Frage von jaeckz, 70

(Wirtschafts-)Ingenieurwesen, Medizin/Psychiatrie/Psychologie oder doch Business Administration studieren?

Liebe gutefrage-Gemeinde,

vorab: Vielen Dank für's Lesen und Auseinandersetzen mit meinem etwas größerem Problem. Ich werde im Folgenden versuchen, mich kurz zu halten und meine Frage übersichtlich darzustellen.

Ich bin 17 und derzeit in der 12. Klasse und werde nächstes Jahr mein Abitur (G9) abschließen, eventuell im Einser-Bereich. Komme auf die Annahme, weil ich im ersten Semester durch viel Ehrgeiz 1,5 im Zeugnis hatte, was die Auswahl leider nicht vorteilhaft einschränkt.

Damit ihr ein Bild von mir erhaltet, stelle ich mich eben vor:

Ich interessiere mich für die Forschung, Weiterentwicklung, Etablieren neuer Technologien (Ingenieurwesen), andererseits auch für Psychologie (Kriminalpsychologie, Persönlichkeitspsychologie) und Medizin (Neurologie, Psychiatrie) und auch für den Beruf des Regisseurs (Ja.. Ich bin sehr entscheidungsfreudig. :) )

Kurze Erklärung dazu:

Ich filme seit ich denken kann, Medien haben mich immer interessiert, daher auch das Interesse an der Schnittstelle Informatik-Ingenieurwesen (habe mich früher vertieft mit dem Programmieren auseinander gesetzt, was dann irgendwann flöten gegangen ist). Irgendwann habe ich dann bemerkt, dass Medienberufe leider selten angemessen honoriert werden und da ich den Verdienst sehr hoch priorisiere, habe ich mich mit der Option zufrieden gegeben, dies als Hobby weiterzumachen (gibt schließlich viel Konkurrenz, viele, die sicherlich besser sind und das Risiko ist mir einfach zu hoch).

Ich habe in Psychologie ebenfalls meine Passion gefunden, hier wären es auch nicht nur 11 sondern 14 Punkte, auch einige Lektüren über diverse Thematiken privat zugelegt.

Auch könnte ich mir (erst kürzlich als Option dazugekommen) eine Zukunft als Unternehmer vorstellen, bin wie die meisten Führungspositionen nicht abgeneigt und strebe auch eine solche an, hier wäre auch die Frage, inwieweit sich da die einzelnen Studiengänge etwas nehmen. Der NC ist bei BA anscheinend sehr gering, was mich sehr skeptisch macht, aber das ist eine andere Frage.

Wirtschaftsingenieurwesen, weil es die Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Ingenieurwesen darstellt.

Durch zunehmende Auseinandersetzung mit der eigenen Zukunft kamen nun doch einige Zweifel über meinen genauen Werdegang auf, obwohl ich jahrelang der felsenfesten Überzeugung war, Informatik-Ingenieurwesen an der TU hier in Hamburg zu studieren, unter Umständen auch dual, um mir mit 11 Punkten in Mathe einen Arbeitsplatz sichern zu können, zumindest temporär (Stichwort: Mythos Fachkräftemangel).

Nochmal alles zusammengefasst:

Mein Hautproblem besteht darin, dass es nicht DEN Beruf gibt, sondern überall Abstriche gemacht werden.

Mathe 11 (Verständnis ist nicht sooo da, Neugier aber.), Psychologie 14 (Sehr interessantes Fach), Wirtschaft 13

Interessen: Neues Kreieren, "Analysieren";** Prioritäten**: guter Verdienst, Führungsposition Ich bin außerdem nicht an HH gebunden und habe bald ein Praktikum bei Lufthansa.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von flockey, 46

Hallo!

Tja, so ist das nach dem Abi - so viele Möglichkeiten!

