Frage von DerOtuco, 47

Wo in Immanuel Kants Geständnis steht, dass er in Königsberg begraben werden möchte?

Ich war letztens in der alten Heimat meiner Großeltern: Ostpreußen; Königsberg, ehr als Tourist in der Hoffnung auf den Spuren der Philosophen und des Deutschen Ordens, und meiner Vorväter Geschichte der Ur-Prußen zu wandeln. Ich hatte gedacht, dass es wie in Polen sein wird, doch ich wurde bitter enttäuscht. Die Russen haben ganz sicher kein Interesse die deutsche, die prußische Geschichte zu erhalten, Oblast Kaliningrad ist nicht die russifizierte Stadt Königsberg, sondern eine Stadt auf dem Leichnam des ehemaligen Königsberg. Eins, zwei Gebäude erinnern daran, dass hier über 800 Jahre Deutsche gelebt haben. Hier und da der erbärmliche Versuch den Anspruch damit zu legitimieren, dass die Ur-Prußen (zu denen ich gehöre) Slaven waren, das sie deswegen einen Blutsanspruch auf dieses Gebiet haben, und es selbstverständlich ist, dass man sich eine Kriegsbeute nimmt. Da wurde ich doch sehr sauer, wir Prußen waren Balten unsere Sprache war eine vom oder-weichsel-germanisch und litauisch geprägte Sprache. Einerseits den Nationalsozialismus verabscheuen, unter anderem ihn benutzten um Ansprüche zu generieren. Ich meine, sie können gerne sagen: "vae victis, dass Gebiet gehört jetzt uns", aber Geschichtsverfälschung ist doch dann eine ganz andere Sache.

Da stellte sich mir die Frage, ob man nicht mit Hilfe des Testaments und einem Völkerrechtsanspruch (Der Anspruch auf seine Geschichte), eine Rückführung Immanuel Kants auf den Boden der Bundesrepublik Deutschlands zurückzuführen könnte. Am Rande Berlins in Brandenburg, fände sich sicherlich ein Plätzchen um teile Königsberg zu rekonstruieren und damit eine belebte so wie gelebte Gedenkstätte zu schaffen und somit auch Nazis den Nährboden für Hasspropaganda zu nehmen.

Antwort
von JBEZorg, 21

Du hast mirt deinem Pamplet erriecht, dass ich als Russe keine Veranlassung sehe etwas zu ändern. Wozu? Um solche arroganten Ungebildsel milde zu stimmen?

1.Die Zerstörung von Köngisberg haben deine Vorfahren, die Deutschen zu verantworten. Daran scheinst du nicht zu denken. Ja, vae victis. Sehr wohl sogar, wenn die Nachfahren der victis sich so aufführen.

2.Ur-Prussen wie du sie nennst waren Balten, Balten sind Slawen i.w.S. Baltische Sprachen den slawischen ähnlich und sogar nach neuesten genetischen Untersuchungen sind Balten eben am engsten mit Russen verwandt, enger als mit Polen. Es ist eher dein Versuch den Germanen rauszuhängen der hier unangenehm auffält. Die Wurzeln der Prussen sind eben eine historische Tatsache aus der man weder was konstruieren muss noch wird in Kaliningrad etwas draus konstruiert. Es gibt die Geschichte des Gebiets. Und in dieser Geschichte sind Deutsche als Eroberer in das Gebiet gekommen und haben sich ihre Kriegsbeute genommen. Und? Wer betreibt hier Geschichtsverfälschung.

3.Was du durch Herumtranportieren von Gebeinen erreichen willst kann wohl nur jemand verstehen, der gerade in der Welt von astrusen "Blutsansprüchen" lebt.

Kommentar von DerOtuco ,

Die Einleitung:

Entschuldige, dein erster Satz der literarischen Erörterung
bzw. Stimmungsmache kann ich nicht ganz Folgen. Ich denke, dafür muss man die Gesamtheit deines Wesens verstehen, bzw. deine Meinung zur Geschichte und zu den Deutschen. Hinzu stellt sich mir die Frage, in welchen Masse du glaubtest, dass deine Meinung gewichtet zur der Ursprungsfrage ist. Denn nach deiner herablassenden Art zu schätzen, bist du ernsthaft davon ausgegangen, dass deine Meinung, deine Ansicht wie ein Urteil ist.

