das wage ich zu behaupten

Letztlich hat aber Recht mit Gerechtigkeit nichts zu tun, sofern bei bestimmten Straftaten Gerechtigkeit eigentlich kaum möglich ist.

Antwort
von Kleckerfrau, 50

Weil sie sich es erzählen oder vielleicht sogar die Angestellten was erzählen.

Kommentar von miesmacher1 ,

Also ich würde jetzt einmal vermuten, dass genau aus dem Gefahrenpunkt heraus die Angestellten sicherlich Schweigepflicht haben. Und ein Kindermörder wird vermutlich auch nicht so dämlich sein, das im Knast anderen zu erzählen, weil er sicher schon gehört hat, was ihm dann blühen kann. Internet haben die ja auch keins...also wie kommt sowas raus?

Kommentar von wfwbinder ,
   Also ich würde jetzt einmal vermuten, dass genau aus dem Gefahrenpunkt heraus die Angestellten sicherlich Schweigepflicht haben. 

Stimmt.

Aber denkst Du nicht, dass es Justizbedienstete gibt, die es gut finden, wenn einem Kindesmörder, oder einem Sexualstraftäter mal so richtig "der Hintern versohlt" wird?

Kommentar von Kleckerfrau ,

Außerdem haben genügend Insassen Kontakt nach draußen. Die bekommen schon ihre Informationen.

Antwort
von Ostblockstern, 22

Es gibt sowas wie therapeutische pflichtstunden usw es gibt im Knast immer den selben Ablauf und natürlich das fällt dann auf, wer wann wohin geht.

Antwort
von SantaClaus2, 26

Irgendetwas sickert immer durch.

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