Frage von c00kie2014, 47

Wo könnte ich ein Interview mit Matthias von Stegmann über seine Arbeit als Synchronregisseur für die Simpsons finden?

Ich schreibe im Moment meine Bachelor-Arbeit zum Thema Synchronisation und die Simpsons und bräuchte unbedingt das Interview aus dem Jahr 2007 mit Matthias von Stegmann. Die ursprüngliche Seite (springfield-shopper.de), auf der es veröffentlicht wurde, existiert leider nicht mehr; bei anderen Links habe ich es auch probiert. Leider ohne Erfolg. Hat jemand eine Idee bzw. gibt es noch eine andere Möglichkeit an das Interview zu gelangen? Ich muss nämlich für alle Behauptungen Quellen angeben. Danke im Voraus!

Antwort
von Zzyzwicz, 19

Interview Teil 2

Springfield-Shopper.de:
Wie kam es zur Entscheidung, dass Angelika Bender nach zwei Einsätzen als
Stimme von Marge Simpson doch nicht die neue Synchronstimme wurde, stattdessen
jetzt nur Patty und Selma synchronisiert?

Matthias von Stegmann:

Aus technischen Gründen mussten 2 Sätze von Frau Volkmann nachaufgenommen
werden, die sie nicht mehr selber synchronisieren konnte. Da die Folgen, in
denen diese Sätze vorkamen, bereits einen Sendetermin hatten, musste dies
relativ schnell geschehen und das war zu einem Zeitpunkt, an dem das Casting,
was bei einer solchen Rolle extrem umfangreich war, noch nicht abgeschlossen
war. Frau Bender war damals

eine der Favoritinnen auf die Rolle und da sie recht nahe an Frau Volkmann
herankam, hat sie diese Aufgabe übernommen. Dass sie immer noch Patty und Selma
spricht, hat einen ganz einfachen Grund: es gab für diese beiden Rollen keine
bessere als sie.

Springfield-Shopper.de: Könnten Sie uns etwas mehr über das Casting zur neuen Marge Simpson
erzählen? Gab es andere bekannte Kandidatinnen? Man hörte zum Beispiel Nina
Hagen war auch im Gespräch. Wie groß war der Einfluss von Pro7 bei der Auswahl?

Matthias von Stegmann: Das Casting fandzu großen Teilen „vor meiner Zeit" statt und wurde
noch unter Herrn Combrinck durchgeführt. Als ich die Serie dann übernahm (das
war z.B. nach den oben erwähnten Nachaufnahmen), lief das Casting immer noch, weil
man der Ansicht war, noch nicht die endgültige ideale Lösung gefunden zu haben.
Da die Entscheidung nun getroffen ist, wäre es nicht sinnvoll, weitere Namen
von Kandidatinnen (bekannt oder unbekannt) zu nennen. Zur Personalie Nina Hagen
weiß ich nur Folgendes: Ja, sie war im Gespräch, zumal sie wohl selber auch
Interesse an der Rolle geäußert haben soll. Die Synchronfirma und Pro7 haben
mehrfach Kontakt mit ihr bzw. ihrer Agentur aufgenommen, aber es kam nie zu
einem Casting, weil die Agentur von Frau Hagen letztendlich von sich aus abgesagt
hat. Der Einfluss von Pro7 bei der Wahl der neuen Stimme war maßgeblich. Auch
bei anderen Serien spricht der Sender mit, wenn es um Hauptrollenbesetzungen
geht und in diesem Fall war es selbstverständlich von besonders hoher
Wichtigkeit. Alle gecasteten Stimmen wurden zu Pro7 geschickt und dort wurde
dann die Entscheidung für Anke Engelke getroffen.

Springfield-Shopper.de: Wie kommt es, dass ab und zu die Original Stimmen beibehalten werden, wenn
Personen lachen oder weinen?