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich bei der Einleitung
dachte, in den drei Punkten würde ich eine hohe Dichte an Substanz, literarisch gut verpacktes, auch wenn nicht ganz der Kernfrage zugewandtes Werk erhalte, welches mich vielleicht zum Nachdenken bringt, zur Überdenken einiger Punkte, oder mich gar auf Fehler hinweist. Naja... wenn man sich falsche Hoffnungen macht.

Zu Punkt 1:

Ja dem ersten Satz stimme ich zu, auch wenn meine Vorfahren
SPD, Zentrum und DVP gewählt haben, und die NSDAP immer vom Frieden gepredigt hat und somit die Gutgläubigkeit der Wähler ausnutze, hat auch ein passives zugucken der Bevölkerung dazu beigetragen, auch wenn man hier immer Personifizieren sollte als Stigmatisiern. Doch die Zerstörung von Königsberg ist keinen falls die Schuld der Deutschen, die Polen haben ja auch die Städte behalten und sie sogar sehr sehr schön wiederaufgebaut, dort kannst du aus jedem Haus die Ausstrahlung einer langen Geschichte beobachten, und doch die gesellschaftliche Realität der Gegenwart und der Zukunft erkennen, dass die Polen die Geschichte dieses Ortes weiterschreiben und das ist in Ordnung, denn sie pflegen die Geschichte des Ortes, wie es sich als verantwortliche Einheimische gehört. Selbiges findet man in ganz Oblast Kaliningrad nicht.

Zu Punkt 2:

Balten sind keine Slawen, die „Verbindung“ zu den Slawen
endete vor ca. 3200 Jahren. Sie endwickelten eine ganz eigene Sprache, die
verbale Stammbildung, die Personalpronomina, die Zählwörter, wie die Dualformen der Personalia ähneln der germanischen Sprache, aber auch aus dem finno-ugrischen Sprachraum gibt es viele Einflüsse. Natürlich gibt es auch große slawische Einflüsse
doch im Verhältnis, kann man hier nicht von einer homogenen Sprachegruppe mit Beeinflussung sprechen, sondern von einer eigenen Eigenart: den Balten. Die Kulturen und Sitten sind ebenso eigen.

 „nach neuesten genetischen Untersuchungen
sind Balten eben am engsten mit Russen verwandt“

Ach du heilige Scheiße… Das
einzige wo man in der Genetik Menschen unterscheiden kann, ist welche Pigmentierung und wie stark der Einfluss des Homo Neanderthalensis auf der DNA ist. Auch gibt es Regionale klein Anpassungen, wie z.B dass man gewisse Nahrung besser
verträgt, oder das man gegen gewisse Krankheiten besser geschützt ist. Alles in allem kann man sagen, wie stark der Einfluss der Region ist, im Sinne eines geographischen Standpunktes, aber dies auf die wissenschaftliche Eingliederung von Kulturgruppen anzuwenden bzw. auf Nationalitäten zeugt von einem klaren Desinteresse
sich des Themas zu belehren. Die Rassenlehre ist ein Armutszeugnis der Menschheit, gleich neben den heiligen Schriften. Bitte wende nie mehr so eine Pseudowissenschaft an.

Obgleich die Deutschen als Eroberer kamen, blieb die Bevölkerung die gleiche, sie wurde im Verlaufe von 750 Jahren sprachlich assimiliert, doch die Sitten blieben. Während meine Vorfahren
an den Prußenaufständen teilnahmen, so wurden ihre Nachfahren ganz normale Staatsbürger Preußens/ des Deustchen-Reichs. So ist Geschichte halt… Man kann daraus lernen, man kann daraus Urteilen, doch verurteilen, Klagen können nur die Betroffenen. Am Ende wurden wir Entwurzelt… unter dem Vorwand das unsere Vorfahren jenes und dieses gewesen seien.

Um deine Frage zu beantworten: Du.  

