Frage von lena261013, 37

Welche Wahrheitsverständnisse können im Hinblick auf religiöse Fragen angewendet werden?

Hallo :) Wir haben im Religionsunterricht eine Aufgabe bekommen die folgendermaßen lautet: "Erläutern Sie welche Wahrheitsverständnisse im Hinblick auf religiöse Fragen angewendet werden können". Kann mir einer helfen?

Liebe Grüße

Antwort
von JTKirk2000, 19

Ich würde es wie folgt beantworten: Was in Bezug auf Religionen wahr ist, und was nicht, hängt grundlegend davon ab, woran man glaubt. Es gibt in Bezug auf Religion keine im wissenschaftlichen Sinne gesicherten Beweise und daher kann man in Bezug auf Religion auch eigentlich nicht von Wissen, sondern nur von Glauben sprechen. 

Ob Du das allerdings für den Unterricht so verwenden solltest, ist jedoch fraglich, da es sehr darauf ankommt, ob Dein Religionslehrer jemand ist, der Religion, sei es eine bestimmte oder im Allgemeinen, für gesicherte Wahrheit ansieht, oder objektiv genug ist, anzuerkennen, dass es im Bereich der Religion nichts weiter als bestenfalls persönliche Erlebnisse gibt.

Ich selbst bin gläubig, weiß aber, dass man in Sachen Religion nie von Wissen sprechen kann, sondern bestenfalls von Glauben, welcher durch persönliche Erlebnisse bestärkt wurde, wie es auch bei mir persönlich der Fall ist.

Antwort
von OnkelSchorsch, 12

Versuche, den Begriff "Wahrheit" nicht als absolut eindeutig anzusehen. Unterscheide zwischen Wahrheit und Realität.

So können Aussagen durchaus wahr sein, auch wenn sie nicht der konkreten Realität entsprechen. Wenn wir etwa im AT lesen, wie Gott dem Volke Israel bei der Wanderung durch die Wüste Manna gab, so ist unschwer deutlich, dass dies vielleicht  keine historische Realität schildert. Es handelt sich um eine bildhafte Darstellung, eine symbolische Erzählung. Gott kümmert sich, er ist immer nahe, auch in der Not. Auch in der Not, wenn eine Situation nach einer großen Veränderung (hier: Auszug aus dem reichen Ägypten) scheinbar hoffnungslos ist, gibt es Auswege und Hoffnung. Oder wenn wir die Geschichte komplett symbolisch verstehen wollen, dann ist auch in der Leere, im Zustand der Nahrungslosigkeit, wobei Nahrung für Gottesnähe steht, doch Gott da, selbst bei größter Gottesferne ist Gott immer noch für uns da.
Und so mag die Geschichte zwar historisch nicht real sein, sie enthält aber doch Wahrheiten - spirituelle Wahrheiten.

Diese Unterscheidung zwischen historischer, konkreter Wahrheit und symbolischer, spiritueller (oder theologischer) Wahrheit zu begreifen, ist von entscheidender Bedeutung für das Verständnis religiöser Texte bzw "heiliger Bücher". Da hapert es in der Regel bei religiösen Fundamentalisten, die zu dieser Differenzierung nicht fähig sind. Und deshalb ist dies zu begreifen auch in der Gegenwart, gerade jetzt, in diesen Tagen, wichtig.

