Frage von CataleyaDavis, 109

Wirklich nur ein Problem in Franken/Bayern?

"Frägst du später deine Eltern, ob ich bei dir schlafen kann?" / "Warte, er frägt nur kurz den Lehrer."

Ist dieses fragst>>frägst-Problem nur bei mir hier in der Gegend vorhanden oder gibt es das über all? Ich meine, warum? Man sagt ja auch nicht frägen, sondern fragen... Zuweilen lässt mich sowas sehr aggressiv werden! :-) >

Antwort
von Deponentiavogel, 29

Das Verbum fragen ist seit Anbeginn des Deutschen, also schon seit althochdeutscher Zeit, ein schwaches Verb. Und das ist es bis heute geblieben. 

Die althochdeutsche Form sah so aus: frāgēn, im Präteritum frāgēta, woraus sich später fragte entwickelte.

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Dass man du frägst und er frägt sagt, hängt natürlich nicht mit einem Infinitiv namens frägen zusammen.

Es ist eine falsche Analogie zu dem starken Verbum tragen: ich trage – du trägst – er trägt – ich trug --> ich frage – du frägst – er frägt – ich frug.

Diese Analogie entsteht irgendwann im ausgehenden Mittelalter im Bereich von Thüringen und Obersachsen. Von dort schwappt sie auch ins heutige Plattdeutsche über, weshalb dort noch öfters das Pendant zu frug verwendet wird.

Welche Region liegt nahe Thüringen? Franken!

Es ist also gut möglich, dass sich die Umlautformen der 1. und 2. Person Singular im Ostfränkischen (und auch in anderen Dialekten) gehalten haben. 

_______

Solange es von genug Leuten verwendet wird, ist es richtig. Und wenn es ausschließlich innerhalb eines Dialekts benutzt wird, ist es zwar in der Standardsprache falsch, im Dialekt aber natürlich richtig.

Expertenantwort
von adabei, Community-Experte für Sprache & deutsch, 36

In Südbayern - wo ich herkomme - verwendet man diese Variante offensichtlich nicht, auch nicht im Dialekt.

Antwort
von Willy1729, 52

Hallo,

unser fragen geht laut Grimmschen Wörterbuch auf das gotische fraihnan (Präteritum: fragn) zurück, aus dem sich später ein frägen oder gar fregen (bei Hans Sachs) ableitete. Das ä hat sich im Raum nördlich der Donau erhalten, während sich in anderen Regionen das spätere a durchsetzte und teilweise das Präteritum frug entsprechend tragen, trug bildete.

Im Angelsächsischen begegnet uns frignan, Präteritum: frägn.

Du siehst: Das Wort frägen geht auf ältere Wurzeln zurück als das Wort fragen. Das a ist wahrscheinlich später aus einer Präteritumform auf das Präsens übertragen worden.

Herzliche Grüße,

Willy

Kommentar von Deponentiavogel ,

Also ich wusste bis dato nicht, dass das Gotische eine Vorstufe des Deutschen ist. 

Ein frägen hat es natürlich nie gegeben. Unser fragen geht auf ahd. frāgen (langes e) zurück.

Und was hat das Angelsächsische jetzt mit dem Deutschen zu tun?

Das ist zusammenhanglose Information.

Kommentar von Willy1729 ,

Dann laß uns doch an Deiner Weisheit teilhaben. 

Kommentar von Deponentiavogel ,

Weisheit will ich nicht verbreiten. Man kann aber versuchen, die Quellen zu verstehen, die man zu Rate zieht.

Schau dir meine Antwort an. 

Kommentar von Bswss ,

Nein, das ist  keine "zusammenhanglose Information", sondern sinnvolle Ergänzung. - Den Zusammenhang zwischen dem "Angelsächsischen" und der Geschichte der deustchen Sprache solltest Du im Übrigen WIRKLICH kennen!