Also, von dem was du hier schreibst, würde ich sagen, dass Wirtschaftsingenieurwesen am besten zu dir passt. Hier gibt es, je nach der Uni, für die du dich entscheidest, zahlreiche Vertiefungsfächer, so dass du deine vielfältigen Interessen (Informatik, Psychologie, Medien) mit einbauen kannst und dich durch dein individuelles Profil dann auch von anderen Bewerbern abheben kannst.
Du kannst ja da selber etwas Recherche betreiben und dich nach den angebotenen Schwerpunkten für eine Uni entscheiden. NC sollte in diesem Fach für dich ja auch kein Problem sein.

Ich lese heraus, dass du viel Wert auf einen sicheren Job nach dem Studium und eine "angemessene" Bezahlung legst. Auch diesen Aspekt sehe ich eher in der Wirtschaft erfüllt, als in der Forschung, weswegen du dich (meiner Meinung nach) auf wirtschaftsorientierte Studiengänge konzentrieren solltest.

Wichtig auch: durch ein solches wirtschaftsorientiertes Studium "verbaust" du dir ja keine Chancen. Entscheidest du nach dem Wirtschaftsingenieur-Bachelor, dass du doch lieber Psychologie machen möchtest, kannst du ja nen Wirtschaftspsychologie-Master o.Ä. draufsetzen. Wenn du dann doch lieber in der Forschung arbeiten möchtest, hast du immer noch alle Möglichkeiten offen, z.B. durch eine Doktorarbeit.

Jobchancen, Bezahlung, und Aussicht auf Führungsposition sind im Wirtschaftsingenieurwesen meiner Meinung nach am besten!

Was ich sagen will: die Studienwahl ist schwer, aber sie ist nicht endgültig und fest, und dein Bachelor regelt nicht automatisch, wie es beruflich in deinem Leben weitergeht. Deine Noten im Abi sagen übrigens auch rein gar nichts aus, wie gut du in dem Fach an der Uni mal sein wirst. Die Noten an der Schule sind meiner Meinung nach sehr subjektiv, wichtiger als deine Noten ist der Spaß am Fach. Ich war im Abi mit 9 P in Mathe nicht überragend, im Studium aber hab ich in höherer Mathematik sogar ne 1 vor dem Komma geschafft. Soviel dazu!

Außerdem: DEN perfekten Job, wie du ja schon schreibst, gibt es nicht. Ich finde, man "wurschtelt" sich halt so rein, du lernst während dem Studium und in Praktika schon Firmen und potenzielle Arbeitgeber kennen und dein endgültiges Aufgabenfeld ergibt sich dann sowieso erst, wenn du wirklich im Arbeitsleben angekommen bist.

Noch kurz zu deinen Optionen Medizin und Psychologie:

sind beides sehr interessante Studienfächer, aber sehr hoher NC (in Medizin wirst du auch mit 1,5 Schwierigkeiten haben).

Medizin: sehr anstrengend, viel auswendiglernen. Lange Studienzeit (12 Semester/6 Jahre) plus Assistenzarztzeit und Facharztausbildung. Bezahlung im Verhältnis zum Aufwand und zur Verantwortung nicht soooo toll. Du beschreibst ja jetzt auch nicht DIE große Leidenschaft für medizinische Fragestellungen, und wenn man die nicht hat, ist das Studium wirklich zäh.

Psychologie: kann dir nicht viel dazu sagen, da ich nicht so genau mit Arbeitsplatzsituation und Bezahlung auskenne. So wie du dich beschreibst, bringst du ja ein hohes Interesse auch an technischen Fragestellungen, so dass ich für dich das reine Psychologiestudium als etwas zu... "laberig" ansehe.

Was auch hilfreich ist: Die Unis haben auf ihren Internetseiten normalerweise immer einen Modulplan/Stundenpläne. Schau dich mal durch, und schau ob dich die Fächer interessieren. Oft ist man überrascht, was für Fächer in den Studiengängen gelehrt werden, Psychologie z.B. besteht in den ersten Semestern zu einem riesigen Anteil aus Mathe und Statistik.