Antwort
von Ichthys1009, 12

Wahrheit in den Religionen

Judentum und Christentum

Altes Testament

Dem Ausdruck „Wahrheit“ entspricht im Hebräischen das Wort אֶמֶת (eh'-meth). Es ist stammverwandt mit amen (אָמַן ('aman))
und bedeutet so viel wie Verlässlichkeit, die unverbrüchliche
Tragfähigkeit einer Sache oder eines Wortes, die Treue von Personen.
Dieser hebräische Begriff ist damit stärker prozess- und
handlungsorientiert als das griechische aletheia (objekt- und
zustandsbezogen, vgl. Heideggers Verdeutschung zu "Ent-Bergung"). Im
zwischenmenschlichen Bereich hat der Begriff der Wahrheit eine enge
Beziehung zum Recht. Im religiösen Sinne ist Gott selbst die Quelle
aller Wahrheit: „Ja, mein Herr und Gott, du bist der einzige Gott, und deine Worte sind wahr“ (2 Sam 7,28 EU). Seine Worte und sein Tun sind die Gewähr unbedingter Verlässlichkeit: „Denn das Wort des Herrn ist wahrhaftig, all sein Tun ist verläßlich“ (Ps 33,4 EU). Auch die in der Tora niedergelegten göttlichen Gebote werden als „Wahrheit“ bezeichnet: „Deine Gerechtigkeit bleibt ewig Gerechtigkeit, deine Weisung ist Wahrheit“ (Ps 119,142 EU). Der Mensch soll sich an diese Wahrheit halten - schon im Interesse seines eigenen Lebens: „Denn wenn du dich an die Wahrheit hältst, wirst du bei allem, was du tust, erfolgreich sein“ (Tob 4,6 EU).

Neues Testament

Nikolai Nikolajewitsch Ge:

Was ist Wahrheit

(1890); Pontius Pilatus zu Jesus;

Joh

18,38 

EU

Im Neuen Testament wird der Wahrheitsbegriff vor allem bei Paulus und im Johannesevangelium theologisch bedeutsam.

Paulus tritt mit dem Anspruch auf, die Wahrheit zu verkündigen (2 Kor 4,2 EU). Wahrheit und Evangelium werden bei ihm gleichgesetzt. Die Wahrheit ist „Jesus“ (Eph 4,21 EU); es gilt, ihr zu gehorchen (Gal 5,7 EU). Liebe zur Wahrheit bedeutet gleichzeitig eine Absage an Ungerechtigkeit und Bosheit (2. Thess 2,10 ff EU) Paulus spricht in den Pastoralbriefen
auch von einer „Erkenntnis der Wahrheit“. Wahrheit wird bei ihm zum
Synonym für die Orthodoxie, die gegen falsche „Irrlehren“ verteidigt
werden muss.

Im Johannesevangelium ist der Wahrheitsbegriff stark christologisch konnotiert. Jesus spricht von sich als der „Wahrheit“. Er sagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ (Joh 14,6 EU).
Auch alle Worte, die Jesus gesprochen hat, sind Wahrheit. Die
Erkenntnis dieser Wahrheit, das Annehmen und Bleiben in dieser Wahrheit
führt zu „Freiheit“ und „Leben“ (Joh 8,31-32 EU). Diese Wahrheit setzt eine Empfänglichkeit der Menschen voraus, verlangt aber auch, dass sie sich im Tun bewährt (1 Joh 1,6 EU; 2,4 EU; 3,18 EU). Der Geist der Wahrheit (auch Heiliger Geist genannt) (Joh 14,17 EU; 1 Joh 5,7 EU) setzt das Heilswerk Christi fort (Joh 16,13 EU); er wirkt in den Jüngern weiter und führt sie, um gegenüber der Welt Zeugnis für Jesus Christus abzugeben (Joh 15,26-27 EU).

Das Johannesevangelium (Joh 18 EU)
berichtet, wie Jesus von Pilatus verhört wurde. Pilatus: „So bist du
dennoch ein König?“, Jesus: „Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin
dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit zeugen
soll. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.“ Pilatus
winkt ab: „Was ist Wahrheit?“
– Das Zitat wird auch als Hinweis auf die Beschränktheit der
menschlichen Erkenntnis gedeutet, die nur durch Glauben oder Offenbarung
überwunden werden kann.

