wobei hab ich mehr raus, umsatzsteuerbefreit oder umsatzsteuerpflichtig?

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4 Antworten

Ich gehe davon aus, dass es hier um die Kleinunternehmerregelung und nicht um die Optionsmöglichkeiten bei steuerfreien Umsätzen geht. Die grundsätzlich verlangt, dass der Abnehmer vorsteuerabzugsberechtigt ist. (Grundsatz bedeutet hier: Es gibt Ausnahmen).

Man gut, dass Du fragst, wo mehr bei raus kommt. Denn damit ist die Frage offener gestellt.

Wer Betriebsausgaben hat, der wird im Normalfall mit der Kleinunternehmer-Regelung nicht glücklich. Einmal weil immer das Jahr der Umstellung lauert und immer wenn was umgestellt wird, dann kommen Risiken. Kann man minimieren, indem man im November spätestens im Dezember mit dem Sachbearbeiter beim Steuerberater bzw. dem Berater selber spricht.

Dann ist die Grenze in meinen Augen nur eine Grenze um in einem unwirtschaftlichen Bereich zu bleiben. Die Grenze ist für Unternehmer im Nebenerwerb gedacht gewesen.

Einfache Kontrolle gefällig? Welche Kosten entstehen bei Dir? Material- oder Wareneinsatz, Verwaltung/Büro, Versicherungen, Werkzeuge usw.?

Beziehe diesen Schätzbetrag mal auf den Betrag von 17.500 Euro. Das Ergebnis soll mal vereinfacht der Gewinn sein. Teile das Ergebnis durch 12. Selbst die 17.500 Euro : 12 Monate = 1.458,33 Euro/Monat ergibt nicht viel besseres.

Die Kranken- und Pflegeversicherung dürfte gerade bei knapp 300 Euro liegen. Der normale Bedarfssatz bei Hartz4 für Singles beträgt etwa 400 Euro. Dazu kommt eine regional unterschiedliche Höhe bei den Wohnkosten. Nehmen wir was am unteren Ende: 400 Euro.

Dann liegst Du (wenn keine Betriebsausgaben kämen) bei besagten 1.458 Euro im Monat. Dann fällt aber bereits Einkommensteuer an. Ganz grobe Hausnummer mit 800 Euro im Jahr. 800 Euro : 12 Monate ungefähr 70 Euro.

Bleiben Dir also von 1.458 Euro etwa 290 Euro mehr über, als Du grob geschätzt für Dein Existenzminimum benötigst. Das ist aber wieder Augenwischerei. Weil natürlich jeder Unternehmer verschiedene Rücklagen bilden muss.

Das ist für Ersatz- und Erweiterungsinvestitionen. Das gilt aber auch für die Altersvorsorge. Und was ganz schnell treffen kann: Umsatzeinbrüche. Da kämpft man in diesem Bereich der Sozialhilfe und dann ändert sich die Konsumbereitschaft oder Unternehmen fangen das Sparen an....

Bei dem Einkommen hat man kein Potenzial um solche Unebenheiten auszugleichen. Das kann auch sein, dass bei Rechnungen mal was nicht bezahlt wird. Keine Vorsorge treffen können und alles geht leider tatsächlich schnell den Bach runter. Oft holt eines ja auch das andere.

Oder denke an keine schlimme Erkrankung, aber eine Woche überhaupt nicht arbeiten können und danach noch nicht gleich wieder voll fit...

Gehen wir von diesen Erwägungen mal weg. Es stellt sich auch die Frage nach dem Investitionsbedarf. Natürlich kann es sein, dass durch die Erstattung von Umsatzsteuer richtig in Deiner Kasse was passieren könnte. Auch wenn Du am Ende auch Umsatzsteuer über Jahre abführen musst.

Thema Kalkulation. Bei der Kalkulation mit Umsatzsteuer wirkt sich diese nur gering auf den Preis aus. Man muss also um im Wettbewerb zu bleiben eigentlich auf den selben Preis kommen.

Wenn zu Deiner Zielgruppe aber Unternehmer gehören, dann vergleichen die nicht Deinen Preis mit den Brutto-Preisen von anderen, sonder mit deren Netto-Angeboten. Diese Kunden kannst abschreiben. Da ist der Kleinunternehmer zu teuer.

Nächster Punkt: Bei allen Angeboten und Rechnungen musst Du auf die Anwendung der Kleinunternehmer-Regelung hinweisen. Damit gibst Du jedem die Möglichkeit Deine Auftragslage und Dein Einkommen zu schätzen.

Stört Dich dieses nicht, dann hat es aber ein weiteres Manko bei Marktauftritt. Wenn Du Garantie leisten musst, dann kann Kundschaft skeptisch werden. Wie lange kann denn so ein Kleinunternehmer am Markt bleiben?

Finde ich den nach Geschäftsaufgabe noch?

Unter dem Strich spart man als Kleinunternehmer natürlich Steuern. Aber man muss wirklich sehen was das unter dem Strich bedeutet.

Was für Einnahmen hat man zu erwarten? Daraus also die 19%. Bei einem Umsatz von 14.500 Euro wäre die Umsatzsteuer 2.755 Euro. Einnahmen damit 17.255 Euro.

Bei den Kosten muss man trennen. Vorsteuerabzug oder nicht. Ich unterstelle mal ganz geringe Kosten von knapp 33%. Davon zwei Teile mit Umsatzsteuer und ein Anteil ohne. Sollen netto 4.800 Euro sein. 3.200 Euro zzgl. USt sind 3808 Euro Betriebsausgabe. Die 8 runden wir mal ab. Ergeben die Betriebsausgaben 5.400 Euro.

