Frage von hourriyah29, 23

Wo finde ich Infos/Beratung bezüglich Kurse geben , als Ärztin ohne Facharzt?

Hallo liebe Ratgebende!

Ich suche Informationen bezüglich rechtlicher Rahmenbedingungen, wenn ich als Ärztin Kurse (Bewegung, Entspannung) geben möchte (VHS, Altenheime, Fitnessstudios, Kliniken, Familienzentren).

Ich bin Ärztin mit Berufserfahrung vorwiegend im Bereich psychosomatische Reha.

Ich habe einen Abschluss "Tanztherapie Basics" der berechtigt "Tanz- und Bewegungstherapeutische Methoden" im eigenen Arbeitsfeld anzuwenden und Erfahrung im Anleiten von Entspannung.

Ich muss noch wissen... Was darf ich? Muss ich eine Privatpraxis eröffnen? Welche Versicherungen brauche ich? Wie sieht es aus mit Gema, weil ich Musik verwende? Was muss ich bei der Werbung beachten? Bei den Gebühren? Und bei der Buchhaltung?

Ärztekammer fühlt sich nicht zuständig (ich solle Facharzt machen), IHK ist nicht zuständig, Privatärztliche Vereinigung will mir keine Auskunft geben ob sie mich überhaupt beraten können, so lange ich nicht Mitglied bin, Arbeitsamt ist auch nicht zuständig.

Wer kann mir Tips geben?

LG, Hourriyah

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Antwort
von Dirk-D. Hansmann, 23

Die IHK wird das alles als freiberufliche Tätigkeit sehen und die kümmern sich eben nur um ihre Mitglieder. Gewerbetreibende. Ist aber auch nicht schlimm, weil was die im Bereich Unternehmensberatung so anstellen ist wirklich nicht lustig - Jedenfalls in meinen Augen.

Eine fachärztliche Ausbildung wäre eine persönliche Entscheidung. Für die Tätigkeit glaube ich nicht, dass die ausschlaggebend sein kann. Absichern sollte man meine Privatsicht natürlich. Für die Kontrolle der Ärzte ist doch sicherlich das Sozialministerium zuständig, wenn ich damit richtig liege, dann sollte man dort auch die Informationen telefonisch abklären können.

Allerdings sollte man dieses erst tun, wenn da mehr Klarheit in die Geschäftsidee gekommen ist. Mir ist die aus Sicht als Unternehmensberater noch unausgegoren.

Darum ist die Gema auch so lustig für mich, weil diese Frage so früh kommt. Eine Berufshaftpflicht hätte ich als wesentlicher empfunden. Gema ist aber in dem Sinne leicht. Spielt man öffentlich Musik, dann wollen die Geld. Nur meines Erachtens übertreiben die da. Denn wer kein Radio öffentlich laufen lässt und keine Musik von Musikern spielt, die von der Gema betreut werden, dann könnte es durchaus auf gema-frei hinaus laufen.

Machst Du beispielsweise selber Musik, also komponierst und spielst selber ein, dann kann gar nichts passieren. Das Problem wird im Einzelfall liegen. Was ohnehin ein Problem mit Urheberrechten ist. Kauft man eine CD, dann ist die Musik darauf nur für den privaten Anlass.

Offen gesagt verstehe ich nicht, dass Du mit einem Abschluss als Ärztin so ein Angebot machen willst. Das ist eigentlich eher was für Menschen mit Ergo-Therapie, Musiker, Heilerziehung oder solchen Hintergründen. Einfach weil Du so im Vergleich kein Geld verdienst. Da ist Krankenhausärztin vermutlich noch besser bezahlt. Außer im Praktikum.

Niedergelassen mit Privatpraxis oder mit kassenärztlicher Niederlassung sind ganz andere Einkommensmöglichkeiten.

Entsprechend würde ich die ganze Idee auch an Deiner Stelle verschieben.

VHS´en kann man unproblematisch kontaktieren. Da wird wohl auch niemand das ärztliche Standesrecht wegen dem Werbeverbot raus holen. In der Regel dürfen Freiberufler ja nur auf ihre Tätigkeit hinweisen, aber keine Werbung machen. Werbung wird hier zur Information abgegrenzt.

Entscheidend für viele Dinge, die Du hier wissen willst, wird die Einsortierung Deiner Tätigkeit sein. Jede Tanzschule vermittelt Bewegung. Erst wenn damit klare therapeutische Ziele verbunden werden, dann wird es haarig. Und geht es dabei um eine allgemeine übliche Verbesserung oder um eine Heilbehandlung oder Prävention? Dabei dürfte es auch von Interesse sein, ob man eine Art Gruppenunterricht veranstaltet und damit im Allgemeinen bleibt oder ob man individuelle Maßnahmen entscheidet.

Rechtlich am Einfachsten: Eigene Praxis und weitere Therapeuten zur Unterstützung mit rein. Dann ist klar, welche Pflichten zu erfüllen sind.

Dann lässt sich auch leicht klären, ob Du an die ärztlichen Tarife gebunden bist oder nicht. Denn die sind in der Gebührenordnung beschrieben. Sollte man da zu nahe ran kommen, dann wäre zu überlegen, ob man die TeilnehmerInnen unterschreiben lässt, dass sie auf die Anwendung der Gebührenordnung verzichten. Bei Steuerberatern ist das beispielsweise so, wenn die höhere Beratungssätze vereinbaren wollen, als sie in der Gebührenverordnung vorgesehen sind, dann wird der Mandant eben informiert: Jetzt wirds teurer. Da geht es. Müsste man aber noch einmal speziell für Dich klären.

Und Achtung, was ich auch wesentlich gut finde: Die Ärzte haben doch ein eigenes Versorgungswerk. Darauf zu verzichten wäre unklug, weil häufig die Leistungen auf dem freien Markt viel teurer sind. Und Vorsorge sollte man ja treffen.

Kann Dir leider nur grundsätzliche Antworten geben, wie guck in die Gebührenverordnung oder guck ins Gesetz. Alles andere ist schon eine Rechtsdienstleistung. Das wäre verboten, genauso, wie der Kneipenwirt keinem Gast eine Kopfschmerztablette abgeben darf.

Drücke Dir die Daumen und viel Erfolg.

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