Matthias von Stegmann: Das kann sowohl technische als auch künstlerische Gründe haben. Es gibt ein
sogenanntes IT-Band. Das ist eine Tonspur auf dem alle Geräusche, Atmosphären,
Soundeffekte und Musiken angeliefert werden und die dann mit den im Studio
aufgenommenen Stimmen zusammengemischt wird. Manchmal ist auf dem IT-Band
bereits ein Laut, ein Lachen oder ein Weinen enthalten, weil die Amerikaner
beschlossen haben, es mit aufzuspielen. Das IT-Band an dieser Stelle dann stumm
zu schalten ist oftmals nicht möglich, weil jeder darunterliegende Effekt oder
auch Musik verschwinden würde. Manchmal gibt es aber auch Dinge, in denen das Original
uns einfach überlegen ist, weil ein Laut oder ein Lachen oder ein Weinen vom
Originalsprecher so brillant gestaltet wurde, dass man es gern in der deutschen
Fassung behalten würde. Wenn man das Gefühl hat, der Originalsound an dieser
Stelle ist es wert in Kauf zu nehmen, dass der ein oder andere Hardcore-Fan
aufhorcht und sagt, ,,Moment, das war jetzt aber Original", übernimmt man
ihn.

Springfield-Shopper.de: Unter ihrem Vorgänger gab es oft ein Vogelgezwitscher im Hintergrund zu
hören, auch in völlig unpassenden Szenen. Wissen Sie, was es damit auf sich
hatte?

Matthias von Stegmann: Von der ,,Vogelgezwitscher"-Problematik habe ich persönlich zuerst aus

dem lnternet erfahren. Mir war gänzlich unbewusst, dass diese ornithologische
Besonderheit existiert. Also habe ich mal Rücksprache mit dem verantwortlichen
Mischtonmeister und der verantwortlichen Cutterin genommen. Und siehe da, das
Problem ist auch dort bekannt. Jetzt muss ich technisch etwas ausholen: Die
Geräusche und Musiken aus der amerikanischen Fassung kann man ja nicht direkt
übernehmen, weil dort die Originalstimmen darüber liegen. Also wird das von mir
oben beschriebene IT-Band als Geräusch-, Musik- und Hintergrundatmosphären-band
komplett neu von den Amerikanern angefertigt und für die Synchronisation
mitgeliefert. Die sich darauf befindlichen Töne unterscheiden sich zum Teil
leider von der Originalfassung. Auf einigen der IT-Bänder haben die Amerikaner
in einigen Szenen besagtes Gezwitscher aufgespielt, wohl um eine natürliche
Außenatmosphäre zu schaffen. Vielleicht war dort im Tonstudio auch ein
Praktikant, der Spatzen-, Amsel- oder Meisenfan ist, mit der Aufgabe betraut.
Dieses Gezwitscher in der deutschen Fassung zu eliminieren ist technisch nicht so
einfach möglich. Wenn man es leiser dreht, werden damit auch alle Geräusche und
Musiken leiser und das klingt noch blöder. An Eurer Fragestellung “unter Ihrem
Vorgänger” lese ich ab, dass für dieses Problem in der Fanszene offensichtlich
lvar Combrinck verantwortlich gemacht wurde. Dem ist aber keineswegs so, es war
keine Entscheidung der deutschen Macher, sondern das von den Amerikanern
hergestellte IT-Band für die internationalen Fassungen zwitschert hier ganz von
selbst vor sich hin. Da dies wie gesagt extra hergestellt wird, ist auch
logisch, dass das Gezwitscher in der Originalfassung nicht zu hören ist. Vielleicht
kann ein findiger Fan ja mal rauskriegen, ob die Vögel z. B. bei den Franzosen
auch so lärmen, die müssten ja dasselbe IT-Band haben wie wir. Ich werde vor
der nächsten Staffel mit meinem Mischtonmeister beraten, wie wir die störenden
Piepmätze noch besser drosseln können, falls sie wieder ins Studio flattern,
zur Not auch mit der Schrotflinte. ;)

Springfield-Shopper.de: In der 17. Staffel gab es mit Christoph Maria Herbst einen Gaststar in der
deutschen Synchronisation. Können Sie sich vorstellen, in Zukunft weitere
Gaststars in die deutsche Synchro einzuladen?

