Frage von Keks37, 29

Wo ist der Unterschied zwischen "das Pferd am Zügel reiten" und "herunterriegeln"?

Hallo liebe Reiterfreunde,

ich reite zwar schon seit knapp 16 Jahren, kann aber o. g. Begriffe nicht auseinander halten. Wenn ich reite, dann spiele ich immer mit beiden Ringfingern abwechselnd links-rechts. Das Pferd hält den Kopf knapp über der Waagerechten und tritt unter seinen Schwerpunkt. Ist das riegeln? Ich will dem Pferd nicht weh tun und würde deshalb gerne den Unterschied wissen. Leider finde ich auch im Internet keine Erklärung, die passt.

Wäre toll, wenn ihr mir helfen könntet!

Liebe Grüße

Keks37

Expertenantwort
von Sallyvita, Community-Experte für Pferde & reiten, 24

Ein ganz kleines bisschen mit den Fingern spielen, so dass die Hand nicht starr ist, kann das Pferd durchaus zum Kauen und Nachgeben bringen. Aber dabei darf der Kopf sich keinen Millimeter nach rechts oder links bewegen. Das ist dann doch Riegeln. Und das tun leider furchtbar viele. Wenn ich schon diese ganzen Kopfschüttler-Pferde sehe, die immer rechts links, rechts links mit dem Kopf "schütteln", kriege ich jedes Mal die Krise.

Meine Montags-Reitlehrerin beschreibt das mit immer so, dass man ein ganz kleines wenig "Parkinson" in den Fingerspitzen haben sollte. (Parkinson, das ist die Krankheit, bei der den Erkrankten unter anderen die Hände zittern). 

Kommentar von Urlewas ,

Mit vibrierendem Finger fragt man die Stellung an - und da das Pferd keine 2 Köpfe hat, also immer nur zu einer Seite hin. Das Pferd soll ja nicht wie der Parkinson- Patient  den Kopf hin und her schütteln, und auch nicht so ein zittriges Gefühl im Maul haben 😉

Und spätestens, wenn es die Haltung gefunden hat, die man von ihm möchte, muss auch mal Ruhe sein.

Antwort
von skjonii, 5

"Wenn ich reite, dann spiele ich immer..."

Dazu würde ich gerne was grundsätzliches Sagen. 

Hilfen sind nicht dazu da, IMMER gegeben zu werden. Wenn du von deinem Pferd etwas willst, dann sagst du ihm das über die Hilfe. Aber wenn es läuft, dann läuft es doch. Also auch damit aufhören, wenn es doch alles richtig macht!

Es ist überhaupt nicht verwunderlich, dass die Pferde immer mehr abstumpfen. Ich kenne genug Leute, die gemütlich Schritt reiten und trotzdem die ganze zeit rechts, links, rechts, links, mit dem Schenkeln in den Pferdebauch hauen. Ich verstehe den Sinn absolut nicht. 

"Herrunterriegeln" ist an sich übrigens schon ein durchweg negativer Begriff. Dementsprechend sollte man davon ausgehen, dass das in keinster Weise wünschenswert ist. 

Antwort
von WesternCalimero, 7

Zum einen ist der Übergang von dem, was Du tust, und riegeln fließend, zum anderen ist es genau diese Verhaltensweise, die dazu führt. Allerdings ist die Erklärung nicht ganz einfach, denn "leichte Verbindung zum Pferdemaul" wird immer von der persönlichen Sichtweise, Kraft, dem Pferd und letztendlich auch vom RL abhängig sein.

Die ruhige Hand mit der leichten Verbindung ist das Ziel. Wenn Du laufend Informationen gibst, obwohl Du gar nichts zu sagen hast, kannst Du nicht erwarten, daß das Pferd auf eine sanfte Halbe Parade sofort reagiert. Genau so, wie man mit dem ständigen Treiben letztlich nur das Pferd abstumpft, so ist es mit den Zügeln das gleiche.

Die Beschreibung "Kopf über der Waagerechten" war wohl ein leichter Fehlgriff, denn das würde bedeuten, daß das Pferd die Nase in den Himmel steckt. Richtig müsste sein, "die Nase vor der Senkrechten". Das ist aber nicht in jedem Fall die richtige Wahl und eben nicht für alle Pferde gleich. Sieh´ Dir mal ein Kaltblut mit seinen riesigen Ganaschen an, dann wirst Du feststellen, daß die Ohrspeicheldrüse in diesem Fall deutlich früher gequetscht wird. - also immer auch die körperlichen Eigenschaften des Pferdes beachten-

LG Calimero

Expertenantwort
von Urlewas, Community-Experte für Pferde & reiten, 2

Kommt darauf  an, was Du unter  "abwechselnd" verstehst. 

Immerzu rechts- links- rechts- links.... IST  RIEGELN !

An den Zügel reitest du das Pferd , indem du es von hinten ran treibst, mit dem inneren Schenkel an den äusseren Zügel,  und dann wieder vermehrt nach innen stellen - das machst du abwechselnd und kannst dabei mit dem jeweiligen Ringfinger anregend spielen. Aber immer jeweils mehrere Tritte an einer Seite des Pferdes,  und dazwischen grade lassen;  nicht "hin und her ziehen". 

(Wenn Beispiel und Vergleiche auch  immer hinken: Stell dir einfach mal vor, ein Therapeut  würde deinen Kopf mal hier und mal dort hin wenden - da wäre es  doch ein großer Unterschied, ob das in Ruhe  und nachvollziebar gemacht wird, oder ob du im sekundentakt hin ind her geschubst wirst.)

Expertenantwort
von Dahika, Community-Experte für Pferde, 5

der Unterschied ist schlechtes Reiten zu gutem, reellen Reiten.

schlechtes Reiten ist, den Kopf durch riegeln nach unten zu bringen. Der Rücken ist dann freilich blockiert und die Hinterhand noch im Stall. Das sieht man übrigens auf jedem Niveau. Auch in Rio. Allerdings sehen das viele Zuschauer nicht. Sie schauen auf den Kopp und sind beeindruckt.

Gutes Reiten ist, das Pferd dazu zu bringen, mit der Hinterhand vorwärts unter den Schwerpunkt zu treten, wodurch es den Rücken aufmacht. Und der Kopf kommt dann automatisch dahin, wo er hin soll.

Wie jemand mal sagte: Der Kopp ist wie ein Apfel. Wenn man richtig reitet, fällt er von allein.

Antwort
von FelixFoxx, 14

Das Pferd an den Zügel reiten geschieht von hinten nach vorne, also ein Zusammenspiel von Treiben und Paraden. Riegeln dagegen ist allein ein Werk der harten Reiterhand, die durch Links-Rechts ziehen den Kopf durch Schmerz im Maul herunterbringt.

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