Antwort
von MacWallace, 33

Hallo,

bei mir in der Gegend, Unterfranken, Landkreis Aschaffenburg, ist die Form mit "ä" wenig verbreitet. Ich persönlich kenne niemanden, der das so sagt.
Mit freundlichen Grüßen,
Dr Belx

Antwort
von Jersinia, 49

Das ist kein Problem, das ist Dialekt.

Machen die Pfälzer auch so.

Antwort
von car123k, 62

Ich kenne es auch . Gibt es nicht nur in Bayern. Dialekt ist die eine Sache. Grammatik die andere.

Kommentar von Deponentiavogel ,

Dialekt ist sogar höchst grammatisch. In der Standardsprache geht man beim Sprechen nicht immer so klug vor wie im Dialekt. 

Siehe: wegen des Spiels, als ob er brauchte, …

Antwort
von HansH41, 47

Auch wenn manche meinen, das sei Dialekt: die irren sich.

Es ist eine im Duden anerkannte Version. Beides ist möglich

er fragt oder er frägt

Kommentar von Bswss ,

DH, stimmt aber nicht ganz, lb. HansH41.

Der Duden nennt die Form "frägt" landschaftlich. Das heißt, sie kommt nur in begrenzten Regionen vor.

http://kommunikationsabc.de/2011/11/28/wer-nicht-fraegt-bleibt-dumm/

(Also z.B. in der Kurpfalz und in Teilen Frankens.)

Dagegen sagt der Duden, dass es z.B.  sowohl "du backst" als auch "du bäckst" gibt (also ohne die Bezeichnung "landsch."), und auch die Vergangenheitsform "buk" wird vom Duden nicht als "landsch." markiert.

"frägst" isl also weniger anerkannt als "bäckst".

Kommentar von Deponentiavogel ,

Es braucht aber niemand interessieren, was eine Firma anerkennt und was nicht.

Kommentar von Bswss ,

Der Duden ist keine "Firma".  Man kann der DUDEN-Redaktion gegenüber natürlich kritisch sein, doch bleibt doch die Tatsache, dass in der Regel diese SprachWISSENSCHAFTLER sehr gute Arbeit machen.

Auch Deine Pauschal-Verurteilung der "Rechtschreibreform" (die ja nur eine Reförmchen war), finde ich unpasssend.

Kommentar von HansH41 ,

Ich werde mich bessern, falls du mich fragst.

Kommentar von Bswss ,

Musst Du nicht, brauchst Du nicht.  You're good enough. Gruß, Bswss

Antwort
von HansH41, 26

Aus dem Duden kann man auch lernen, dass die Version "fräg" das ursprüngliche Deutsch ist.

mittelhochdeutsch vrāgen, althochdeutsch frāgēn, frāhēn

Kommentar von Deponentiavogel ,

Wenn du etymologische Untersuchungen anstellst, dann lass lieber die Finger vom Duden.

Es gibt hier das Standardwörterbuch der deutschen Sprache (Grimms Deutsches Wörterbuch) und Kluges Etymologisches Wörterbuch.

Antwort
von Willibergi, 28

Weisch desch eifach nur a Dialekt, det komm schomma vor.

A wennsch inna Grammadig ni ganz rischtisch isch - desch muschu hinnehme.

Isch hädd a au gern, dass alle rischtisch Deutsch schpresche, aber desch isch nu ma so.

Im Norde vo Deutschland, da schpresche sie relativ gudes Hochdeutsch.

LG Willibergi 

Antwort
von kreuzkampus, 41

Wo ist das ein Problem? Wir leben in einem Land mit vielen Mundarten/Dialekten, und das ist gut so. Wenn Dich das "agressiv" macht (was ich für maßlos übertrieben halte!), dann musst Du z.B. nach Hannover ziehen. Wir sprechen das klarste Hochdeutsch.

Antwort
von kiniro, 18

Ich höre das auch leider ab und an von manchen Hessen.

Grausam - aber sowas von.

Ich verbuche das unter Dialekt.

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