Matthias von Stegmann: Absolut. Die Idee mit C.M. Herbst entstand ja dadurch, dass ,,Stromberg”
die deutsche Version von ,,The Office" ist, einer sehr beliebten Serie der
BBC. Der Hauptdarsteller Ricky Gervais hat nicht nur die von C.M. Herbst
synchronisierte Rolle im Original gesprochen, sondern auch diese Folge
geschrieben. Wenn es also in Zukunft wieder einen Anlass gibt, bei dem sich ein
deutscher Star so anbietet, werden wir wieder versuchen, ihn oder auch sie vor
das Mikro zu bekommen. Vorausgesetzt man hat jemanden, der den Beruf des
Schauspielers und Synchronsprechers auch so gut beherrscht wie C.M. Herbst.
Stars nur um ihres Starseins willen zu besetzen halte ich für falsch, wenn die Synchronisation
darunter leidet. Und bevor jetzt irgendjemand aus der Ecke "Engelke"
ruft, möchte ich an dieser Stelle betonen, dass auch sie mit größter
Bescheidenheit, Professionalität und hohem Respekt und Können an diese Aufgabe
herangeht und die Arbeit mit ihr eine große Freude ist.

Springfield-Shopper.de: Besondere Authentizität erreichte die deutsche Fassung der Folge "Die
Akte Springfield", in denen die Sprecher Benjamin Völz und Franziska
Pigulla ihre Akte X-Rollen Mulder und Scully sprechen durften. In der kommenden
18. Staffel wird der Schauspieler Kiefer Sutherland zwei Gastauftritte haben,
einmal auch als seine wahrscheinlich bekannteste Rolle "Jack Bauer" aus
der Serie "24". Da seine deutsche Stimme (Tobias Meister) bei den
Fans einen ähnlichen Kultstatus genießt, wie Sutherlands markante
"eigene" Stimme, halten Sie es für möglich, ihn für Sutherlands
Rollen zu besetzen?

Matthias von Stegmann: Selbstverständlich halte ich es für möglich. Natürlich müssen wir immer versuchen,
die festen deutschen Stimmen für prominente Schauspieler zu bekommen, vor allem
wenn die Simpsons sich mit Serien oder Filmen auseinandersetzen, die bei uns
bekannt sind. So hatten wir zum Beispiel in der letzten Staffel unter anderem
auch Jan Odle als Will Smith (für einen einzigen Satz in einer MIB II -
Parodie) im Studio. Wenn es mal nicht klappen sollte, liegt es in den
seltensten Fällen daran, dass wir „Synchrondeppen" wie wir in manchem
Forum so liebevoll genannt werden ,,mal wieder gepennt" haben, sondern
meistens klappt es aus logistischen bzw. terminlichen Gründen nicht. Das gilt
übrigens auch für kleinere Nebenrollen, an deren manchmal wechselnder Besetzung
oft von Fan-Seite Kritik geübt wird. Man darf nicht vergessen, dass die Serie
seit vielen Jahren läuft, und die Lebensumstände mancher Sprecher haben sich so
verändert, dass sie eben nicht immer verfügbar sind. Wenn z.B. jemand
mittlerweile hauptsächlich in Amerika lebt, kann man ihn nicht für einen Satz
einfliegen, sondern muss hoffen, dass er gerade im Lande ist, wenn die
Aufnahmen stattfinden. Sonst muss umbesetzt werden, was wir genau so ungern
tun, wie es von Euch gehört wird. Jedenfalls wird die Tatsache, dass Tobias
Meister Kiefer Sutherland spricht, ihm voraussichtlich einen netten Tag in München
oder mir einen ebensolchen in Berlin verschaffen.