Christliche Theologie

Allgemein

In der Geschichte der christlichen Theologie stand die Wahrheit des
christlichen Glaubens immer wieder im Zentrum heftiger Kontroversen.
Schon im Mittelalter wurde versucht, den Streit so zu schlichten, dass
man eine Theorie der „doppelten Wahrheit“
entwarf, nach der im subjektiven religiösen Glauben oder auch in der
wissenschaftlichen Theologie durchaus wahr sein kann, was in der
Philosophie falsch ist. Diese Auffassung wurde zwar auf dem 5. Laterankonzil 1513 als Irrlehre verurteilt. Aber die Frage nach der Einheit und Allgemeingültigkeit der religiösen Wahrheit wurde in der Reformation und Aufklärung
wieder aufgenommen. Die konfessionelle Glaubensspaltung, die
Emanzipation der Einzelwissenschaften von der traditionell beanspruchten
sachlichen Priorität der Theologie, die neuzeitliche Religionskritik
und die Konfrontation mit den Wahrheitsansprüchen anderer Religionen
sind die wichtigsten Faktoren, die in der Neuzeit zur Entstehung und
Erhaltung dieser Krise beigetragen haben.

In der modernen Religionsphilosophie wurde der Wahrheitsbegriff christlicher Theologien in unterschiedlichster Weise angegriffen, darunter:

Werden in der christlichen Glaubensrede überhaupt Aussagen mit einem

genuinen Wahrheitsanspruch formuliert? Oder handelt es sich hier nicht

vielmehr um sprachliche Äußerungen, die nicht beanspruchen können, etwas

auszusagen, was der Fall ist, sondern die Gefühle, Einstellungen und

Handlungsmaximen des Sprechers wiedergeben? (sog. Antirealismus, Nonkognitivismus, Emotivismus, Fiktionalismus oder Pragmatismus)

Falls religiöse Aussagen einen genuinen Wahrheitsanspruch erheben,

können sie dann in irgendeiner Form als wahr erkannt bzw. als wahr

erwiesen werden (Verifikations­problem)?

Letzterer Einwand setzt einen Verifikationismus voraus, wie er in der
ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts teilweise populär war, inzwischen
aber von vielen Wissenschaftstheoretikern abgelehnt wird. Beide Einwände
setzen voraus, dass religiöse Wahrheit nach dem Modell von
Aussagenwahrheit verstehbar sei. Diese Voraussetzung wurde in der
Theologie des 20. Jahrhunderts vielfach kritisiert. Unter Rückgriff auf
die alttestamentliche Bedeutung von „Wahrheit“ (אמת, emet) wurde
religiöse Wahrheit stattdessen beispielsweise als personale Begegnung
interpretiert oder (meist von Seiten lutherisch oder dialektisch
geprägter Theologie) als Ereignis verstanden, das geschieht, wenn das
Wort Gottes den Menschen im Glauben wahr macht. In der neueren
Religionsphilosophie wird die metaphilosophische Debatte über
realistische Interpretationen religiöser Überzeugungen und Aussagen
intensiv und kontrovers geführt. (sog. Theologischer Realismus oder Kritischer Realismus in der Religionsphilosophie)

Römisch-Katholische Kirche

Visualisierung der Wahrheitszuordnung nach Lumen Gentium

[68]

.

Die römisch-katholische Kirche erhob lange Zeit einen Absolutheitsanspruch
für die eigene religiöse Wahrheit und Heilsvermittlung. Diese Position
hat v. a. in der fundamentaltheologischen Diskussion der 2. Hälfte des
20. Jh. unterschiedliche Präzisierungen und Modifikationen erfahren.
Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil wird von offizieller Seite ein moderater Inklusivismus vertreten. Besonders in Nostra Aetate,
der Erklärung über die Haltung der Kirche zu den nichtchristlichen
Religionen, wird erklärt, dass die Menschen einzig in Christus, "der
Weg, Wahrheit und Leben" (Joh 14,6 EU)
ist, die Fülle des religiösen Lebens finden. Doch auch andere
Religionen haben Anteil am durch Christus unüberbietbar vermittelten
Heil, denn ihre Handlungs- und Lebensweisen können „nicht selten einen
Strahl jener Wahrheit erkennen lassen, die alle Menschen erleuchtet"[69].
Die Kirche sieht die Menschen auf verschiedene Weise der Wahrheit hin
zugehörend und zugeordnet: Zuerst "die katholischen Gläubigen, die
anderen an Christus Glaubenden und schließlich alle Menschen überhaupt,
die durch die Gnade Gottes zum Heile berufen sind."[68]

Der aktuelle Papst Franziskus[70] und sein Vorgänger, Papst Benedikt XVI.[71],
beschrieben Wahrheit als Beziehung der Menschen zu Gott, über die
jedoch niemand absolut verfügt, sondern die im Rahmen eines Weges immer
neu erschlossen werden muss.