Kommentar von jaeckz ,

Hey flockey,

vielen Dank erstmal für deine sehr ausführliche Antwort, die eingebrachten Tipps und deine Geduld! :) Bin ehrlich gesagt für jeden mir angebotenen Strohhalm dankbar. 

Medizin diente primär nur als Option, damit ich, nach erfolgreicher Meisterung der NC-Hürde, eben nicht soviel Konkurrenz habe.Klingt dämlich, ist mir aber relativ wichtig. (Außerdem würde Psychologie sich nicht lohnen, wenn dann nur Psychiatrie?) 
Ich war beispielsweise erst gestern auf einem Seminar für Unternehmer: dort war jede Gruppe, ob nun alt oder jung etc., vertreten und das alles hat mich insofern abgeschreckt, als das praktisch jeder BWL oder BA studiert und (komischerweise, trotz scheinbar großer Bewerberflut?) auch jeder das Auswahlverfahren passiert. Es ist also mit gewissen Risiken verbunden und ehrlich gesagt will ich nicht umsonst nen guten NC haben, damit letztlich jeder zum Kontrahenten wird, oder wie siehst du das? 

Psychologie interessiert mich schon doch mehr als ich es jetzt hier angegeben habe. Nun ist es aber eben auch so, dass sich bei nem NC hier in HH die Frage der Effizienz aufwirft, weil es angeblich ähnlich wie bei Medizin läuft, viel aufgebrachte Arbeit und wenig Verdienst in Relation. 

Meine größte Angst ist tatsächlich die hohe Konkurrenz (sorry, dass ich mich da jetzt nochmal wiederholen muss) auch im Ingenieurwesen. Ich bin bei den Überfliegern im Leistungskurs, verstehe langsamer, bin aber engagiert. Letztlich läuft es dann trotzdem immer wieder darauf hinaus, dass diese praktisch nichts tun und ich schon mit Schulmathematik meine Probleme habe und dafür lernen muss. (Wobei Ersteres nur konkret beim aktuellen Thema der Fall ist; meistens zahlt sich das Pauken dann auch aus). 
Tut mir leid, falls ich da jetzt zu sehr drauf rumkauen sollte, aber große, renommierte Betriebe wie AIRBUS oder Lufthansa wollen eben die Überflieger. 
Außerdem, auch wenn ich gar kein Bock darauf habe, wurde mir von Lehrern Germanistik o.Ä. nahegelegt, weil sie die Begabung für Geisteswissenschaften in mir sehen. 

So, danke nochmal für die tolle Antwort! 

Gruß

Kommentar von flockey ,

Hey du,

ich weiß noch genau, wie es mir vor mittlerweile 5 Jahren ging, als ich das Abi in der Tasche hatte und nicht wusste, was ich studieren soll.

Konkurrenzgehabe findest du in allen Sparten. Ganz besonders auch bei den Medizinern. Das hat auch nix mit NC oder so zu tun. Studienfächer ohne NC sieben ihre Studenten dann halt durch Klausuren mit hohen Durchfallquoten aus. Der NC sagt auch nix darüber aus, wie schwierig oder anspruchsvoll das Studium ist, sondern einfach nur, wie "begehrt" es ist. Auf Grundschullehramt sind teils auch recht ordentliche NC's.

Wenn du dich mit ner Runde Ärzte unterhältst, wirst du auch feststellen, dass die alle Medizin studiert haben ;) In jedem Unternehmen braucht man eben mehrere Studierte, weswegen eben die Nachfrage nach Wirtschaftsingenieuren ungebrochen hoch ist.

Letztendlich solltest du dich frei machen von diesen ganzen Abwägungen und Nachdenken über etwaige Kontrahenten. Es geht um den Beruf, den du einen Großteil deines Lebens ausüben wirst - und der sollte dir vor allem Spaß machen. Wenn du jetzt einen Studiengang aussuchst, nur weil dir das Ansehen im Beruf, gutes Gehalt und Image gefallen, wirst du trotzdem nicht glücklich werden. Auch dieses zunehmende Konkurrenzgehabe unter den Studenten finde ich wirklich übel - habe auch schon erlebt, dass bewusst falsche Infos weitergegeben wurden, damit die anderen schlechter sind. Schlimm!! Davon wird die eigene Note nicht besser, und später im Bewerbungsverfahren wird der Job vor Allem an den vergeben, der sich am besten verkaufen kann und natürlich über Vitamin B ...