Springfield-Shopper.de: Dominik Auer, der Regisseur der deutschen Synchronfassung von "South
Park", hat sich in einem befreundeten South Park Forum angemeldet, und
dort eine kleine Zusammenarbeit mit den Fans aufgebaut, um sie nicht zu
enttäuschen, da die Synchronfassung der Serie unter der Leitung Auers Vorgänger
nicht sonderlich beliebt war. Könnten Sie sich eine ähnliche Zusammenarbeit mit
Fans vorstellen?

Matthias von Stegmann: Hmm, schwierige Frage, wie beantworte ich sie, ohne gleich als arroganter Idiot
dazustehen? Ich versuche mal auszuführen, warum ich einer solchen Zusammenarbeit
skeptisch gegenüberstehe: Eines der Hauptprobleme ist die Meinungsvielfalt, die
bei den Fans herrscht. Wenn man sich ein wenig in die Foren hineinliest, stellt
man fest, dass fast jedes Thema kontrovers behandelt wird und sich die Fans selber
oft nicht einig sind. Was der eine gut findet, findet der andere schlecht. Und
das ist auch richtig und normal so. Aber auf wen sollte ich dann hören? Auf
den, der die meisten Beiträge hat? Auf den, der mir positiv gegenübersteht und
ich mich deswegen gebauchpinselt fühle? Auf den, der mich massiv kritisiert,
weil ich will, dass die Kritik abnimmt? Oder vielleicht auf den, dessen Meinung
mir vielleicht gerade in den Kram passt, weil es zufällig auch meine ist? Das
Board des Springfield Shoppers hat, soweit ich weiß, knapp 3000 registrierte Mitglieder.
Das macht Euch bestimmt (neben http://maggied.de) zu einer der größten und
wichtigsten deutschen Fan-Communities im Netz. Sollte ich andere wichtige
Seiten vergessen haben, nehmt es mir nicht übel, so gut kenne ich mich in der
Fanszene nicht aus. Wie viele dieser 3000 Fans wirklich regelmäßig schreiben,
kann ich nicht beurteilen. Demgegenüber steht eine Quote von im Schnitt 1 Million
Zuschauer. Was ist mit denen und deren Meinung? Haben die kein Recht auf Beachtung,
nur weil sie nicht im lnternet schreiben? Und wie vermeide ich, dass ein
anderes Forum plötzlich sauer wird, weil ich mich dort nicht äußere oder
einzelne Fans das Gefühl bekommen, andere Meinungen werden bevorzugt? Das alles
soll aber nicht heißen, dass mir die Fans (ob sie im lnternet schreiben oder
nicht) egal sind. Das wäre arrogant und dumm. Ohne Zuschauer gäbe es kein
Fernsehen und wir hätten keine Arbeit. Ich weiß, dass die Simpsons für viele
von Euch eine Herzensangelegenheit sind und das ist nicht zu unterschätzen. Und
auch die Meinung der Fans interessiert mich, wobei es aus oben genannten Gründen
eben nicht so weit gehen kann, dass die Fans ,,ihre Serie" interaktiv mitgestalten.
Unser Team hat die Aufgabe, so gut wie möglich zu synchronisieren und
Entscheidungen zu treffen. An Euch liegt es dann, über uns herzufallen oder uns
zu loben, was mich zur nächsten Frage bringt:

Springfield-Shopper.de: Haben Sie sich nach den Ausstrahlungen schon einmal Feedback aus
verschiedenen Simpsons Foren geholt?