Gewinn bei Bilanzaufstellung 9.700 Euro. Umsatzsteuer von 2.755 abzüglich der bereits mit den Betriebsausgaben gezahlten etwa 605 Euro. Damit 2.150 Euro Umsatzsteuer noch abzuführen.

17.255 als Kleinunternehmer bleiben mit etwa 5.405 Euro (wieder gerundet) Betriebsausgaben belastet: 11.850 Euro.

Die Auswirkungen der Umsatzsteuer auf die Einkommensteuer lasse ich mal weg. Denn da kommt es zu Verschiebungen. Die sind im Grundsatz nicht bedeutend, könnten aber bei so knappen Budget sich aber in der Liquidität bemerkbar machen.

Die 2.150 Euro im Jahr wären nach diesen getroffenen Annahmen bei Verzicht auf die Kleinunternehmereigenschaft natürlich bei Dir weniger in der Tasche.

Doch die bereits genannten Nachteile und die angezogene Handbremse im Kopf (ich darf ja nicht mehr als 17.500 einnehmen) machen diesen Unterschied ganz schnell wett.

Natürlich sind das alles nur grobe Schätzungen und es wäre besser man kann auf konkretere Sachverhalte dieses anwenden, aber wo der Hase lang läuft ist hoffentlich ausreichend nachvollziehbar.

Auf einen weitere Punkt möchte ich noch hinweisen: Investitionen bzw. Betriebsausgaben werden häufig bei Gründungen im falschen Verhältnis gewählt. Das hängt natürlich auch mit falschen Annahmen zur Leistungserbringung zusammen.

Die Gefahren an dieser Stelle sind bei weitem höher, als dies bei der Umsatzsteuer der Fall ist. Wobei häufig die Risiken durch den Vorsteuerabzug etwas relativiert werden können. Besser ist aber diese durch professionelle Businessplanung auf Null zu setzen.

Meine Erfahrung (auch gedeckt durch einige Statistiken, leider gibt es dazu keine echten Erhebungen) besagen, dass schlecht oder nicht geplante Gründungen 5.000 Euro falsche Investitionen per se nach sich ziehen.

Dieses Minus erhöht sich durch entgangene Einnahmen nochmals. Ich bitte diese Risiken in aller Deutlichkeit zu berücksichtigen und möglichst zu verhindern. Wobei eine Verhinderung jedenfalls in dem Sinne immer möglich ist, dass die ersten drei Jahre davon nicht negativ belastet werden.

Allerdings sind die Verhinderungsstrategien komplex und können bei Laiengründungen daher nicht angewendet werden.

Als Nachweis für die Komplexität unternehmerischer Entscheidungen bitte ich Dich diesen Kommentar zu nehmen. Hättest Du Dir so umfangreiche Überlegungen zu dem Thema gemacht?

Bitte auch daran denken, dass die Konkurrenz andere stehende Gewerbebetriebe mit laufenden Geschäftsabläufen sind. Und nicht andere Gründungen. Trotzdem ein Vergleich unter den Gründungen: Im Durchschnitt gehen knapp 100% überzeugt von der eigenen Idee und Planung an den Start.

Ebenfalls im Schnitt überleben lediglich 5 - 10% die Gründungsphase nicht. Oft auch mit Folgeschäden für die Zukunft. Wie beispielsweise Insolvenz oder Ratenzahlungsvereinbarungen aus dem dann gescheiterten Versuch als Unternehmerin oder Unternehmer.

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Umsatzsteuerpflichtig weil du die Vorsteuer ziehen kannst und deshalb mehr Marge hast.

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wobei hab ich mehr raus, umsatzsteuerbefreit oder umsatzsteuerpflichtig?

Die Frage stellt sich nicht, da Umsatzsteuerbefreiung (§ 4 UStG) davon abhängt, was du vermittelst.

Wenn du Kleinunternehmerregelung (§ 19 Abs. 1 und 2) meinst kommt es u.a. darauf an, wer deine Kunden sind (andere Unternehmer oder Endverbraucher).

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Läßt sich nicht mit einem klaren "dies od. jenes" beantworten.

Mit "steuerbefreit" meinst du sicher die Kleinunternehmer-Regelung im § 19 UStG (USt wird nicht erhoben...17.500 Umsatzgrenze usw.)

Als Faustregel gilt, dass man bei nahezu ausschließlicher Leistung an andere Unternehmer - und für deren Unternehmen, bspw. Herstellung/Pflege des Web-Portals - mit der Regelbesteuerung besser fährt, weil diese Kunden (im Gegensatz zu Privatleuten) die von dir in Rechnung gestellte USt von ihrem Finanzamt zurückbekommen. Du selber hast dann den Vorteil des Vorsteuerabzugs.

Allerdings verpflichtet dich die Regelbesteuerung, deinem Finanzamt in den ersten 2 Kalenderjahren allmonatlich in elektronischer Form (bspw. ELSTER) sog. USt-Voranmeldungen zu übermitteln.

aus §18 Abs.2 UStG:
Nimmt der Unternehmer seine berufliche oder gewerbliche Tätigkeit auf,
ist im laufenden und folgenden Kalenderjahr Voranmeldungszeitraum der Kalendermonat.

Kannst du das selber kostengünstig erledigen? Wenn nicht, wird dir dein Steuerberater diese Leistungen in Rechnung stellen. Ein Kosten-Faktor, der oft übersehen wird.

http://www.e-recht24.de/artikel/steuerrecht/6100-kleinunternehmerregelung-umsatzsteuer.html

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