Frage von GiulyAaa, 39

Wo schreibt Aristoteles über die Sucht/ Mäßigung?

Hallo, weis jemand wo Aristoteles über die Sucht/ Mäßigung schreibt? In welchem Werk und so? Bin über jede Antwort dankbar

Expertenantwort
von Albrecht, Community-Experte für Philosophie, 15

Aristoteles schreibt darüber am meisten in der Nikomachischen Ethik, aber auch in weiteren Werken kommt etwas vor.

Bei gründlichem Vorgehen ist zu überlegen, wie die griechischen Begriffe heißen und welche deutschen Wörter in Übersetzungen dafür verwendet werden.

In wissenschaftlichen Bibliotheken gibt es einen Index (geordnetes Verzeichnis von Stichwörtern) zu Aristoteles.

Aristoteles, Opera. Ex recensione Immanuelis Bekkeri edidit Academia regia Borussica. Accedunt fragmenta, scholia, index Aristotelicus. Editio altera addendis instruxit fragmentorum collectionem retractavit Olof Gigon. Volumen 5: Index Aristotelicus. Edidit Hermannus Bonitz. Photomechanischer Nachdruck der Ausgabe Berlin, Reimer, 1870. Berlin : de Gruyter, 1975

In Textausgaben bzw. Übersetzungen sind zum Teil auch hinten Wortregister (in Auswahl) vorhanden (griechisch und/oder deutsch).

für philosophische Begriffe ist nützlich (Artikel zu einzelnen Begriffen, hinten Register griechischer, lateinischer und deutscher Wörter):

Aristoteles-Lexikon. Herausgegeben von Otfried Höffe. Redaktion: Rolf Geiger und Philipp Brüllmann. Stuttgart : Kröner, 2005 (Kröners Taschenausgabe ; Band 459). ISBN 978-3-520-45901-5

darin sind unter anderem enthalten:

Jens Timmermnn, akrasia / Unbeherrschtheit, Willensschwäche, Handeln wider besseres Wissen, S. 21 – 23

Frido Ricken, epithymia / Begierde, S. 207 – 208

Hubertus Busche, pleonexia / Mehrhaben(wollen), S. 465 - 466

Otfried Höffe, sôphrosynê / Besonnnenheit, S. 531

Abkürzungen von Werken:

EN bzw. NE = Aristoteles, Ethika Nikomacheia (Ἠθικὰ Νικομάχεια; Nikomachische Ethik; lateinischerTitel: Ethica Nicomachea)

EE = Aristoteles, Ethika Eudemeia (Ἠθικὰ Εὐδήµεια; Eudemische Ethik; lateinischer Titel: Ethica Eudemia)

An. bzw. De an. = Aristoteles, Peri psyches (Περὶ ψυχῆς; Über die Seele; lateinischer Titel: De anima)

MM = [Aristoteles], Ethika Megala (Ἠθικὰ Μεγάλα; Große Ethik; lateinischerTitel: Magna moralia) (Aristoteles ist wahrscheinlich nicht der echte Verfasser, sondern das ihm zugeschriebene Werk stammt von einem späteren Autor, der sich an seine Darlegung anlehnte)

Pol. = Aristoteles, Politika (Πολιτικά; Politik; lateinischer Titel: Politica)

Rhet. = Aristoteles, Techne rhetorike (Τέχνη ῥητορική; Rhetorik; lateinischerTitel: Ars rhetorica)

Top. = Aristoteles, Topike (Τοπική; Topik; lateinischerTitel: Topica)

Mesotes-Lehre/Lehre von der Mitte in der Ethik

Das Mittlere (τό μέσον [to meson]) gilt als richtig und gut. Aristoteles bezieht sich mit seiner Mesotes-Lehre (μεσότης = Mitte) auf Charaktertugenden/Vortrefflichkeiten des Charakters/ethische Tugenden (ἀϱεταὶ ἠθικαί [aretai ethikai]). Bei ihnen bestimmt er Tugend/Vortrefflichkeit (ἀρετή [arete) als eine Mitte zwischen einem Zuviel (Übertreibung, Übermaß) und einem Zuwenig (Mangel), die beide schlecht sind. Bei Vortrefflichkeiten/Tugenden des Verstandes/dianoetischen Tugenden (ἀϱεταὶ διανοηϑικαί [aretai dianoetikai]) wie z. B. Klugheit und Weisheit gibt es dagegen nicht ein Zuviel.