Matthias von Stegmann: Auch wenn ich mich nicht täglich einlogge, um alles bis ins Letzte zu studieren,
habe ich aus Neugierde natürlich schon mal reingelesen, was da so geschrieben
wird. Jeden Beitrag über die von mir bearbeiteten Folgen habe ich sicher nicht
mitbekommen, da mir dazu einfach die Zeit fehlt. Es ist sehr interessant, was
manchen Leuten so auffällt. In einem Forum bin ich sogar auf etwas aufmerksam
gemacht worden, das mir so nicht bewusst war. Wenn Fehler also auffallen,
schadet es nichts, sie zu posten. Wenn ich dahingegen an anderer Stelle Dinge
lese wie ,,hat der Stegmann da rumgepfuscht?" oder „kann man die Sch ....
Engelke nicht umbringen??" frage ich mich schon, wie irgendjemand erwarten
kann, dass wir diese Dinge ernst nehmen oder uns damit auseinandersetzen. Für
das Internet, das durch seine Anonymität vieles erlaubt, sollte gelten, das man
nichts so schreibt oder formuliert, wie man es jemandem nicht auch persönlich
ins Gesicht sagen würde. Dann hat es auch eine Chance, gehört zu werden. Wir
versuchen, den Fans mit Respekt zu begegnen und erwarten das auch andersherum.
Wie gesagt, ich kann weder versprechen, dass ich alles lese, noch dass ich auf
kritisierte oder geforderte Dinge eingehe, aber ich setze mich - soweit Zeit
und Umstände es zulassen - mit den Meinungen auseinander und werde in meiner
Arbeit darauf reagieren, falls ich es für angebracht halte.

Springfield-Shopper.de: Zu guter Letzt interessiert uns natürlich auch, ob Sie speziell den Springfield
Shopper kennen und vielleicht noch ein kleines Grußwort schreiben könnten?

Matthias von Stegmann: Wie aus meinen Antworten bisher deutlich geworden sein dürfte, kenne und
kannte ich den Springfield Shopper. Den Betreibern ein großes Kompliment für
die gute Aufmachung und die Aktualität. Man sieht, dass Ihr die Simpsons im
Herzen tragt. Erfreulich ist auch, dass bis auf wenige Ausnahmen ein sehr fairer
Ton im Board herrscht und man merkt, dass hier viele Leute schreiben, denen es
wirklich um die Sache geht. Ich habe mir auch schon die ein oder andere
wichtige Information auf Eurer Seite besorgt. Deswegen werde ich auch immer mal
wieder vorbeischauen.

Antwort
von Zzyzwicz, 12

Heute ging es wieder:


Interview Teil 1

Dem Springfield-Shopper ist es als erste Simpsons-Fanpage gelungen ein Interview mit dem neuen deutschen Synchronregisseur Matthias von Stegmann im Mai 2007 zu organisieren.

Matthias von Stegmann ist auch für die Übersetzung der englischen originalen Folgen in die deutsche Sprache zuständig. Er übernahm nach dem Tod von Ivar Combrinck im September 2006 die Arbeit.

Im Shopper-Interviews erhaltet ihr einen Einblick in
das Leben des deutschen Synchronregisseurs der Simpsons. Herr von Stegmann hat
sich sehr viel Mühe gegeben und ausführlich geantwortet, wofür wir ihm sehr
dankbar sind. Außerdem hat er die Gelegenheit genutzt, um endlich mal ein paar
Dinge, die in der Fan-Szene oftmals falsch interpretiert wurden sind, richtig
zu stellen.

Springfield-Shopper.de: Sehr geehrter Herr von Stegmann,es freut uns außerordentlich, und wir
fühlen uns sehr geehrt,dass wir die Möglichkeit haben mit Ihnen ein Interview
durchführenzu können. Wir haben Ihnen ein paar Fragen zusammengestellt, die zum
Teil von uns Betreibern der Fanpage kommen und zum Teil von unseren Besuchern,
denen wir im Vorfeld die Gelegenheit gegeben haben uns Fragen vorzuschlagen,
die wir Ihnen stellen können. Der Zuspruch war sehr gut, und es wurde in der
Fanszene sehr begrüßt, dass Sie für das Interview bereit stehen.

Matthias von Stegmann: [...] Vielen Dank für Ihr Interesse. Ich habe versucht möglichst
umfassende Antworten zu geben und da ich zur Zeit recht viel um die Ohren habe,
hat es leider etwas länger gedauert. [...]

Ich hoffe, ich konnte ein wenig Licht in die dunkle
Welt des Synchrons bringen und wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg mit Ihrer
sehr lesenswerten Seite!

