Frage von RhoMalV, 30

Wo liegen bei Arbeitszeugnissen die Grenzen zwischen Wahrheit und Wohlwollen?

Hallo,

ist ja gerade wieder ein interessantes Thema.

Arbeitgeber, die Zeugnisse ausstellen müssen ja stets den Spagat zwischen Wahrheit und Wohlwollen hinbekommen.

Ist das Arbeitszeugnis zu Gunsten des Arbeitnehmers unwahr, droht eine Klage des künftigen Arbeitgebers, sollte er den AN aufgrund falscher Angaben im Zeugnis eingestellt haben.

Ist das Arbeitszeugnis allerdings zu Ungunsten des AN verfasst, könnte der AN wieder dagegen vorgehen.

In Punkto Wahrheit denke ich mal, dass der AG die Wahrheitspflicht in erster Linie dann bricht, wenn er dem AN Qualifikationen und Fähigkeiten ausweist, die er gar nicht besitzt. Das wären Angaben, deren Wahrheitsgehalt auch tatsächlich meßbar wären.

In Punkto Wohlwollen kann es ja durchaus sein, dass der AG den AN in allen Bereichen eine Note besser gibt, als es eigentlich angemessen wäre (also dass er ein durchschnittliches 3er-Zeugnis zu einem guten 2er-Zeugnis aufwertet). Hier halte ich einen Einwand des künftigen AGs für schwierig, denn es konnte ja eben auch die subjektive Wahrnehmung des Zeugnisausstellers sein und es kann ja auch sein, dass er tatsächlich mit seinen Arbeitsleistungen und Ergebnissen zufrieden war.

Prinzipiell könnte man dem Zeugnisaussteller auch nicht seinen Ausdruck des Bedauerns und die Zukunftswünsche ankreiden, auch wenn der ZA insgeheim darüber anders gedacht hat.

Wie könnten Richter dies im Streitfall zwischen AG und AG entscheiden?

Antwort
von MagicalMonday, 18

Angaben in Arbeitszeugnissen müssen natürlich der Wahrheit entsprechen, aber sie MÜSSEN auch wohlwollend formuliert sein. Daher verschleiert man Kritik meist als Lob. 

Falsche Angaben in der Bewerbung (egal in welchem Teil) sind ein Grund für eine fristlose Kündigung. Im Extremfall auch noch nach Jahren.

Antwort
von JohannVanLindt, 16

Der neue Arbeitgeber kann da garnichts machen.

Ich weiß ja nicht welche Antwort du haben willst aber praktisch liegt es in der Verantwortung des neuen Arbeitgebers welche Personen eingestellt werden und ob die Fähigkeiten zu seinen Ansprüchen passt.

Nur der Arbeitnehmer kann auf die Änderung eines Zeugnises bestehen.

Was ist genau jetzt deine Frage?


Kommentar von RhoMalV ,

Frage war darauf bezogen, in welchen Fällen der nachfolgende Arbeitgeber den Ex-Arbeitgeber wegen eines fehlerhaften Zeugnisses auf Schadensersatz verklagen könnte, wenn er einen AN aufgrund dieses Zeugnisses eingestellt hat.

Kommentar von Nightstick ,

Diese Fälle sind recht selten, zumal der neue Arbeitgeber schlüssig beweisen (und beziffern) muss, dass er dadurch einen konkreten Schaden erlitten hat.

Der klassische Fall ist der Kassierer bei einer Bank. Da mag es funktionieren.

Kommentar von RhoMalV ,

Ja. Stimmt. Da ist es einleuchtend, weil da Eigenschaften wie Ehrlichkeit besonders zählen.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community