Buddhismus

Der Mahayana-Buddhismus kennt das Konzept der zweifachen Wahrheit (satya-dvaya). Es wurde von Nagarjuna
eingeführt, um den erkenntnistheoretischen Stellenwert der Lehre
Buddhas zu klären. Da Nagarjuna wegen der logischen Aporien des
begrifflichen Denkens jedem Begriff eine deskriptive Gültigkeit
abspricht, entsteht das Problem, ob die Lehre Buddhas wahr ist. Für
Nagarjuna ist sie – verstanden als zutreffende Wirklichkeitsbeschreibung
– ebenso falsch wie alle anderen Systeme. Was im höchsten Sinne wahr (paramartha-satya) ist, lässt sich begrifflich nicht fassen. Doch ist die Lehre Buddhas relativ wahr (samvriti satya),
da sie zur überbegrifflichen Erkenntnis der höchsten Wahrheit hinführt,
wobei sie sich selbst aufhebt. Die Auffassung einer zutreffenden
Beschreibbarkeit der Wirklichkeit wird als Form des zu überwindenden
Anhaftens verstanden. Die buddhistische Lehre, die sich zunächst des
„anhaftenden“, das heißt begrifflichen Denkens bedient, ist das
geeignete Mittel für diese Überwindung.

Gemäß dem Konzept ist zwischen der „Wahrheit im höchsten Sinn“ (paramartha satya) und einer „relativen Wahrheit“ oder „Verhüllungs-Wahrheit“ (samvriti satya) zu unterscheiden.

Die „relative Wahrheit“ bezeichnet jegliche Form von begrifflich
gefasster Wahrheit, besonders aber die buddhistische Lehre, die zwar
deskriptiv unzutreffend, aber „relativ“ wahr ist, weil sie zur
Erkenntnis der höchsten Wahrheit führt. Diese ist hingegen weder
begrifflich fassbar, noch sprachlich artikulierbar. Sie ist jene in der
Erleuchtung zuteilwerdende, heilshafte Erkenntnis (prajña), zu der alle sprachliche, begriffliche Artikulation hinführen will.

Buddha Shakyamuni hat im Kalama-Sutta -Kâlâma Sutta (Anguttara Nikâya III. 66)- Folgendes zur Ermittlung von Wahrheit gesagt:

„Glauben Sie an nichts, nur weil Sie es gehört haben. Glauben Sie
nicht einfach an Traditionen, weil sie von Generationen akzeptiert
wurden. Glauben Sie an nichts, nur auf Grund der Verbreitung durch
Gerüchte. Glauben Sie nie etwas, nur weil es in Heiligen Schriften
steht. Glauben Sie an nichts, nur wegen der Autorität der Lehrer oder
älterer Menschen.


Aber wenn Sie selber erkennen, dass etwas heilsam ist und dass es dem
Einzelnen und Allen zugute kommt und förderlich ist, dann mögen Sie es
annehmen und stets danach leben.“

Kālāma Sutta Anguttara-Nikāya III, 66

[72]

In einer Lehrrede für seinen Sohn Rahula hat er ebenfalls auf die Bedeutung von Wahrheit hingewiesen.[73]

Quelle: Wikipedia

Antwort
von dompfeifer, 11

Die religiöse Wahrheit bemisst sich an der Trost und Angst erzeugenden Wirkung des Inhaltes.

Die empirische Wahrheit bemisst sich an den Tatsachen.

Die formal-logische Wahrheit bemisst sich an der Gültigkeit der Schlussfolgerung.

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