Mit freundlichen Grüßen

Matthias von Stegmann

Springfield-Shopper.de: Erzählen Sie ein bisschen von sich, wie sind Sie zu ihrem Beruf gekommen,
und an welchen Projekten arbeiten Sie außer den Simpsons?

Matthias von Stegmann: Tja, wo soll ich da anfangen? Meine Synchronkarriere habe ich im Alter von
10 Jahren als "Kindersprecher" begonnen. Neben der Schule habe ich
viel synchronisiert und war unter anderem in Serien wie „Unsere kleine
Farm" und ,,Die Bären sind los" zu hören. Das allerdings war in
grauer Vorzeit und im letzten Jahrhundert, in dem ich dann auch mit 19 Jahren
mein erstes Synchrondrehbuch geschrieben und mit 20 meine erste Synchronregie
geführt habe. Das war 1988. Wer nicht rechnen möchte, ich werde dieses Jahr 39.
Seitdem habe ich bei vielen Serien als Autor und Regisseur mitgewirkt. Unter
anderem waren das "Cheers",„ Becker",,Die Abenteuer des jungen
lndiana Jones", ,,Die Nanny", „Hör mal, wer da hämmert",
,,Clueles",,Mega Man", ,,Die wilden 70er und ,,Boston Legal"
Außerdem bin ich seit der 4. Staffel, bzw. seit Folge 322 verantwortlich für
die deutsche Fassung der Serie ,,Family Guy". Zu den wichtigsten
Kinofilmen, die ich synchronisiert habe, gehören unter anderem ,,The Sixth
Sense", "Eine Nacht bei McCool's", ,,Heartbreakers9', ,,Wild
Things", "Mr. Bones", „The Cooler", ,,Das Phantom der
Oper" und natürlich ,,Die Simpsons - Der Film" ;) Darüber hinaus bin
ich als Opernregisseur tätig. Als Regieassistent habe ich 15 Jahre bei den
Bayreuther Festspielen mitgewirkt, einige Neuproduktionen und Wiederaufnahmen
am Royal Opera House of Covent Garden in London begleitet und in viel und oft
in meinem ,,Stammhaus am New National Theatre Tokyo gearbeitet. (Da meine
Mutter Japanerin ist, habe ich eine enge Verbindung zum fernen Osten) Dort habe
ich auch mein Debüt als Regisseur gegeben, mit dem ,,fliegenden Holländer"
von Richard Wagner und inszeniere dort nächstes Jahr den "Freischütz von
Weber". Eine von mir konzipierte Kinderoper nach Richard Wagners
"Ring" werde ich Ende des Jahres an der Wiener Staatsoper
inszenieren. Nebenbei stehe ich auch manchmal auf der Bühne, zum Beispiel als
,,Bassa Selim" in Mozarts ,,Entführung aus dem Serail" an der
Metropolitan Opera in New York (das nächste Mal im Mai 2008)

Springfield-Shopper.de: Was haben Sie als erstes gedacht, als Sie erfahren haben, dass Sie nun die
Simpsons bearbeiten dürfen?

Matthias von Stegmann: Mein erster Gedanke war sicherlich „Soll ich oder soll ich nicht?"
Nicht aus mangelndem Interesse, sondern weil ich (wie man oben nachlesen kann)
sehr viel beschäftigt bin und mir von Anfang an klar war, dass die Bearbeitung
dieser Serie mit großer Sorgfalt durchgeführt werden muss und somit auch mit
hohem Zeitaufwand verbunden ist. Mein zweiter Gedanke war dann aber ,,Mann, sei
nicht blöd, das sind die ,,Simpsons, eine der wenigen echten Topserien, die es
gibt, so ein Angebot kommt nicht oft, das kannst Du auf keinen Fall
ablehnen", und so war es ja dann auch.

Springfield-Shopper.de: Haben Sie auch vor ihrer Arbeit als Synchronregisseur die Simpsons
geschaut? Mussten Sie sich groß über die Simpsons Vergangenheit informieren? Wie
schwer ist es, besonders in einer so altbewährten "Maschinerie" neu
einzusteigen?