Punkt 3.

„Was du durch
Herumtranportieren von Gebeinen erreichen willst kann wohl nur jemand verstehen, der gerade in der Welt von astrusen "Blutsansprüchen" lebt.“

Nein, sondern Jemand der gerne ein Ort errichten würde,
welcher zu ehren Immanuel Kants Lehren erbaut werden sollte. Im Prinzip bräuchte man das Grab nicht, doch es wäre ein Anlass und würde den Fokus der Thematik allein dort hinziehen, wo durch es an Tief und vor allem an Bindung findet.

Antwort
von MarkusGenervt, 20

Also ich weiß leider nicht, wo das in Kants Geständnis steht und nicht mal ob es dort steht.

Allerdings würde ich mal vermuten, dass alleine schon Dein Vorschlag, einer Umbettung seines Grabes, eben gerade den Nährboden für Hasspropaganda bietet.

Kant ist tot. Sein Leichnam – so denn noch etwas davon übrig sei – hat nicht die geringste Bedeutung. Sehr wohl aber sein Vermächtnis.

Der Geist und Genius sind es, die zählten und nicht der Mensch oder sein Kadaver.

Die Russen/Sowjets haben damals die deutschen Gebiete erobert.
Davor sind die Deutschen plündernd, mordend und vergewaltigend in Russland eingefallen, mit der Absicht nichts und niemanden von "diesen Untermenschen" übrig zu lassen.

Die Deutschen haben es fast geschafft und dann haben sich die Russen gerächt. So war es.

Niemand hat sich in diesem Krieg durch besondere Besonnenheit, Rücksichtnahme oder Menschlichkeit ausgezeichnet. Das war der perverseste und abartigste Krieg aller Zeiten.

Es hat keinen Sinn, die alten Wunden wieder aufzureißen und einen neuen Krieg vom Zaun zu brechen.


Wenn Du das alte Königsberg betrauerst, dann solltest Du auch all die Städte und Dörfer auf russischer Seite betrauern, die die Deutschen damals dem Erdboden gleich gemacht haben.

Vorbei ist vorbei und kommt nie wieder.

Lass die Toten ruhen. Sie brauchen keinen Fürsprecher mehr. Sie haben es hinter sich.

Vielleicht wird man sich eines Tages wieder der wahren Vergangenheit besinnen. Doch bis dahin wird es noch eine ganze Weile brauchen.
Derzeit sind die Fronten auf allen Seiten noch viel zu sehr verhärtet.

Kommentar von MarkusGenervt ,

Ich habe noch einen Punkt vergessen:

Bevor die Deutschen darauf bestehen, das alte Königsberg – in einem inzwischen anderen Land – wieder aufzubauen, sollten wir Deutschen doch erst einmal auch dafür Sorgen tragen, dass Städte, wie Köln, Dresden, Essen, Hamburg oder Bremen, welche schon vorher im Krieg dem Erdboden gleich gemacht wurden, ebenfalls wieder zu rekonstruieren – hier im eigenen Land.
Diese Städte hatten auch eine wunderschöne alte Architektur und es ist so schade, dass auch hier kein Stein auf dem Anderen blieb.

Dass hier aus der Not heraus auf die Rekonstruktion verzichtet wurde, ist schon klar. Aber eben weil alles neu gemacht wurde, hat sich bis heute niemand gefunden, der diese Städte alle wieder zurück bauen möchte.

Wer soll das bezahlen?
Und wo sollen die ganzen Bewohner, Geschäfte und Einrichtungen hin?
Auch die gesamte Bundes-Infrastruktur müsste komplett über den Haufen geschmissen werden!

Obgleich Du Recht hast, dass es schade ist, um die alten Bauwerke, aber es gibt schon gute Gründe, warum man das Rad der Zeit nicht mehr zurück drehen kann und sollte.

Mal abgesehen davon, dass ich mir auch nicht vorstellen kann, in einem alten Fachwerkhaus zu leben, dessen Decke niedriger ist als ich selbst und die Fenster so wenig Licht rein lassen, dass man davon echt depressiv werden kann.  ;-)

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