Frage von Biofrage123, 68

Wo liegt der Unterschied zwischen Retro-Viren und "normalen" Viren?

Bei Retroviren liegt die Erbinformation ja als Einsträngiger RNA-Strang vor, der vor dem Einbau in das Genom der Wirtszelle mithilfe der reversen Transkriptase in DNA umgeschrieben wird.

Wie verhält sich das bei "normalen" (?) Viren?

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von Wunnewuwu, 53

Bei denen ist es nicht so.

Die transfizieren ihr Erbgut in Wirtszellen, in denen dann wirtseigene Enzyme für die Replikation und Translation benutzt werden. Sie bauen ihr Erbgut aber nicht ins Genom des Wirts ein.

Ein schönes Beispiel ist der Vergleich von T4-Phagen und Lampda-Phagen. Da kannst du ja mal schauen. Im Prinzip unterscheidet man die Viren, die ihr Genom einbauen von denen, die es nicht einbauen. So ist das dann auch bei Viren, die in Säugerzellen transfizieren.

LG

Kommentar von Biofrage123 ,

Vielen Dank für die Antwort! Scheinbar gibt es ja auch Viren, die DNA beinhalten. Diese müssen doch ihre DNA in die der Wirtszelle integrieren - wie sonst könnte eine Transkription ablaufen, die bei Eukaryoten im Zellkern stattfindet?

Fällt bei solchen Viren einfach der Prozess des "umschreibens" durch rev. Transkriptase weg?

Danke für die Hilfe! 

Kommentar von Wunnewuwu ,

Wie du ja bereits festgestellt hast, dient die reverse Transkription der Umschreibung von RNA in DNA. Nur die DNA kann von Enzymen dann ins Genom eingebaut werden (Integrasen heißen die, soweit ich mich erinnere). Dann verhält sich die Virus-DNA wie die genomische DNA und die Zelle unterscheidet nicht mehr.

Wenn der Virus sein Erbgut in Form von DNA abspeichert, ist dieser Schritt  überflüssig. DNA-Viren sind aber - soweit ich weiß - nicht lysogen, bauen ihr Erbgut also nicht ins das Wirts-Genom ein. Diese Virus-DNA wird direkt von den Enzymen der Wirtzelle "benutzt".

Kommentar von Biofrage123 ,

Dieses "benutzen" der Virus DNA "direkt" macht mich eben etwas unsicher. Findet nicht die Transkription im Zuge der Proteinbiosynthese bei Eukaryoten ausschließlich im Zellkern statt? Wie kann dann "frei" im Cytoplasma vorliegende DNA aus dem Virus die Prozesse der Transkription durchlaufen?

Kommentar von Wunnewuwu ,

Das ist die Frage! :-D

Ich bin da thematisch nicht mehr drin und unsicher, ob es da nicht auch einen Mechanismus gibt. Aber überlege mal, wie so eine Virusinfektion abläuft...

Nach einer Transfektion dauert es i.d.R. eine gewisse Zeit, bis man merkt, dass ein Virus am Werk war. Kennt man z.B. bei Herpes: Man bekommt ja nicht unmittelbar nach der Infektion eine dicke Lippe. 

Zellen teilen sich aber und der Zellkern wird in diesem Stadium des Zellzyklus aufgelöst. So kann - nach der Mitose - auch die Virus-DNA in den Zellkern gelangen und dann findet auch die Transkription der Virus-DNA statt. So lässt sich auch erklären, wieso sich Viren auf sich oft teilende Zellen spezialisiert haben. Mir ist unbekannt, dass Muskelzellen von Viren infiziert werden, oder andere Zellen, die sich kaum bis gar nicht teilen.

LG 

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