Matthias von Stegmann: Ich war sicher kein Hardcore-Fan, der sich jede Folge reingezogen hat,
aber natürlich hatte ich die Simpsons häufig gesehen. Auch oft im Ausland im
englischen Original. Die Simpsons-Vergangenheit ist ein großes Feld, über das
man sich nicht umfassend genug informieren kann. Ich habe viel im lnternet
gestöbert, sowohl auf den amerikanischen als auch auf den deutschen Seiten und
habe mir vom Sender die letzten Seasons komplett auf Deutsch zukommen lassen,
um mich angemessen vorzubereiten und einzuarbeiten. Darüber hinaus habe ich
natürlich viele Gespräche mit den anderen Mitgliedern unseres Teams geführt,
die die Serie zum Teil schon sehr lange begleiten. In eine Serie einzusteigen,
die seit 17 Jahren existiert, ist selbstverständlich eine unglaublich
schwierige Aufgabe. Zum Glück kenne ich alle Beteiligten im Team wie die
Schauspieler, den Tonmeister und die Cutter bereits von anderen Produktionen
und man hat mich sehr herzlich in den Kreis der ,,Familie aufgenommen und mir
von allen Seiten (inklusive der Produktionsfirma Arena Synchron und des Senders
Pro7) die größtmögliche Hilfestellung geleistet. Nichtsdestotrotz gibt es immer
wieder während des Schreibens und im Atelier Momente, in denen ich gern mehr
über die Vergangenheit unserer gelben Freunde aus Springfield wüsste, aber man
lernt nie aus und ich fühle mich schon recht zu Hause. Was ich nicht weiß oder
noch falsch mache, wird mir sicher bald irgendwo in irgendeinem Forum um die
Ohren fliegen ...

Springfield-Shopper.de: Wieviel Zeit benötigen Sie, um eine Folge ins Deutsche zu übersetzen, und
wie gehen Sie dabei vor?

Matthias von Stegmann: Das hängt sehr von der Folge ab. Es gibt für mich leichtere und
schwierigere Folgen, je nachdem, wie die Dinge (z.B. Wortspiele,
amerikaspezifische Anspielungen, die hier nicht verstanden werden, usw.) ins
Deutsche übertragbar sind. Ich würde mal grob sagen, um die 3 Tage pro Folge.
Der Arbeitsprozess ist folgender: Ich sehe mir die Folge im Original an
(manchmal auch zweimal) und lese parallel dazu die so genannte Continuity (das
ist das Original- Dialogbuch, in dem auch viele Anspielungen erklärt werden.)
Das schwierige am Dialogbuch ist nicht das Englisch des Originals, denn das
spreche ich wie ein Muttersprachler. Aber in den Simpsons sind bekanntlich
viele Anspielungen auf typisch amerikanische Dinge und Tagesaktualität in den
USA versteckt. Deswegen informiere ich mich auf den diversen amerikanischen
lnternetseiten genauer über die Folge, um rauszufinden, was noch so an Details
existiert, die ich vielleicht übersehen oder nicht verstanden habe. Darauf
folgt eine umfassende lnternetrecherche z.B. zu aktuellen Themen in den USA,
auf die in der Folge Bezug genommen wird. Und dann lege ich los. Ich schreibe
die Folge einmal in einer ersten Fassung komplett runter (natürlich Satz für
Satz mit Bild, damit es auch lippensynchron wird). Besonders knifflige Stellen
lasse ich dabei zunächst aus. Diese kommen dann im zweiten Arbeitsgang dran,
bei dem das komplette Buch noch mal mit Bild gegengecheckt wird und die
fehlenden Stellen gelöst werden. Manchmal steht am Ende dieses Prozesses immer
noch das ein oder andere Fragezeichen, z. B. wenn es ein besonders schwieriges Wortspiel
ist. Dann mache ich mich an die nächste Folge und lasse das Problem ruhen. Die
besten Ideen kommen einem, wenn das Problem ein paar Tage im Hinterkopf
,,schlummert". Danach geht das fertige Buch dann an die Redaktion von
Pro7.

