Wird von jemand erwartet, dass er nach dem Studium alles gelernte perfekt beherrscht?

... komplette Frage anzeigen

6 Antworten

Ich habe auch Informatik studiert (bin jetzt am Ende des Masters) und nebenher auch gearbeitet. Dazu kann ich nur eines sagen: Ein guter Arbeitgeber weiß, was Du kannst bzw. dass Du "wenig" kannst. Er weiß aber auch, dass Du Dich schnell einarbeiten und dazulernen kannst.

Reale Einsatzsysteme haben phenomenal andere Größenverhältnisse als das, was man auf der Uni zu Gesicht bekommt. Auf der anderen Seite gibt es nur extrem wenige Unternehmen, welche die an der Uni erlenten Entwicklungsabläufe und Dokumentationstechniken wirklich gewissenhaft befolgen.

Ich habe, als ich zum arbeiten anfing, erstmal das Gefühl gehabt, als wäre ich ein totaler Vollidi***. Gleichzeitig haben mir aber alle Kollegen und auch der Chef immer wieder gesagt, dass ich einen super Job mache und mir am Anfang keine Gedanken machen soll. Gute zwei Monate habe ich gebraucht, bis ich den ersten Client, den ich bearbeiten sollte, ansatzweise verstanden hatte.

Irgendwann habe ich dann gemerkt, dass das allen so geht. Erst ältere, sehr erfahrene Mitarbeiter sind schneller und flexibler. Die meisten müssen sich überall erstmal lange reinkämpfen. In unserer Abteilung sitzt auch manchmal jemand zwei Wochen an einem Bug, der schlichtweg nur durch einen falschen Registry-Eintrag zustande kam. Auch das ist normal.

Was ich sagen will: ALLE kochen nur mit Wasser, JEDER kommt von der Uni wie Du.. und JEDE gute Firma sollte das wissen. Du kannst da selbstbewusst reingehen und sag Dir nicht: "Das kann ich nicht, das ist zu schwer." Das geht erstmal jedem so. Arbeite Dich ein, nimm Dir diese Zeit und lerne an den Stellen weiter. Die Phase, in der die Routine zuschlägt und Du immer wieder an gleichen, nervigen Problemen rumsitzt, kommt früh genug :D

Grüße, Tailor

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von h0pe123
05.08.2016, 12:38

Hey erst mal vielen Dank für Deine Antwort, das hat mir echt Mut gemacht!
Das mit dem sich vorkommen wie ein Vollidi*** kann ich gut nachvollziehen, so kam ich mir die letzten Tage vor, als ich über diese ganze Situation nachgedacht habe.
Bin einfach froh und erleichtert zu hören, dass sich meine Befürchtungen nicht bewahrheiten.

0

Du wirst trotzdem noch bei deinem zukünftigen Arbeitgeber eingearbeitet. Die Systeme sind bei den verschiedenen Arbeitgeber ja auch unterschiedlich. Es gibt wahrscheinlich viele Sachen, die andere schon vorbereitet haben, mit denen du dann weiterarbeiten kannst. Es gibt vielleicht spezielle Abläufe und Richtlinien, die je nach Arbeitgeber unterschiedlich sind. Wahrscheinlich wirst du auch noch die eine oder andere Sache lernen müssen, die in deinem Studium nicht behandelt wurde.

Also du wirst nicht sofort ab dem ersten Tag ins kalte Wasser geschubst. Bei den meisten Arbeitgebern hat man ja eh ein halbes Jahr Probezeit. Wenn der Arbeitgeber gegen Ende der Probezeit mit dir zufrieden ist, wirst du normalerweise auch übernommen. So, wie ich es bisher mitbekommen habe, ist es den Arbeitgebern lieber, wenn die Studenten nicht großkotzig behaupten, dass sie schon alles können, sondern sich trotzdem noch das eine oder andere beibringen lassen.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Es gibt Tatsachen die kannst du nicht mit "Noten" festhalten. Der Inhalt der dir während deines Studiums etwas Schildert und erklärt, der ist wichtig zu verstehen, bis du davon überzeugt bist es richtig verstanden zu haben. Erfahrungen sammelt der Mensch in der Praxis.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Den meisten Arbeitgebern ist klar, dass es einen Unterschied zwischen Theorie und Praxis gibt, dass das Studium meist eher theoretisch ausgelegt ist und man eine Weile braucht, sich in der Praxis warmzulaufen.

Aber die Theorie, also das, was man im Studium gelernt hat, sollte man schon beherrschen. Vielleicht nicht alles bis ins letzte Detail, aber die Sachen, die für den neuen Job relevant sind (was das ist, findest du erst nach dem Studium heraus). Zudem sollte man während des Studiums auch gelernt haben, sich selbstständig in neue Themen einzuarbeiten.

Die Uni ist nicht mehr wie die Schule, wo man einen Großteil des Stoffes nach der Prüfung wieder vergessen kann. Wenn du ein Fach studierst, in dem du hinterher arbeiten willst, brauchst du zwangsweise dein Wissen aus dem Studium für die Ausübung deines Berufs.

Und die richtig schlechte Nachricht: Nur mit dem Wissen aus dem Studium wirst du nicht weit kommen.


Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Ein Studium ist eigentlich eher eine Bescheinigung die zeigt, dass du in der Lage bist, komplexe Themen zu verstehen und anzuwenden. Dass du aus dem ersten Semester nicht mehr alles zu 100% anwenden kannst, erwartet niemand.

Vielmehr ist es wichtig, dass du die Fähigkeit hast, die späteren Themen nach Einarbeitung und Wiederholung zu beherrschen. Denn das Lernen hört nach dem Studium keinesfalls auf, sondern fängt erst richtig an.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von TailorDurden
05.08.2016, 12:09

Das unterschreibe ich so. Seh ich ganz genauso.

0

Nein es wird nicht erwartet. Jeder Mitarbeiter hat immer die Chance und Zeit sich einzuarbeiten.

Du bist besser als du denkst.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Was möchtest Du wissen?