Charaktertugenden/Vortrefflichkeiten des Charakters/ethische Tugenden sind feste innere Haltungen/Einstellungen, aus denen heraus Menschen gut handeln.

Besonnenheit/Mäßigung

Eine Charaktertugend/Vortrefflichkeit des Charakters/ethische Tugend bezieht sich auf sinnliche Lust.

(richtige) Mitte: Besonnenheit/Mäßigung (σωφροσύνη [sophrosyne])

Zuviel: Zügellosigkeit (ἀκολασία [akolasia])

Zuwenig: Zügellosigkeit (ἀκολασία [akolasia])

wichtige Textstellen bei Aristoteles zu σωφροσύνη (sophrosyne) = Besonnenheit, Mäßigung:

Nikomachische Ethik 1, 13; 2, 2; 2, 7; 2, 8; 3, 10; 3, 13 – 15 (zentral); 4, 5; 6, 5; 7, 6; 7, 7; 7, 8

Eudemische Ethik 2, 2

Große Ethik 1, 5; 1, 9; 1, 21

Politik 2, 5

Rhetorik 1, 5; 1, 6; 1, 9

Sucht

Es ist nicht ganz klar, welcher griechische Begriff gemeint ist. Daher gehe ich auf mehrere Möglichkeiten ein.

Zügellosigkeit (ἀκολασία [akolasia]) ist als eine Schlechtigkeit des Zuviel (im Übermaß von sinnlicher Lust bestimmt sein) ein Gegenteil von Besonnenheit/Mäßigung. wichtige Textstellen bei Aristoteles:

Nikomachische Ethik 2, 7; 2, 8; 3, 5; 3, 10; 3, 13 – 15 (zentral); 4, 1; 7, 4; 7, 6; 7, 7 ; 7, 8; 7, 9

Große Ethik 1, 9; 1, 21; 2, 6

Aristoteles untersucht die Unbeherrschtheit, bei der aus Impulsivität und Willenschwäche wider besseres Wissen gehandelt wird. wichtige Textstellen bei Aristoteles zu Unbeherrschtheit (ἀκρασία [akrasia]):

Nikomachische Ethik 5, 9; 7, 1 – 8 (zentral)

Große Ethik 1, 33; 2, 4; 2, 6

Über die Seele 3, 11

Rhetorik 1, 9

Begierde und der Umgang mit ihr ist ein Thema. wichtige Textstellen bei Aristoteles zu Begierde (ἐπιθυμία [epithymia]):

Nikomachische Ethik 1, 13; 2, 1; 3, 2; 3, 11; 3, 13; 7, 4; 7, 6; 7, 7

Über die Seele 2, 2; 2, 3; 3, 9; 3, 10; 3, 11

Rhetorik 1, 11

Topik 6, 3

Mehrhabenwollen/Habsucht/Herrschsucht (πλεονεξία [pleonexia]) ist ein Thema vor allem als im Gegensatz zu Gerechtigkeit stehend, wichtige Textstellen bei Aristoteles dazu:

Nikomachische Ethik 5, 1; 5, 2; 5, 9; 9, 6

Antwort
von Agnodike, 20

In Aristoteles Nikomachischer Ethik tritt die σωφροσύνη/Sophrosyne (Mäßigung, Besonnenheit) in sehr kursorischer Weise immer wieder ans Licht.

Ich halte es für wenig ratsam, diese Begrifflichkeit von der Verwandtschaft anderer zu lösen, indem dies und jenes exzerpiert werden soll, einige Wurzeln von Blüte und Stamme gelöst werden, um schöne Ansichten herbeizuführen, und möchte Dir das Werk somit im Ganzen ans Herz legen, wenn es denn kein halbes ist.

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