Springfield-Shopper.de: Ihr Vorgänger lvar Combrinck wurde oft stark für seine
Synchronisationsarbeit kritisiert. In wie weit haben Sie sich mit seiner Arbeit
auseinandergesetzt? Sehen Sie selbst Verbesserungsbedarf? Wo werden die
Unterschiede zwischen der Arbeit von lvar Combrinck und ihnen liegen?

Matthias von Stegmann: Dass es Kritik gab, ist mir bekannt. Bei den Simpsons handelt sich es um
ein sehr exponiertes Projekt mit einer großen Fangemeinde. Dass eine solche
Arbeit kritischer beurteilt wird als andere Projekte, ist völlig normal. Es
steht mir nicht zu, ein Urteil über die Arbeit von Herrn Combrinck zu fällen.
Die Beliebtheit der Serie auch im deutschen Fernsehen zeigt aber, dass er
seinen Job so schlecht nicht gemacht haben kann. Mein Blick ist nach vorne gerichtet
und ich werde versuchen, eine möglichst gute, sowohl dem Original als auch dem
deutschen Sprachraum gerecht werdende Fassung zu erstellen, in der die
deutschen Stimmen mit ihrer gewohnten Spielfreude weiter agieren werden. Die
Unterschiede zwischen meiner Arbeit und der meines Vorgängers sollten nicht zu
offensichtlich sein, da man natürlich auf die Wahrung der Kontinuität achten
muss. Allerdings vertrete ich vielleicht eine etwas modernere Philosophie als
die, die damals herrschte, als die Simpsons zuerst ins deutsche Fernsehen
kamen. So denke ich doch, dass heutzutage der ,,american way of life", der
in den Simpsons so herrlich subversiv auf die Schippe genommen wird, auch in
Deutschland besser bekannt ist als damals. Und auch die deutsche Sprache hat
sich in den letzten 17 Jahren verändert und ist in vielerlei Hinsicht
,,englischer geworden. Deswegen werde ich nicht versuchen, alles „auf Teufel
komm raus" einzudeutschen, sondern Dinge aus dem Amerikanischen
übernehmen, von denen ich annehmen kann, dass sie von einem Großteil des
deutschen Publikums verstanden werden. Manchmal muss man wahrscheinlich auch
einen Gag übernehmen, den nicht alle begreifen, weil die, die ihn verstehen,
dafür größere Freude an ihm haben. Aber das ist natürlich eine Entscheidung,
die von Fall zu Fall neu getroffen werden muss und einiges bleibt nicht
übertragbar und muss umformuliert werden.

Springfield-Shopper.de: Welchen Einfluss hat und übt Pro7 auf die Synchronisationsarbeit?

Matthias von Stegmann: "Die Simpsons" ist eine der wichtigen Serien von Pro7 und
dementsprechend intensiv kümmert sich Pro7 auch um die Serie. Es gibt einen
hauptverantwortlichen Redakteur beim Sender, mit dem ich sehr gut und sehr eng
zusammenarbeite. Er hat jedes meiner Dialogbücher auf dem Tisch, bevor es ins
Studio geht und unterbreitet mir seine Änderungswünsche und -vorschläge.
Außerdem kennt er die Serie bestens, da er sie schon lange betreut und kann mir
auch bei so manchen Fragen helfen. Bei den Besetzungen von neuen Figuren
sprechen wir uns genauso ab, wie bei textlichen Dingen und er hält immer
Rücksprache mit dem Sender. Pro7 ist also vollständig in den Entstehungsprozess
der deutschen Fassung eingebunden und unterstützt unsere Entscheidungen bzw.
hat das letzte Wort.

Antwort
von Zzyzwicz, 19

http://springfield-shopper.de/Information/interview.shtml war die URL zu dem Interview. In der WayBackMachine hatte ich die Seite gefunden, doch nun scheint alles vom Shopper aus dem Archive gelöscht worden zu sein.

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