Ich finde, du hast deine Auswahl schon auf ein übersichtliches Maß eingeschränkt. Ich würde nun einfach diese Studiengänge googlen und anschauen, was die Unis so im Programm haben. In vielen Foren findest du Leute, die von ihrem Studium erzählen und dir ein realistisches Bild geben können.(z.B. studis-online) Nutze auch die Möglichkeiten der Unis, wenn diese z.B. nen Studieninfotag anbieten. Ich selbst habe auch mehrere Male schon auf diesen Infotagen Schülern unzählige Fragen beantworten können und ihnen erzählt, wie es eben so läuft und was sie erwarten können.

Du könntest auch dein Praktikum nutzen und dort einfach möglichst viele Leute fragen, was sie studiert haben und wo, und was sie dir für deine Karriereziele empfehlen könnten.

Es sagt zwar jeder, und ich wollte es damals auch nicht glauben - aber es stimmt: aber das Abi ist nix worauf man besonders stolz sein muss, nach deinem Studium kräht da kein Hahn mehr danach. Im Studium werden die Karten neu gemischt, und glaub mir, Lernen fürs Abi wird dir wie Ferien vorkommen im Studium!

Wenn du im Studium weiter so couragiert an die Sachen herangehst und so umsichtig bist, kann doch eigentlich nicht mehr so viel schief gehen =)

Antwort
von bingo00, 47

So, ich bin so ziemlich wie hier beschrieben. Ich kann dir kaum weiterhelfen...merke mir aber diese Frage zum später nachlesen durch dieses Kommentar hier vor :)

Kommentar von jaeckz ,

Hey,

würde trotzdem gerne mal wissen, wieso bei dir auch diese bilaterale Denkweise vertreten ist :D Dachte nämlich schon, ich sei der Einzige, der trotz Abi gerne Filmer wäre, zumindest bin ich das in meinem Umfeld. Vielleicht könnte man sich mal austauschen, würde gerne mal wissen, wie du da so ausgelegt bist und ob dir geringer Gehalt und viel Konkurrenz genauso zu riskant sind.
Hättest du vielleicht trotzdem einen Tipp für mich, mich irgendwie in eine Richtung zu festigen? 

Kommentar von bingo00 ,

Die Konkurenz ist echt gewaltig was das Medien-Segment angeht. Habe mich nun über 14 mal bei verschiedenen größeren TV-Unternehmen für eine Ausbildung zum Mediengestalter Bild und Ton beworben. Das Maximum was ich dabei bisher erreichen konnte war ein Vorstellungsgespräch (und irgendwas über 8 Aufnahmetests...) Kann mir mittlerweile nun auch ganz gut vorstellen ins Unternehmertum zu gehen oder erstmal in die absolute Selbständigkeit und mein Portfolio erweitern und/oder später dann eine eigene Agentur oder Produktionsfirma aufzumachen. Was das Gehalt angeht: Ich glaube später werde ich es bitter bereuen denn "falschen" Weg gegangen zu sein, aber wenn ich etwas machen sollte was mir gar nicht Spaß macht oder wo ich nur noch vor dem PC hocke und Bilianzen erstellen sollte...weiß auch nicht ob dass wahre ist. Gut möglich das ich auch für den Studiengang Internationale Kommunikation & Medien an meiner Traumhochschule angenommen werde...dann habe ich auch defintiv noch mehr Zeit neben (und auch für das Studium) Zeit um meine eigenen Dokumentationen und Kurzfilme mit Freunden zu drehen. Das ist bei mir so der aktuelle Stand ;-) Mal schauen was das Leben so bringen wird :)

Kommentar von bingo00 ,

Und für was und wie hast du dich nun entschieden?

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